diff --git "a/data/en-de/tst2010/IWSLT.TED.tst2010.en-de.de.xml" "b/data/en-de/tst2010/IWSLT.TED.tst2010.en-de.de.xml" new file mode 100644--- /dev/null +++ "b/data/en-de/tst2010/IWSLT.TED.tst2010.en-de.de.xml" @@ -0,0 +1,1672 @@ + + + + + http://www.ted.com/talks/tom_wujec_build_a_tower + TED Talk Subtitles and Transcript: Tom Wujec präsentiert einige überraschend tiefe Einblicke in die Forschung zum "Marshmallow-Problem" - eine einfache Team-Bildungsaufgabe, die trockene Spaghetti, ca. 1m Klebeband und einen Marshmallow beinhaltet. Wer kann mit diesen Zutaten den größten Turm bauen? Und warum überbietet eine überraschende Gruppe den Durchschnitt? + talks, business, collaboration, culture, design, entertainment, psychology + 837 + Tom Wujec: Baue einen Turm, forme ein Team + Regina Saphier + Thomas Schley + Vor einigen Jahren, hier bei TED, stellte Peter Skillman einen Design-Wettbewerb namens "Die Marshmallow-Herausforderung" vor. + Die Idee ist ziemlich einfach. Vierer-teams müssen die größtmögliche freistehende Struktur mit 20 Spaghetti, ca. 1m Klebeband, ca. 1m Faden und einem Marshmallow bauen. + Der Marshmallow muss oben drauf sein. + Und, obwohl es wirklich einfach scheint, ist es tatsächlich richtig schwer, weil es Leute drängt sehr schnell zusammenzuarbeiten. + Und so dachte ich, dass dies eine interessante Idee ist und ich habe es in einen Design-Workshop verwandelt. + Es war ein riesiger Erfolg. + Seitdem habe ich ungefähr 70 Workshops weltweit durchgeführt, mit Studenten, Entwicklern und Architekten, sogar mit CTOs der Fortune-50-Unternehmen und da ist etwas an dieser Aufgabe, was tiefe Eindrücke in die Natur der Zusammenarbeit ermöglicht und ich möchte einige davon mit Ihnen teilen. + Normalerweise starten die meisten Leute sich selbst bezüglich der Aufgabe zu orientieren. + Sie reden darüber, sie überlegen, wie es aussehen wird, sie rangeln um Macht, + dann investieren Sie ein wenig Zeit in Planung und Organisation. Sie skizzieren und legen Spaghetti aus. + Sie investieren einen Großteil ihrer Zeit in den Zusammenbau ständig wachsender Strukturen + und schließlich, kurz bevor sie keine Zeit mehr haben, nimmt jemand den Marshmallow und sie setzen ihn behutsam auf die Spitze, treten einen Schritt zurück und "Ta-da"! bewundern sie ihre Arbeit. + Was aber dann, fast immer, passiert ist, dass das "ta-da" zu einem "uh-oh" wird, weil das Gewicht des Marshmallows bewirkt, dass die ganze Sache sich verbiegt und einstürzt. + Es gibt eine Reihe von Leuten, die viel mehr "uh-oh"-Momente haben als andere, und unter den Schlechtesten sind frische BWL-Absolventen. + Sie lügen, sie schummeln, sie sind verwirrt und produzieren wirklich dürftige Gebilde. + Und natürlich gibt es auch Teams die viel mehr "ta-da"-Gebilde haben und unter den Besten sind frische Absolventen des Kindergartens. + Und das ist ziemlich erstaunlich. + Wie uns Peter erzählte produzieren sie nicht nur die höchsten Türme, sondern auch die interessantesten Strukturen von allen. + Was sie vielleicht fragen werden ist: Wie kommt das? Warum? Was ist mit denen? + Und Peter erzählt: "Keines der Kinder investiert Zeit darin Chef der Spaghetti GmbH zu sein". + Sie investieren keine Zeit in Machtkämpfe. + Es gibt aber noch einen weiteren Grund. + Und zwar, dass BWL-Studenten trainiert wurden, den einen richtigen Plan zu finden, ok! + Und ihn dann zu realisieren. + Was dann passiert, wenn sie den Marshmallow auf die Spitze packen, sie haben keine Zeit mehr und was passiert? + Es ist eine Krise. + Klingt vertraut, was? + Was Kindergartenkinder anders machen ist, dass sie mit dem Marshmallow beginnen und Prototypen bauen, erfolgreiche Prototypen, immer mit dem Marshmallow an der Spitze, so dass sie mehrfach die Möglichkeit haben baufällige Prototypen zu reparieren. + Konstrukteure erkennen diese Art der Zusammenarbeit als Kern eines iterativen Vorgangs. + Und mit jedem Versuch bekommen die Kinder unmittelbar Feedback was funktioniert und was nicht. + So ist die Leistung, mit Prototypen zu arbeiten, wesentlich - aber sehen wir einmal, wie verschieden Teams agieren. + Der Durchschnitt für die meisten liegt bei ca. 50cm, BWL-Studenten schaffen die Hälfte davon, Anwälte etwas mehr, aber nicht viel, Kindergartenkinder sind besser als die Erwachsenen. + Wer ist am erfolgreichsten? + Architekten und Ingenieure, zum Glück. + 1m ist das Höchste, was ich gesehen habe. + Und warum? Weil sie Dreiecke verstehen und sich-selbst-verstärkende geometrische Muster sind der Schlüssel um stabile Strukturen zu bauen. + CEOs liegen etwas über Durchschnitt. Aber hier wird es interessant. + Setzt man ein Exekutive Administrator auf dem Team, werden sie signifikant besser. + Es ist unglaublich. Sie sehen sich um und erkennen "Dieses Team wird gewinnen." + Sie können das vorhersagen. Warum geht das? + Weil sie spezielle Fähigkeiten der Prozessbegleitung haben. + Sie leiten den Prozess, sie verstehen ihn. + Und jenes Team, das regelt und auf die Arbeit achtet wird die Leistung des Teams signifikant verbessern. + Spezialisierte Fähigkeiten und Prozessfähigkeiten und deren Kombination führen zu Erfolg. + Wenn Sie 10 Teams haben, die typisch vorgehen, bekommen Sie ca. 6, die stabile Strukturen haben. + Ich versuchte nun etwas spannendes. + Ich dachte, bringen wir den Pokereinsatz gleich. + Also bot ich einen 10000 $ Preis an Software für die Gewinner. + Was glauben Sie passierte mit diesen Design-Studenten? + Was war das Ergebnis? + Das hier passierte. Nicht ein Team hatte eine stabile Struktur. + Falls irgendwer eine 2,5cm hohe Konstruktion gebaut hätte, hätte er den Preis nach Hause getragen. + Ist es also nicht interessant, dass hohe Wetteinsätze einen starken Effekt haben? + Wir wiederholten diese Übung mit denselben Studenten. + Was glauben Sie passierte nun? + Nun verstanden Sie den Vorteil des "Prototyping". + So wurde aus demselben, schlechten Team eines unter den besten. + Sie produzierten die höchste Konstruktion in der geringsten Zeit. + Es gibt somit tief-greifende Lektionen für uns, über die Natur von Antrieb und Erfolg. + Sie mögen fragen: Warum würde jemand tatsächlich Zeit investieren eine Marshmallow-Challenge zu kreieren? + Der Grund ist, ich helfe digitale Werkzeuge und Prozesse erstellen, um Teams zu helfen, Autos, Videospiele und "Visual Effects" zu erstellen. + Und was die Marshmallow-Challenge tut ist, sie hilft ihnen versteckte Annahmen zu identifizieren. + Denn offen gesagt, jedes Projekt hat seinen eigenen Marshmallow. + Die Herausforderung bietet eine gemeinsame Erfahrung, eine gemeinsame Sprache bzw. Grundhaltung, den richtigen Prototyp zu bauen. + Und dies ist der Wert dieser Erfahrung, dieser so einfache Übung. + Und jene von Ihnen, die es interessiert, können marshmallowchallenge.com besuchen. + Es ist ein Blog, wo man sieht, wie man die Marshmallows baut. + Es gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung dort. + Sie finden verrückte Beispiele aus aller Welt, wie Leute das System optimieren und raffinieren. + Es gibt ebenfalls Weltrekorde. + Und die basale Lektion, glaube ich ist, das Konstruktion tatsächlich ein verbindender Sport ist. + Es verlangt, dass wir alle unsere Sinne auf die Aufgabe richten und, dass wir unser Denken optimal verwenden, wie unsere Gefühle und unser Tun, in der Herausforderung, die vor uns liegt. + Und manchmal ist ein kleiner Prototyp dieser Erfahrung alles, was es braucht, uns von einem "uh-oh"- zu einem "ta-da"-Moment zu bringen. + Und das kann einen großen Unterschied machen. + Vielen Dank. + + + http://www.ted.com/talks/michael_specter_the_danger_of_science_denial + TED Talk Subtitles and Transcript: Behauptungen über Impfungen und Autismus, "Frankenfood"-Verbote, der Heilkräuter-Wahn: All das deutet auf die wachsende Angst der Öffentlichkeit von Wissenschaft und Vernunft, sagt Michael Specter. Er warnt, dass dieser Trend Unheil für den menschlichen Fortschritt bedeutet. + talks, global issues, medicine, religion, science, writing + 824 + Michael Specter: Die Gefahr der Wissenschafts-Leugnung + Annegret Krueppel + Martina Panzer + Tun wir so als hätten wir hier eine Maschine, + eine große Maschine, eine coole, TED-artige Maschine, und das ist eine Zeitmaschine. + Und jeder in diesem Raum muss hinein. + Und Sie können in die Vergangenheit gehen, Sie können in die Zukunft gehen; Sie können nicht im Hier und Jetzt bleiben, + Und ich frage mich, was Sie wählen würden, weil ich meinen Freunden in letzter Zeit häufig diese Frage gestellt habe, und sie wollten alle in die Vergangenheit gehen. + Ich weiß nicht. Sie wollten in die Zeit zurück, bevor es Autos gab oder Twitter oder "Amerika sucht den Superstar". + Ich weiß nicht. + Ich bin überzeugt, dass man irgendwie zur Nostalgie, zu Wunschdenken hingezogen ist. + Und das verstehe ich. + Ich bin nicht Teil dieser Gruppe, muss ich sagen. + Ich will nicht in die Vergangenheit, und das nicht, weil ich ein Abenteurer bin - + es liegt daran, dass Möglichkeiten auf diesem Planeten nicht zurück gehen, sie gehen vorwärts. + Ich will also in diese Maschine, und ich will in die Zukunft gehen. + Dies ist die großartigste Zeit, die es je auf diesem Planeten gab, egal, welchen Maßstab Sie anlegen: Gesundheit, Reichtum, Mobilität, Gelegenheiten, sinkende Krankheitsraten. + Es gab nie zuvor eine Zeit wie diese. + Meine Ur-Großeltern starben alle als sie 60 waren. + Meine Großeltern drängten diese Zahl auf 70. + Meine Eltern sind der 80 auf den Fersen. + Da sollte also besser eine neun am Anfang meiner Todeszahl stehen. + Aber es geht nicht mal um Leute wie uns, denn dies ist eine größere Sache als das. + Ein Kind, das heute in Neu-Delhi geboren wird kann erwarten, so lange zu leben wie der reichste Mann auf der Welt vor 100 Jahren. + Denken Sie darüber nach. Das ist eine unglaubliche Tatsache. + Und warum ist das so? + Die Pocken. Die Pocken haben Milliarden Leute auf diesem Planeten getötet. + Sie haben die Demografie der Erde auf eine Weise neu geformt, wie es kein Krieg je geschafft hat. + Sie sind weg. Sie sind verschwunden. + Wir haben sie bezwungen. Puff. + In der reichen Welt existieren Krankheiten, die Millionen von uns vor nur einer Generation noch bedroht haben, kaum noch. + Diphterie, Röteln, Kinderlähmung... + weiß überhaupt noch jemand, was das ist? + Impfstoffe, moderne Medizin, unsere Fähigkeit, Milliarden Menschen zu ernähren, das sind Erfolge der wissenschaftlichen Methode. + Und aus meiner Sicht ist die wissenschaftliche Methode, Sachen auszuprobieren, schauen, ob es funktioniert, es ändern, wenn es das nicht tut, eine der großartigsten Errungenschaften der Menschheit. + Das ist also die gute Nachricht. + Leider ist das schon die ganze gute Nachricht, denn es gibt ein paar andere Probleme, und sie wurden häufig erwähnt, + und eins davon ist, dass trotz all unserer Errungenschaften eine Milliarde Menschen auf dieser Welt jeden Tag hungrig zu Bett gehen. + Diese Zahl steigt, und sie steigt sehr schnell, und das ist beschämend. + Und nicht nur das, wir haben unsere Vorstellungskraft dazu genutzt, diese Welt gründlich zu verwüsten. + Trinkwasser, urbares Land, Regenwälder, Öl, Gas: Sie verschwinden, und zwar bald, und falls wir uns nicht aus diesem Chaos heraus-innovieren verschwinden wir auch. + Die Frage ist also: Können wir das tun? Ich denke schon. + Ich glaube es ist klar, dass wir Nahrung produzieren können, die Milliarden Menschen ernähren wird, ohne das Land, auf dem sie leben, zu vergewaltigen. + Ich denke, wir können diese Welt mit Energie versorgen, die sie nicht gleichzeitig zerstört. + Ich glaube das wirklich, und nein, das ist kein Wunschdenken. + Aber das hier hält mich nachts wach -- eines der Dinge, die mich nachts wach halten. Wir haben wissenschaftlichen Fortschritt noch nie so dringend gebraucht wie jetzt, noch nie, + und wir waren auch noch nie in der Lage, ihn vernünftig einzusetzten, so wie wir es heute können. + Wir sind an der Schwelle zu erstaunlichen, erstaunlichen Ereignissen auf vielen Gebieten. Und doch denke ich wirklich, dass wir hunderte, 300 Jahre vor die Aufklärung zurück gehen müssten, um eine Zeit zu finden, in der wir Fortschritt bekämpft haben, in der wir über diese Dinge heftiger getritten haben, an mehr Fronten als jetzt. + Die Leute hüllen sich in ihren Glauben, und zwar so eng, dass man sie nicht befreien kann. + Nicht mal die Wahrheit wird sie befreien. + Und hören Sie, jeder hat ein Recht auf seine Meinung; sogar ein Recht auf seine Meinung zum Fortschritt, + aber wissen Sie, worauf Sie kein Recht haben? + Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten. 'Tschuldigung, haben Sie nicht. + Und ich habe eine Weile gebraucht, um das herauszufinden. + Vor ungefähr einem Jahrzehnt habe ich einen Artikel über Impfungen für "The New Yorker" geschrieben, einen kleinen Artikel. + Und ich war erstaunt, auf Widerstand zu stoßen, auf Widerstand gegenüber dem, was am Ende die effektivste Maßnahme im Gesundheitswesen in der Geschichte der Menschheit ist. + Ich wusste nicht, was ich tun sollte, also tat ich einfach was ich immer tue, ich schrieb einen Artikel und fuhr fort. + Und bald darauf schrieb ich einen Artikel über gentechnisch veränderte Nahrungsmittel. + Die gleiche Sache, nur größer. + Die Leute spielten verrückt. + Also habe ich auch darüber einen Artikel geschrieben, und ich konnte nicht verstehen, warum die Leute dachten, das wäre "Frankenfood", warum sie glaubten, dass Moleküle auf eine bestimmte statt eine zufällige Art herumzuschieben einen Übergriff auf das Gebiet der Natur war. + Aber wissen Sie, Ich tue was ich tue. Ich schrieb den Artikel, ich machte weiter. + Ich meine, ich bin Journalist, + wir tippen, wir reichen ein, wir gehen essen, das ist okay. + Aber diese Artikel machten mir Sorgen, und ich konnte nicht herausfinden, warum, und schließlich fand ich es heraus. + Und das liegt daran, dass diese Fanatiker, die mich verrückt machten überhaupt gar keine Fanatiker waren. + Das waren umsichtige Leute, gebildete Leute, anständige Leute. + Sie waren genau wie die Leute in diesem Raum. + Und das brachte mich so durcheinander... + aber dann dachte ich, wissen Sie was, seien wir ehrlich: + Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir nicht das selbe Verhältnis zum Fortschritt haben wie früher. + Wir reden zwiespältig davon. + Wir reden ironisch davon, mit kleinen Anführungszeichen darum: "Fortschritt". + Okay, dafür gibt es Gründe, und ich denke wir wissen, welche Gründe das sind. + Wir haben das Vertrauen in Institutionen, in Autorität, und manchmal in die Wissenschaft an sich verloren, und es gibt keinen Grund, warum das nicht so sein sollte. + Man kann einfach ein paar Namen nennen und die Leute werden verstehen. + Tschernobyl, Bhopal, die Challenger, Vioxx, Massenvernichtungswaffen, die US-Präsidentschaftswahl 2000. + Ich meine, wissen Sie, Sie können ihre eigene Liste wählen. + Es gibt Fragen und Probleme mit den Leuten, von denen wir glaubten, dass sie immer recht hätten. Seien Sie also skeptisch. + Stellen Sie Fragen, verlangen Sie Beweise, verlangen Sie Belege. + Nehmen Sie nichts als gegeben hin. + Aber jetzt kommt's: Wenn Sie Beweise bekommen müssen Sie diese Beweise annehmen, und darin sind wir nicht gut. + Und ich kann das aus dem Grund sagen, dass wir jetzt in einer Epidemie der Furcht leben, wie ich sie noch nie gesehen habe und hoffentlich nie wieder sehen werde. + Vor ungefähr 12 Jahren wurde eine Geschichte veröffentlicht, eine schreckliche Geschichte, die die Autismus-Epidemie mit dem Masern, Mumps, und Röteln Impfstoff in Verbindung brachte. + Sehr furchteinflößend. + Haufenweise Studien wurden durchgeführt um zu sehen, ob das stimmte. + Haufenweise Studien sollten durchgeführt werden; das ist eine ernste Angelegenheit. + Die Daten kamen herein. + Die Daten kamen herein aus den USA, aus England, aus Schweden, aus Kanada, und sie waren alle gleich, keine Korrelation, keine Verbindung, gar keine. + Es macht keinen Unterschied. Es macht keinen Unterschied, weil wir an Anekdoten glauben, wir glauben, was wir sehen, was wir zu sehen glauben, was bewirkt, dass wir uns echt fühlen. + Wir glauben nicht an ein Bündel Dokumente von einem Regierungsangstellten, der uns Daten gibt, und ich verstehe das, ich denke, das tun wir alle. + Aber wissen Sie was? + Das Ergebnis davon war katastrophal, + katastrophal wegen dieser Tatsache: Die USA ist eines der einzigen Länder auf der Welt, in dem die Impfrate für Masern sinkt. + Das ist skandalös und wir sollten uns schämen. + Es ist schrecklich. + Was ist passiert, dass wir das tun konnten. + Nun, ich verstehe das. Das tue ich. + Denn hat hier jemand Masern? + Hat ein einziger im Publikum je jemanden an Masern sterben sehen? + Passiert nicht sehr oft. + Passiert in diesem Land überhaupt nicht, aber 160.000 Mal auf der Welt im letzten Jahr. + Das sind viele Tode durch Masern, 20 pro Stunde. + Aber weil das nicht hier passiert ist, können wir es verdrängen, und Leute wie Jenny McCarthy können herumlaufen und Botschaften von Angst und Analphabetismus von Plattformen wie Oprah und Larry King Live predigen. + Und das können sie machen, weil sie Ursache und Korrelation nicht verbinden. + Sie verstehen nicht, dass diese Dinge gleich zu sein scheinen, aber fast nie das Selbe sind. + Und das ist etwas, das wir lernen müssen, und zwar sehr schnell. + Dieser Typ war ein Held, Jonas Salk. + Er befreite uns von einer der schlimmsten Geißeln der Menschheit. + Keine Angst, keine Qualen, Kinderlähmung, puff, verschwunden. + Der Typ in der Mitte nicht so sehr. + Er heißt Paul Offit. + Er hat gerade mit ein paar anderen Leuten einen Rotavirus-Impfstoff entwickelt. + Er kann die Leben von 400-, 500.000 Kindern pro Jahr in den Entwicklungsländern retten. + Ziemlich gut, nicht? + Nun, das ist gut, abgesehen davon, dass Paul herumläuft und über Impfstoffe spricht und sagt, wie wertvoll sie sind, und dass die Leute einfach aufhören sollten zu jammern. + Und das sagt er tatsächlich so. + Paul ist also ein Terrorist. + Wenn Paul in einer öffentlichen Anhörung spricht, kann er nicht ohne bewaffnete Wächter aussagen. + Er bekommt Anrufe zu Hause, weil die Leute ihm gerne erzählen, dass sie wissen wo seine Kinder zur Schule gehen. + Und warum? Weil Paul einen Impfstoff gemacht hat. + Ich brauche das nicht sagen, aber Impfstoffe sind unentbehrlich. + Nimmt man sie fort, kehren die Krankheiten zurück, schreckliche Krankheiten, und das passiert gerade. + Wir haben in diesem Land jetzt Masern. + Und das wird schlimmer, und ziemlich bald werden Kinder wieder daran sterben, denn das ist nur eine Frage der Zahlen. + Und sie werden nicht nur an Masern sterben. + Was ist mit Kinderlähmung? Nehmen wir das. Warum nicht? + Eine Kommilitonin von mir hat mir vor ein paar Wochen geschrieben und gesagt sie glaubt ich bin ein bisschen zu schrill. + Niemand hat das je zuvor gesagt. + Sie würde ihr Kind nicht gegen Kinderlähmung impfen. Auf keinen Fall. + Fein. + Warum? Weil wir keine Kinderlähmung haben. Und wissen Sie was? + Wir hatten in diesem Land gestern keine Kinderlähmung. + Heute, ich weiß nicht, vielleicht stieg heute Morgen jemand in Lagos in ein Flugzeug und fliegt gerade nach Los Angeles, im Moment ist er über Ohio. + Und in ein paar Stunden landet er und mietet ein Auto, und er kommt nach Long Beach, und er wird eines dieser fantastichen TED-Dinner heute Abend besuchen. + Und er weiß nicht, dass er mit einer lähmenden Krankheit infiziert ist, und wir wissen das auch nicht, denn so funktioniert die Welt nun mal. + Das ist der Planet, auf dem wir leben. Tun Sie nicht so, als ob er das nicht ist. + Wir lieben es, uns in Lügen zu hüllen. Wir lieben das. + Haben Sie heute Morgen alle Ihre Vitamine genommen? + Echinacea, ein kleines Antioxidantium, das Ihnen auf die Sprünge hilft. + Ich weiß, dass Sie das gemacht haben, weil die Hälfte der Amerikaner das jeden Tag macht. + Sie nehmen das Zeug, und sie nehmen alternative Heilmittel, und es macht keinen Unterschied, wie häufig wir herausfinden, dass sie nutzlos sind. + Die Daten belegen das ständig. + Sie verdunkeln Ihren Urin. Mehr tun sie fast nie. + Das ist okay, Sie wollen gerne 28 Milliarden Dollar für dunklen Urin zahlen. + Ich stimme Ihnen völlig zu. + Dunkler Urin. Dunkel. + Warum machen wir das? Warum machen wir das? + Nun, ich glaube, ich verstehe - wir hassen die Pharmaindustrie. + Wir hassen eine zu starke Regierung. Wir haben kein Vertrauen ins System. + Und das sollten wir auch nicht. Unser Gesundheitssystem ist mies. + Es ist grausam zu Millionen von Leuten. + Es ist absolut erstaunlich kalt und seelentötend selbst zu uns, die es sich leisten können. + Wir laufen also davor weg, und wohin laufen wir? + Wir laufen in die Arme der Placebo-Industrie. + Das ist super. Ich liebe die Placebo-Industrie. + Aber wissen Sie, das ist wirklich eine ernste Angelegenheit, denn das Zeug ist Mist, und wir geben Milliarden Dollar dafür aus. + Und ich habe alle möglichen kleinen Requisiten hier. + Keins davon -- Gingko, Betrug, Echinacea, Betrug, Acai, da weiß ich nicht mal, was das ist, aber wir geben Milliarden Dollar dafür aus, es ist Betrug. + Und wissen Sie was? Wenn ich das sage, schreien mich die Leute an und sagen: "Was kümmert es Dich? Lass die Leute doch machen, was sie wollen. + So fühlen sie sich gut." + Und wissen Sie was? Sie haben Unrecht. + Weil es mir egal ist, ob es der Gesundheitsminister ist, der sagt: "Hmm, ich werde die Belege meiner Experten zu Mammographie nicht annehmen" oder irgendein Krebs-Quacksalber, der seinen Patienten mit Kaffe-Einläufen behandeln will. + Wenn Sie sich auf diesen Weg begeben, wo Glaube und Magie Belege und Wissenschaft ersetzen, gelangen Sie an einen Ort, an dem Sie nicht sein wollen. + Sie gelangen zu Thabo Mbeki in Südafrika. + Er brachte 400.000 seiner Leute um, weil er darauf bestand, dass rote Beete, Knoblauch und Zitronenöl viel effektiver als antiretrovirale Medikamente sind, von denen wir wissen, dass sie den Verlauf von AIDS bremsen können. + Hunderttausende unnötiger Tode in einem Land, das schlimmer als jedes andere von dieser Krankheit geplagt wird. + Sagen Sie mir bitte nicht, dass diese Dinge keine Konsequenzen haben. + Die haben sie. Die haben sie immer. + Nun, die hirnloseste Epidemie, in der wir uns gerade befinden, ist dieser absurde Kampf zwischen den Befürwortern gentechnisch veränderter Nahrungsmittel und der Bio-Elite. + Das ist eine idiotische Debatte. Sie muss aufhören. + Es ist eine Debatte über Wörter, über Metaphern. + Das ist Ideologie, nicht Wissenschaft. + Alles, was wir essen, jedes Reiskorn, jeder Zweig Petersilie, jeder Rosenkohl, wurde von den Menschen verändert. + Wissen Sie, es gab keine Mandarinen im Paradies. + Es gab keine Cantaloupe-Melonen. Es gab keine Weihnachtsbäume. Wir haben das alles gemacht. + Wir haben es in den letzten 11.000 Jahren gemacht. + Und manches davon hat funktioniert und manches nicht. + Wir sind losgeworden, was nicht funktioniert hat. + Jetzt können wir es genauer machen. Und natürlich gibt es Risiken. Aber wir können etwas wie Vitamin A in Reis tun, und das Zeug kann Millionen Menschen helfen, Millionen Menschen, ihr Leben zu verlängern. + Das wollen Sie nicht machen? + Ich muss sagen, das verstehe ich nicht. + Wir lehnen gentechnisch veränderte Nahrung ab. + Warum tun wir das? + Nun, was ich ständig höre ist: Zu viele Chemikalien, Pestizide, Hormone, Monokultur, wir wollen keine riesigen Felder mit einer Sache, das ist falsch. + Wir wollen nicht, dass Firmen Leben patentieren. + Wir wollen nicht, dass Firmen Samen besitzen. + Und wissen Sie, was meine Antwort auf all das ist? + Ja, Sie haben recht. Beheben wir das. + Es stimmt, wir haben ein riesiges Nahrungsproblem, aber das ist nicht Wissenschaft. + Das hat mit Wissenschaft nichts zu tun. + Es ist Recht, Moral, Patentkram. + Sie wissen, dass die Wissenschaft keine Firma ist. + Sie ist kein Land. + Sie ist nicht mal eine Idee; sie ist ein Prozess. + Sie ist ein Prozess, und manchmal funktioniert er und manchmal nicht, aber die Idee, dass wir der Wissenschaft nicht erlauben sollten, ihre Arbeit zu tun, weil wir Angst haben ist eine wirkliche Sackgasse, und sie hält Millionen von Menschen vom Aufblühen ab. + Wissen Sie, in den nächsten 50 Jahren werden wir 70 Prozent mehr Nahrung anbauen müssen als im Moment. 70 Prozent. + Diese Investition in Afrika in den letzten 30 Jahren. + Beschämend. Beschämend. + Sie brauchen das, und wir geben es ihnen nicht. + Und warum? Gentechnisch veränderte Nahrung. + Wir wollen Leute nicht ermutigen, dieses verrottete Zeug zu essen, wie zum Beispiel Maniok. + Maniok ist etwas, das eine halbe Milliarde Menschen essen. + Es ist etwa wie eine Kartoffel. + Es ist nur ein Bündel Kalorien. Es ist mies. + Es hat keine Nährstoffe, es hat kein Protein, und Wissenschaftler bauen all das gerade darin ein. + Und dann könnten die Leute das essen und würden nicht blind werden. + Sie würden nicht verhungern, und wissen Sie was? + Das wäre schön. Es wäre nicht Chez Panisse, aber es wäre schön. + Und alles, was ich dazu sagen kann ist: Warum bekämpfen wir das? + Ich meine, fragen wir uns: Warum bekämpfen wir das? + Weil wir keine Gene herumschieben wollen? + Es geht nicht darum, Gene herumzuschieben. Es geht nicht um Chemikalien. + Es geht nicht um unsere lächerliche Leidenschaft für Hormone, unser Beharren auf größerer Nahrung, besserer Nahrung, einzigartiger Nahrung. + Es geht hier nicht um Rice Krispies, es geht darum, Leute am Leben zu erhalten, und es wird höchste Zeit, zu verstehen, was das bedeutet. + Denn wissen Sie was? + Wenn wir das nicht tun, wenn wir so weiter machen wie bisher machen wir uns an etwas schuldig, an dem wir, glaube ich, nicht schuldig sein wollen, high-tech Kolonialismus. + Es gibt keine andere Beschreibung für das, was hier passiert. + Es ist selbstsüchtig, es ist hässlich, es ist unser nicht würdig, und wir müssen das wirklich aufhalten. + Nach dieser unglaublich lustigen Unterhaltung wollen Sie also vielleicht sagen: "Willst Du immer noch in diese lächerliche Zeitmaschine und in die Zukunft gehen?" + Auf jeden Fall. Das will ich auf jeden Fall. + Im Moment steckt sie in der Gegenwart, aber wir haben eine unglaubliche Möglichkeit. + Wir können diese Zeitmaschine auf alles stellen, was wir wollen. + Wir können sie hinbewegen, wo wir sie hinbewegen wollen, und wir werden sie dorthin bewegen, wohin wir wollen. + Wir müssen diese Unterhaltungen führen, und wir müssen nachdenken, aber wenn wir in die Zeitmaschine steigen und in die Zukunft gehen werden wir froh sein, das gemacht zu haben. + Ich weiß, dass wir es können, und soweit es mich betrifft ist das etwas, was die Welt jetzt braucht. + Danke. Danke. + + + http://www.ted.com/talks/robert_gupta + TED Talk Subtitles and Transcript: Robert Gupta, Violinist des Los Angeles Philharmonie Orchesters, spricht über eine Unterrichtsstunde, die er einst einem sehr begabten schizophrenen Musiker gab, und darüber, was er daraus gelernt hat. Anschließend spielt er seine ganz eigene Fassung des Präludiums aus Bachs Cello Suite Nr. 1. + talks, TED Fellows, brain, education, entertainment, live music, mental health, music, performance, violin + 805 + Robert Gupta: Musik ist Medizin, Musik ist geistige Gesundheit + Mareike Kaden + Wolf Ruschke + Als Steve Lopez, Kolumnist der Los Angeles Times, eines Tages durch die Straßen im Zentrum von Los Angeles ging, hörte er eine wundervolle Musik. + Sie kam von einem Mann, einem Afro-Amerikaner, sympathisch, rau, obdachlos, der auf einer Geige spielte, die nur noch zwei Saiten hatte. + Viele von Ihnen werden die Geschichte kennen, denn aus Steves Artikel darüber wurde später ein Buch, das wiederum verfilmt wurde, mit Robert Downey junior als Steve Lopez und Jamie Foxx als Nathaniel Anthony Ayers, dem Kontrabassisten, der am Juilliard-Konservatorium studierte und dessen vielversprechende Karriere tragischerweise früh durch seine paranoide Schizophrenie beendet wurde. + Nathaniel verließ Juilliard, erlitt einen Nervenzusammenbruch und 30 Jahre später lebte er als Obdachloser auf den Straßen von Skid Row im Zentrum von Los Angeles. + Ich empfehle Ihnen allen, Steves Buch zu lesen oder sich den Film anzusehen, damit Sie nicht nur die wunderbare Verbundenheit verstehen, die zwischen diesen beiden Männern entstanden ist, sondern auch, wie die Musik diese Verbindung herstellen half und wie sie schließlich das Instrument war, wenn dieses Wortspiel erlaubt ist, das mithalf, Nathaniel weg von der Straße zu kriegen. + Ich traf Mr Ayers im Jahre 2008, vor zwei Jahren, in der Walt Disney Concert Hall. + Er hatte gerade eine Vorführung von Beethovens Erster und Vierter Sinfonie gehört und kam hinter die Bühne, um sich mir vorzustellen. + Er sprach in einem sehr heiteren und geselligen Ton über Yo-Yo Ma und Hillary Clinton und darüber, wie die Dodgers es nie in die Baseball World Series schaffen würden. Und das alles wegen der tückischen Passage der ersten Geige im letzten Satz von Beethovens Vierter Sinfonie. + Wir kamen aufs Thema Musik zu sprechen. Und ein paar Tage später bekam ich eine E-Mail, in der stand, dass Nathaniel sich für Geigenunterricht bei mir interessierte. + Ich muss noch erwähnen, dass Nathaniel eine medizinische Behandlung ablehnte, denn er war bereits mit Elektroschocks und mit Thorazin und Handschellen behandelt worden, ein Trauma, das ihn sein ganzes Leben verfolgt hat. + Als Folge davon ist er jetzt besonders anfällig für diese schizophrenen Phasen. Die sind manchmal so schlimm, dass sie ihn zu zerreißen drohen und er tagelang verschwindet, in den Straßen von Skid Row herumwandert, immer diesem Horror und den Folterqualen seines eigenen Geistes ausgesetzt. + Und in genau so einem Reizstadium befand sich Nathaniel, als wir mit unserer ersten Unterrichtsstunde in der Walt Disney Concert Hall begannen. Er hatte dieses irre Flackern in seinen Augen und wirkte völlig verloren. + Er sprach über unsichtbare Dämonen und Rauch und darüber, wie ihn jemand im Schlaf vergiften wollte. + Ich hatte Angst, nicht meinetwegen, sondern ich hatte Angst, dass ich ihn verlieren könnte, dass er in einen seiner Zustände versinken könnte und dass ich ihm seine Beziehung zur Geige zerstören könnte, wenn ich anfing, über Tonleitern und Arpeggios und andere aufregende Formen der didaktischen Geigenpädagogik zu reden. + Ich fing also einfach an zu spielen. + Ich spielte den ersten Satz von Beethovens Violinkonzert. + Und während ich spielte, fiel mir auf, dass in Nathaniels Augen eine vollkommene Veränderung vor sich ging. + Es war, als ob er unter dem Einfluss einer unsichtbaren Arznei stand, eine chemische Reaktion, dessen Katalysator mein Spiel war. + Nathaniels manischer Zorn verwandelte sich in Verständnis, in eine ruhige Neugier und Anmut. + Und wie durch ein Wunder nahm er seine Geige und begann, nach Gehör einige Ausschnitte von Violinkonzerten zu spielen und bat mich dann, sie zu Ende zu spielen: Mendelssohn, Tschaikowski, Sibelius. + Wir fingen dann an, über Musik zu sprechen, angefangen von Bach über Beethoven, Brahms, Bruckner und all die anderen Bs, von Bartók bis hin zu Esa-Pekka Salonen. + Und mir wurde klar, dass er nicht nur ein enzyklopädisches Wissen über Musik besaß, sondern ihn mit ihr auch eine enge persönliche Beziehung verband. + Er sprach von ihr mit einer Leidenschaft und einem Verständnis, das ich sonst nur von meinen Kollegen in der Philharmonie von Los Angeles kenne. + Indem er Musik spielte und über Musik sprach, war aus diesem paranoiden, verwirrten Mann, der eben noch durch die Straßen von Los Angeles gezogen war, ein liebenswerter, gebildeter, ausgezeichneter, in Juilliard ausgebildeter Musiker geworden. + Musik ist Medizin. Musik verändert uns. + Für Nathaniel bedeutet Musik seelische Gesundheit. + Denn die Musik erlaubt es ihm, seine Gedanken und Wahnvorstellungen mit Hilfe seiner Vorstellungskraft und Kreativität in etwas Reales umzuformen. + Und so entflieht er seinen quälenden Zuständen. + Ich verstand, dass genau dies das Wesen der Kunst ist. + Genau dies ist der Grund, warum wir Musik machen: damit wir etwas, das in uns allen, tief im Inneren steckt, unsere Gefühle, durch unsere künstlerische Linse, durch unsere Kreativität zur Wirklichkeit formen können. + Und die Wirklichkeit jenes Ausdrucks erreicht uns alle, und bewegt, inspiriert und vereint uns. + Was Nathaniel anging, so brachte ihn die Musik zurück in eine Gemeinschaft von Freunden. + Die erlösende Kraft der Musik brachte ihn zurück in eine Familie von Musikern, die ihn verstand, die sein Talent erkannte und ihn achtete. + Und ich werde immer wieder mit Nathaniel musizieren, egal ob in der Walt Disney Concert Hall oder in Skid Row, denn er erinnert mich daran, warum ich Musiker geworden bin. + Vielen Dank. + Bruno Giussani: Vielen Dank. Danke. + Robert Gupta. + Robert Gupta: Ich möchte etwas spielen, das ich unverschämterweise den Cellisten gestohlen habe. + Ich hoffe, Sie verzeihen mir. + + + http://www.ted.com/talks/jane_mcgonigal_gaming_can_make_a_better_world + TED Talk Subtitles and Transcript: Spiele wie World of Warcraft geben Spielern die Möglichkeit, Welten zu retten und spornen sie dazu an, sich wie Helden zu verhalten. Was wäre, wenn wir die Energie dieser Spieler einsetzen könnten, um Probleme in der Realität zu lösen? Jane McGonigal meint, das können wir, und erklärt wie. + talks, computers, design, entertainment, gaming, global issues, play + 799 + Jane McGonigal: Videospiele für eine bessere Welt + Katja Tongucer + Isabell Otterbein + Ich bin Jane McGonigal. Ich entwerfe Computerspiele. + Ich entwickle jetzt seit 10 Jahren Online-Spiele. Und mein Ziel für das nächste Jahrzehnt ist, es genauso leicht zu machen, die Welt in der Realität zu retten, wie sie in Online-Spielen zu retten ist. + Ich habe einen Plan dafür. Ich möchte mehr Menschen überzeugen, einschließlich Ihnen allen, mehr Zeit mit dem Spielen größerer und tollerer Spiele zu verbringen. + Derzeit verbringen wir 3 Milliarden Stunden pro Woche mit Online-Spielen. + Einige von Ihnen denken vielleicht: "Das ist eine ganze Menge Zeit für Spiele." + Vielleicht etwas zu viel Zeit, wenn man bedenkt wie viele Probleme wir dringend in der realen Welt zu lösen haben. + Tatsächlich aber, meiner Forschung am Institut für die Zukunft zufolge, ist genau das Gegenteil zutreffend. + Drei Milliarden Stunden pro Woche sind nicht annähernd genug, um die dringendsten Probleme der Welt zu lösen. + Tatsächlich bin ich überzeugt, dass, wenn wir das nächste Jahrhundert auf diesem Planeten überleben wollen, wir diese Zeit drastisch erhöhen müssen. + Ich habe berechnet, dass die benötigte Zeit bei 21 Milliarden Stunden Spielzeit pro Woche liegt. + Das erscheint zuerst vielleicht etwas abwegig, also wiederhole ich es, damit es wirken kann: Wenn wir Probleme wie Hunger, Armut, Klimawandel, globale Konflikte und Fettleibigkeit lösen wollen, glaube ich, müssen wir versuchen, Spiele online für mindestens 21 Milliarden Stunden pro Woche + bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts zu spielen. Nein, ich meine es wirklich ernst. + Warum? Dieses Bild beschreibt ziemlich genau, + warum ich glaube, dass Spiele so unerlässlich für das Überleben der menschlichen Spezies in der Zukunft sind. Ernsthaft. + Dies ist ein Porträt des Fotografen Phil Toledano. + Er wollte die Gefühle beim Spielen einfangen. Also hat er vor den Spielern eine Kamera aufgebaut. + Dies ist einer der klassischen Ausdrücke beim Spielen. + Wenn Sie kein Spieler sind, entgehen Ihnen vielleicht einige der Nuancen in diesem Bild. + Sie sehen wahrscheinlich dieses Gespür für Dringlichkeit, etwas Angst, aber auch äußerste Konzentration, ganz vertieft in das Lösen eines echt schwierigen Problems. + Wenn Sie auch spielen, sehen Sie einige Nuancen hier, die nach oben gezogenen Augen und der Mund sind ein Zeichen von Optimismus. Die Augenbrauen zeigen Überraschung. + Dies ist ein Spieler, der am Rande eines sogenannten epischen Sieges steht. + Oh, Sie kennen das. OK. Prima. + Also haben wir einige Spieler hier. + Ein epischer Sieg ist ein Ergebnis, das so überaus positiv ist, dass Sie vorher gar nicht wussten, dass es überhaupt möglich war. + Es war beinah jenseits der Vorstellungskraft. Und wenn Sie es erreichen, sind Sie schockiert, + dass Sie tatsächlich zu so etwas fähig sind. Das ist ein epischer Sieg. + Dieser Spieler steht kurz vor einem epischen Sieg. + Und dies ist es, was wir auf Millionen Gesichtern von Problemlösern auf der ganzen Welt sehen müssen, wenn wir die Hürden des nächsten Jahrhunderts in Angriff nehmen. Das Gesicht derer, die entgegen aller Widrigkeiten am Rande eines epischen Sieges stehen. + Tja, leider sehen wir eher dieses Gesicht im echten Leben, wenn wir schwierigen Problemen begegnen. + Ich bezeichne es als das "In Leben bin ich schlecht"-Gesicht. + Und es ist tatsächlich mein Gesicht, sehen Sie? Ja? OK. + Das bin ich, wie ich das "In Leben bin ich schlecht"-Gesicht mache. + Dies ist ein Graffiti in meiner ehemaligen Heimat in Berkeley, Kalifornien, wo ich in meiner Doktorarbeit untersuchte warum wir in Spielen besser sind als im echten Leben. + Das ist ein Problem, das viele Spieler haben. + Wir denken, dass wir in der Realität nicht so gut sind wie in Spielen. + Und ich meine nicht nur weniger erfolgreich, obwohl das dazu gehört. + Wir erreichen in Spielwelten mehr. + Ich meine gut im Zusammenhang mit der Motivation, etwas Bedeutsames zu tun, inspiriert zur Zusammenarbeit miteinander. + Wenn wir in einer Spielwelt sind, glaube ich, dass viele von uns sich in unsere beste Version verwandeln, jederzeit und sofort hilfsbereit sind, hartnäckig das Problem zu lösen versuchen, so lange wie nötig, es nach dem Fehlschlag erneut probieren. + Und in der Realität, wenn wir versagen, wenn wir auf Hindernisse stoßen, fühlen wir uns oft anders. + Wir fühlen uns überwältigt. Wir fühlen uns besiegt. Wir fühlen uns bedroht, vielleicht deprimiert, frustriert oder zynisch. + Diese Gefühle haben wir nie, wenn wir Spiele spielen, in Spielen gibt es sie einfach nicht. + Und das ist es, was ich als Doktorandin untersuchen wollte. + Wieso ist es in Spielen unmöglich, zu denken, man könnte nicht einfach alles erreichen? + Wie können wir diese Gefühle aus den Spielen in die Realität übertragen? + Also schaute ich mir Spiele wie World of Warcraft an, das die ideale Umgebung zum gemeinschaftlichen Problemlösen bietet. + Und ich habe einige Dinge festgestellt, die epische Siege in Online-Welten so möglich machen. + Also, zuerst, wenn Sie in eines dieser Online-Spiele einsteigen, vor allem bei World of Warcraft, gibt es eine Menge verschiedener Charaktere, die bereit sind, Ihnen eine weltrettende Mission anzuvertrauen, und zwar sofort. + Aber nicht nur irgendeine Mission, sondern eine Mission, die perfekt zu Ihrem aktuellen Level im Spiel passt, richtig? + Also schaffen Sie das. + Sie bekommen niemals eine Aufgabe, die Sie nicht lösen können. + Aber immer am Rand Ihrer Fähigkeiten, also müssen Sie sich anstrengen. + Aber es gibt keine Arbeitslosigkeit in World of Warcraft. Man sitzt nicht herum und dreht Däumchen. Es gibt immer ganz gezielt etwas Wichtiges zu tun. + Und es gibt haufenweise Mitarbeiter. + Wohin Sie auch gehen, Hunderttausende von Leuten, die mit Ihnen zusammenarbeiten, um Ihre epische Mission abzuschließen. + Das haben wir im wahren Leben nicht so einfach, dieses Gefühl, dass bei einem Fingerschnipsen haufenweise Mitarbeiter bereit stehen. + Außerdem gibt es diese epische Geschichte, diese inspirierende Geschichte, warum wir da sind und was wir zu tun haben. Dann kriegen wir dieses ganze positive Feedback. + Sie haben bestimmt von "Level hoch" und "+1 Stärke" gehört oder "+1 Intelligenz". + Dieses konstante Feedback gibt es nicht im wahren Leben. + Wenn ich diese Bühne verlasse, habe ich nicht: +1 Sprechen und +1 verrückte Idee, +20 verrückte Idee. + Ich bekomme im wahren Leben dieses Feedback nicht. + Also, das Problem der Kooperations-Online-Welten wie World of Warcraft ist, dass es so befriedigend ist, jederzeit am Rande eines epischen Sieges zu stehen, dass wir lieber unsere ganze Zeit in diesen Spielwelten verbringen. + Sie sind einfach besser als die Realität. + Bis heute haben alle World of Warcraft-Spieler zusammen 5,93 Millionen Jahre damit verbracht, die virtuellen Probleme von Azeroth zu lösen. + Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. + Es klingt vielleicht übel. + Aber um es mal im Kontext zu sehen: Vor 5,93 Millionen Jahren begannen unsere ersten Primatenvorfahren aufrecht zu gehen. + Der erste aufrechte Primat also. + OK, also wenn wir darüber reden, wie viel Zeit wir derzeit mit Spielen verbringen, macht das nur Sinn, wann man sich die Zeit im Hinblick auf die Größenordnung der menschlichen Entwicklung vor Augen hält, was außerordentlich ist. + Aber auch angebracht. Denn es stellt sich heraus, dass wir, indem wir diese ganze Zeit aufs Spielen verwenden, tatsächlich das verändern, wozu wir als Menschen in der Lage sind. + Wir entwickeln uns zu gemeinschaftlich denkenden, herzlichen Wesen. + Das ist die Wahrheit. Daran glaube ich. + Betrachten Sie einmal diese interessante Statistik, die kürzlich von einem Forscher der Carnegie Mellon University veröffentlicht wurde: Der durchschnittliche junge Mensch von heute in einem Land mit starker Spielkultur verbringt 10.000 Stunden mit Online-Spielen bis zum 21. Lebensjahr. + Also, 10.000 Stunden ist eine äußerst interessante Zahl, aus 2 Gründen: + Zuerst einmal, für Kinder in den USA sind 10.080 Stunden die genaue Gesamtzeit, die sie in der Schule verbringen, von der 5. Klasse bis zum Abschluss der High School - wenn man niemals fehlt. Also haben wir hier einen kompletten + Parallelbildungsweg, auf dem junge Menschen genauso lernen, was es bedeutet, ein guter Spieler zu sein, wie alles andere, was sie in der Schule lernen. + Und vielleicht haben einige von Ihnen das neue Buch von Malcolm Gladwell, "Überflieger", gelesen. Also kennen Sie seine Theorie des Erfolgs, die Theorie des Erfolgs der 10.000 Stunden. + Sie basiert auf der großartigen Forschung der Kognitivwissenschaft, dass, wenn wir 10.000 Stunden mit dem mühsamen Studium eines beliebigen Themas bis zum 21. Lebensjahr verbringen, werden wir zu Meistern darin. + Wir werden so gut darin, was auch immer zu tun, wie die bedeutendsten Menschen der Welt. + Also, was wir hier haben, ist eine komplette Generation junger Menschen, die Meister-Spieler sind. + Die große Frage ist also: "Worin genau sind Spieler meisterhaft gut?" + Denn wenn wir das herausfinden könnten, hätten wir quasi vorher nie da gewesenes menschliches Potenzial zur Verfügung. + So viele Menschen haben wir derzeit in der Welt, die mindestens eine Stunde pro Tag mit Online-Spielen verbringen. + Dies sind unsere Meister-Spieler. 500 Millionen Menschen, die außergewöhnlich gut in "Etwas" sind. + Und im nächsten Jahrzehnt haben wir eine weitere Milliarde Spieler, die außergewöhnlich gut in was auch immer sind. + Falls Sie es noch nicht gehört haben, + die Spieleindustrie entwickelt Konsolen, die Energie sparen und auf Mobilfunknetzen arbeiten, statt dem Breitband-Internet, damit Spieler auf der ganzen Welt, besonders in Indien, China, Brasilien online spielen können. + Man erwartet eine zusätzliche Milliarde Spieler im nächsten Jahrzehnt. + Damit haben wir insgesamt 1,5 Milliarden Spieler. + Also habe ich angefangen, zu überlegen, was es ist, worin uns diese Spiele zu Meistern machen. + Hier sind die 4 Dinge die ich fand. Als Erstes: Dringlichkeits-Optimismus. + OK, stellen Sie sich das wie extreme Selbstmotivierung vor. + Dringlichkeits-Optimismus ist das Verlangen, sofort etwas zu tun, eine Hürde zu meistern, zusammen mit dem Glauben, dass wir eine begründete Hoffnung auf Erfolg haben. + Spieler glauben immer daran, dass ein epischer Sieg möglich ist, und dass es sich immer lohnt, es zu versuchen, und zwar gleich. + Spieler sitzen nicht herum. + Spieler sind Meister im Spinnen dichter sozialer Netze. + Es gibt eine Menge interessanter Untersuchungen, die zeigen, das wir Leute mehr mögen, nachdem wir mit ihnen gespielt haben, selbst wenn sie uns übel besiegt haben. + Der Grund dafür ist, dass es eine Menge Vertrauen erfordert, mit jemandem ein Spiel zu spielen. + Wir vertrauen darauf, dass jemand Zeit mit uns verbringt, dass die Regeln eingehalten werden, dass wir das gleiche Ziel haben und bis zum Spielende dabei bleiben. + Also ermöglicht das Zusammenspielen das Wachsen von Bindungen, Vertrauen und Miteinander. + Als Folge davon bauen wir stärkere soziale Beziehungen auf. + Glückselige Produktivität. Fantastisch! + Wissen Sie, es gibt einen Grund, warum der Durchschnitts-Word of Warcraft-Spieler 22 Stunden pro Woche spielt, sozusagen als Teilzeitjob. + Der Grund ist, dass, wenn wir spielen, sind wir tatsächlich glücklicher dabei, hart zu arbeiten, als wenn wir uns entspannen oder nichts tun. + Wir wissen, dass wir als menschliche Wesen optimal funktionieren, wenn wir harte, bedeutende Arbeit erledigen. + Und Spieler sind immer bereit, hart zu arbeiten, wenn sie die richtige Aufgabe erhalten. + Und letztendlich, epische Bedeutung. + Spieler lieben es, Teil Ehrfurcht gebietender Missionen planetarer Ausmaße zu werden. + Hier eine Hintergrundinformation, um das ins rechte Licht zu rücken. Sie kennen bestimmt alle Wikipedia, das größte Wiki der Welt. + Das zweitgrößte Wiki der Welt, mit fast 80.000 Einträgen ist das World of Warcraft Wiki. + Fünf Millionen Menschen benutzen es jeden Monat. + Sie haben mehr Informationen über World of Warcraft im Internet zusammengetragen als über irgendein anderes Thema in jedem anderen Wiki der Welt. + Sie erschaffen eine epische Geschichte. + Sie erschaffen eine epische Quelle des Wissens über die World of Warcraft. + OK, das sind also vier Superkräfte, die zu einem einzigen Ergebnis führen. Spieler sind super-mächtige, hoffnungsvolle Individuen. + Es sind Menschen, die glauben, dass sie als Einzelne die Welt verändern können. + Und das einzige Problem ist, dass sie glauben, sie können die virtuellen Welten ändern, aber nicht die reale. + Das ist das Problem, das ich zu lösen versuche. + Edward Castronova ist ein Volkswissenschaftler. + Seine Arbeit ist genial. Er untersucht, warum + Menschen so viel Zeit, Energie und Geld in Online-Welten verbringen. + Und er sagt: "Wir werden Zeugen von nicht weniger als einer Massenemigration in virtuelle Welten und Online-Spielumgebungen." + Und das von einem Ökonom. Also ist er logisch. + Und er sagt ... Nicht so wie ich ... ich entwickle Spiele, ich bin etwas überschwänglich. + Also er sagt, das ergibt tatsächlich Sinn, denn Spieler können in Online-Welten mehr erreichen als im echten Leben. + Sie können in Spielen stärkere soziale Bindungen knüpfen als im echten Leben. Sie bekommen mehr Rückmeldung und Belohnungen in Spielen als im echten Leben. + Also, er sagt, es ist derzeit vollkommen logisch, dass Spieler mehr Zeit in der virtuellen Welt als in der echten verbringen. + Ich stimme erst mal zu, das ist logisch. + Aber es ist definitiv keine Optimalsituation. + Wir müssen anfangen, die echte Welt in ein Spiel zu verwandeln. + Meine Inspiration kommt von einem Ereignis, das 2.500 Jahre zurückliegt. + Es gibt diese antiken Würfel, aus Schafsknöcheln. Wissen Sie? + Vor diesen fantastischen Spielecontrollern gab es Schafsknöchel. + Und das waren sozusagen die ersten von Menschen entwickelten Spielgeräte. Und wenn Sie mit den Werken des alten griechischen Historikers Herodotus vertraut sind, kennen Sie vielleicht diese Geschichte. Die Geschichte darüber, wie und warum Spiele erfunden wurden. + Laut Herodotus wurden Spiele, genauer Würfelspiele, im Königreich Lydien während einer Hungersnot erfunden. + Angeblich gab es eine solch große Hungersnot, dass der König von Lydien sich zu einer verrückten Idee entschloss. + Die Menschen litten. Die Menschen kämpften. + Es war eine extreme Situation. Man brauchte eine extreme Lösung. + Also erfanden sie, laut Herodotus, das Würfelspiel und vereinbarten eine nationale Strategie. An einem Tag würde man essen. Am nächsten Tag würde man spielen. + Und sie würden so sehr in das Würfelspiel vertieft sein, da Spiele so faszinierend sind und uns mit befriedigender, glückseliger Produktivität umgeben, dass sie vergessen würden, dass es nichts zu essen gab. + Und dann, am nächsten Tag würde man spielen. Und am nächsten Tag würde man essen. + Und laut Herodotus überlebten sie so 18 Jahre lang diese Hungersnot, indem sie an einem Tag aßen und am nächsten spielten. + Genauso, denke ich, setzen wir heute Spiele ein. + Wir setzen Spiele ein, um dem Leiden der echten Welt zu entkommen. Wir setzen Spiele ein, um allem zu entgehen, das in der echten Welt nicht funktioniert, allem das im echten Leben nicht befriedigend ist, und wir holen uns was wir brauchen aus den Spielen. + Aber das muss nicht das Ende sein. + Das ist das Spannende. + Laut Herodotus wurde nach 18 Jahren die Hungersnot nicht besser. Also beschloss der König, ein letztes Würfelspiel anzusetzen. + Sie teilten das Königreich in zwei Hälften. + Sie spielten ein Würfelspiel und die Sieger durften zu einem epischen Abenteuer aufbrechen. + Sie verließen Lydien und machten sich auf die Suche nach einer neuen Heimat. Sie ließen gerade so viele Menschen zurück, wie es Lebensmittel zum Überleben gab und suchten mit dem Rest nach einer Gegend, in der sie gedeihen konnten. + Das klingt verrückt, oder? + Aber neueste DNA-Beweise zeigen, dass die Etrusker, die später das römische Reich bildeten, die gleiche DNA wie die alten Lydier aufweisen. + Daher kamen Wissenschaftler kürzlich zur Auffassung, dass Herodotus' verrückte Geschichte tatsächlich stimmt. + Und Geologen fanden Beweise einer globalen Abkühlung, die fast 20 Jahre dauerte, was die Hungersnot erklären könnte. + Also könnte diese verrückte Geschichte stimmen. + Vielleicht haben sie tatsächlich ihr Volk durch Spielen gerettet, indem sie sich 18 Jahre lang in Spiele geflüchtet haben und dann diese Eingebung hatten und so viel über das Miteinander spielen lernten, dass sie dadurch die gesamte Zivilisation gerettet haben. + Also, das können wir auch. + Wir spielen seit 1994 Warcraft. + Das war das erste Strategiespiel in Echtzeit + der World of Warcraft-Serie. Das war vor 16 Jahren. + Sie spielten 18 Jahre lang Würfelspiele, wir spielen seit 16 Jahren Warcraft. + Ich behaupte, wir sind bereit für unser eigenes episches Spiel. + Also, sie schickten die Hälfte ihrer Zivilisation auf die Suche nach einer neuen Welt. Daher nehme ich meine 21 Milliarden Spielstunden pro Woche. + Wir sollten darin übereinkommen, dass die Hälfte von uns eine Stunde pro Tag mit Spielen verbringt, bis wir die Probleme der echten Welt gelöst haben. + Ich weiß, Sie werden fragen: "Wie lösen wir Probleme der echten Welt + in Spielen?" Und genau dieser Frage habe ich meine Arbeit in den letzten Jahren am Institut für die Zukunft gewidmet. + Wir haben dieses Banner in unserem Büro in Palo Alto, es drückt aus wie wir die Zukunft verstehen sollten. + Wir wollen nicht versuchen, die Zukunft vorher zu sagen. + Was wir wollen, ist die Zukunft zu schaffen. + Wir wollen uns das bestmögliche Ergebnis vorstellen. Und dann Menschen dazu ermächtigen, diese Vorstellung in die Realität umzusetzen. + Wir stellen uns epische Siege vor und geben Menschen die Möglichkeiten, sie zu erreichen. + Ich zeige Ihnen ganz kurz drei Spiele, die ich entworfen habe, um zu versuchen, Menschen epische Siege in ihrer eigenen Zukunft zu verschaffen. + Das hier ist "Welt ohne Öl." + Das Spiel ist von 2007. + Es ist ein Online-Spiel, in dem Sie eine Ölknappheit überwinden müssen. + Die Ölknappheit ist erfunden, aber wir haben genügend Online-Inhalte, damit es für Sie realistisch wird und Sie Ihr echtes Leben tatsächlich ohne Öl leben. Also, wenn Sie sich zum Spiel anmelden, sagen Sie uns, wo Sie wohnen. Und dann erhalten Sie Nachrichten-Filme in Echtzeit, die Ihnen zeigen, wie viel Öl kostet, was es nicht gibt, wie Nahrungsversorgung beeinträchtigt ist, + wie Transport beeinträchtigt wird, ob Schulen geschlossen sind, ob es Aufstände gibt. Und Sie müssen herausfinden, wie Sie Ihr echtes Leben gestalten, wenn es wahr wäre. Und wir bitten Sie, darüber zu bloggen, Videos oder Photos einzustellen. + Wir haben dieses Spiel mit 1.700 Spielern in 2007 getestet. Und wir haben sie seitdem über die letzten drei Jahre begleitet. + Und ich kann Ihnen sagen, es war eine verändernde Erfahrung. + Niemand möchte sein Leben ändern, weil es gut für die Umwelt ist oder weil wir es sollten. + Aber wenn Sie in einem epischen Abenteuer sind und gesagt bekommen: "Uns geht das Öl aus." + Das ist ein faszinierendes Abenteuer, auf das man geht. + Finden Sie heraus, wie Sie überleben würden. Die meisten unserer Spieler haben die im Spiel gelernten Gewohnheiten beibehalten. + Also haben wir uns für das nächste weltrettende Spiel ein größeres, höheres Ziel gesteckt als nur Ölknappheit. + Wir haben das Spiel "Superstruct" am Institut für die Zukunft entwickelt. + Ausgangspunkt ist die Berechnung eines Supercomputers, dass die Menschen nur noch 23 Jahre auf dem Planeten übrig haben. + Dieser Supercomputer heißt "Globales Aussterbungs- Sensibilisierungs-System", natürlich. + Den Aufruf an Spieler, sich anzumelden, haben wir fast wie einen "Jerry-Bruckheimer"-Film gestaltet. + Sie kennen Jerry Bruckheimer-Filme, wo es das "Dream-Team" gibt. Sie haben den Astronauten, den Wissenschaftler, den Ex-Sträfling und nur zusammen können sie die Welt retten. + Aber in unserem Spiel, anstatt von nur 5 Leuten, sagen wir, jeder ist im Dream-Team, und es ist unsere Aufgabe, die Zukunft für Energie, Nahrung, Gesundheit, Sicherheit und die Zukunft der sozialen Gerechtigkeit zu erschaffen. + 8.000 Spieler spielten das Spiel 8 Wochen lang. + Sie fanden 500 unglaublich kreative Lösungen, die Sie nachlesen können, wenn Sie "Superstruct" googlen. + Und das letzte Spiel bringen wir am 3. März heraus. Es ist ein Spiel in Zusammenarbeit mit der Weltbank. + Wenn Sie das Spiel abschließen, erhalten Sie von der Weltbank die Auszeichnung "Sozialer Umgestalter", Abschluss 2010. + Wir arbeiten mit Universitäten in ganz Schwarzafrika und laden sie ein, soziales Umgestalten zu lernen. + Wir haben ein Comic dazu. Wir haben "Level hoch" für regionales Verstehen, Wissensvernetzung, Nachhaltigkeit, Vision und Einfallsreichtum. + Ich möchte Sie alle einladen, dieses Spiel mit jungen Leuten zu teilen, überall auf der Welt, vor allem in Entwicklungsgebieten, die davon profitieren, sich zusammen ihre eigenen sozialen Unternehmungen vorzustellen, um die Welt zu retten. + Ich komme nun zum Ende. + Ich möchte Sie etwas fragen. + Was, glauben Sie, passiert als Nächstes? + Wir haben all diese fantastischen Spieler, wir haben Spiele, die uns zeigen, was wir tun können, aber wir haben die echte Welt noch nicht gerettet. + Tja, ich hoffe, dass Sie mir darin zustimmen, dass Spieler menschliche Ressourcen sind, die wir zur Arbeit im echten Leben einsetzen können, und dass Spiele eine große Bedeutung für Veränderung haben. + Wir haben diese ganzen Superkräfte, glückselige Produktivität, die Fähigkeit, enge soziale Netze zu knüpfen, Dringlichkeits-Optimismus und das Verlangen nach epischer Bedeutung. + Ich hoffe wirklich, dass wir zusammen bedeutende Spiele spielen, um auf diesem Planeten ein weiteres Jahrhundert zu überleben. + Und ich hoffe, Sie werden mit mir solche Spielen entwerfen und spielen. + Wenn ich ins nächste Jahrzehnt vorausschaue, bin ich mir bei zwei Dingen sicher: dass wir jede vorstellbare Zukunft erschaffen können, und dass wir alle möglichen Spiele spielen können. Also sage ich, lasst die weltverändernden Spiele beginnen! + Dankeschön. + + + http://www.ted.com/talks/eric_mead_the_magic_of_the_placebo + TED Talk Subtitles and Transcript: Zuckerpillen, Spritzen ohne Inhaltsstoffe - Studien zeigen, dass Placebos wirklich helfen, öfter als man erwarten würde. Bei TEDMED zeigt der Magier Eric Mead einen Trick, mit dem er beweisen möchte, dass man selbst dann, wenn man weiß, etwas ist nicht echt, genauso heftig darauf reagieren kann, als wäre es echt. + talks, entertainment, illusion, magic, medicine, science + 792 + Eric Mead: Die Magie des Placebos + Wolf Ruschke + Katja Tongucer + Seit einiger Zeit interessiere ich mich für den Placebo-Effekt. Es mag merkwürdig erscheinen, dass sich ein Magier dafür interessiert, es sei denn, Sie betrachten es so wie ich, als "eine Täuschung, die zu etwas Echtem wird, wenn jemand nur fest genug daran glaubt." + Mit anderen Worten, Zuckerpillen haben in einigen Studien eine messbare Wirkung gezeigt, den Placebo-Effekt, und zwar nur deswegen, weil die Person denkt, was mit ihr geschieht, sei eine pharmazeutische oder eine Art von ... Im Schmerzmanagement, zum Beispiel, gibt es, wenn der Patient nur fest genug daran glaubt, eine messbare Wirkung im Körper, die man den Placebo-Effekt nennt. + Eine Täuschung wird zu etwas Echtem, weil jemand es so wahrnimmt. + Damit wir uns gegenseitig auch verstehen, möchte ich Ihnen jetzt einen elementaren, ganz einfachen Zaubertrick zeigen. + Und ich werde Ihnen zeigen, wie er funktioniert. Das ist ein Trick, der mindestens seit den 1950ern in jedem Zauberbuch für Kinder steht. + Ich selbst habe ihn vom Cub Scout Magic der Pfadfinder in den 1970ern gelernt. + Ich werde ihn für Sie ausführen und ihn dann erklären. + Und dann werde ich erklären, warum ich ihn erkläre. + Also, sehen Sie, was passiert. + Das Messer, das Sie untersuchen können; meine Hand, die Sie untersuchen können. + Ich werde das Messer einfach so in meiner Faust halten. + Ich schiebe meinen Ärmel zurück. + Und um sicherzustellen, dass nichts in meinem Ärmel verschwindet oder aus ihm herauskommt, werde ich einfach mein Handgelenk genau hier zusammendrücken. + Auf diese Weise können Sie sehen, dass sich zu keiner Zeit irgendetwas bewegt. Solange ich hier zudrücke, kann nichts in meinen Ärmel wandern oder herauskommen. + Und das Ziel dabei ist ganz einfach. + Ich werde meine Hand öffnen, und hoffentlich, wenn alles gut geht, wird das Messer durch meinen bloßen körperlichen Magnetismus festgehalten. + Es sitzt tatsächlich so fest an seinem Platz, dass ich es schütteln kann, ohne dass das Messer herunterfällt. + Nichts wandert in meinen Ärmel oder kommt heraus, keine Trickserei. Und Sie können alles untersuchen. + Ta-da! + Nun, das ist ein Trick, den ich oft kleinen Kindern beibringe, die sich für Zauberei interessieren, denn man kann dabei sehr viel über Täuschung lernen, wenn man genauer hinsieht, obwohl es ein sehr einfach auszuführender Trick ist. + Vermutlich kennen viele von Ihnen hier im Saal diesen Trick. + Er funktioniert folgendermaßen: + Ich halte das Messer in meiner Hand. + Ich sage, dass ich mein Handgelenk umschließe, um sicherzustellen, dass nichts in meinem Ärmel verschwindet oder herauskommt, und das ist eine Lüge. + Der Grund, warum ich mein Handgelenk festhalte, ist der, dass darin das eigentliche Geheimnis der Illusion besteht. + In dem Moment nämlich, wo ich meine Hand von Ihnen wegdrehe, damit Sie sie von hinten sehen, bewegt sich dieser Finger hier, mein Zeigefinger, einfach von dort, wo er war, in eine Position, in der er so ausgestreckt ist. + Toller Trick? + Da hinten sitzt jemand, der keine Kindheit hatte. + Also, er befindet sich hier. Genau. + Und wenn ich mich umdrehe, ändert der Finger seine Position. + Und jetzt könnte man darüber reden, warum das eine Täuschung ist, warum man nicht wahrnimmt, dass hier unten nur drei Finger zu sehen sind: Weil der Verstand und die Art, wie er Informationen verarbeitet, sie nicht einzeln zählt, eins, zwei, drei, sondern sie als Gruppe sieht. + Aber darum geht es jetzt hier eigentlich gar nicht. Und dann öffne ich meine Hand. + Natürlich wird es dort festgehalten, aber nicht durch den Magnetismus meines Körpers, sondern durch einen Trick, durch meinen Zeigefinger, der jetzt dort ist. + Und wenn ich meine Hand schließe, passiert dasselbe, indem ich mich zurückdrehe, wird durch diese Bewegung verborgen, dass der Finger sich wieder zurückbewegt. + Ich nehme diese Hand weg. Und hier ist das Messer. + Diesen Trick können Sie Ihren Freunden und Nachbarn vorführen. Danke. + Nun, was hat das mit dem Placebo-Effekt zu tun? + Vor einem Jahr oder so, las ich eine Studie, die mich wirklich richtig umgehauen hat. + Ich bin kein Arzt oder Forscher, und deshalb war das für mich eine erstaunliche Sache. + Es hat sich nämlich Folgendes herausgestellt: Wenn Sie ein Placebo in Form einer weißen Pille anbieten, in der Form einer Aspirintablette, ist das einfach eine runde, weiße Pille, die einen bestimmten messbaren Effekt hat. + Aber wenn Sie die Form, in der Sie das Placebo verabreichen, zum Beispiel in eine kleinere Pille verändern, und diese blau färben und einen Buchstaben darauf prägen, ist sie tatsächlich messbar effektiver. + Und das, obwohl keine davon irgendeine pharmazeutische ... es sind bloß Zuckerpillen. + Aber eine weiße Pille ist nicht so gut wie eine blaue Pille. + Was? Das ließ mich wirklich ausflippen. + Es stellte sich aber heraus, dass das noch nicht alles ist. + Wenn man Kapseln nimmt, sind die noch wirksamer als Tabletten jeder Form. + Eine farbige Kapsel, die an einem Ende gelb und am anderen rot ist, ist besser als eine weiße Kapsel. + Auch die Dosierung spielt eine Rolle. + Eine Pille zweimal täglich ist nicht so gut wie drei Pillen - ich kann mich jetzt nicht an die genaue Statistik erinnern. Tut mir leid. + Das Entscheidende aber ist, ... + ... dass auch die Dosierungen eine Rolle spielen. + Und die Form spielt eine Rolle. + Und wenn man den ultimativen Placebo-Effekt haben möchte, muss man zur Nadel greifen. + Richtig? Eine Spritze mit einer wirkungslosen - ein paar Milliliter einer wirkungslosen Substanz, die man einem Patienten injiziert. + Das erzeugt ein sehr starkes Bild im Kopf. Das ist sehr viel stärker als eine weiße Pille. + Diese Grafik ist wirklich ... ich werde sie Ihnen ein anderes Mal zeigen, wenn wir einen Projektor haben. + Tatsache also ist, dass die weiße Pille nicht so gut wirkt wie die blaue Pille, die nicht so gut wirkt wie eine Kapsel, die nicht so gut wirkt wie die Nadel. + Und nichts davon hat irgendeine wirklich pharmazeutische Eigenschaft. Es ist nur unser Glaube daran, der in uns eine stärkere Wirkung erzielt. + Ich wollte wissen, ob ich diese Idee für einen Zaubertrick nutzen könnte. + Ich nehme etwas, das offensichtlich eine Täuschung ist, und lasse es echt aussehen. + Wir wissen ja aus jener Studie, dass man zur Nadel greifen muss, wenn es zur Sache gehen soll. + Dies ist eine 18 cm lange Hutnadel. Sie ist sehr, sehr spitz. Und ich werde sie zunächst ein kleines bisschen sterilisieren. + Das hier ist wirklich mein Fleisch. Es ist nicht Damians spezielles gezüchtetes Fleisch. + Das hier ist meine Haut. Das ist kein Spezialeffekt aus Hollywood. + Ich werde nun diese Nadel in meine Haut stechen und durch sie hindurch treiben, bis sie auf der anderen Seite wieder austritt. + Falls Ihnen übel wird - wenn Sie leicht in Ohnmacht fallen - ich habe das ein paar Freunden letzte Nacht im Hotelzimmer vorgeführt, und einigen Leuten, die ich nicht kannte, und dabei ist eine Frau fast ohnmächtig geworden. + Ich schlage also vor, wenn Ihnen schnell übel wird, dann schauen Sie für die nächsten 30 Sekunden weg. Oder, wissen Sie was, ich werde den ersten heiklen Teil hier hinten machen. + Sie können es gleich sehen, Sie können aber auch wegsehen, wenn Sie möchten. + Also, es geht so, genau hier, wo mein Fleisch anfängt, am unteren Teil meines Arms werde ich einfach einen kleinen Einstich machen. + Tut mir echt leid. Macht Sie das verrückt? + Und jetzt einfach ein kleines bisschen durch meine Haut und auf der anderen Seite so wieder heraus. + Jetzt sind wir eigentlich in der gleichen Situation, die wir beim Messertrick hatten. + Ungefähr. + Aber jetzt können Sie meine Finger nicht zählen, oder? + Also, werde ich Sie Ihnen zeigen. Das ist einer, zwei, drei, vier, fünf. + Nun ja, + ich weiß, was die Leute denken, wenn sie das sehen. + Sie sagen: "Okay, der ist bestimmt nicht so blöd und durchsticht sich selbst die Haut, nur um uns ein paar Minuten lang zu unterhalten." + Nun, dann werde ich es Ihnen zeigen. + Wie sieht das hier aus? Ziemlich gut. + Ja, ich weiß. Und die Leute hinten sagen: "Okay. Ich habe das nicht richtig gesehen." + Die Leute in den Nebenräumen kommen jetzt rein. + Lassen Sie es mich Ihnen aus der Nähe zeigen. + Das ist wirklich meine Haut. Das ist kein Spezialeffekt aus Hollywood. + Das ist mein Fleisch, und ich kann das herumdrehen. + Tut mir leid. Wenn Ihnen übel wird, schauen Sie weg, schauen Sie nicht hin. + Die Leute hinten oder die, die das später irgendwann einmal auf Video sehen, werden sagen, "Nun ja, das sieht ja recht eindrucksvoll aus, aber wenn es echt wäre, würde er - sehen Sie, hier ist ein Loch und dort, wenn es wirklich echt wäre, würde es bluten." + Okay, lassen Sie mich ein wenig Blut für Sie herausquetschen. + Ja, hier ist es. + Normalerweise würde ich jetzt die Nadel herausnehmen. + Ich würde meinen Arm säubern und Ihnen zeigen, dass da keine Wunden sind. + Aber ich denke, in diesem Rahmen hier und mit der Absicht, aus einer Täuschung etwas Echtes zu machen, werde ich die Nadel einfach da drin lassen und so von der Bühne gehen. + Wir werden uns in den nächsten Tagen noch ein paar Mal begegnen. + Ich hoffe, Sie freuen sich schon darauf. Vielen Dank. + + + http://www.ted.com/talks/dan_barber_how_i_fell_in_love_with_a_fish + TED Talk Subtitles and Transcript: Chefkoch Dan Barber nimmt Angriffsposition ein gegenüber einem Dilemma, das vielen Köchen heutzutage begegnet: Wie man Fisch auf der Speisekarte behält. Mit makelloser Forschung und trockenem Humor zeichnet er sein Streben nach einem nachhaltigen Fisch auf, den er lieben könnte -- und die Genießer-Flitterwochen, an denen er sich erfreut, seit er einen unerhört köstlichen Fisch gefunden hat, der mit einer revolutionären Anbaumethode in Spanien gezüchtet wird. + talks, agriculture, biology, environment, food, health + 790 + Dan Barber: Wie ich mich in einen Fisch verliebte + Carolin Siegert + Martina Panzer + Also ich habe in meinem Leben viele Fische gekannt. + Ich habe nur zwei geliebt. + Dieser erste, das war mehr wie eine leidenschaftliche Affäre. + Es war ein schöner Fisch, wohlschmeckend, gute Konsistenz, gehaltvoll, ein Bestseller auf der Speisekarte. + Was für ein Fisch. + Noch besser, er wurde in Aquakultur nach den angeblich höchsten Standards der Nachhaltigkeit gezüchtet. + Man konnte sich also wohl dabei fühlen, ihn zu verkaufen. + Ich hatte mit dieser Schönheit eine Beziehung über mehrere Monate. + Eines Tages rief der Chef der Firma an und fragte, ob ich bei einer Veranstaltung vortragen könnte über die Nachhaltigkeit der Farm. + "Natürlich", sagte ich. + Hier war eine Firma, die zu lösen versuchte, was dieses unvorstellbare Problem für unsere Köche geworden ist. Wie behalten wir Fisch auf unseren Speisekarten? + In den letzten 50 Jahren haben wir die Meere gefischt wie wir Wälder kahl geschlagen haben. + Es ist schwer, die Zerstörung zu überbewerten. + 90 Prozent der großen Fische, der, die wir lieben, die Thunfische, die Heilbutte, die Lachse, Schwertfisch, sie sind zusammengebrochen. + Es ist fast nichts mehr übrig. + Also wird wohl oder übel Aquakultur, Fischanbau, ein Teil unserer Zukunft sein. + Viele Argumente dagegen. Fischzuchtanlagen verschmutzen die Umwelt, die meisten von ihnen jedenfalls, und sie sind ineffizient, nehmen wir Thunfisch. Ein großer Nachteil. + Er hat eine Futterverwertung von 15 zu eins. + Das heißt, 15 Pfund Wildfisch sind nötig, damit man ein Pfund Zucht-Thunfisch bekommt. + Nicht sehr nachhaltig. + Schmeckt auch nicht sehr gut. + Also hier war endlich eine Firma, die versuchte, es richtig zu machen. + Ich wollte sie unterstützten. + Am Tag vor der Veranstaltung rief ich den Chef der Öffentlichkeitsarbeit für die Firma an. + Nennen wir ihn Don. + "Don", sagte ich, "nur um die Fakten richtig zu haben, ihr seid berühmt dafür, so weit draußen im Meer anzubauen, dass ihr die Umwelt nicht verschmutzt." + "Das stimmt", sagte er. "Wir sind so weit draußen, dass der Abfall von unserem Fisch verteilt wird, nicht konzentriert." + Und dann fügte er hinzu, "Wir sind im Grunde eine eigene Welt. + Diese Futterverwertung von 2.5 zu 1", sagte er. + "Die beste in der Branche." + 2.5 zu eins, großartig. + "2.5 zu eins was? Was füttert ihr?" + "Nachhaltige Proteine", sagte er. + "Großartig", sagte ich. Legte auf. + Und an diesem Abend lag ich im Bett und dachte: Was zur Hölle ist ein nachhaltiges Protein? + Also rief ich am nächsten Tag, kurz vor der Veranstaltung, Don an. + Ich sagte: "Don, was zum Beispiel sind nachhaltige Proteine?" + Er sagte, er wisse das nicht. Er werde nachfragen. + Nun, ich telefonierte mit ein paar Leuten in der Firma. Niemand konnte mir eine ordentliche Antwort geben. Bis ich endlich mit dem leitenden Biologen telefonierte. + Nennen wir ihn ebenfalls Don. + "Don", sagte ich, "was zum Beispiel sind nachhaltige Proteine?" + Nun, er erwähnte einige Algen und einige Fischmehle, und dann sagte er, Hühnchen-Pellets. + Ich sagte: "Hühnchen-Pellets?" + Er sagte: "Ja, Federn, Haut, Knochenmehl, Reste, getrocknet und zu Futter verarbeitet." + Ich sagte: "Wie viel Prozent eures Futters ist Hühnchen?", + in der Annahme von vielleicht zwei Prozent. + "Nun, das sind ungefähr 30 Prozent", sagte er. + Ich sagte: "Don, was ist nachhaltig daran, Hühnchen an Fische zu verfüttern?" + Es gab eine lange Pause in der Leitung und er sagte: "Es gibt einfach zu viel Hühnchen auf der Welt." + Ich entliebte mich von diesem Fisch. + Nein, nicht, weil ich ein selbstgerechter Genießer und Gutmensch bin. + Das bin ich sogar. + Nein, ich habe micht tatsächlich von diesem Fisch entliebt, weil, ich schwöre bei Gott, der Fisch nach dieser Unterhaltung nach Hühnchen geschmeckt hat. + Dieser zweite Fisch, das ist eine andere Art von Liebesgeschichte. + Es ist die romantische Art, die Art, bei der man, je besser man seinen Fisch kennen lernt, man den Fisch umso mehr liebt. + Ich habe ihn zuerst in einem Restaurant in Südspanien gegessen. + Eine befreundete Journalistin hatte seit langem von diesem Fisch gesprochen. + Sie hat uns gewissermaßen verkuppelt. + Er kam auf den Tisch mit einer hellen, fast schimmernden weißen Farbe. + Der Koch hatte ihn verkocht. + Halt zweimal. + Erstaunlicherweise war er immer noch köstlich. + Wer kann einen Fisch so gut schmecken lassen, nachdem er verkocht wurde? + Ich kann es nicht, aber dieser Typ kann es. + Nennen wir ihn Miguel. Tatsächlich heißt er Miguel. + Und nein, er hat den Fisch nicht gekocht und er ist kein Koch. Zumindest auf die Art, die Sie und ich darunter verstehen. + Er ist ein Biologe bei Veta La Palma. + Das ist eine Fischaufzucht in der südwestlichen Ecke Spaniens. + Sie ist nahe der Mündung des Flusses Guadalquivir. + Bis in die 1980er war die Farm in den Händen von Argentiniern. + Sie züchteten Fleischrinder auf dem, was im Grunde Feuchtgebiete waren. + Sie machten das, indem sie das Land entwässerten. + Sie bauten diese komplizierte Folge von Kanälen, und sie drängten Wasser aus dem Land heraus und hinaus in den Fluss. + Nun, sie konnten nicht bewirken, dass das klappte, nicht wirtschaftlich. + Und ökologisch war es eine Katastrophe. + Es brachte ungefähr 90 Prozent der Vögel um, was für diesen Ort viele Vögel sind. + Und so hat 1982 eine spanische Firma mit Umweltbewusstsein das Land gekauft. + Was haben sie gemacht? + Sie haben den Fluss des Wassers umgekehrt. + Sie haben buchstäblich den Hebel umgelegt. + Anstatt das Wasser herauszudrängen benutzten sie die Kanäle, um das Wasser wieder hereinzuziehen. + Sie fluteten die Kanäle. + Sie schufen eine 11.000 Hektar Fischaufzucht -- Barsch, Meeräsche, Garnele, Aal -- und dabei haben Miguel und seine Firma die ökologische Zerstörung komplett umgekehrt. + Die Farm ist unglaublich. + Ich meine, Sie haben so etwas noch nie gesehen. + Sie starren heraus auf den Horizont, der eine Million Meilen entfernt ist, und alles was sie sehen sind geflutete Kanäle und diese dichte, üppige Marsch. + Ich war dort vor gar nicht langer Zeit mit Miguel. + Er ist ein unglaublicher Kerl, drei Teile Charles Darwin und ein Teil "Ein Krokodil zum Küssen". + Okay? Da waren wir und kämpften uns durch die Feuchtgebiete und ich keuche und schwitze, habe Matsch bis zu meinen Knien, und Miguel hält in Ruhe eine Biologievorlesung. + Hier hebt er einen seltenen Gleitaar hervor. + Nun erwähnt er die Mineralbedürfnisse von Phytoplankton. + Und hier, hier sieht er ein Muster von Bündeln, das ihn an die tansanische Giraffe erinnert. + Es stellt sich heraus, dass Miguel den größten Teil seiner Karriere im Mikumi Nationalpark in Afrika verbracht hat. + Ich fragte ihn, wie er zu so einem Fisch-Experten geworden ist. + Er sagte: "Fisch? Ich weiß nichts über Fisch. + Ich bin ein Experte für Beziehungen." + Und dann geht er und stürzt sich in mehr Gerede von seltenen Vögeln und Algen und seltsamen Wasserpflanzen. + Und verstehen Sie mich nicht falsch, das war wirklich faszinierend, wissen Sie, die biotische Gemeinschaft unplugged, so in der Art. + Es ist großartig, aber ich war verliebt. + Und mein Kopf wurde schwach über dieses verkochte Stück köstlichen Fischs, das ich am Vorabend hatte. + Also habe ich ihn unterbrochen. Ich sagte: "Miguel, wie kommt es, dass Dein Fisch so gut schmeckt?" + Er zeigte auf die Algen. + "Ich weiß, Junge, die Algen, der Phytoplankton, die Beziehungen, das ist unglaublich. + Aber was essen Deine Fische? + Wie ist die Futterverwertung?" + Nun, er fährt fort mir zu erzählen, dass es so ein reichhaltiges System ist, dass die Fische essen, was sie in der Wildnis essen würden. + Die pflanzliche Biomasse, den Phytoplankton, den Zooplankton, das ist es, was die Fische füttert. + Das System ist so gesund, es ist völlig selbsterneuernd. + Es gibt kein Futter. + Je von einer Farm gehört, die ihre Tiere nicht füttert? + Später am Tag fuhr ich auf diesem Grundstück mit Miguel herum und ich fragte ihn, ich sagte: "Für einen Ort, der so natürlich zu sein scheint", anders als jede Farm, auf der ich je gewesen war, "wie misst Du Erfolg?" + In dem Moment war es, als ob ein Filmregisseur einen Bühnenwechsel verlangt hätte. + Und wir bogen um die Ecke und uns bot sich der unglaublichste Anblick, tausende und abertausende pinker Flamingos, ein buchstäblich pinker Teppich so weit das Auge reicht. + "Das ist Erfolg", sagte er. + "Schau Dir ihre Bäuche an, pink. + Sie schlemmen." + Schlemmen? Ich war völlig verwirrt. + Ich sagte: "Miguel, schlemmen sie nicht Deinen Fisch?" + "Ja", sagte er. + "Wir verlieren 20 Prozent von unserem Fisch und Fischeiern an die Vögel. + Nun, letztes Jahr waren auf diesem Grundstück 600.000 Vögel, mehr als 250 unterschiedliche Arten. + Es ist heute das größte und eines der wichtigsten privaten Vogelreservate in ganz Europa geworden. + Ich sagte: "Miguel, ist ein gut gedeihender Vogelbestand nicht das Letzte, das man auf einer Fischaufzucht haben möchte?" + Er schüttelte seinen Kopf, nein. + Er sagte: "Wir bauen extensiv an, nicht intensiv. + Das hier ist ein ökologisches Netzwerk. + Die Flamingos fressen die Garnelen. + Die Garnelen fressen den Phytoplankton. + Je pinker also der Bauch desto besser das System." + Okay, lassen Sie uns das überdenken. Eine Farm, die ihre Tiere nicht füttert und eine Farm, die ihren Erfolg an der Gesundheit ihrer Räuber misst. + Eine Fischaufzucht, aber auch ein Vogelreservat. + Oh, und nebenbei sollten diese Flamingos von vornherein nicht einmal da sein. + Sie brüten in einer Stadt 240 Kilometer entfernt, wo die Bodenbeschaffenheit besser ist für den Nestbau. + Jeden Morgen fliegen sie 240 Kilometer zur Farm. + Und jeden Abend fliegen sie 240 Kilometer zurück. + Sie machen das, weil sie der gestrichelten weißen Linie der Landstraße A92 folgen können. + Im Ernst. + Ich hatte mir eine Art Reise der Pinguine vorgestellt, also schaute ich Miguel an. + Ich sagte: "Miguel, fliegen sie 240 Kilometer zu der Farm und fliegen sie dann 240 Kilometer zurück am Abend? + Machen sie das für die Kinder?" + Er schaute mich an, als hätte ich gerade ein Lied von Whitney Houston zitiert. + Er sagte: "Nein. Sie machen das, weil das Essen besser ist." + Ich habe nicht die Haut meines geliebten Fisches erwähnt, die köstlich war, und ich mag keine Fischhaut. Ich mag sie nicht sautiert. Ich mag sie nicht knusprig. + Es ist dieser beißende, verkohlte Geschmack. + Ich koche fast nie damit. + Und doch, als ich sie in diesem Restaurant in Südspanien probiert habe hat sie überhaupt nicht nach Fischhaut geschmeckt. + Sie schmeckte süß und rein, als ob man einen Bissen vom Ozean nehmen würde. + Ich erwähnte das gegenüber Miguel und er nickte. + Er sagte: "Die Haut wirkt wie ein Schwamm. + Sie ist die letzte Abwehr, bevor etwas in den Körper eintritt. + Sie hat sich im Laufe der Evolution entwickelt, um Unreinheiten aufzusaugen." + Und dann fügte er hinzu: "Aber unser Wasser hat keine Unreinheiten." + Okay. Eine Farm, die ihre Fische nicht füttert. Eine Farm, die ihren Erfolg misst am Erfolg ihrer Räuber. + Und dann wurde mir klar, wenn er sagt, eine Farm, die keine Unreinheiten hat, untertreibt er gewaltig, denn das Wasser, das durch diese Farm fließt kommt aus dem Fluss Guadalquivir herein. + Es ist ein Fluss, der all die Dinge mit sich führt, von denen Flüsse heutzutage dazu neigen, sie mit sich zu führen, chemische Schadstoffe, Abfluss von Schädlingsbekämpfungsmitteln. + Und wenn es sich durch das System gekämpft hat und dieses verlässt ist das Wasser sauberer, als wie es hereingekommen ist. + Das System ist so gesund, es reinigt das Wasser. + Also nicht nur eine Farm, die ihre Tiere nicht füttert, nicht nur eine Farm, die ihren Erfolg an der Gesundheit ihrer Räuber misst, sondern eine Farm, die buchstäblich eine Wasser-Aufbereitungsanlage ist, und nicht nur für diese Fische, sondern auch für Dich und mich. + Denn wenn das Wasser herausfließt, versinkt es im Atlantik. + Ein Tropfen im Ozean, ich weiß, aber ich nehme ihn, und das sollten Sie auch tun, denn diese Liebesgeschichte, wie romantisch auch immer, ist auch aufschlussreich. + Man könnte sagen, dass sie ein Rezept ist für die Zukunft guter Lebensmittel, ob wir von Barsch oder Fleischrindern sprechen. + Was wir jetzt brauchen, ist ein radikal neues Konzept von Landwirtschaft, von einer, in der Lebensmittel tatsächlich gut schmecken. + Aber für viele Leute ist das ein bisschen zu radikal. + Wir sind keine Realisten, wir Genießer. Wir sind Liebhaber. + Wir lieben Wochenmärkte. Wir lieben kleine Familienbetriebe. Wir reden über regionale Lebensmittel. Wir essen Bio. + Und wenn Sie behaupten, dass das die Dinge sind, die die Zukunft guter Lebensmittel versichern steht jemand irgendwo auf und sagt: "Hey Leute, ich liebe pinke Flamingos, aber wie werden Sie die Welt ernähren? + Wie werden Sie die Welt ernähren?" + Darf ich ehrlich sein? + Ich mag diese Frage nicht. + Nein, nicht, weil wir schon genug Kalorien produzieren, um die Welt mehr als nur zu ernähren. + Eine Milliarde Menschen werden heute hungern. + Eine Milliarde -- das ist mehr als je zuvor -- aufgrund krasser Ungleichheiten in der Verteilung, nicht der Gesamtproduktion. + Nun, ich mag diese Frage nicht, weil sie die Logik unseres Nahrungssystems die letzten 50 Jahre über bestimmt hat. + Füttere Getreide an Pflanzenfresser, Schädlingsbekämpfungsmittel an Monokulturen, Chemikalien an die Erde, Hühnchen an Fische, und die ganze Zeit hat die Agrarindustrie einfach gefragt: "Wenn wir mehr Leute billiger ernähren, wie schrecklich kann das schon sein?" + Das war der Beweggrund. Es war die Rechtfertigung. Es war der Geschäftsplan der amerikanischen Landwirtschaft. + Wir sollten sie nennen, was sie ist, ein Gewerbe in Abwicklung, ein Gewerbe, das schnell ökologisches Kapital auffrisst, das genau diese Produktion ermöglicht. + Das ist kein Gewerbe, und es ist nicht Landwirtschaft. + Unsere Kornkammer ist heute bedroht, nicht aufgrund abnehmender Zufuhr, sondern aufgrund abnehmender Ressourcen, + nicht durch die neuesten Mähdrescher- und Traktor-Erfindungen, sondern durch fruchtbares Land, nicht durch Pumpen, sondern durch frisches Wasser, nicht durch Kettensägen, sondern durch Wälder, und nicht durch Fischerboote und Netze, sondern durch Fische im Meer. + Sie wollen die Welt ernähren? + Lassen Sie uns anfangen mit der Frage: Wie werden wir uns selbst ernähren? + Oder besser, wie können wir Bedingungen schaffen, die jede Gemeinschaft befähigen, sich selbst zu ernähren? + Um das zu tun, schauen Sie nicht auf das Agrarindustrie-Modell für die Zukunft. + Es ist wirklich alt, und es ist erledigt. + Kapital, Chemie und Maschinen stehen darin obenan und es hat nie etwas wirklich gutes zum Essen produziert. + Schauen wir uns stattdessen das ökologische Modell an. + Das ist das, das auf zwei Milliarden Jahre Arbeitserfahrung zurückgreift. + Schauen Sie sich Miguel an, Bauern wie Miguel, + Betriebe, die nicht Welten für sich sind, Betriebe, die wiederherstellen anstatt aufzubrauchen, Betriebe, die extensiv anbauen anstatt nur intensiv, Bauern, die nicht nur Erzeuger sind, sondern Experten für Beziehungen, + denn sie sind diejenigen, die auch Experten für Geschmack sind. + Und wenn ich wirklich ehrlich bin sind sie ein besserer Koch als ich es je sein werde. + Wissen Sie, das ist mir recht, denn wenn das die Zukunft guter Lebensmittel ist, wird sie köstlich sein. + Danke. + + + http://www.ted.com/talks/james_cameron_before_avatar_a_curious_boy + TED Talk Subtitles and Transcript: James Camerons mit großem Budget gedrehte Filme erschaffen ihre ganz eigenen unwirklichen Welten. In seinem sehr persönlichen Vortrag spricht er über das Fantastische, seine Kindheitsfaszination, die von Science-Fiction-Literatur bis zum Tiefseetauchen reicht, und davon, wie diese letztlich den Erfolg seiner Kassenschlager "Aliens", "Terminator", "Titanic" und "Avatar" bestimmt hat. + talks, adventure, entertainment, film, nature, oceans, storytelling, submarine, technology, writing + 785 + James Cameron: Vor "Avatar" ... ein neugieriger Junge + Wolf Ruschke + Judith Matz + Ich wuchs mit einer gehörigen Portion Science Fiction auf. + In meiner Schulzeit fuhr ich mit dem Bus zur Schule, jeden Tag eine Stunde pro Strecke. + Und meine Nase steckte immer in einem Buch, einem Science-Fiction-Buch, das meine Gedanken in andere Welten entführte und auf erzählerische Weise meine tief in mir sitzende, unersättliche Neugier befriedigte. + Diese Neugier zeigte sich auch darin, dass ich immer, wenn ich nicht in der Schule war, durch die Wälder streunte, wanderte und "Proben" sammelte, Frösche und Schlangen und Käfer und Teichwasser, alles nach Hause brachte und unter dem Mikroskop betrachtete. + Ich war total wissenschaftsbegeistert, wissen Sie. + Es ging dabei immer um den Versuch, die Welt zu verstehen und die Grenzen des Möglichen auszuloten. + Und meine Liebe zu Science Fiction schien sich in meiner Umgebung widerzuspiegeln, denn damals, in den späten 60ern, flogen wir zum Mond und erforschten die Tiefsee. + Jacques Cousteau kam in unsere Wohnzimmer mit seinen faszinierenden Sendungen, die uns Tiere und Orte und eine Welt voller Wunder zeigten, die wir uns vorher nie hätten vorstellen können. + Das hat dann wohl ganz gut zu jener Science-Fiction-Rolle gepasst. + Und ich war Künstler. + Ich konnte zeichnen. Ich konnte malen. + Und da es weder Videospiele noch diese Übersättigung mit computergenerierten Filmen noch die ganze Bildsprache in der Medienlandschaft gab, musste ich die Bilder in meinem Kopf erschaffen. + Das mussten wir damals alle. Wenn wir als Kinder ein Buch lasen, nahmen wir die Beschreibung des Autors und projizierten sie auf die Leinwand in unseren Köpfen. + Meine Reaktion darauf war das Zeichnen und Malen von Außerirdischen, außerirdischen Welten, Robotern, Raumschiffen und all so was. + Im Matheunterricht wurde ich ständig vom Lehrer erwischt, wie ich, hinterm Lehrbuch versteckt, herummalte. + Die Kreativität musste halt irgendwie raus. + Und dabei geschah etwas Interessantes. Was mich nämlich an Jacques Cousteaus Sendungen faszinierte, war der Gedanke an eine uns völlig unbekannte Welt hier auf unserer Erde selbst. + Sicherlich würde ich ja niemals eine außerirdische Welt mit einem Raumschiff erreichen. Das schien mir ziemlich unwahrscheinlich. + Aber hier war eine Welt, die ich tatsächlich betreten konnte, hier auf der Erde, und sie war genauso faszinierend und exotisch wie all das, was ich mir immer vorgestellt hatte, als ich diese Bücher gelesen hatte. + Also beschloss ich, als ich 15 war, Taucher zu werden. + Das einzige Problem dabei war, dass ich in einem kleinen Dorf in Kanada lebte, 1 000 km vom nächsten Ozean entfernt. + Davon ließ ich mich aber nicht entmutigen. + Ich nervte meinen Vater, bis er endlich eine Tauchschule in Buffalo, New York, ausfindig gemacht hatte, genau auf der anderen Seite der Grenze, wo wir lebten. + Ich machte meinen Tauchschein in einem Pool der YMCA mitten im Winter in Buffalo, New York. + Den Ozean aber, einen echten Ozean, bekam ich erst zwei Jahre später zu Gesicht, als wir nach Kalifornien zogen. + Seitdem, in den 40 Jahren, die inzwischen verstrichen sind, habe ich ungefähr 3 000 Stunden unter Wasser verbracht. 500 Stunden davon in Tauchbooten. + Und ich habe gelernt, dass die Welt der Tiefsee, selbst in den flacheren Ozeanen, so reich an faszinierendem Leben ist, wie wir es uns wirklich kaum vorstellen können. + Die Phantasie der Natur kennt keine Grenzen, ganz im Gegensatz zu unserer eigenen, kläglichen menschlichen Vorstellungskraft. + Bis zum heutigen Tage empfinde ich tiefste Ehrfurcht für das, was ich auf meinen Tauchgängen sehe. + Und meine Liebe zum Ozean hält an, mit derselben Intensität wie eh und je. + Als ich mir dann als Erwachsener einen Beruf aussuchte, war es das Filmemachen. + Das schien die beste Möglichkeit, meinen inneren Drang, Geschichten zu erzählen, mit meinem Bedürfnis, Bilder zu erschaffen, zu vereinen. + Als Kind zeichnete ich ständig Comicbücher und so. + Also waren Filme der Weg, Bilder und Geschichten zusammenzuführen. Das passte zusammen. + Natürlich waren die Geschichten, die ich mir aussuchte, aus dem Science-Fiction-Bereich: "Terminator", "Aliens", und "Abyss". + Bei "Abyss" konnte ich meine Vorliebe für die Unterwasserwelt und das Tauchen mit dem Filmemachen verbinden. + Also verflochten sich quasi meine beiden Leidenschaften. + Etwas Interessantes passierte bei "Abyss": Um ein erzählerisches Problem in diesem Film zu lösen - und zwar mussten wir so eine Art flüssiges Wasserwesen erschaffen -, griffen wir auf computergenerierte Animation, CG, zurück. + Was dabei herauskam, war die erste computergenerierte Soft-Surface-Figur, die je in einem Film zu sehen war. + Der Film brachte zwar kein Geld ein, genau gesagt spielte er gerade mal seine Produktionskosten ein, doch bemerkte ich etwas Faszinierendes: Das Publikum auf der ganzen Welt war wie hypnotisiert vom Zauber, der davon ausging. + Laut Arthur Clarke's Gesetz sind bekanntlich fortgeschrittliche Technologie und Zauberei nicht mehr voneinander zu unterscheiden. + Sie sahen also etwas Magisches. + Und das fand ich ungeheuer spannend. + Und ich dachte mir: "Wow, das muss unbedingt in die Filmkunst einbezogen werden." + Also gingen wir in "Terminator 2", meinem nächsten Film, noch viel weiter. + Zusammen mit ILM erschufen wir dort den Typen aus flüssigem Metall. Der Erfolg hing ganz davon ab, wie dieser Effekt ankommen würde. + Und es funktionierte. Wieder hatten wir etwas Magisches geschaffen. Und die Wirkung im Publikum war dieselbe. Allerdings haben wir mit dem Film schon ein bisschen mehr Geld eingespielt. + Von diesen beiden Erfahrungen ausgehend, war eine ganz neue Welt erreicht, eine ganz neue Welt der Kreativität für Filmschaffende. + Also gründete ich eine Firma, zusammen mit meinem guten Freund Stan Winston, der zu jener Zeit der beste Make-Up- und Creature-Designer war. Sie hieß "Digital Domain". + Die Grundidee dieser Firma war es, die Phase analoger Prozesse mit optischen Druckern etc. zu überspringen und gleich mit digitalen Produktionen zu beginnen. + Das taten wir dann auch und verschafften uns so eine Zeitlang einen Wettbewerbsvorteil. + Aber Mitte der 90er Jahre merkten wir doch, dass wir im Creature- und Character-Design - wofür wir die Firma ja eigentlich gegründet hatten - zu langsam vorankamen. + Ich hatte dieses Stück "Avatar" geschrieben, das die Messlatte in Sachen visueller Effekte und computergenerierter Effekte in ganz neue Höhen schieben sollte, mit realistischen menschlichen, ausdrucksvollen Charakteren, die mittels CG hergestellt worden waren. Und die Hauptfiguren sollten alle CG sein. Und die Welt sollte CG sein. + Aber die Messlatte drückte ganz schön zurück. Und die Leute in meiner Firma sagten mir, dass wir vorläufig noch nicht in der Lage seien, das zu schaffen. + Also verschob ich das und machte diesen anderen Film über das große Schiff, das untergeht. + Dem Filmstudio habe ich das als "Romeo und Julia auf einem Schiff" verkauft. Es wurde ein Liebesfilm epischen Ausmaßes, ein leidenschaftlicher Film. + Insgeheim aber wollte ich eigentlich zum echten Wrack der Titanic hinabtauchen. + Darum habe ich den Film gemacht. + Das ist die Wahrheit. Das Studio wusste das aber nicht. + Ich habe sie aber überzeugt, indem ich sagte: "Wir tauchen zu dem Wrack. Wir filmen das echte Wrack. + Wir werden es in der Eröffnungssequenz des Films zeigen. + Das ist ungeheuer wichtig. Es ist ein guter Aufhänger fürs Marketing." + Und ich überredete sie, eine Expedition zu finanzieren. + Klingt verrückt. Aber das geht wieder darauf zurück, dass die eigene Vorstellungskraft eine Realität schaffen kann. + Wir schufen dann tatsächlich sechs Monate später eine Realität, in der ich mich in einem russischen Tauchboot wiederfand, vier Kilometer unter der Oberfläche des Nordatlantik, und mir die echte Titanic durch ein Bullauge anschaute. + Das war kein Film, kein HD, das war echt. + Also, das hat mich wirklich umgehauen. + Und die Vorbereitungen dazu waren enorm. Wir mussten Kameras und Scheinwerfer und alles Mögliche bauen. + Und mir fiel auf, wie sehr diese Tiefseetauchgänge, einer Weltraummission ähnelten. + Na ja, sie waren auch hochtechnisch und bedurften umfangreicher Planung. + Man steigt in diese Kapsel, dann schwebt man in diese dunkle, feindselige Umgebung hinunter, wo keine Hoffnung auf Rettung besteht, wenn man es nicht selbst zurück schafft. + Und ich dachte mir, "Wow, das ist genauso, als wäre ich in einem Science-Fiction-Film. + Das ist echt cool." + Ich war regelrecht besessen vom Erforschen der Tiefsee. + Jedenfalls von dem Teil, der mit Neugier und Wissenschaft zu tun hat. Es war alles. Es war Abenteuer, es war Neugier. Es war Vorstellungskraft. + Und es war eine Erfahrung, die mir Hollywood nicht geben konnte. + Denn, wissen Sie, ich konnte mir ein Wesen vorstellen, für das wir dann einen visuellen Effekt gestalten konnten. Aber ich konnte mir nicht das vorstellen, was ich außerhalb des Fensters sehen würde. + Bei einigen der folgenden Expeditionen habe ich Wesen in Thermalquellen gesehen, und manchmal Dinge, die ich noch nie vorher gesehen hatte, manchmal auch Dinge, die überhaupt noch niemand zuvor gesehen hatte und für die die Wissenschaft zum Zeitpunkt, als wir sie sahen, noch gar keine Worte gefunden hatte. + Das hat mich also richtig umgeworfen, und ich wollte mehr. + Und so traf ich dann eine etwas ungewöhnliche Entscheidung. + Nach dem Erfolg von "Titanic" sagte ich mir, "Okay, ich will meinen Hauptberuf als Filmemacher in Hollywood auf Eis legen und werde für eine Weile Vollzeit-Forscher." + Und dann begannen wir, diese Expeditionen zu planen. + Wir tauchten zur "Bismarck", und erforschten sie mit Roboterfahrzeugen. + Wir kehrten zum Wrack der Titanic zurück. + Wir nahmen kleine Roboter, die wir gebaut hatten, die ein Fiberglaskabel abwickelten. + Unsere Absicht war, hineinzutauchen und sich das Innere des Schiffs anzusehen, was nie zuvor getan worden war. + Niemand hatte je das Innere des Wracks erkundet. Man hatte noch keine Mittel dafür. Also entwickelten wir die nötige Technologie. + Na und da sitze ich nun, auf dem Deck der Titanic, in einem Tauchboot, und sehe Planken, die diesen Brettern hier ziemlich ähneln und von denen ich weiß, dass einst die Band dort gespielt hat. + Und ich fliege mit einem kleinen Roboterfahrzeug durch die Gänge des Schiffs. + Ich bediene es zwar eigentlich nur, aber mein Bewusstsein ist innerhalb des Fahrzeugs. + Es fühlte sich an, als wäre ich körperlich innerhalb des Schiffswracks der Titanic anwesend. + Das war die surrealste Form eines Déjà-vu, die ich je erlebt habe. Denn bevor ich jeweils um eine Ecke bog, wusste ich immer schon, was gleich im Lichtkegel des Fahrzeugs auftauchen würde, da ich monatelang übers Filmset gelaufen war, als wir den Film drehten. + Das Set war nämlich eine genaue Kopie der Baupläne des Schiffs. + Das war also eine höchst merkwürdige Erfahrung. + Sie machte mir dieses Telepräsenz-Erlebnis bewusst, dass man solch roboterhafte Avatare verwenden und so das eigene Bewusstsein in das Fahrzeug, in diese andere Form der Existenz verlegen kann. + Es war wirklich ungeheuer tiefgreifend + und vielleicht auch ein kleiner Ausblick auf das, was vielleicht in einigen Jahrzehnten passieren könnte, wenn man Cyborg-Körper hat, um etwas zu erforschen oder andere Dinge zu tun, in allen möglichen post-humanen Zukunftszenarios, die ich mir als Science-Fiction-Fan vorstellen kann. + Nach diesen Expeditionen begannen wir das, was wir da unten gesehen hatten, wirklich schätzen zu lernen, zum Beispiel diese Tiefseequellen, wo wir diese unglaublich verblüffenden Tiere sahen. Das sind quasi Außerirdische, aber hier auf Erden. + Sie leben mit Hilfe von Chemosynthese. + Sie existieren nicht in einem auf Sonnenlicht basierten System, wie wir das tun. + Und so sieht man Tiere, die direkt neben einer 500 Grad Celsius heißen + Wasserwolke leben. Und man kann sich nicht vorstellen, dass sie dort überleben können. + Zur selben Zeit interessierte ich mich außerdem sehr für Weltraumwissenschaft, das war wieder der Science-Fiction-Einfluss aus meiner Kindheit. + Und so landete ich bei den Leuten, die sich für den Weltraum interessieren und die mit der NASA zu tun haben und im NASA-Sachverständigenrat sitzen und richtige Weltraummissionen planen. Sie fahren nach Russland, durchlaufen vor der Mission das biomedizinische Protokoll samt allem Drum und Dran, fliegen dann zur internationalen Weltraumstation und nehmen unsere 3D-Kamerasysteme mit. + Das war faszinierend. + Aber am Ende lief es darauf hinaus, dass ich Weltraumwissenschaftler mit uns in die Tiefsee nahm. + Ich nahm sie mit und verschaftte ihnen Zugang zu der Welt da unten: Astrobiologen, Planetenwissenschaftler, Leute, die sich für solche extremen Situationen interessierten. Ich nahm sie zu den Quellen mit, damit sie sich umschauen, Proben nehmen und Instrumente testen konnten und so weiter. + Wir drehten zwar Dokumentarfilme, betrieben aber eigentlich Wissenschaft, genauer gesagt: Weltraumwissenschaft. + So schloss sich der Kreis zwischen meiner Existenz als Science-Fiction-Fan, damals als Kind, und der Umsetzung in die Realität. + Im Laufe dieser Entdeckungsreise habe ich eine Menge gelernt. + Ich habe eine Menge über Wissenschaft gelernt. Aber ich habe auch viel über Führungsstil gelernt. + Jetzt denken Sie sicherlich, ein Regisseur muss auch führen können, ein Führer sein wie ein Schiffskapitän oder so. + Ich verstand aber nicht viel von Führung, bevor ich diese Expeditionen antrat. + Denn an einem bestimmten Punkt musste ich mir sagen: "Was mache ich eigentlich hier? + Wieso mache ich das? Was kommt dabei heraus?" + Diese blöden Filme bringen uns kein Geld ein. + Wir spielen mal gerade die Produktionskosten ein. Von Ruhm keine Spur. + Alle denken, ich sei zwischen "Titanic" und "Avatar" davongelaufen und hätte mir irgendwo die Nägel auf einem Handtuch am Strand gefeilt. + Ich habe alle diese Filme, diese Dokumentarfilme, für ein sehr kleines Publikum gemacht. + Kein Ruhm, keine Ehre, kein Geld. Was machst du nur? + Du machst es um der Aufgabe willen, um der Herausforderung willen - und der Ozean ist die herausforderndste Umgebung, die es gibt. Du machst es des Entdeckerrausches wegen, und wegen der seltsamen Verbindung, die entsteht, wenn eine kleine Gruppe von Leuten ein Team bildet. + Denn wir haben all dies mit nur 10 bis 12 Leuten gemacht, die jahrelang ununterbrochen zusammengearbeitet haben. Manchmal waren wir 2 bis 3 Monate hintereinander auf See. + Und in dieser Gemeinschaft erkennt man, dass die wichtigste Sache die Achtung ist, die man vor einander hat, weil man eine Aufgabe bewältigt hat, die man keinem anderem erklären kann. + Wenn man an Land zurückkehrt und sich sagt, "Wir mussten es tun, das Fiberglas, die Schallschwächung, und das ganz Drumherum, die ganze Technik, und die Schwierigkeiten, das menschliche Leistungsvermögen, wenn man auf See arbeitet", dann kann man das anderen einfach nicht erklären. Das ist wie bei Polizisten oder bei Soldaten, die etwas gemeinsam durchgemacht haben und wissen, dass sie es nie jemanden erklären können. + Da entsteht eine Verbindung, ein gegenseitiger Respekt. + Als ich also zurückkam, um meinen nächsten Film "Avatar" zu drehen, versuchte ich denselben Führungsstil anzuwenden, nämlich dass man sein Team respektiert und sich im Gegenzug dessen Respekt verdient. + Dadurch wurde die Dynamik wirklich verändert. + Da stand ich also wieder mit einem kleinen Team auf unbekanntem Terrain. Wir drehten "Avatar" mit einer neuen Technik, die es vorher noch nicht gab. + Ungeheuer aufregend. + Eine ungeheure Herausforderung. + Und wir wurden für einen Zeitraum von viereinhalb Jahren zu einer richtigen Familie. + Dadurch veränderte sich meine Art, Filme zu machen, komplett. + Es gab Leute, die meinten, wir hätten diese Ozeanwesen ja wirklich gut nachgemacht und auf den Planeten Pandora transportiert. + Für mich war es mehr eine prinzipielle Art, meinen Job zu tun, der eigentliche Prozess, der sich im Ergebnis geändert hat. + Was können wir also aus all dem schließen? + Welche Lektionen haben wir gelernt? + Ich glaube, an erster Stelle steht die Neugier. + Es ist die mächtigste menschliche Eigenschaft. + Unsere Vorstellungskraft ist eine Kraft, die sogar eine Realität schaffen kann. + Und die Achtung deines Teams ist wichtiger als aller Lorbeer dieser Welt. + Zu mir kommen junge Filmemacher, die sagen: "Geben Sie mir einen Rat, wie ich so etwas machen kann." + Und ich sage: "Schränke dich nicht selbst ein. + Das besorgen schon andere für dich. Tu es nicht dir selbst an, wette nicht gegen sich selbst. Sondern nimm Risiken auf dich." + Die NASA hat so einen Lieblingssatz: "Scheitern ist keine Alternative." + Aber in der Kunst und beim Erforschen muss Scheitern eine Alternative sein, denn dort garantiert es einen Vertrauensvorschuss. + Kein wichtiges Unterfangen, das Innovation verlangte, wurde je ohne Risiko angegangen. + Man muss bereit sein, solche Risiken auf sich zu nehmen. + Das ist der Gedanke, den ich Ihnen gern mit auf den Weg geben möchte. Scheitern ist durchaus eine Alternative, Angst aber ist keine. Danke. + + + http://www.ted.com/talks/gary_flake_is_pivot_a_turning_point_for_web_exploration + TED Talk Subtitles and Transcript: Gary Flake präsentiert Pivot, eine neue Art eine Vielzahl von Bildern und Daten online zu durchsuchen und zu arangieren. Basierend auf der bahnbrechenden Seadragon-Technologie, ermöglicht es faszinierende Zooms in und aus webbasierten Daten und ermöglicht somit das Erkennen von Mustern und Links, die mit normalen Browsern nicht zu erkennen sind. + talks, data, demo, interface design, technology, web + 783 + Gary Flake: ist Pivot ein Wendepunkt im Bereich der Web-Erkundung? + Philipp Böing + Roman Rackwitz + Falls ich Ihnen heute eine Sache näherbringen möchte ist es, dass die Gesamtheit der Daten, die wir konsumieren, größer ist als die Summe ihrer Einzelteile und anstatt dabei an Informationsüberladung zu denken möchte ich, dass Sie darüber nachdenken wie wir Information so nutzen können, dass sich Muster ergeben und wir so Trends erkennen, die ansonsten nicht sichtbar geworden wären. + So, was wir hier sehen ist ein typisches Sterbediagramm nach Alter angeordnet. + Das Programm, das ich hier benutze, ist ein kleines Experiment. + Es heißt Pivot und was ich mit Pivot machen kann ist, dass ich nach einer bestimmten Todesursache filtern kann, sagen wir Unfälle. + Und sofort sehe ich ein anderes Muster, das sich ergibt. + Und zwar, weil im Mittelbereich hier die Menschen am aktivsten sind und sie hier drüben am gebrechlichsten sind. + Wir können einen Schritt weiter rausgehen und ordnen die Daten dann neu und sehen, dass Kreislauferkrankungen und Krebs die üblichen Verdächtigen sind, jedoch nicht für jeden. + Wenn wir nun weitergehen und nach Alter sortieren, sagen wir 40 Jahre oder jünger sehen wir, dass Unfälle sogar die Hauptursache ist über die sich die Menschen Sorgen machen sollten. + Und wer weiterforscht sieht, dass ist dies besonders bei Männern zutrifft. + Sie erkennen also, dass das Ansehen von Informationen und Daten in dieser Weise sehr an Schwimmen in einer lebendigen Informationsgrafik erinnert. + Und wenn wir dies für Rohdaten machen können warum nicht auch für Inhalte selbst? + Was wir nun hier haben sind die Titelbilder jeder einzelnen "Sports Illustrated", die jemals gedruckt wurden. + Es ist alles hier. Es ist alles online. + Sie können es gerne nach meinem Vortrag in Ihren Zimmern testen. + Mit Pivot können sie eintauchen in ein Jahrzehnt. + Sie können eintauchen in ein bestimmtes Jahr. + Sie können direkt zu einer bestimmten Ausgabe springen. + Wenn ich nun hier schaue, sehe ich die Athleten, die in dieser Ausgabe erscheinen und die Sportarten. + Ich bin ein Lance Armstrong Fan, also klicke ich hierhin wodurch sich mir alle Ausgaben zeigen in denen Lance Armstrong erwähnt wird. + Jetzt, wenn ich nur einen gröberen Überblick bekommen möchte, könnte ich denken "Ok, was wenn ich mir alles mit dem Thema Fahrradfahren ansehe?" + Also gehe ich einen Schritt zurück und erweitere die Sichtweise. + Nun sehe ich Greg Lemond. + Und so bekommt man eine Idee davon, dass wenn man auf diese Art Informationen durchsucht, gezielter, breiter, reinzoomen, rauszoomen, dann sucht man nicht oder surft nicht einfach nur. + Man macht etwas, das eigentlich ein wenig anders ist. + Es ist etwas dazwischen und wir denken es ändert die Art und Weise wie Informationen genutzt werden können. + Ich möchte diese Idee nun ein bisschen weiter ausführen mit etwa was ein bisschen verrückt ist. + Was wir hier gemacht haben ist, wir haben jede einzelne Wikipediaseite genommen und sie auf eine kleine Zusammenfassung reduziert. + Die Zusammenfassung enthält eine kurze Übersicht und ein Symbol für den Bereich aus dem sie kommt. + Ich zeige nur mal die Top 500 der populärsten Wikipediaseiten. + Aber sogar in dieser eingeschränkten Ansicht können wir eine Menge Dinge tun. + Sofort bekommen wir einen Eindruck über die Themen, die auf Wikipedia am populärsten sind. + Ich werde nun das Thema 'Regierung' wählen. + Nun, nachdem ich 'Regierung' gewählt habe erkenne ich, dass die Wikipediakategorien, die sich am meisten damit decken Time Magazines "Menschen des Jahres" sind. + Dies ist wirklich wichtig, da dies eine Erkenntnis ist, die nicht in einer einzelnen Wikipediaseite steckt. + Das ist nur zu erkennen wenn man einen Schritt zurückgeht und das Ganze betrachtet. + Schauend auf eine bestimmte dieser Zusammenfassungen kann ich dann in das Thema Time Magazines "Menschen des Jahres" hinein gehen, und alle zusammen sehen. + Wenn ich nun all diese Personen betrachte erkenne ich, dass die Mehrheit davon Regierungsbeamte sind. Manche kommen aus der Wissenschaft. Manche, noch weniger, kommen aus der Wirtschaft. Hier ist mein Chef. Und einer kommt aus dem Musikbereich. + Und interessanterweise ist Bono auch ein TED Prize Gewinner. + So können wir nun springen und einen Blick auf alle TED Prize Gewinner werfen. + Man sieht, wir surfen im Netz das erste Mal als ob es auch wirklich ein Netz ist, nicht nur von Seite zu Seite, sondern viel abstrakter. + Und so möchte ich Ihnen was anderes zeigen was eine kleine Überraschung sein könnte. + Ich zeige Ihnen hier einfach nur die New York Times Website. + Pivot, diese Anwendung -- Ich möchte es nicht einen Browser nennen; es ist wirklich kein Browser, aber man kann Webseiten damit ansehen -- und wir bringen diese Zoom-Technologie zu jeder einzelnen Webseite wie dieser. + Ich kann also einen Schritt zurückgehen, und direkt zu einer spezifischen Sektion springen. + Das ist deshalb wichtig, weil man nur durch das Anschauen von Webseiten in dieser Art und Weise, den ganzen Internet-Verlauf auf die gleiche Art und Weise betrachten kann. + Ich kann also in meinen Verlauf hineinzoomen in einem bestimmten Zeitrahmen. + Hier ist der Stand der gesamten Demonstration, die ich bis hierhin gehalten habe. + Und ich kann sozusagen alles, was ich heute bisher angesehen habe, wieder zurückholen. + Und, wenn ich wieder einen Schritt rausgehe und auf alles schaue, kann ich meinen Verlauf neu anordnen vielleicht nach meiner Such-Vergangenheit. Hier, habe ich nach 'nepotistisch' gesucht, hier nach Bing, oder hier nach Live Labs Pivot. + Und von hier kann ich in die Seite hineingehen und sie wieder aufrufen. + Es ist eine Metapher, die immer wieder verwendet wird, und jedes Mal macht es das Gesamtbild größer als die Summe der Datenteile. + Im Moment, in dieser Welt, denken wir, dass Daten ein Fluch sind. + Wir reden von dem Fluch des Informationsüberflusses. + Wir reden vom "Ertrinken in Informationen". + Was, wenn wir diese Situation umdrehen könnten und das Internet auf den Kopf stellen, so dass wir anstatt immer von einem zum anderen zu gehen, beginnen von vielen Dingen zu vielen Dingen gehen zu können, und dadurch Muster erkennen, welche ansonsten verborgen geblieben wären? + Falls wir dies tun können, dann wird diese bisherige Datenfalle, vielleicht eine neue Quelle sinnvoller Informationen. + Und, anstatt sich einfach nur in Informationen zu bewegen, können wir Wissen daraus bekommen. + Und wenn wir Wissen erfahren, dann können wir vielleicht sogar Weisheiten daraus ziehen. + Damit höre ich auf, vielen Dank. + + + http://www.ted.com/talks/daniel_kahneman_the_riddle_of_experience_vs_memory + TED Talk Subtitles and Transcript: Mit Beispielen von Urlaub bis Darmspiegelung enthüllt Nobelpreisträger und Begründer der Verhaltensökonomie Daniel Kahnemann, wie unser "erlebendes Selbst" und unser "erinnerndes Selbst" Glück unterschiedlich wahrnehmen. Diese neue Einsicht hat tiefgreifende Folgen für die Wirtschaftswissenschaften, Politik -- und unsere eigene Selbsterfahrung. + talks, brain, culture, economics, happiness, mind, philosophy, psychology, science + 779 + Daniel Kahneman: Das Rätsel von Erleben vs. Gedächtnis + Kerstin Blum + Martina Panzer + Jeder spricht heutzutage über das Glück. + Ich habe einige Leute die Anzahl der Bücher zählen lassen, die mit "Happiness" im Titel in den letzten fünf Jahren veröffentlicht wurden und sie gaben nach ungefähr 40 auf, und es gab noch viel mehr. + Es gibt eine gewaltige Welle des Interesses an Glück unter Forschern. + Es gibt sehr viel Glücks-Coaching. + Jeder würde gerne die Leute glücklicher machen. + Aber trotz all dieser Flut von Arbeiten, gibt es mehrere kognitive Fallen, die es sozusagen fast unmöglich machen, klar über Glück nachzudenken. + Und mein Vortrag heute wird hauptsächlich von diesen kognitiven Fallen handeln. + Das gilt für Laien, die über ihr eigenes Glück nachdenken, und es gilt für Wissenschaftler, die über Glück nachdenken, weil sich herausstellt, dass wir genau so durcheinander sind wie jeder andere. + Die erste dieser Fallen ist ein Widerstreben, Komplexität zuzugeben. + Es stellt sich heraus, dass das Wort Glück einfach kein nützliches Wort mehr ist, weil wir es auf zu viele unterschiedliche Dinge anwenden. + Ich denke, es gibt eine bestimmte Bedeutung, auf die wir es beschränken könnten, aber im Großen und Ganzen ist das etwas, das wir aufgeben werden müssen, und wir werden die komplizierte Sichtweise annehmen müssen darauf, was Wohlbefinden ist. + Die zweite Falle ist eine Verwechslung von Erleben und Gedächtnis: Im Grunde besteht sie zwischen glücklich sein in seinem Leben und glücklich sein über sein Leben oder glücklich mit seinem Leben. + Und dies sind zwei sehr unterschiedliche Konzepte, und sie sind beide zusammengeworfen in der Vorstellung vom Glück. + Und die dritte ist die Konzentrations-Illusion, und das ist die unglückliche Tatsache, dass wir nicht über einen Umstand nachdenken können, der Wohlbefinden beeinflusst, ohne seine Bedeutung zu verzerren. + Ich meine, das ist eine echte kognitive Falle. + Es gibt einfach keinen Weg, es richtig hin zu bekommen. + Nun würde ich gerne mit einem Beispiel anfangen von jemandem, der eine Frage-und-Antwort-Sitzung hatte nach einer meiner Vorlesungen, der eine Geschichte berichtete. [undeutlich ...] Er sagte, er hätte eine Sinfonie gehört, und es war absolut herrliche Musik, und ganz am Ende der Aufnahme gab es ein fürchterliches kreischendes Geräusch. + Und dann fügte er hinzu, wirklich ziemlich emotional, das hat die ganze Erfahrung ruiniert. + Aber das hatte es nicht. + Was es ruiniert hatte waren die Erinnerungen an die Erfahrung. + Er hatte die Erfahrung gehabt. + Er hatte 20 Minuten herrlicher Musik gehabt. + Sie zählten nicht, weil er mit einer Erinnerung verblieben war; die Erinnerung war ruiniert, und die Erinnerung war alles, was er zum Behalten bekommen hatte. + Was uns das wirklich sagt ist, dass wir über uns und über andere Leute nachdenken könnten im Sinne von zwei Arten des Selbst. + Es gibt ein erlebendes Selbst, das in der Gegenwart lebt und die Gegenwart kennt, fähig ist, die Vergangenheit wieder zu erleben, aber im Grunde nur die Gegenwart hat. + Es ist das erlebende Selbst, das der Arzt anpricht -- Sie wissen, wenn der Arzt fragt: "Tut es jetzt weh, wenn ich Sie hier anfasse?" + Und dann gibt es ein erinnerndes Selbst, und das erinnernde Selbst ist das, das mitzählt und die Geschichte unseres Lebens aufrecht erhält, und es ist dasjenige, das der Arzt anspricht indem er die Frage stellt: "Wie haben Sie sich in letzter Zeit gefühlt?" + oder "Wie war Ihre Reise nach Albanien?" oder so ähnlich. + Dies sind zwei sehr unterschiedliche Einheiten, das erlebende Selbst und das erinnernde Selbst, und die beiden zu verwechseln ist Teil des Durcheinanders des Begriffs vom Glück. + Nun, das erinnernde Selbst ist ein Geschichtenerzähler. + Und das fängt wirklich mit einer grundlegenden Reaktion auf unsere Erinnerungen an -- es fängt sofort an. + Wir erzählen nicht nur Geschichten, wenn wir uns daran machen, Geschichten zu erzählen. + Unser Gedächtnis erzählt uns Geschichten, das heißt, was wir von unseren Erlebnissen behalten dürfen ist eine Geschichte. + Und lassen Sie micht mit einem Beispiel anfangen. + Es gibt eine alte Studie. + Das sind echte Patienten, die sich einer schmerzhaften Prozedur unterziehen. + Ich werde nicht ins Detail gehen. Sie ist heutzutage nicht mehr schmerzhaft, aber sie war schmerzhaft, als diese Studie in den 1990ern durchgeführt wurde. + Sie wurden gebeten, alle 60 Sekunden über ihre Schmerzen zu berichten. + Und hier sind zwei Patienten. Das sind ihre Aufzeichnungen. + Und Sie werden gefragt: "Wer von beiden hat mehr gelitten?" + Und das ist eine sehr einfache Frage. + Patient B hat eindeutig mehr gelitten. Seine Darmspiegelung war länger, und jede Minute von Schmerz, die Patient A hatte hatte Patient B, und mehr. + Aber nun gibt es eine andere Frage: "Wie sehr dachten diese Patienten, dass sie litten?" + Und hier ist eine Überraschung: + Und die Überraschung ist, dass Patient A eine viel schlechtere Erinnrung an die Darmspiegelung hatte als Patient B. + Die Geschichten der Darmspiegelungen waren unterschiedlich, und weil ein sehr entscheidender Teil der Geschichte ist, wie sie endet -- + und keine dieser Geschichten ist sehr erbaulich oder großartig -- aber eine von ihnen ist diese deutlich ... aber eine von ihnen ist deutlich schlimmer als die andere. + Und die, die schlimmer ist war die, wo der Schmerz ganz am Ende auf seinem Höhepunkt war. Es ist eine schlimme Geschichte. + Woher wissen wir das? + Weil wir diese Leute nach ihrer Darmspiegelung gefragt haben, und auch viel später: "Wie schlimm war die ganze Sache insgesamt?", + und sie war viel schlimmer für A als für B in der Erinnrung. + Nun, das ist ein direkter Konflikt zwischen dem erlebenden Selbst und dem erinnernden Selbst. + Aus Sicht des erlebenden Selbst hatte B eindeutig eine schlechtere Zeit. + Nun, was man mit Patient A machen könnte, und wir haben tatsächlich klinische Experimente durchgeführt, und es ist gemacht worden, und es funktioniert, man könnte eigentlich die Darmspiegelung von Patient A verlängern indem man einfach den Schlauch drin lässt ohne zu sehr an ihm zu rütteln. + Das wird dazu führen, dass der Patient leidet, aber nur ein bisschen und viel weniger als vorher. + Und wenn man das ein paar Minuten lang macht hat man bewirkt, dass das erlebende Selbst von Patient A schlechter dran ist und man hat bewirkt, dass das erinnernde Selbst von Patient A viel besser dran ist, denn nun hat man Patient A eine bessere Geschichte über seine Erfahrung gegeben. + Wodurch zeichnet sich eine Geschichte aus? + Und das gilt für die Geschichten, die das Gedächtnis uns liefert und es gilt auch für die Geschichten, die wir erfinden. + Wodurch sich eine Geschichte auszeichnet sind Umbrüche, bedeutende Augenblicke und Enden. + Enden sind sehr, sehr wichtig und in diesem Fall dominierte das Ende. + Nun, das erlebende Selbst lebt sein Leben kontinuierlich. + Es hat Augenblicke des Erlebens, einen nach dem anderen. + Und Sie fragen: Was passiert mit diesen Momenten? + Und die Antwort ist wirklich einfach. Sie sind für immer verloren. + Ich meine, die meisten Augenblicke unseres Lebens -- und ich habe das ausgerechnet -- Sie wissen, die psychologische Gegenwart gilt als ungefähr drei Sekunden lang. Was bedeutet, wissen Sie, dass es in einem Leben ungefähr 600 Millionen davon gibt. In einem Monat gibt es ungefähr 600.000. Die meisten von ihnen hinterlassen keine Spur. + Die meisten von ihnen werden komplett ignoriert vom erinnernden Selbst. + Und doch bekommen Sie irgendwie den Eindruck, dass sie zählen sollten, dass was während dieser Augenblicke des Erlebens passiert unser Leben ist. + Es ist die begrenzte Ressource, die wir verbrauchen während wir auf dieser Welt sind. + Und wie wir sie verbrauchen würde scheinbar wichtig sein, aber das ist nicht die Geschichte, die das erinnernde Selbst für uns behält. + Also haben wir das erinnernde Selbst und das erlebende Selbst, und sie sind wirklich ziemlich verschieden. + Der größte Unterschied zwischen ihnen ist der Umgang mit Zeit. + Aus Sicht des erlebenden Selbst, wenn Sie einen Urlaub haben und die zweite Woche genau so gut ist wie die erste, dann ist der zweiwöchige Urlaub doppelt so gut wie der einwöchige Urlaub. + So funktioniert das überhaupt nicht für das erinnernde Selbst. + Für das erinnernde Selbst ist ein zweiwöchiger Urlaub kaum besser als der einwöchige Urlaub, weil da keine neuen Erinnerungen hinzugefügt werden. + Sie haben die Geschichte nicht geändert. + Und auf diese Weise ist Zeit eigentlich die kritische Variable, die ein erinnerndes Selbst unterscheidet von einem erlebenden Selbst. Zeit hat sehr wenig Einfluss auf diese Geschichte. + Nun, das erinnernde Selbst macht mehr, als zu erinnern und Geschichten zu erzählen. + Es ist eigentlich dasjenige, das Entscheidungen trifft, denn wenn Sie einen Patienten haben, der, sagen wir zwei Darmspiegelungen bei zwei unterschiedlichen Chirurgen hatte und sich entscheidet, welchen er wählen soll, dann ist der, der wählt der, der die Erinnerung hat, die weniger schlimm ist und das ist der Chirurg, der ausgewählt werden wird. + Das erlebende Selbst hat keine Stimme in dieser Wahl. + Eigentlich wählen wir nicht zwischen Erlebnissen. Wir wählen zwischen Erinnerungen an Erlebnisse. + Und selbst wenn wir an die Zukunft denken, denken wir an unsere Zukunft normalerweise nicht als Erlebnisse. + Wir denken über unsere Zukunft nach als vorausgesehene Erinnerungen. + Und im Grunde können Sie das betrachten, wissen Sie, als eine Tyrannei des erinnernden Selbst, und Sie können sich das erinnernde Selbst denken als eins, das sozusagen das erlebende Selbst schleppt durch Erfahrungen, die das erlebende Selbst nicht braucht. + Ich habe den Eindruck, dass wenn wir Urlaub machen das sehr häufig der Fall ist, das heißt, wir machen Urlaub weitestgehend im Dienste des erinnernden Selbst. + Und das ist ein bisschen schwer zu rechtfertigen, denke ich. + Ich meine, wie sehr zehren wir von unseren Erinnerungen? + Das ist eine der Erklärungen, die für die Dominanz des erinnernden Selbst gegeben wird. + Und wenn ich darüber nachdenke, denke ich an einen Urlaub, den wir vor ein paar Jahren in der Antarktis gemacht haben, der eindeutig der beste Urlaub war, den ich je gehabt hatte, und ich denke relativ oft daran im Verhältnis dazu, wie oft ich an andere Urlaube denke. + Und ich habe wahrscheinlich von meinen Erinnerungen an diese dreiwöchige Reise, ich würde sagen ungefähr 25 Minuten lang in den letzten vier Jahren gezehrt. + Nun, wenn ich je den Ordner geöffnet hätte mit den 600 Bildern darin hätte ich eine weitere Stunde verbracht. + Nun, das sind drei Wochen, und das sind höchstens eineinhalb Stunden. + Da scheint es eine Unstimmigkeit zu geben. + Nun, ich mag ein bisschen extrem sein, wissen Sie, darin, wie wenig Appetit ich auf das Zehren von Erinnerungen habe, aber selbst, wenn Sie mehr davon machen gibt es eine echte Frage. Warum geben wir Erinnerungen so viel Gewicht im Verlgeich zu dem Gewicht, das wir Erlebnissen geben? + Daher möchte ich, dass Sie über ein Gedankenexperiment nachdenken. + Stellen Sie sich ihren nächsten Urlaub vor, Sie wissen, dass am Ende des Urlaubs alle Ihre Bilder vernichtet werden und Sie bekommen ein amnestisches Medikament, so dass Sie sich an nichts erinnern werden. + Nun, würden Sie den gleichen Urlaub wählen? Und wenn Sie einen anderen Urlaub wählen würden, gibt es einen Konflikt zwischen Ihren beiden Arten des Selbst und Sie müssen darüber nachdenken, wie Sie diesen Konflikt entscheiden und das ist wirklich überhaupt nicht offensichtlich, denn wenn Sie im Sinne von Zeit denken bekommen Sie eine Antwort. Und wenn Sie im Sinne von Erinnerungen denken könnten Sie eine andere Antwort bekommen. + Warum wir die Urlaube aussuchen, die wir aussuchen ist ein Problem, das sich uns stellt mit einer Wahl zwischen den beiden Arten des Selbst. + Nun, die beiden Arten des Selbst werfen zwei Begriffe vom Glück auf. + Es gibt tatsächlich zwei Konzepte vom Glück, die wir anwenden können, eines pro Selbst. + Sie können also fragen: Wie glücklich ist das erlebende Selbst? + Und dann würden Sie fragen: Wie glücklich sind die Augenblicke im Leben des erlebenden Selbst? + Und sie sind alle -- Glück für Augenblicke ist ein ziemlich komplizierter Prozess. + Welches sind die Emotionen, die gemessen werden können? + Und, nebenbei, wir sind nun imstande eine ziemlich gute Vorstellung zu bekommen vom Glück des erlebenden Selbst über die Zeit. + Wenn Sie nach dem Glück des erinnernden Selbst fragen ist es eine ganz andere Sache. + Das handelt nicht davon, wie glücklich eine Person lebt. + Es handelt davon, wie zufrieden oder erfreut die Person ist, wenn diese Person über ihr Leben nachdenkt. + Sehr unterschiedlicher Begriff. + Jeder, der diese Begriffe nicht unterscheidet wird die Erforschung des Glücks vermasseln, und ich gehöre zu einer Menge von Forschern über Wohlbefinden, die die Erforschung des Glücks lange vermasselt haben auf genau diese Art. + Die Unterscheidung zwischen dem Glück des erlebenden Selbst und der Zufriedenheit des erinnernden Selbst ist in den letzten Jahren erkannt worden, und jetzt bemüht man sich, die beiden separat zu messen. + Die Gallup Organization hat eine weltweite Umfrage, bei der mehr als einer halben Million Leute Fragen gestellt worden sind darüber, was sie über ihr Leben denken und über ihre Erlebnisse. Und es gab andere Bemühungen in der Richtung. + In den letzten Jahren haben wir also angefangen, über das Glück der beiden Arten des Selbst zu lernen. + Und die hauptsächliche Lektion, die wir, glaube ich, gelernt haben ist, dass sie wirklich unterschiedlich sind. + Sie können wissen, wie zufrieden jemand mit seinem Leben ist, und das lehrt sie wirklich nicht viel darüber, wie glücklich er sein Leben lebt und umgekehrt. + Nur um Ihnen einen Eindruck von der Korrelation zu vermitteln, die Korrelation ist ungefähr .5. + Was das bedeutet ist, dass wenn Sie jemanden treffen würden und man würde Ihnen sagen, oh, sein Vater ist ein Zwei-Meter-Mann, wie viel würden Sie über seine Größe wissen? + Nun, Sie würden etwas über seine Größe wissen, aber es gibt viel Unsicherheit. + Sie haben so viel Unsicherheit. + Wenn ich Ihnen sage, dass jemand sein Leben als acht auf einer Skala von zehn eingeordnet hat haben Sie viel Unsicherheit darüber, wie glücklich er ist mit seinem erlebenden Selbst. + Die Korrelation ist also gering. + Wir wissen etwas darüber, was die Zufriedenheit des Glücks-Selbst bestimmt. + Wir wissen, dass Geld sehr wichtig ist, Ziele sind sehr wichtig. + Wir wissen, dass Glück hauptsächlich bedeutet, zufrieden zu sein mit Menschen, die wir mögen, Zeit zu verbringen mit Menschen, die wir mögen. + Es gibt andere Vergnügen, aber das ist dominant. + Wenn Sie also das Glück der beiden Arten des Selbst maximieren wollen werden Sie am Ende sehr unterschiedliche Dinge tun. + Die Schlussfolgerung aus dem, was ich hier gesagt habe ist, dass wir uns Glück wirklich nicht vorstellen sollten als einen Ersatz für Wohlbefinden. + Es ist ein komplett anderer Begriff. + Nun, ganz kurz, ein anderer Grund, aus dem wir nicht klar über Glück nachdenken können ist, dass wir nicht auf die selben Dinge achten wenn wir über das Leben nachdenken und wenn wir tatsächlich leben. + Wenn Sie also die einfache Frage stellen, wie glücklich die Leute in Kalifornien sind werden Sie nicht die korrekte Antwort bekommen. + Wenn Sie diese Frage stellen denken Sie, dass die Leute in Kalifornien glücklicher sein müssen wenn Sie, sagen wir, in Ohio leben. + Und was passiert ist, dass wenn Sie über das Leben in Kalifornien nachdenken, denken Sie an den Unterschied zwischen Kalifornien und anderen Orten, und dieser Unterschied besteht, sagen wir, im Klima. + Nun, es stellt sich heraus, dass Klima nicht sehr wichtig für das erlebende Selbst ist, und es ist nicht einmal sehr wichtig für das nachdenkliche Selbst, das entscheidet, wie glücklich Leute sind. + Nun aber, weil das nachdenkliche Selbst verantwortlich ist, können Sie am Ende -- einige Leute könnten am Ende nach Kalifornien ziehen. + Und es ist sozusagen interessant zu verfolgen, was passiert mit Leuten, die nach Kalifornien ziehen in der Hoffnung, glücklicher zu werden. + Nun, ihr erlebendes Selbst wird nicht glücklicher werden. + Wir wissen das. + Aber eine Sache wird passieren. Sie werden denken, dass sie glücklicher sind, denn wenn sie darüber nachdenken werden sie daran erinnert werden, wie schrecklich das Wetter in Ohio war. Und sie werden spüren, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. + Es ist sehr schwierig, klar über Wohlbefinden nachzudenken, und ich hoffe, ich habe Ihnen einen Eindruck davon vermittelt, wie schwierig es ist. + Danke. + Chris Anderson: Danke. Ich habe eine Frage an Sie. + Vielen Dank. + Nun, als wir vor ein paar Wochen telefoniert haben erwähnten Sie mir gegenüber, dass es ein ziemlich interessantes Ergebnis gab, das aus dieser Gallup Umfrage kam. + Ist das etwas, woran Sie uns teilhaben lassen können, weil Sie jetzt ein paar Minuten übrig haben? + Daniel Kahneman: Sicher. + I denke, das interessanteste Ergebnis, das wir in der Gallup Umfrage gefunden haben ist eine Zahl, die wir absolut nicht zu finden erwartet hatten. + Wir fanden das im Hinblick auf das Glück des erlebenden Selbst. + Wenn wir uns anschauten, wie Gefühle mit dem Einkommen variieren. + Und es stellt sich heraus, dass unter einem Einkommen von 60.000 Dollar im Jahr, für Amerikaner, und das ist eine sehr große Stichprobe von Amerikanern, ungefähr 600.000, aber es ist eine große repräsentative Stichprobe, unter einem Einkommen von 600.000 Dollar im Jahr + CA: 60.000. + DK: 60.000. + 60.000 Dollar im Jahr sind die Leute unglücklich, und sie werden zunehmend unglücklicher, je ärmer sie werden. + Darüber bekommen wir eine absolut flache Linie. + Ich meine, ich habe selten so flache Linien gesehen. + Was passiert, ist offensichtlich, dass Geld einem kein Erlebnis-Glück beschafft, aber dass Mangel an Geld einem sicherlich Elend beschafft, und wir können dieses Elend sehr, sehr klar messen. + Im Sinne des anderen Selbst, des erinnernden Selbst, bekommen Sie eine andere Geschichte. + Je mehr Geld man verdient desto zufriedener ist man. + Das gilt nicht für Emotionen. + CA: Aber Danny, im gesamten amerikanischen Bestreben geht es um Leben, Freiheit, das Streben nach Glückseligkeit. + Wenn Leute diesen Befund ernst nehmen würden, ich meine, es scheint alles auf den Kopf zu stellen, alles, was wir glauben, zum Beispiel in Bezug auf Steuerpolitik und so weiter. + Gibt es eine Chance, dass Politiker, dass das Land generell einen Befund wie den ernst nehmen würde und darauf basierend Politik machen würde? + DK: Wissen Sie, ich glaube, dass es Anerkennung gibt für die Rolle der Glücksforschung in der Politik. + Die Anerkennung wird langsam sein in den Vereinigten Staaten, keine Frage, aber im Vereinigten Königreich passiert sie gerade und in anderen Ländern passiert sie gerade. + Die Leute sind dabei, anzuerkennen, dass sie an Glück denken sollten, wenn sie an Politik denken. + Es wird eine Weile dauern, und die Leute werden diskutieren, ob sie Erlebnis-Glück erforschen wollen oder ob sie Lebens-Bewertung erforschen wollen, also müssen wir diese Diskussion ziemlich bald führen. + Wie man Glück steigern kann geht sehr unterschiedlich abhängig davon, wie Sie denken und ob Sie an das erinnernde Selbst denken oder ob Sie an das erlebende Selbst denken. + Das wird Politik beeinflussen, denke ich, in den kommenden Jahren. + In den Vereinigten Staaten strengt man sich an, das Erlebnis-Glück der Bevölkerung zu messen. + Das wird, denke ich, in den nächsten ein oder zwei Jahrzehnten Teil der nationalen Statistik sein. + CA: Nun, es scheint mir, dieses Thema wird, oder sollte wenigstens die interessanteste politische Debatte zum Verfolgen sein über die nächsten paar Jahre. + Vielen Dank für die Erfindung der Verhaltensökonomie. + Danke, Danny Kahneman. + + + http://www.ted.com/talks/bill_gates + TED Talk Subtitles and Transcript: Bei TED2010 enthüllt Bill Gates seine Vision der weltweiten Energiezukunft, wobei er die Notwendigkeit von "Wundern" beschreibt, welche eine planetare Katastrophe abwenden können und erklärt warum er einen nie dagewesenen neuen Nukleareaktortypen unterstützt. Das notwendige Ziel? Kein CO2-Ausstoß, weltweit, im Jahre 2050. + talks, TED Brain Trust, business, energy, global issues, invention, science, technology + 767 + Bill Gates ueber Energie: Innovation nach Null! + Tim Steinhaus + Philipp Böing + Heute spreche ich zu Ihnen über Energie und Klima. + Und das überrascht vielleicht etwas, weil sich meine Vollzeitbeschäftigung bei der Stiftung hauptsächlich um Impfstoffe und Saatgut dreht, um die Dinge, die wir erfinden und liefern müssen um den ärmsten 2 Milliarden ein besseres Leben zu ermöglichen. + Aber Energie und Klima sind extrem wichtig für diese Menschen, Genau genommen sogar wichtiger als für jeden anderen auf dem Planeten. + Klimaverschlechterung bedeutet, dass deren Saaten über viele Jahre nicht wachsen werden. Es wir zu viel oder zu wenig regnen. Die Dinge werden sich so ändern, wie es ihre fragile Umwelt nicht aushalten kann. + Das führt zu Hungersterben. Es führt zu Unsicherheit. Es führt zu Unruhen. + Also, wird eine Klimaveränderung furchtbar für sie werden. + Außerdem ist der Energiepreis für sie sehr wichtig. + Tatsache ist, dass, wenn Sie nur von einer Sache den Preis verringern könnten, zur Armutsverringerung wäre Energie bei weitem am effektivsten. + Nun, der Energiepreis ist über die Zeit gefallen. + Tatsächlich basiert die Fortschrittsgesellschaft auf Energiefortschritten. + Die Kohlerevolution trieb die industrielle Revolution an und selbst im 20. Jahrhundert gab es einen rapiden Fall im Elektrizitätspreis und deshalb haben wir Kühlschränke, Klimaanlagen, wir können moderne Materialien herstellen und so viele Dinge tun. + Wir befinden uns also in einer wunderbaren Situation mit Strom in der reichen Welt. + Aber, wenn wir den Preis verringern -- lassen wir uns den Preis halbieren -- treffen wir auf eine neue Barriere und diese Barriere hängt mit CO2 zusammen. + CO2 erwärmt den Planeten und die Gleichung für CO2 ist eigentlich ziemlich klar. + Sie summieren das ausgestoßene CO2, welches zur Temperaturerhöhung führt und diese Temperaturerhöhung hat einige sehr negative Folgen. Effekte auf das Wetter und vielleicht schlimmer, die indirekte Folge, dass die natürlichen Ökosysteme sich solch rapiden Veränderungen nicht anpassen können und somit ganze Systeme zusammenfallen. + Nun, der exakte Zusammenhang zwischen einem CO2-Anstieg und der dadurch resultierende Temperaturveränderung und wo deren weitere Folgen liegen, da gibt es einige Unklarheiten, aber nicht sehr viele. + Und es gibt sicher Unklarheit darüber, wie schlimm diese Folgen werden. Aber sie werden extrem schlimm sein! + Ich habe die Top-Wissenschaftler mehrmals gefragt: "Müssen wir wirklich runter auf nahe Null kommen? + Reicht nicht die Hälfte oder ein Viertel?" + Die Antwort ist: Bis wir nahe Null kommen, wird die Temperatur weiter steigen. + Deshalb ist es eine große Herausforderung. + Es ist ganz anders als zu sagen, wir haben ein 3,5 m hohen LKW, der unter einer 3 m Brücke her muss. Den kann man dann quasi darunter her quetschen. + Das hier muss ganz nach unten, auf Null. + Nun, wir stoßen jedes Jahr eine menge Kohlenstoffdioxid aus, über 26 Milliarden Tonnen. + Jeder Amerikaner etwa 20 Tonnen. Menschen aus armen Ländern, weniger als eine. + Im Durchschnitt sind es etwa 5 Tonnen für jeden auf dem Planeten. + Und irgendwie müssen wir Veränderungen hervorbringen, die das auf Null senken. + Es ist bisher konstant gestiegen. + Nur verschiedene ökonomische Veränderungen haben es überhaupt beeinflusst und wir müssen von rapidem Anstieg zu Verringerung gehen und zu einer Verringerung bis auf Null. + Diese Gleichung hat vier Faktoren. Ein bisschen Multiplikation. Sie haben dieses Ding links - CO2 -, das Sie Richtung Null bringen wollen und das wird von der Anzahl der Menschen abhängen, von den Diensten, die jeder Mensch im Durchschnitt nutzt, der durchschnittlichen Energie für jeden Dienst und dem CO2, das pro Energieeinheit emittiert wird. + Lassen Sie uns also jeden Faktor einzeln anschauen und überlegen wir, wie wir das auf Null bekommen. + Wahrscheinlich muss eine dieser Zahlen sehr nah an Null kommen. + Nun das ist grundlegende Algebra, aber gehen wir es mal durch. + Zuerst haben wir die Bevölkerung. + Heute leben 6,8 Milliarden Menschen, + und es schreitet auf 9 Milliarden zu. die sich auf 9 Milliarden zu bewegen. + Wenn wir sehr erfolgreich mit neuen Impfstoffen, der Gesundheitsvorsorgung und Reproduktionsmedizin sind könnten wir das wohl um 10% bis 15% senken, aber zur Zeit sehen wir eine Steigung um 1,3. + Der zweite Faktor sind die Dienste, die wir nutzen. + Das umfasst alles, die Nahrung, die wir essen, Kleidung, Fernsehen, Heizung. + Das sind sehr gute Dinge und Armutsverringerung bedeutet, diese Dienste fast jedem auf dem Planeten zugänglich zu machen. + Es ist toll, dass diese Nummer steigt. + In der reichen Welt, in der oberen Milliarde, könnten wir wohl Abstriche machen und weniger nutzen, aber im Durchschnitt wird diese Zahl jedes Jahr steigen und sich somit insgesamt mehr als verdoppeln, die Zahl der Dienste die pro Person bereitgestellt werden. + Hier sehen wir einen sehr grundlegenden Dienst. Gibt es zu Hause Licht, damit man die Hausaufgaben lesen kann? + Und diese Schüler haben es nicht, also gehen sie heraus und lesen ihre Schulaufgaben unter dem Straßenlicht. + Nun, bei Effektivität, dem E, die Energie pro Dienst, gibt es endlich gute Nachrichten. + Wir haben etwas, das nicht steigt, + aufgrund verschiedener Erfolge im Lichtsektor, durch andere Autotypen, durch neue Methoden im Häuserbau, Es gibt viele Dienste, deren Energieaufwand Sie drastisch senken können, drastisch gesenkt werden kann, 103 00:05:50,000 --> 00:05:53,000 manche Dienste lassen sich um 90% reduzieren. + manche einzelne Dienste lassen sich um 90% reduzieren. + In anderen Diensten, wie der Herstellung von Düngemitteln, 105 00:05:56,000 --> 00:05:58,000 oder dem Luftverkehr oder Luftverkehr, ist der Spielraum für Verbesserungen sehr viel kleiner. + Insgesamt, wenn wir optimistisch sind, bekommen wir vielleicht eine Reduzierung um einen Faktor 3 oder vielleicht sogar um einen Faktor 6. + Aber bei den ersten drei Faktoren, sind wir jetzt von 26 Milliarden auf vielleicht allerbestes 13 Milliarden Tonnen gegangen. Und das reicht einfach nicht aus! + Sehen wir uns also den vierten Faktor an -- und dieser wird ein Schlüsselfaktor sein -- Das ist die Menge an CO2, die pro Energieeinheit emittiert wird. + Es stellt sich die Frage, ob man das auf Null bekommen kann. + Wenn Sie Kohle verbrennen: Nein. + Wenn Sie Erdgas verbrennen: Nein. + Fast jede Herstellungsmethode für Strom emittiert heutzutage CO2, außer die erneuerbaren Energien und Nuklearenergie. + Also, was wir auf einem globalen Level machen müssen, ist, ein neues System zu schaffen. + Wir brauchen Energiewunder. + Wenn ich nun den Begriff "Wunder" benutze, meine ich nicht das Unmögliche. + Der Mikroprozessor ist ein Wunder. Der PC ist ein Wunder. + Das Internet und dessen Dienste ist ein Wunder. + Die Menschen hier haben zu der Entwicklung vieler dieser Wunder beigetragen. + Normalerweise gibt es keine Deadline, dass man ein Wunder bis zu einem bestimmten Datum braucht. + Normalerweise steht man quasi nur daneben und manche kommen, andere nicht. + In diesem Fall müssen wir aber Vollgas geben und ein Wunder in sehr kurzer Zeit bekommen. + Nun, ich fragte mich, wie kann ich das wirklich rüberbringen? + Gibt es eine natürliche Illustration, eine Demonstration, die die Vorstellung der Menschen hier entfacht? + Ich erinnerte mich an letztes Jahr, als ich Moskitos brachte und irgendwie mochten die Leute das. + Die Idee wurde für sie wirklich greifbar, wissen Sie, dass es Menschen gibt, die mit Moskitos leben. + Für Energie fiel mir das hier ein. + Ich entschied, dass das Freilassen von Glühwürmchen mein diesjähriger Beitrag zur Umwelt hier sein würde. + Hier sind also ein paar natürliche Glühwürmchen. + Man hat mir versichert, dass sie nicht beißen. Tatsächlich werden sie wohl nicht mal das Glas verlassen. + Nun, es gibt alle möglichen Spielereilösungen wie diese, aber sie bringen alle nicht viel. + Wir brauchen Lösungen, entweder eine oder mehrere die eine unvorstellbare Skalierung und unvorstellbare Verlässlichkeit haben. Und obwohl es viele Richtungen gibt, in denen Menschen danach suchen, sehe ich wirklich nur fünf, die diese großen Anforderungen leisten können. + Ich habe Gezeiten, Geothermal, Fusion und Biokraftstoffe ausgelassen. + Diese leisten vielleicht einen moderaten Beitrag und wenn sie besseres leisten als ich erwarte, wäre das toll, aber meine Kernaussage hier ist, dass wir an all jenen fünf arbeiten müssen, und wir können keine von ihnen aufgeben, weil sie uns einschüchtern, denn alle haben signifikante Probleme. + Schauen wir uns zuerst das Verbrennen fossiler Brennstoffe an, Verbrennung von entweder Kohle oder Erdgas. + Was man dort machen muss, scheint vielleicht einfach, aber das ist es nicht. Man müsste all das CO2, das nach dem Verbrennen aus dem Schornstein kommt, einfangen, unter Druck verflüssigen und dann irgendwo lagern und hoffen, dass es dort bleibt. + Es gibt einige Pilotprojekte, die das auf einem 60% - 80% Niveau schaffen, aber es auf 100% zu bekommen wird sehr schwierig werden. Und eine Einigung für die Lagerung des CO2 zu erzielen, ist eine große Herausforderung. Aber das größte Problem hier ist die Lagerzeitfrage. + Wer wird es sicherstellen? + Wer kann etwas garantieren, was buchstäblich viele Milliarden mal größer als jede Art von Müll, den man sich von Nuklear- und anderen Dingen vorstellen kann? + Das ist eine Menge Volumen. + Das ist also eine harte Nuss. + Als nächstes: Nuklearenergie. + Die hat auch drei große Probleme. Die Kosten, vor allem in hochregulierten Ländern sind hoch. Die Frage nach Sicherheit, dass man wirklich fühlt, dass nichts schief gehen kann, trotz der menschlichen Mitarbeit, dass der Treibstoff nicht für Waffen verwendet wird. + Und was macht man dann mit dem Müll? + Denn obwohl er nicht sehr groß ist, gibt es eine Menge Bedenken. + Die Menschen müssen sich dabei gut fühlen. 184 00:10:20,000 --> 00:10:25,000 Also drei sehr schwierige Probleme, die vielleicht lösbar sind + Also drei sehr schwierige Probleme, die vielleicht lösbar sind, und an denen man deshalb arbeiten sollte. + Die letzten drei der fünf habe ich zusammengefasst. + Es sind die Erneuerbaren Energien, wie sie oft genannt werden. + Und auch die haben -- obwohl es toll ist, dass sie keinen Brennstoff brauchen -- sie haben einige Nachteile. + Zum einen ist die Energiedichte, die diese Technologien erzeugen dramatisch geringer als die von Kraftwerken. + Das sind Energiefarmen, man spricht von vielen Quadratkilometern, tausendmal mehr Fläche als ein normales Kraftwerk. + Außerdem unterliegen diese Quellen Unterbrechungen: + Die Sonne scheint nicht den ganzen Tag, sie scheint auch nicht jeden Tag und genauso weht auch der Wind nicht ständig. + Deshalb muss man, wenn man von diesen Quellen abhängig ist, einen Weg haben, die Energie auch in Zeiten wenn Sie nicht verfügbar ist, zu bekommen. + Es gibt hier also große Preisherausforderungen. Es gibt Herausforderungen bei der Übertragung. Wenn wir beispielsweise sagen, dass die Energiequelle außerhalb des Landes liegt, brauchen Sie nicht nur die Technologie, Sie müssen auch mit dem Risiko umgehen, dass die Energie von wo anders herkommt. + Und es gibt das Lagerungsproblem. + Und um die Dimension zu zeigen, habe ich mir alle Arten von Batterien, die hergestellt werden, angeschaut: Die für Autos, Computer, Handys, Taschenlampen, für alles. Und das habe ich mit der Menge der elektronischen Energie, welche die Welt nutzt, verglichen. Ich fand heraus, dass alle Batterien, die wir jetzt produzieren, weniger als 10 Minuten der Gesamtenergie lagern könnten. + Wir brauchen hier also einen großen Durchbruch, etwas, dass um einen Faktor 100 besser sein wird, als die Herangehensweisen zur Zeit. + Das ist nicht unmöglich, aber es ist nicht so leicht. + Das passiert, wenn man versucht, diese unterbrochenen Quellen über sagen wir 20% - 30% des Verbrauchs zu bringen. + Wenn Sie sich um 100% darauf stützen wollen, brauchen Sie eine unglaubliche Wunderbatterie. + Nun, wohin sollen wir gehen: Was ist der richtige Ansatz? + Ein "Manhattan Projekt"? Wie kommen wir ans Ziel? + Was wir brauchen sind viele Firmen, die daran arbeiten. Hunderte. + In jeden dieser fünf Bereiche brauchen wir mindestens 100 Menschen. + Bei vielen werden Sie sagen: Die sind verrückt! Das ist gut. + Ich glaube, hier in der TED Gruppe gibt es viele, die sich dort bereits engagieren. + Bill Gross hat mehrere Firmen, unter anderem eine namens eSolar die großartige Solarthermaltechnologien hat. + Vinod Khosla investiert in dutzende Firmen die tolle Sachen machen und interessante Möglichkeiten haben und ich versuche das zu unterstützen. + Nathan Myhrvold und ich finanzieren eine Firma, die, vielleicht überraschenderweise, den nuklearen Ansatz verfolgt. + Es gibt einige Innovationen im Nuklearbereich; modular, flüssig. + Die Entwicklung hat in dieser Industrie vor einiger Zeit aufgehört, also ist es keine große Überraschung, dass einige gute Konzepte herumliegen. + Das TerraPower-Konzept bedeutet, dass man anstelle eines Teils des Urans, dem einen Prozent, das U235, wir entschieden, die 99% zu verbrennen, das U238. + Das ist eine ziemlich verrückte Idee. + Aber tatsächlich hatte man darüber schon lange nachgedacht, aber man konnte nie vernünftig simulieren, ob es funktionieren würde, doch seitdem es moderne Supercomputer gibt, kann man es simulieren und sehen, dass: Ja! Mit der richtigen Materialienherangehensweise, sieht es so aus, dass es funktioniere. + Und weil man diese 99% verbrennt, ist das Kostenprofil sehr viel besser. + Tatsächlich verbrennt man den Müll, und man kann sogar den Abfall von heutigen Reaktoren als Antriebsstoff benutzen. + Anstatt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, verbrennen Sie es einfach. Eine tolle Sache. + Das Uran wird graduell verbraucht, ein bisschen wie eine Kerze. + Sie sehen, dass es eine Art Säule ist, oft als "Wandernde Welle Reaktor" bezeichnet. + Das löst wirklich das Treibstoffproblem. + Hier ist ein Bild eines Ortes in Kentucky. + Das ist der Abfall, die 99%. Man hat den Teil, der heute verbrannt wird, herausgenommen also heißt es aufgebrauchtes Uran. + Das triebe die U.S. für hunderte von Jahren an. + Und wenn man Ozeanwasser günstig und einfach filtriert, bekommt man genügend Treibstoff für die restliche Lebenszeit des Planeten. + Wissen Sie, es gibt da noch viele Herausforderungen, aber es ist ein Beispiel von vielen hunderten von Konzepten, die wir brauchen, um vorwärts zu kommen. + Überlegen wir uns, wie wir unseren Erfolg messen sollten. + Wie sollte unser Zeugnis aussehen? + Nun, gehen wir bis ans Ziel, das wir erreichen müssen und dann reden wir über den Zwischenschritt. + Viele sprechen von einer 80% Reduktion bis 2050. + Es ist wirklich sehr wichtig, dass wir dorthin gelangen. + Die restlichen 20% werden in armen Ländern erzeugt werden, sowie immer noch etwas Landwirtschaft. Hoffentlich wird Waldrohdung und Zement bis dahin sauber sein. + Also, um diese 80% zu erreichen, müssen die Industriestaaten, inklusive Ländern wie China, ihre Elektrizitätsgeneration komplett umstellen. + Die andere Note sagt, ob wir die Null-Emissionen Technologie einsetzen, ob sie in allen entwickelten Ländern eingesetzt ist und wir auf dem Weg sind, sie zu dem Rest zu bekommen. + Das ist super wichtig. + Das wird ein Schlüsselelement dieses Zeugnisses. + Wenn wir von dort zurückgehen, wie sollte das 2020 Zeugnis aussehen? + Es sollte wieder die beiden Elemente enthalten. + Wir sollten die Effektivitätsmaßnahmen nutzen, um Reduktion auf den Weg zu bringen. Je weniger wir emittieren, desto geringer wird die CO2-Summe sein und damit auch die Temperatur. + Aber eigentlich ist diese Note für die Dinge die wir unternehmen, die nicht komplett zu den großen Reduktionen führen, nur gleich, oder sogar etwas weniger wichtig wie die andere, welche die Schnelligkeit der Innovation für diese Durchbrüche darstellt. + Diese Durchbrüche müssen wir mit Vollgas verfolgen und das können wir messen: in Firmenzahlen, in Pilotprojekten und Regulierungsänderungen. + Es gibt viele großartige Bücher zu diesem Thema. + Das Al Gore Buch "Wir haben die Wahl" und David McKays "Sustainable Energy Without the Hot Air." + Sie gehen es wirklich durch und schaffen einen Rahmen, in dem dies breit diskutiert werden kann, denn wir brauchen dafür Unterstützung von allen Seiten. + Es gibt Einiges, das zusammenkommen muss. + Das ist ein Wunsch. + Ein sehr konkreter Wunsch, dass wir diese Technologie erfinden. + Wenn Sie mir nur einen Wunsch für die nächsten 50 Jahre gestatten, ich könnte den Präsidenten auswählen, einen Impfstoff, und das liebe ich, oder ich könnte diesen Wunsch wählen, der lautet, halbierter Energiepreis ohne CO2 wird erfunden. diesen Wunsch nähme ich. + Dieser hat die größte Auswirkung. + Wenn wir diesen Wunsch nicht kriegen, wird der Graben zwischen langfristig und kurzfristig denkenden Menschen schrecklich werden, zwischen den USA und China, zwischen armen und reichen Ländern. und fast alle Leben dieser 2 Milliarden werden sehr viel schlechter sein. + Was müssen wir also tun? + Für welche Maßnahmen appelliere ich? + Wir müssen uns für mehr Forschungsgelder einsetzen. + Wenn Länder sich in Orten wie Koppenhagen treffen, sollten sie nicht nur über CO2 sprechen. + Sie sollten diese Innovationsstrategie besprechen und Sie wären geschockt von den lächerlich geringen Geldern, die für diese innovativen Herangehensweisen ausgegeben werden. + Wir brauchen Marktanreize, CO2 Steuern, Cap & Trade etwas, dass ein Preissignal schafft. + Wir müssen die Nachricht verbreiten. + Wir müssen Dialog rationaler und vollständiger führen und auch die Dinge, die von der Regierung unternommen werden. + Es ist ein wichtiger Wunsch, aber ich denke, wir können ihn erfüllen. + Vielen Dank. + Vielen Dank. + Chris Anderson: Danke. Danke! + Vielen Dank. Nur um TerraPower etwas besser zu verstehen -- Erstmal, können Sie uns eine Vorstellung der Größenordnung dieser Investition geben? + Bill Gates: Um die Simulation auf einem Supercomputer durchzuführen, alle großen Wissenschaftler zu bekommen, was wir gemacht haben, brauchen wir nur einige 10 Millionen. Und selbst wenn wir unsere Materialien in einem russischen Reaktor getestet haben, um sicherzustellen, dass es vernünftig funktioniert, ist man nur in den 100en Millionen. + Der schwierige Schritt ist das Bauen des ersten Reaktors, weitere Milliarden zu finden, die Regularien und den Ort der tatsächlich den ersten davon baut. + Sobald der Erste fertig ist, wenn er so läuft wie versprochen, dann ist alles ganz klar, denn die Wirtschaftlichkeit, die Energiedichte ist so anders als bei Nuklearenergie, wie wir sie kennen. + CA: Um das richtig zu verstehen: Das bedeutet tief in den Boden zu bauen fast wie eine vertikale Säule nuklearen Brennstoffs, dieses verbrauchten Urans und dann beginnt der Prozess oben und arbeitet sich weiter nach unten? + BG: Genau. Heute müssen Sie den Reaktor immer neu befüllen, also gibt es viele Leute und viele Kontrollen, die schief gehen können. Dieses Ding wo man ihn öffnet und Sachen hinein- oder herausbringt. Das ist nicht gut! + Wenn man aber sehr billigen Brennstoff hat, kann man ihn für 60 Jahre befüllen -- denken Sie an eine Säule -- die Sie vergraben, ohne die ganzen Komplexitäten. + Und es sitzt dort und brennt 60 Jahre lang und dann ist es fertig. + CA: Ein Nuklearreaktor, der selbst eine Lösung für den Müll bietet. + BG: Ja. Nun, was mit dem Müll passiert: Man kann ihn sitzen lassen -- es gibt viel weniger Müll mit dieser Methode -- dann nehmen Sie ihn und packen ihn in den nächsten Reaktor und verbrennen es weiter. + Und wir beginnen, indem wir den Müll nehmen, der bereits existiert, der in diesen Kühlbecken oder Trockenbehältern bei den Reaktoren liegt. Das ist unser Startbrennstoff. + Also ist das, was für diese Reaktoren ein Problem war, das, was wir in unseren füllen und damit wird das Müllvolumen dramatisch reduziert während dieses Prozesses. + CA: Aber während Sie mit verschiedenen Menschen dieser Welt über diese Möglichkeiten gesprochen haben, + wo ist das größte Interesse, so was wirklich umzusetzen? + BG: Nun wir haben uns noch nicht auf einen Ort festgelegt und es gibt eine Menge interessanter Offenlegungsregeln für alles das "nuklear" im Namen trägt. Es gibt großes Interesse und die Menschen des Unternehmens waren in Russland, Indien, China... Ich war hier und habe den Energieminister getroffen und darüber gesprochen, wie dies zur Energieagenda passt. + Ich bin optimistisch. Wissen Sie, die Franzosen und Japaner haben etwas in die Richtung gemacht. + Dies ist eine Variante einer Sache, die gemacht wurde. + Das ist ein wichtiger Schritt vorwärts, aber es ist wie ein schneller Reaktor und einige Länder haben diese gebaut, deshalb ist jeder, der einen schnellen Reaktor umgesetzt hat, ein Kandidatat für unseren ersten. + CA: In Ihrer Vorstellung: Zeitrahmen und Wahrscheinlichkeit so etwas wirklich ins Leben zu rufen? + BG: Nun wir brauchen eines dieser skalierbaren, stromgenerierenden Dinge, die sehr günstig sind, wir haben 20 Jahre zum Erfinden und dann 20 Jahre zum Einsetzen. + Das ist quasi die Deadline, die uns die Umweltmodelle aufgezeigt hat, die wir einhalten müssen. + Und, wissen Sie, TerraPower, wenn alles gut läuft, und das ist ein großer Wunsch, könnte das leicht halten. + Und glücklicherweise gibt es heute Dutzende von Firmen, und wir brauchen Hunderte, die, genauso, wenn deren Ansätze funktionieren, die Förderung für ihre Piloten funktioniert, dafür mitbieten können. + Und es wäre am Besten, wenn es mehrere schaffen, denn dann könnte man eine Mischung benutzen. + Auf jeden Fall brauchen wir eine Lösung. + CA: Betreffend der großen möglichen Durchbrüche, ist dies das Größte, das Sie kennen? + BG: Ein Energiedurchbruch ist das allerwichtigste. + Das wäre es auch ohne die Umweltherausforderung gewesen, aber die macht es noch so viel wichtiger. + Im nuklearen Sektor gibt es andere innovative Firmen. + Wissen Sie, wir kennen deren Arbeit nicht so gut wie diese, aber es gibt die modulare Methode, das ist ein anderer Ansatz. + Es gibt einen flüssigen Reaktortyp, welches etwas schwierig scheint, aber vielleicht sagen die das über uns. + Und somit gibt es verschiedene, aber das schöne daran ist, dass ein Uranmolekül eine Millionen mal so viel Energie hat wie ein, sagen wir, ein Kohlemolekül und deshalb, wenn Sie mit den Problemen umgehen können und die sind hauptsächlich die Strahlung, der Fußabdruck und die Kosten, spielt das Potential, also die Auswirkungen auf das Land und andere Dinge, fast in einer eigenen Liga. + CA: Wenn das nicht klappt, was dann? + Müssen wir Notfallmaßnahmen einleiten, um zu versuchen, die Erdtemperatur stabil zu halten? + BG: Wenn man in diese Situation kommt, ist es als ob man zu viel gegessen hat, und kurz vor einem Herzinfarkt steht. Was macht man dann? Man braucht vielleicht eine Herzoperation oder ähnliches. + Es gibt eine Forschungsrichtung die sich Geoengineering nennt, die sich mit verschiedenen Techniken befasst, um die Erwärmung zu verzögern, damit wir 20 oder 30 Jahre länger bekämen um uns zusammenzuraufen. + Das ist nur eine Versicherungsmethode. + Man hofft, dass wir das nicht brauchen. + Manche Leute sagen, man sollte gar nicht erst an der Versicherung arbeiten weil einen das vielleicht faul macht, sodass man weiter isst, weil man weiß, dass einen die Herzoperation retten wird. + Ich weiß nicht, ob das klug ist, wenn man sich die Wichtigkeit dieses Problems vor Augen führt, aber es gibt nun einen Diskurs in Geoengineering darüber, ob man das zur Verfügung haben sollte, falls die Dinge schneller kommen, oder diese Innovation länger braucht, als wir erwarten. + CA: Klimaskeptiker: Haben Sie ein oder zwei Sätze für die, um Sie vielleicht zu überzeugen? + BG: Nun, leider leben die Skeptiker in sehr verschiedenen Camps. + Diejenigen, die wissenschaftliche Argumente machen, sind sehr wenig. + Sagen sie, dass es negative Auswirkungen gibt, die mit den Wolken zu tun haben, die Dinge verschieben? + Es gibt sehr, sehr wenige Dinge, die sie überhaupt sagen können, von denen es eine Chance in einer Millionen gibt. + Das Hauptproblem hier ist so ähnlich wie bei AIDS. + Man macht den Fehler jetzt, und man zahlt dafür sehr viel später. + Und deshalb ist die Vorstellung, jetzt, wenn man alle möglichen dringenden Probleme hat, in etwas zu investieren, von dem man erst später was hat -- und dazu kommt, dass die Investition nicht so klar ist. Tatsächlich ist der IPCC Report nicht unbedingt das schlimmste Szenario und es gibt Menschen in der reichen Welt, die sich IPCC anschauen und sagen, okay, das ist kein großes Drama. + Die Tatsache ist, dass diese Unsicherheit uns Sorgen machen sollte. + Aber mein Traum hier ist, dass, wenn man es ökonomisch machen kann, und gleichzeitig das CO2 beseitigt, dann sagen auch die Skeptiker: "Okay, Es interessiert mich nicht, dass es kein CO2 emittiert, ich wünschte fast, dass es das täte, aber ich werde es wohl akzeptieren, weil es billiger ist als die vorherige Methode." + CA: Und das wäre Ihre Antwort auf das Björn Lomborg Argument, dass, wenn man all diese Zeit und Energie verwendet um das CO2 Problem zu lösen, all die anderen Ziele darunter leiden, die Armutsverringerung, die Bekämpfung von Malaria und so weiter, dass es eine dumme Verschwendung von Ressourcen ist, Geld dafür zu investieren, während es bessere Dinge gibt, die wir tun können. + BG: Nun, die tatsächlichen Ausgaben für die Forschung -- sagen wir die U.S. sollten 10 Milliarden pro Jahr mehr ausgeben als sie heute tun -- das ist nicht so dramatisch. + Darunter sollten anderen Dinge nicht leiden. + Man kommt dann zu großen Geldsummen, und hier können vernünftige Leute widersprechen, wenn man etwas hat, das nicht ökonomisch ist, und versucht, das zu finanzieren. Für mich geschieht hier die meiste Verschwendung. + Es sei denn, man ist sehr kurz vor einem Kostendurchbruch und finanziert nur noch die Lernkurve. Ich glaube wir sollten mehr Dinge versuchen, die das Potential haben, sehr viel günstiger zu sein. + Falls der Abstrich, den man bekommt, ein sehr hoher Energiepreis ist, dann können nur die Reichen mithalten. + Ich meine, jeder von uns hier könnte fünf mal so viel für unsere Energie ausgeben ohne seinen Lebensstil zu ändern. + Für die unteren zwei Milliarden aber ist es ein Desaster. + Und selbst Lomborg denkt um. + Seine neue Masche ist jetzt: "Warum wird die Forschung nicht mehr besprochen?" + Er wird immer noch, wegen seiner früheren Geschichten, mit dem Skeptiker-Camp assoziiert, aber er hat verstanden, dass das eine sehr einsame Gruppe ist und deshalb bringt er jetzt das Forschungsargument. + Und das ist ein Gedankengang, den ich für angemessen halte. + Die Forschung, es ist einfach verrückt, wie wenig die unterstützt wird. + CA: Bill, ich glaube ich spreche für fast alle Menschen hier, wenn ich sage, ich hoffe wirklich, dass Ihr Wunsch wahr wird. Vielen, vielen Dank. + BG: Danke. + + + http://www.ted.com/talks/aimee_mullins_the_opportunity_of_adversity + TED Talk Subtitles and Transcript: Mag sein, dass Synonym-Wörterbücher "behindert" mit Synonymen wie "nutzlos" oder "verstümmelt" gleichsetzen: Die bahnbrechende Sportlerin Aimee Mullins kämpft dafür, das Wort neu zu definieren. Sie widersetzt sich diesen Assoziationen und zeigt auf, wie Widrigkeiten – was in ihrem Fall bedeutet, ohne Schienbeine geboren zu werden – das menschliche Potenzial hervorlocken können. + talks, activism, happiness, health, prosthetics, social change, society + 769 + Aimee Mullins: Die Chance der Widrigkeiten + Anja Lehmann + Simon Thiel + Ich würde Ihnen gerne etwas erzählen, was mir vor ein paar Monaten beim Schreiben eines Artikels für Italian Wired aufgefallen ist. + Ich habe beim Schreiben immer mein Synonym-Wörterbuch griffbereit, aber ich war mit dem Bearbeiten des Textes schon fertig, und mir fiel auf, dass ich noch nie in meinem Leben nachgeschlagen habe, was das Wort "behindert" wirklich bedeutet. + Ich lese Ihnen den Eintrag vor. + "Behindert", Adjektiv: "verkrüppelt, hilflos, nutzlos, zerstört, abgestorben, verstümmelt, verwundet, zugerichtet, lahm, abgetrennt verwahrlost, ausgedient, geschwächt, impotent, kastriert, gelähmt, gehandicapt senil, altersschwach, aus dem Verkehr gezogen, nachgebessert, erledigt, kaputt geborsten, ausgezählt, siehe auch verletzt, nutzlos und schwach. + Antonyme: Gesund, stark, leistungsfähig." + Ich habe diese Liste einem Freund laut vorgelesen und musste erstmal lachen, es wirkte so lächerlich, aber ich kam nur bis "zugerichtet" und konnte nicht mehr weitersprechen, und musste aufhören zu lesen und mich erstmal sammeln nach dieser überfallartigen Wortflut und dem damit verbundenden emotionalen Schock. + Natürlich war das ein ausgefranstes, altes Synonym-Wörterbuch. Ich hab mir einfach gedacht, dass die Ausgabe schon ziemlich alt sein muss. + aber tatsächlich war es eine Ausgabe auf den frühen 80ern, als ich gerade mit der Grundschule anfing und damit begann, mein Selbstbild außerhalb meines familiären Umfelds aufzubauen und zu formen, auch in Bezug auf andere Kinder und zur übrigen Welt um mich herum. + Und Gott sei Dank habe ich damals kein Synonym-Wörterbuch benutzt. + Würde ich diesen Eintrag ernst nehmen wäre ich in eine Welt geboren, die jemand wie mich als eine Person wahrnehmen würde, deren Leben in keinster Weise positiv verlaufen kann. Heute aber werde ich für die Chancen und Abenteuer, die ich erlebt habe, gefeiert. + Also hab ich mir sofort die Online-Ausgabe von 2009 aufgerufen und erwartet, dass ich hier einen ansprechenderen Beitrag finde. + Hier ist die aktualisierte Version dieses Eintrags. + Dummerweise ist sie nicht viel besser. + Insbesondere erschüttern mich die letzten beiden Wörter unter "Near Antonyms" "ganz" und "gesund". + Aber es geht nicht nur um die Wörter. + Es geht darum, was wir über die Menschen denken, die wir mit diesen Wörtern beschreiben. + Es geht um die Werte, die in diesen Worten stecken, und wie wir diese Werte konstruieren. + Unsere Sprache beeinflusst unser Denken und wie wir die Welt und die Menschen um uns herum sehen. + Viele altertümliche Gesellschaften, einschließlich die der Griechen und der Römer, haben wirklich geglaubt, dass die Aussprache eines Fluchs eine große Kraft hat, weil das, was man laut ausspricht, sich auch manifestieren kann. + Also, was wollen wir eigentlich manifestieren – einen behinderten Menschen oder einen kraftvollen Menschen? + Allein schon einen Menschen achtlos als Kind zu bezeichnen, könnte ausreichen, sie einzuschränken und ihnen Vorstellungen überzustülpen. + Wäre es nicht schöner, Ihnen Türen zu öffnen? + Ein Mensch, der für mich Türen geöffnet hat, war mein Kinderarzt am A.I. Dupont Institut in Wilmington in Delaware. + Er heißt Dr. Pizzutillo. Ein Italo-Amerikaner, dessen Name, wie Sie sich denken können, die meisten Amerikaner nicht korrekt aussprechen konnten. Also wurde er immer Dr. P. genannt. + Und Dr. P. trug immer sehr bunte Fliegen und war für die Arbeit mit Kindern einfach wie geschaffen. + Ich fand die Zeit, die ich in diesem Krankenhaus verbracht habe, einfach toll – bis auf meine Physiotherapie. + Ich musste einzelne Übungen scheinbar unendlich oft wiederholen mit diesen dicken, elastischen Bändern -- in verschiedenen Farben -- das kennen Sie, um meine Bein-Muskeln aufzubauen. Und ich habe diese Bänder mehr gehasst als alles andere. Ich hab sie gehasst. Ich habe sie verflucht. Ich hab sie gehasst. + Und stellen Sie sich vor, ich hab sogar schon als fünfjähriges Kind mit Dr. P. verhandelt und so versucht, diese Übungen zu stoppen, natürllich ohne Erfolg. + Und eines Tages hat er mich bei einer meiner Übungen beobachtet -- diese Übungen waren einfach ermüdend und gnadenlos -- und er sagte zu mir, "Wow, Aimee, Du bist so ein starkes, kraftvolles und junges Mädchen, Du wirst eines Tages eines dieser Bänder zerreißen. + Und wenn Du es schaffst, gebe ich Dir Hundert Dollar." + Das war natürlich nur ein einfacher Trick von Dr. P., damit ich die Übungen mache, die ich nicht machen wollte, mit der Aussicht, dass reichste fünfjährige Mädchen in der Krankenstation im zweiten Stock zu werden. Aber er hat mich tatsächlich dazu gebracht, meinen täglichen Übungs-Horror mit neuen Augen zu sehen. So wurde daraus ein neues und vielversprechendes Erlebnis. + Und ich frage mich heute, wie sehr seine Vision von mir als starkes und kraftvolles junges Mädchen mein Selbstbild geformt hat und ich mir so vorstellen konnte, mich als einen von Natur aus starken, kraftvollen und atlethischen Mensch zu sehen. + Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie Erwachsene in Machtpositionen die Vorstellungskraft eines Kindes anregen können. + Aber wie die bereits zitierten Beispiele aus den Synonym-Wörterbüchern beweisen, lässt uns unsere Sprache keinen Raum, sich etwas vorzustellen, was wir uns alle wünschen würden: es jedem Einzelnen zu ermöglichen, sich selbst als kraftvollen Menschen zu sehen. + Unsere Sprache hinkt den gesellschaftlichen Veränderungen hinterher, die in vielen Fällen durch einen technologischen Wandel ausgelöst wurden. + Vom medizinischen Standpunkt aus betrachtet kann man natürlich sagen, dass meine Beine, die Laser-Chirurgie für Sehbehinderungen, Kniegelenke aus Titan und künstliche Hüftgelenke für alternde Körper, die es Menschen erlauben, wirklich alle ihre Möglichkeiten zu nutzen und sich über die Grenzen, die ihnen ihr natürliches Schicksal gesetzt hat, hinaus zu entwickeln, gar nicht zu sprechen von Social Networking Plattformen, Menschen ermöglichen sich eine eigene Identität geben, sich auf eigene Art und Weise definieren, + und sich damit weltweit an zu Gruppen orientieren, die sie sich selbst aussuchen. + Vielleicht verdeutlicht also dieser technologische Wandel klarer denn je, dass es schon immer eine andere Wahrheit gab, nämlich, dass jeder Mensch der Gesellschaft etwas ganz Besonderess und sehr Kraftvolles geben kann und dass die menschliche Fähigkeit, sich anzupassen, unser größtes Plus ist. + Die menschliche Fähigkeit sich anzupassen - das ist eine interessante Geschichte, weil Menschen mich immer wieder darum bitten zu erzählen, wie ich mit Widrigkeiten umgehe und ich werde Ihnen etwas gestehen: Dieser Satz hat für mich nie gepasst und ich hab mich immer sehr unwohl damit gefühlt, die Fragen von Menschen dazu zu beantworten, und ich glaube, allmählich verstehe ich, warum. + Dieser Satz vom Umgang mit Widrigkeiten lebt von der Idee, dass Erfolg oder Glück davon abhängt, eine Herausforderung zu meistern, ohne von dem damit verbundenen Erlebnis geprägt zu werden. Als ob mein Leben so erfolgreich verlaufen wäre, weil ich den möglichen Fallen eines Lebens mit einer Prothese ausweichen konnte, oder wie auch immer Menschen mich mit meiner Behinderung wahrnehmen. + Aber die Wahrheit ist, dass wir uns verändern. Natürlich sind wir von der Herausforderung geprägt, egal ob sie physisch, emotional oder sogar beides ist + Und ich behaupte, dass das gut ist. + Widrigkeiten sind kein Hindernis, das wir umkurven müssen, um mit unserem Leben besser klar zu kommen. + Widrigkeiten gehören einfach zu unserem Leben. + Und ich neige dazu, Widrigkeiten als meinen Schatten zu sehen. + Manchmal merke ich, dass er sehr präsent ist, manchmal ist er kaum zu sehen, aber er ist ständig bei mir. + Und ich will damit keinesfalls die Auswirkung bzw. die Schwere des Kampfs eines Menschen herabsetzen. + Es gibt im Leben Widrigkeiten und Herausforderungen, und die sind nur alllzu real und jede Person geht damit anders um. Aber die Frage lautet nicht, ob wir mit Widrigkeiten klar kommen oder nicht, sondern wie wir damit klar kommen. + Wir sind also nicht nur dafür verantwortlich, die Menschen die wir lieben, vor Schicksalsschlägen zu bewahren, sondern sie auch darauf vorzubereiten, gut damit klar zu kommen. + Und wir erweisen unseren Kindern keinen Gefallen, wenn wir ihnen das Gefühl geben, dass sie sich nicht anpassen können. + Man muss zwei Dinge klar trennen: zum einen die medizinische Tatsache, amputiert zu sein und zum anderen die gesellschaftliche Meinung darüber, ob ich behindert bin oder nicht. + Und um ehrlich zu sein, die einzige wirkliche und bleibende Behinderung, mit der ich mich auseinander setzen musste, ist, dass die Welt ständig meint, sie könne mich mit diesen Definitionen beschreiben. + In unserem Wunsch, die Menschen zu schützen, die uns am Herzen liegen und ihnen die kalte, harte Wahrheit über ihre medizinische Prognose mitzuteilen oder sogar eine Prognose zur Lebensqualität zu stellen, die sie erwartet, müssen wir aufpassen, dass wir nicht den Grundstein dafür legen, dass jemand tatsächlich behindert ist. + Vielleicht ist das momentane Konzept, das nur darauf achtet, was in einem kaputt ist, und wie wir das reparieren, für jeden einzelnen eine größere Behinderung als die Pathologie an sich. + Wenn wir einen Menschen nicht ganzheitlich behandeln, und nicht all seine Kräfte und Möglichkeiten wahrnehmen und anerkennen, schaffen wir zusätzlich zu dem natürlichen Kampf, den sie vielleicht führen müssen, eine weitere Krankheit. + Wir degradieren einen Menschen, der für unsere Gesellschaft einen Wert hat. + Also müssen wir über die Patologie hinaus schauen und uns auf alle Bereich der menschlichen Möglichkeiten konzentrieren. + Am allerwichtigsten aber ist, dass es zwischen der Wahrnehmung unserer Unzulänglichkeiten und unserem großartigen Erfindergeist, eine Verbindung gibt. + Wir sollten diese herausfordernden Zeiten nicht abwerten oder verleugnen, wir sollten weder versuchen, sie zu vermeiden, noch sollten wir sie unter den Teppich kehren, sondern es geht darum, in den Widrigkeiten Chancen zu erkennen. + Es geht mir vielleicht eher darum, klar zu stellen, dass wir Widrigkeiten nicht unbedingt überwinden müssen, sondern dass wir dafür offen sind, sie zum umarmen, sie am Schopf zu packen um auch mal einen Kampf-Ausdruck zu verwenden und vielleicht sogar damit zu tanzen. + Und vielleicht schaffen wir es, Widrigkeiten als etwas natürliches, stimmiges und nützliches zu sehen und fühlen uns so durch ihre Präsenz nicht mehr so belastet. + In diesem Jahr feiern wir den 200. Geburtstag von Charles Darwin und als er vor 150 Jahren über Evolution geschrieben hat, hat Darwin, in meinen Augen, auf etwas sehr Wahres im menschlichen Charakter hingewiesen. + Ich würde es so umschreiben: Nicht der stärkste seiner Art überlebt, und auch nicht der intelligenteste seiner Art, sondern der, der sich Veränderungen am besten anpassen kann. + Aus Konflikten entsteht Kreativität. + Nicht nur aus Darwins Werk wissen wir, dass die Fähigkeit des Menschen, zu überleben und aufzublühen, vom Kampf des menschlichen Geistes bestimmt ist, sich durch Konflikte zu wandeln. + Also, nochmals, Wandel und Anpassung sind die großartigsten Fähigkeiten des Menschen. + Und vielleicht wissen wir erst, aus welchem Holz wir geschnitzt sind, wenn wir wirklich geprüft werden. + Möglicherweise ist genau das der Sinn von Widrigkeiten, eine Wahrnehmung des Ichs, ein Gefühl für unsere eigene Kraft. + Wir können uns so selbst etwas schenken. + Wir können Widrigkeiten eine neue Bedeutung geben, die über schwere Zeiten hinaus geht. + Vielleicht können wir Widrigkeiten als Veränderung sehen. + Widrigkeiten stehen für eine Veränderung, an die wir uns noch nicht angepasst haben. + Ich glaube, den größten Schaden, den wir uns selbst zugefügt haben, ist zu glauben, dass wir normal sein sollen. + Mal ehrlich - wer ist normal? + Es gibt kein Normal. + Es gibt das Übliche. Das Typische. Aber nicht das Normale. Und würden Sie diese arme, graue Person wirklich kennen lernen wollen, wenn es sie wirklich gäbe? + Ich denke, eher nicht. + Es wäre toll, wenn wir dieses Denkmuster der Normalität gegen ein anderes der Möglichkeiten oder der Stärke, um es sogar noch ein bisschen gefährlicher zu formulieren, austauschen könnten. So können wir die Kräfte von sehr vielen Kindern freisetzen, und sie dazu einladen, ihre ganz besonderen und wertvollen Fähigkeiten in die Gesellschaft einzubringen. + Anthropolgen haben heraus gefunden, dass wir Menschen von den Mitgliedern unserer Gesellschaft immer eines gefordert haben: Nützlich zu sein und einen Beitrag zu leisten. + Es gibt Hinweise darauf, dass schon die Neandertaler vor 60.000 Jahren ältere Menschen und Menschen mit schweren körperlichen Verletzungen mit getragen haben und das geschah vielleicht, weil die Lebenserfahrung im Überlebenskampf dieser Menschen für die Gesellschaft wertvoll war: + sie haben diese Menschen nicht als kaputt und nutzlos betrachtet; sie wurden als etwas Besonderes und Wertvolles behandelt. + Vor ein paar Jahren ging ich in der Stadt, in der ich aufgewachsen war, in einen Lebensmittelmarkt in jener "Red Zone" im Nordosten von Pennsylvania, und ich stand da vor einem Scheffel Tomaten. + Es war Sommer und ich hatte Shorts an. + Und ich höre, wie ein Typ hinter mir sagt, "Na wenn das nicht Aimee Mullins ist." + Und ich dreh mich um und sehe diesen älteren Mann. Ich hatte keine Ahnung wer er ist. + Und ich meinte "Entschuldigung, Sir, kennen wir uns? Ich kann mich nicht an Sie erinnern." + Und er sagte: "Nun ja, Sie dürften sich kaum an mich erinnern. + Als ich Sie zum ersten Mal sah, hab ich Sie aus dem Bauch Ihrer Mutter geholt." + Oh, also der. + Und natürlich hat es dann aber klick gemacht. + Das war Dr. Kean, ein Mann, den ich nur aus Erzählungen meiner Mutter über diesen Tag kannte, weil ich natürlich, ganz typisch, zu meinem Geburtstag zwei Wochen zu spät kam. + Der Arzt für pränatale Diagnostik meiner Mutter war im Urlaub, und so kannten meine Eltern den Mann, der mich zur Welt brachte, überhaupt nicht. + Und weil ich ohne Wadenbeine geboren wurde, und meine Füße sich nach ihnen gerichtet hatten und ich nur ein paar Zehen an diesem und ein paar Zehen am anderen Fuß hatte war er der Überbringer, dieser Fremde musste die schlechten Nachrichten überbringen. + Er sagte zu mir: "Ich musste Deinen Eltern sagen, dass Du nie laufen würdest, und nie so beweglich sein würdest wie andere Kinder oder dass Du nie ein unabhängiges Leben führen könntest, und seitdem haben Sie mich einfach Lügen gestraft." + Wirklich außergewöhnlich fand ich, dass er Zeitungsausschnitte meiner gesamten Kindheit gesammelt hat, egal, ob ich bei einem Buchstabier-Wettbewerb in der zweiten Klasse gewonnen hatte, ob ich mit den Pfadfindern bei der Parade zu Halloween unterwegs war, egal, ob ich mein Stipendium oder einer meiner sportlichen Siege errungen hatte, und er verwendete diese Ausschnitte, um seine Studenten zu unterrichten, Medizin-Studenten aus der Hahnemann Medical School und der Hershey Medical School. + Und er nannte diesen Teil seines Kurses den X Faktor, das Potenzial des menschlichen Willens. + Man kann einfach nicht genug betonen, wie entscheidend dieser Faktor für die Lebensqualität eines Menschen sein kann. + Und Dr. Kean erzählte weiter, er sagte: "Ich habe gelernt, dass Kinder, wenn sie nicht ständig etwas anderes gesagt bekommen, und auch wenn sie nur ein bisschen Unterstützung bekommen, wenn man Kinder sich selbst überlässt, dann können Kinder sehr viel erreichen." + Sehen Sie, Dr. Kean hat sein Denken verändert. + Er hatte verstanden, dass die medizinische Diagnose, und wie jemand damit umgeht, zwei unterschiedliche Dinge sind. + Und auch ich hab mein Denken im Lauf der Zeit geändert, wenn sie mich im Alter von 15 Jahren gefragt hätten, ob ich meine Prothesen gegen Beine aus Fleisch und Knochen getauscht hätte, dann hätte ich keine Sekunde gezögert. + Ich wollte damals unbedingt normal wirken. + Wenn Sie mich das heute fragen, bin ich mir nicht so sicher. + Und das ist passiert, WEIL ich etwas mit meinen Beinen erlebt habe und nicht TROTZ dieser Erlebnisse. + Und vielleicht konnte dieser Wandel auch passieren, weil ich so vielen Menschen begegnet bin, die mir Türen geöffnet haben, anstatt Menschen zu begegnen, die mich einschränken oder mir eine Vorstellung überstülpen wollten. + Sehen Sie, es braucht wirklich nur einen Menschen, der Ihnen demonstriert, wie Sie Ihre Kräfte manifestieren können, und Sie sind durch. + Wenn Sie es jemandem ermöglichen, seine eigenen, inneren Kräfte zu aktivieren, – der menschliche Geist ist so empfangsbereit – wenn Sie das schaffen, und für jemanden in einem entscheidenden Moment eine Tür öffnen, dann sind Sie für diese Menschen ein sehr guter Lehrer. + Sie bringen ihnen bei, sich selbst Türen zu öffnen. + Die eigentliche Bedeutung des Worts "educate" wurzelt in dem Wort "educe" . + Es bedeutet, etwas hervorzubringen, dass in einem ist, das Potenzial herauszukitzeln. + Nochmals: Welches Potenzial möchten wir denn nun abrufen? + In den 60er Jahren wurde in Großbritannien eine Fallstudie durchgeführt. Damals wurden Gymnasien in Gesamtschulen umgewandelt. + Sie nennen das dort "Streaming Trials" in den USA bezeichnen wir das als "Tracking" . + Die Schüler werden nach Noten aufgeteilt. + Und die A Schüler werden mündlich schwerer geprüft, bekommen die besseren Lehrer usw. + Sie haben dann über einen dreimonatigen Zeitraum Schülern mit einem "Ausreichend" die Note "Sehr gut" gegeben. Es wurde ihnen gesagt, sie seien Asse, dass sie sehr schlau wären. Und nach diesen drei Monaten haben sie wirklich Einser geschrieben. + Und natürlich zerbricht es einem das Herz zu hören, dass umgekehrt den Einser-Schülern gesagt wurde, sie seien nur ausreichend. + Und genauso war es dann nach den drei Monaten auch. + Aber nur jene, die immer noch in der Schule waren – abgesehen von den Schülern, die die Schule geschmissen hatten. + Ganz entscheidend bei dieser Studie war, dass die Lehrer nicht eingeweiht waren. + Die Lehrer wussten nicht, dass etwas geändert wurde. + Ihnen wurde einfach gesagt, dass seien die Einser-Schüler und dass sind die Schüler mit der Note ausreichend. Und genauso haben sie ihnen etwas beigebracht und sie behandelt. + Die einzige wirkliche Behinderung ist ein gebrochener Geist ein Geist, der gebrochen wurde, hat keine Hoffnung mehr. Er findet nichts mehr schön. ihm fehlt unsere natürliche, kindliche Neugier. und unsere angeborene Fähigkeit der Imagination. + Wenn wir es aber schaffen, den menschlichen Geist dabei zu unterstützen, weiterhin zu hoffen, sich selbst und andere Menschen um sich herum schön zu finden, neugierig und phantasievoll zu sein dann setzen wir unsere Kräfte wirklich positiv ein. + Wenn ein Geist über diese Qualitäten verfügt, können wir eine neue Wirklichkeit und neue Daseinsformen schaffen. + Ich möchte mit einem Gedicht enden, das von einem persischen Poeten namens Hafiz im 14. Jahrhundert verfasst wurde und von dem mir mein Freund Jacques Dembois erzählt hat. Und das Gedicht heißt "Der Gott, der nur vier Worte kennt." "Jedes Kind kennt Gott, nicht den Gott der Namen, nicht den Gott der Verbote, sondern den Gott, der nur vier Worte kennt und diese ständig wiederholt, er sagt immer nur: Komm, tanz mit mir." + Komm, tanz mit mir. Vielen Dank. + + +