diff --git "a/data/en-de/tst2019/IWSLT.TED.tst2019.en-de.de.xml" "b/data/en-de/tst2019/IWSLT.TED.tst2019.en-de.de.xml" new file mode 100644--- /dev/null +++ "b/data/en-de/tst2019/IWSLT.TED.tst2019.en-de.de.xml" @@ -0,0 +1,2445 @@ + + + + +talks, Africa, TEDx, journalism, media, poverty +Leslie Dodson +1292 +TED Talk Subtitles and Transcript: Wahrheitsgetreue Berichterstattung ist kompliziert: Afrika ist kein Land und kein Katastrophengebiet, sagt die Journalistin und Wissenschaftlerin Leslie Dodson. Sie plädiert an Journalisten, Wissenschaftler und NROs, damit aufzuhören, ganze Kontinente als eine einzige große Tragödie darzustellen. +Leslie Dodson: Stellen Sie Afrika nicht falsch dar +Ich möchte mit einer kleinen Warnung beginnen: Meine Aufgabe heute Abend ist es, Sie ein wenig zu erden. +Haben Sie also Geduld mit mir, denn danach wird alles leichter und heiterer. Fangen wir an. +Viele von Ihnen kennen das Sprichwort für Reisende: "Nimm nichts als Bilder mit, hinterlasse nichts als Fußspuren." Das ist weder so harmlos noch so einfach, wie es klingt, vor allem in Branchen, in denen Menschen dargestellt werden, Menschen in armen Ländern, in Entwicklungsländern, arme Menschen. +Die Leute in diesen Branchen sind Reporter, Forscher, oder arbeiten für NGOs. Das trifft wohl für viele der hier Anwesenden zu. +Wir gehen ins Ausland und bringen solche Bilder mit: völlig verzweifelte oder vertriebene Menschen, Menschen, die Hunger leiden, Kinderarbeiter oder exotische Menschen. +Susan Sontag erinnert uns daran, dass Fotos dazu beitragen, zu definieren, was wir beobachten dürfen, aber, noch wichtiger, sie stellen eine Ethik des Sehens dar. +Und es ist Zeit, unsere Ethik des Sehens zu überprüfen, denn die Branchen Berichterstattung, Forschung und NGO-Arbeit kollabieren und verändern sich — teilweise aufgrund wirtschaftlicher Ereignisse. +Doch das lässt uns neue Beziehungen knüpfen. +Diese neuen Beziehungen haben unscharfe Grenzen. +Ich habe am Rand solcher Grenzen gearbeitet und möchte mit Ihnen einige Beobachtungen teilen. +Meine Ethik des Sehens ist von 25 Jahren Berichterstattung über Schwellenländer und internationale Beziehungen geprägt. +Ich glaube an eine freie und unabhängige Presse. +Ich glaube, dass Journalismus ein allgemeines Gut ist. +Aber diese Arbeit wird immer schwieriger, teilweise wegen der Massenentlassungen, weil es keine Gelder mehr für internationale Berichterstattung gibt. +Neue Technologien und Plattformen verlangen neue Inhalte und es gibt viele neue Formen des Journalismus, aktivistischen und humanitären wie auch Friedensjournalismus, und wir wollen alle über wichtige aktuelle Themen berichten. +Also fragen wir bei NGOs an, ob wir uns an ihren Projekten beteiligen können, unter anderem, weil sie wichtige Arbeit an interessanten Orten leisten. +Hier ein Beispiel: ein Projekt am Blauen Nil in Äthiopien, an dem ich mitgearbeitet habe. +NGOs wissen, dass es Vorteile hat, wenn Reporter ihre Teams begleiten. +Sie brauchen Öffentlichkeit, sie stehen unter enormem Druck, sie konkurrieren miteinander auf dem überfüllten Markt für Mitleid. +Sie setzten also auf Reporter und freie Journalisten, die ihnen bei Öffentlichkeitsarbeit und Medienauftritten helfen sollen. +Aber auch Wissenschaftler stehen unter Druck. +Sie müssen ihr Wissen außerhalb der Hochschule verbreiten. +Also arbeiten sie mit Reportern zusammen, denn vielen von ihnen fällt es schwer, einfache, klare Geschichten zu schreiben. +Und der Vorteil für Journalisten ist, dass Feldforschung vor Ort mit zu den schönsten Aufgaben gehört. +Man schreibt nicht nur über Wissenschaft, man trifft auch interessante Wissenschaftler wie meine Doktormutter Revi Sterling. Sie gehört in der Forschung zur absoluten Spitze. +Bei einem Gespräch gerieten wir an die Grenze der Rollen von Forscher und Reporter, diese unscharfe Grenze. +Ich sagte zu ihr: "Ich habe mich darauf gefreut, in Entwicklungsländer zu reisen, gleichzeitig Forschung zu betreiben und Geschichten zu schreiben." Sie sagte: "Meine Liebe, das wird wohl nichts." Aufgrund dieser Unklarheit veröffentlichten wir einen Aufsatz über zwiespältige Moral und widersprüchliche Praktiken von Forschung und Journalismus. +Wir begannen mit der Erkenntnis, dass Forscher und Reporter entfernte Verwandte sind, gleichzeitig Geschichtenerzähler und Sozialanalytiker. +Aber sie betrachten und porträtieren Entwicklungsländer unterschiedlich. +Hier ein klassisches Beispiel: Das ist Somalia im Jahr 1992. +Das könnte auch Somalia heute sein. +Das ist das übliche Prozedere für viele Videos und Bilder in den Nachrichten: Eine Gruppe Reporter wird in einen LKW gepackt und zum Ort der Katastrophe gebracht. Sie stellen ihr Material zusammen, machen Bilder, führen Interviews und werden wieder weggebracht. +Das ist eindeutig kein Forschungsmilieu. +Manchmal arbeiten wir an Dokumentationen. +Dieses Foto zeigt eine Frau im Dorf Bhongir in Andhra Pradesh, Indien, auf einer Versammlung für Kleinkredite. Eine grandiose Geschichte. Wichtig ist: Die Frau ist real. +Man kann ihr Gesicht sehen. +Auch das ist kein wissenschaftliches Bild. +Ein wissenschaftliches Bild ist viel eher das folgende: Es ist ein Forschungsstandort: Man sieht junge Frauen, die moderne Technik nutzen. +Es ist eher eine Momentaufnahme, eine Forschungsdokumentation. +Ich könnte das Bild nicht für einen Bericht nutzen. +Es sagt nicht genug aus und ließe sich nicht verkaufen. +Aber es gibt noch tiefgreifendere Unterschiede. +Revi und ich haben analysiert, was von Wissenschaftlern verlangt wird. +Sie müssen einige sehr strenge Regeln befolgen, die von Kontrollausschüssen der Universitäten bestimmt werden und Inhalt und Vertraulichkeit betreffen. +Wissenschaftler müssen von ihren Quellen eine Einwilligungserklärung einholen. +Wenn ich als Reporterin jemandem ein Mikrofon hinhalte, bedeutet das Einwilligung. +Wenn ich dann die Geschichte schreibe, kontrolliere ich zwar die Fakten, aber ich lade niemanden zum Mitschreiben ein, während Sozialwissenschaftler, Forscher und vor allem partizipative Forscher ihre Berichte gemeinschaftlich erarbeiten. +Zum Thema Bezahlung für Informationen: "Scheckbuchjournalismus" ist grundsätzlich abzulehnen, weil er zu subjektiven Informationen verleiten kann. +Aber Sozialwissenschaftler wissen, dass die Zeit der Menschen wertvoll ist, also bezahlen sie dafür. +Journalisten sind also dazu da, die Faszination der Forschungstätigkeit und wohl auch der NGO-Tätigkeit zu vermitteln, aber was, wenn es Probleme gibt? +Was passiert, wenn ein Forschungsprojekt nicht besonders gut geplant ist oder ein NGO-Projekt seine Ziele nicht erreicht? +Und da wären noch andere Probleme, wenn es dunkel wird und man sich ein paar Drinks gönnt. +Forschungsvorhaben, Journalistenreisen und NGO-Projekte schaffen sehr intime Milieus; man findet gute Freunde, während man gute Arbeit macht. +Aber abends kommt noch ein wenig Johnnie-Walker-Journalismus dazu. Was dann, wenn die Recherche ins Bett eines Kollegen führt? +Was tun bei seltsamem und widerwärtigem Verhalten? +Man sollte von vornherein festlegen, was offiziell wird und was vertraulich bleibt. +Ich möchte nun über NGO-Symbolik sprechen, die einigen Zuschauern bekannt vorkommen wird. +(Video) Erzähler: Für ca. 70 Cent bekommt man eine Dose Limo, normal oder light. +In Äthiopien kann man für nur 70 Cent pro Tag ein Kind wie Jamal ernähren. +Für ungefähr 70 Cent bekommt man auch eine Tasse Kaffee. +In Guatemala kann man für 70 Cent pro Tag einem Kind wie Vilma helfen, die nötige Kleidung zu kaufen, um in die Schule zu gehen. +Leslie Dodson: Das sind einige sehr geläufige Symbole, die es schon 40 Jahre gibt. +Sie sind Teil der Hunger-Kampagne von Sally Struthers. +Manche kennen wir gut, hier die Madonna mit Kind. +Frauen und Kinder sind für NGO-Aktionen sehr wirkungsvoll. +Wir kennen dieses Symbol schon viele Jahrhunderte lang: die Madonna mit Kind. +Hier ist [Duccio], und hier ist Michelangelo. +Meine Sorge ist: Legen wir in unseren Berichten über Armut und Entwicklungsländer Geschlechterrollen fest? +Stellen wir Frauen als Opfer dar und Männer nur als Täter? +Sind sie die Kerle mit der Kalaschnikow oder die Kindersoldaten? +Denn dann gibt es keinen Platz für Geschichten wie die des Mannes, der in einem Flüchtlingscamp im Südsudan Eis verkauft, wo wir ein Projekt hatten, oder die Geschichten der Männer, die an einer Brücke über den Blauen Nil arbeiten. +Deshalb frage ich mich: Passen diese Geschichten nicht zu unseren Berichten? +Und was ist hiermit? Das ist ein kommerzielles Spiel. +Sein Ziel: Entwicklungshilfe macht Spaß. Aber hat sich da nicht jemand ungewollt darüber lustig gemacht? +Weitere Fragen lauten: Welche Rechte haben diese Kinder? +Welche Rechte auf Öffentlichkeit oder Privatsphäre haben sie? Wurden sie bezahlt? Sollten sie bezahlt werden, am Gewinn beteiligt sein? +Das ist ein kommerzielles Spiel. +Haben sie Verzichtserklärungen unterschrieben? +Ich brauche so etwas bei meiner Arbeit mit NGOs und Dokumentarfilmern in den USA. +In den USA nehmen wir unser Recht auf Privatsphäre und Publicity sehr ernst. +Wieso lässt also ein Langstreckenflug diese Rechte einfach verschwinden? +Ich attackiere nicht nur die Spielebranche, sondern auch die bildende Kunst, die oft monumentale, ewig gleiche Geschichten über das großartige Land Afrika zeigt. +Aber Afrika ist kein Land, es ist ein Kontinent mit 54 Ländern und Tausenden von Sprachen. +Meine Frage lautet also: Sind diese Darstellungen nutzbringend oder vereinfachen sie nur? +Ich weiß, dass sie populär sind. +Die USAID hat gerade ihre neue Kampagne "Forward" gegen Hunger, Krieg und Dürre gestartet. +Man könnte meinen, so etwas passiere in ganz Afrika ständig. +Aber eigentlich geschieht das nur am Horn von Afrika. +Ich verstehe immer noch nicht das Logo mit dem afrikanischen Kontinent auf einer Toastscheibe. +Darüber denke ich nach. +Auch Germaine Greer denkt über diese Dinge nach: "Zum Frühstück und zum Abendbrot steigern wir unseren Appetit mit einer großen Portion Pornographie von Krieg, Völkermord, Not und Krankheit." Sie hat recht. +Wir haben unseren Appetit gesteigert. +Aber wir können auch unser Verständnis steigern. +Es ist nicht alles nur Krieg, Aufruhr und Krankheit. +Das ist ein Bild aus dem Südsudan, ein paar Monate, bevor der neue Staat entstand. +Ich werde weiterhin als Forscherin und Reporterin in Entwicklungsländern arbeiten, aber mit einer veränderten Ethik des Sehens. +Ich frage mich, ob sich meine Bilder anbiedern, ob sie Stereotype bedienen, ob die Bilder zur Botschaft passen, ob ich selbstgefällig oder mitschuldig bin. +Danke. +(Applaus) + + +talks, invention, Africa, engineering, innovation, technology, medicine, health, health care +Tania Douglas +13195 +TED Talk Subtitles and Transcript: Was nützt den Menschen in Afrika ein ausgefeiltes Stück medizinische Ausrüstung, wenn es das dortige Klima nicht aushält? Biomedizintechnikerin Tania Douglas spricht darüber, dass wir bei unserer Jagd nach neuer Technologie oft blind sind für wahre Bedürfnisse -- und darüber, wie ein tiefergehendes Verständnis des Umfeldes ihres Einsatzes uns zu besseren Lösungskonzepten führen kann. +Tania Douglas: Wer bessere Technologien entwickeln will, muss den Kontext verstehen +Das ist ein Gerätefriedhof. Es ist ein typisches Endlager für medizinische Geräte aus Krankenhäusern in Afrika. +Was hat es damit auf sich? +Die meisten medizinischen Geräte in Afrika sind importiert, und häufig sind sie nicht für die Bedingungen vor Ort gemacht. +Für einige fehlt geschultes Personal, um die Geräte zu bedienen, zu warten und zu reparieren; andere vertragen die hohen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit nicht; und meist brauchen sie eine stabile und verlässliche Stromversorgung. +Ein Beispiel für ein medizinisches Gerät, das auf einem Gerätefriedhof enden könnte, ist ein Ultraschall-Monitor zum Überwachen des Herzschlags von Babys im Mutterleib. +Es gehört in reichen Ländern zum Pflege-Standard. +Wenn es an guter Pflegeausstattung fehlt, ist es gängige Praxis, dass die Hebamme den Herzschlag des Babys per Hörrohr überwacht. +Diese Methode ist seit über 100 Jahren gebräuchlich. +Und sie hängt sehr stark vom Geschick und der Erfahrung der Hebamme ab. +Zwei junge Erfinder aus Uganda besuchten vor ein paar Jahren eine Klinik für Schwangerschaftsvorsorge, als sie noch Informatikstudenten waren. +Ihnen fiel auf, dass die Hebamme oft die Herzfrequenz nicht hören konnte, wenn sie es mit dem Hörrohr versuchte. +Also entwickelten die beiden einen eigenen Herzfrequenzmonitor. +Sie passten das Hörrohr an und schlossen es an ein Smartphone an. +Eine App auf dem Smartphone zeichnet die Herzfrequenz auf, analysiert sie und liefert der Hebamme eine Reihe von Informationen, über den Zustand des Babys. Die Erfinder — +(Applaus) +heißen Aaron Tushabe und Joshua Okello. +Ein anderer Erfinder, Tendekayi Katsiga, arbeitete für eine NGO in Botswana, die Hörhilfen herstellte. +Ihm fiel auf, dass die Hörhilfen Batterien benötigten, die man oft wechseln musste, was für die meisten Anwender finanziell kaum erschwinglich war. +Tendekayi, seines Zeichens Ingenieur, reagierte und entwickelte ein solarbetriebenes Ladegerät mit Akkus, das in diesen Hörhilfen eingesetzt werden konnte. +Er war einer der Gründer der Firma "Deaftronics", die das "Solar Ear" [Sonnenohr] herstellt, eine Hörhilfe, die mit seiner Erfindung betrieben wird. +Mein Kollege, Sudesh Sivarasu, hat einen smarten Handschuh entwickelt, für Menschen, die an Lepra erkrankt waren. +Auch wenn sie geheilt wurden, behielten viele eine Schädigung der Nerven zurück und verloren so den Tastsinn in den Händen, was wiederum das Verletzungsrisiko erhöht. +Die Sensoren im Handschuh registrieren Temperatur und Druck und warnen den Anwender. +Er dient gewissermaßen als künstlicher Tastsinn, der Verletzungen vorbeugt. +Sudesh entwickelte diesen Handschuh, als er ehemalige Leprapatienten bei ihren alltäglichen Arbeiten beobachtete und so die Risiken und Gefahren in deren Umfeld kennenlernte. +Die soeben erwähnten Erfinder bezogen die Technik in die medizinische Versorgung ein. +Und genau das tun Biomedizintechniker. +An der Universität von Kapstadt bieten wir den Kurs "Innovation und Design im Gesundheitswesen" an. +Er wird von vielen Absolventen der Biomedizintechnik besucht. +Er zielt darauf ab, jenen Studenten die Philosophie der Welt des Designs näher zu bringen. +Sie werden dazu angeregt, sich in Gemeinschaften einzubringen und dabei nach Lösungen für gesundheitsbezogene Probleme zu suchen. +Wir arbeiten unter anderem mit einer Gruppe älterer Menschen in Kapstadt zusammen. +Eine Projektgruppe beschäftigte sich kürzlich mit dem Hörverlust dieser älteren Menschen. +Die Studenten, viele davon Ingenieure, gingen davon aus, dass sie eine bessere Hörhilfe entwickeln würden. +Sie verweilten bei den Älteren, sprachen mit dem Gesundheitsdienstleister und dem Pflegepersonal. +Bald erkannten sie, dass geeignete Hörhilfen bereits existierten, nur dass viele, die eine brauchten und auch Zugang dazu hätten, einfach keine besaßen. +Viele andere, die eine besaßen, trugen sie einfach nicht. +Den Studenten wurde klar, dass viele der älteren Menschen ihren Hörverlust leugneten. +Hörgeräte zu tragen ist mit einem Stigma behaftet. +Sie entdeckten auch, dass das Lebensumfeld der Menschen nicht hörbehindertengerecht war. +Zum Beispiel waren die Wohnungen und das Gemeinschaftszentrum voller Echoquellen, die das Hören erschwerten. +Anstatt also eine verbesserte Hörhilfe zu erfinden, prüften sie, inwieweit sich die Akustik der Umgebung verbessern ließe. +Und sie starteten eine Kampagne, die auf Hörverlust aufmerksam machen und der Stigmatisierung von Menschen mit Hörhilfen entgegenwirken soll. +Das ergibt sich oft, wenn man darauf achtet, was der Anwender — in diesem Fall die Senioren — braucht und den Kontext beachtet. +Oft muss man dafür den Fokus von der Technologie abwenden und das Problem neu formulieren. +Der Ansatz, ein Problem durch Zuhören und Einfühlen zu verstehen, ist nicht neu, wird aber oft von den Technikern nicht beachtet, die doch um die Entwicklung von Technologien bemüht sind. +Einer unserer Studenten kommt aus dem Bereich der Software-Entwicklung. +Er hat schon oft Produkte für Kunden entwickelt, die diese letzten Endes nicht mochten. +Wenn ein Kunde ein Produkt ablehnte, war es in der Firma üblich es so darzustellen, dass der Kunde einfach nicht wisse, was er wolle. +Nachdem er den Kurs absolviert hatte, sagte der Student uns, er habe nun erkannt, dass eigentlich er gar nicht verstanden hatte, was der Kunde wollte. +Eine andere Studentin gab uns das Feedback, dass sie nun gelernt habe, einfühlsam zu designen, im Gegensatz zum funktionalen Designen, das ihr in der Ingenieursausbildung beigebracht wurde. +Das alles zeigt uns, dass wir oft blind für die wahren Bedürfnisse sind, wenn wir Technologien nachjagen. +Aber wir brauchen Technologie. +Wir brauchen Hörhilfen und fetale Herzfrequenzmonitore. +Wie also lassen sich Erfolgsstorys für medizinische Geräte in Afrika wiederholen? +Wie bringen wir mehr Erfinder hervor, anstatt auf einige wenige Ausnahmepersonen zu vertrauen? Erfinder, die echte Bedürfnisse wahrnehmen und mit brauchbaren Lösungen aufwarten? +Wir beachten die Bedürfnisse, die Menschen und den Kontext. "Ja klar", könnte man jetzt sagen, "natürlich ist der Kontext wichtig." +Nur ist Afrika kein einheitlicher Kontinent. Gesundheit, Wohlstand, Einkommen und Bildung sind extrem ungleich verteilt. +Wenn wir annehmen, dass unsere Ingenieure und Entwickler bereits genug über die unterschiedlichen Gegebenheiten in Afrika wissen, und somit in der Lage sind, die Probleme verschiedener Gruppen, gerade die der Randgruppen, zu lösen, dann liegen wir vielleicht falsch. +Aber wenn wir hier auf dem afrikanischen Kontinent vielleicht doch noch nicht alles wissen, dann könnte doch einer mit ausreichendem Können und Hingabe, herkommen, sich eine Weile umschauen und einfühlen und mit dem Wissen zurückgehen, um etwas für Afrika zu erfinden. +Den Kontext zu verstehen bedarf mehr als nur oberflächlichen Austausch. +Man muss sich voll und ganz einbringen und in die Realitäten und Komplexitäten des Umfeldes eintauchen. +Wir in Afrika sind ja bereits eingebunden. +Wir haben schon eine stabile und ergiebige Wissensbasis, die wir zur Problemlösung heranziehen können. +Verlassen wir uns also nicht zu sehr auf andere. Denn wir leben bereits auf einem Kontinent voller unentdeckter Talente. +Vielen Dank. +(Applaus) + + +talks, business, education, work, technology, entrepreneur, art, science, science and art, creativity, innovation +Eric Berridge +13316 +TED Talk Subtitles and Transcript: Wenn man ein innovatives Team schaffen will, sollte man die Geisteswissenschaften genauso schätzen wie die Naturwissenschaften, sagt der Unternehmer Eric Berridge. Er erklärt, warum Techunternehmen bei Neueinstellungen über die MINT-Abschlüsse hinausschauen sollten –- und wie Mitarbeiter mit einem geisteswissenschaftlichen Hintergrund Kreativität und neue Perspektiven in die Arbeitsalltag von Techfirmen bringen können. +Eric Berridge: Warum High-Tech die Geisteswissenschaften braucht +Sie waren bestimmt schon mal in einer Bar, nicht wahr? +(Lachen) +Doch sind Sie schon mal in eine Bar gegangen und mit einem Abschluss von 200 Millionen Dollar herausgekommen? +Das ist uns vor 10 Jahren passiert. +Wir hatten einen ganz schlechten Tag gehabt. +Einer unserer größten Kunden hat uns schwer zugesetzt. +Wir sind ein IT-Beratungsunternehmen und wir konnten ein sehr spezielles Programmierproblem nicht lösen, um ein hochmodernes Cloudsystem beim Kunden einzurichten. +Wir haben eine Menge Ingenieure, aber keiner konnte es ihm recht machen. +Wir standen davor, beim Kunden rauszufliegen. +Wir sind also in unser Lokal gegangen, und haben uns mit Jeff, unserem Barkeeper und Kumpel, unterhalten. Er tat, was alle guten Barkeeper machen: Er nahm Anteil, ermutigte uns, nahm unseren Schmerz ernst, und sagte: "Diese Typen übertreiben doch, macht euch keinen Kopf." Und dann sind wir komplett baff, als er sagt: "Wieso schickt ihr mich nicht dahin? +Ich kann es lösen. "Am nächsten Morgen sind wir in unserer Teamsitzung. Alle sind noch ein bisschen benebelt. +(Lachen) +Halb im Spaß bring ich diese Idee ein. +Ich sage: "Naja, wir sind eh dabei, rauszufliegen." "Wieso schicken wir nicht Jeff, den Barkeeper, hin?" +(Lachen) +Daraufhin erst Stille und fragende Blicke. +Und dann sagt unser Personalmanager: "Das ist eine hervorragende Idee." +(Lachen) +"Jeff ist wahnsinnig smart. Er ist super. Er kriegt das schon raus. +Wir sollten ihn da hinschicken. " +Aber Jeff war kein Programmierer. +Eigentlich hat er sein Philosophiestudium an der Penn Universität abgebrochen. +Aber er war genial, fähig, schwierige Zusammenhänge zu verstehen, und wir waren dabei, den Kunden zu verlieren. +Also haben wir ihn hingeschickt. +Nach ein paar spannenden Tagen war Jeff immer noch dort. +Sie hatten ihn nicht nach Hause geschickt. +Ich konnte es nicht glauben. +Was hat er denn gemacht? +Ich habe daraus etwas gelernt. +Er hatte sie aus ihrer Fixierung auf eine programmtechnische Lösung geholt und der Diskussion eine neue Richtung gegeben. +Er hat sogar das Produkt verändert. +In der Diskussion ging es nun darum, was gemacht werden sollte und weshalb. +Und Jeff hat auch herausgefunden, wie man die Lösung programmiert, und der Kunde wurde eine unserer besten Referenzen. +Wir waren damals 200 Mitarbeiter, zur Hälfte Informatiker oder Ingenieure. Aber nach dieser Erfahrung mit Jeff haben wir uns gefragt: Können wir das auf die ganze Firma übertragen? +Also haben wir unsere Einstellungs- und Trainingspraxis verändert. +Und obwohl wir immer noch Informatiker und Ingenieure suchten, haben wir auch Künstler, Musiker und Autoren hinzugenommen. Und Jeffs Erfolg hat sich überall in der Firma wiederholt. +Unser Technikvorstand hat ein Englischstudium abgeschlossen und war Fahrradkurier in Manhattan. +Heute sind wir tausend Mitarbeiter, doch weniger als hundert haben einen Abschluss als Informatiker oder Ingenieur. +Dabei sind wir immer noch ein IT-Beratungsunternehmen. +Wir sind die Marktführer beim Einsatz des am schnellsten wachsenden Software-Pakets und das regelmäßig 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz erzielt. Es funktioniert also. +Inzwischen ist hierzulande der Druck, mehr Studenten für MINT-Fächer, also für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, zu gewinnen, extrem. +Er steht uns allen ins Gesicht geschrieben. +Und das ist ein riesiger Fehler. +In den USA sind die MINT-Fächer seit 2009 um 43% gewachsen, während die Geisteswissenschaften gleich bleiben. +Unser voriger Präsident hat über eine Milliarde Dollar in MINT-Bildung investiert zu Lasten anderer Fächer. Und der heutige Präsident hat vor kurzem 200 Millionen Dollar aus dem Bildungsetat für die Computerwissenschaften umgewidmet. +Firmenvorstände beschweren sich weiter über den Mangel an Ingenieuren. +Diese Kampagnen, im Kontext des wirtschaftlichen Erfolgs des High-Tech-Bereichs — und seien wir ehrlich, sieben der zehn weltweit nach Marktwert größten Firmen sind Technologieunternehmen — solche Dinge führen zur Annahme, dass die Entwicklung des künftigen Arbeitsmarkts MINT-dominiert sein wird. +Ich verstehe das. Auf dem Papier macht das Sinn. Es ist verlockend. Aber es ist total übertrieben. +Wie wenn ein ganzes Fußballteam dem Ball in eine Ecke nachrennt, weil dort der Ball ist. +Wir dürfen die MINT-Fächer nicht überschätzen. +Wir sollten Naturwissenschaften nicht höher bewerten als Geisteswissenschaften. +Dafür sprechen mehrere Gründe. +Erstens, heutige Technologien sind unglaublich intuitiv. +Wir können Mitarbeiter aus allen akademischen Fächern gewinnen und ihnen spezielle Fertigkeiten vermitteln, weil moderne Systeme auch ohne Code zu schreiben handhabbar sind. +Sie sind wie LEGO: Einfach zusammenzusetzen, einfach zu lernen. Sogar einfach zu programmieren mit einer Vielfalt von Lernmaterialien. +Ja, der Arbeitsmarkt braucht spezielle Fertigkeiten, aber diese Fertigkeiten müssen nicht mehr in so rigider und formeller Weise wie früher vermittelt werden. +Zweitens, die Fähigkeiten, die in der Welt der Intuitivtechnologie notwendig und immer differenzierter werden, sind die, die uns dabei helfen, als Menschen zusammenzuarbeiten. Wobei die eigentliche Arbeit darin besteht, das Endprodukt und seinen Nutzen sehen zu können. Dafür braucht man reale Erfahrungen, Urteilsvermögen und historischen Kontext. +Was wir aus Jeffs Geschichte gelernt haben, ist, dass der Kunde auf die falsche Sache fokussiert war. +Es ist der klassische Fall: Technologen tun sich schwer, mit Business und Endverbrauchern zu kommunizieren, und das Business scheitert daran, eigene Bedürfnisse zu artikulieren. +So was sehe ich jeden Tag. +Wir nutzen unsere menschlichen Fähigkeiten zu kommunizieren und gemeinsam zu erfinden, kaum. Und während uns die Naturwissenschaften lehren, wie man bestimmte Sachen baut, sind es die Geisteswissenschaften, die uns lehren, was man weshalb baut. +Sie sind genauso wichtig und genauso schwer. +Mich nervt es, wenn die Geisteswissenschaften für weniger bedeutend und einfacher gehalten werden. Herrje! Die Geisteswissenschaften geben uns den Kontext für unsere Welt. +Sie lehren uns kritisch zu denken, sie sind absichtlich unstrukturiert, während die Naturwissenschaften absichtlich strukturiert sind. +Sie lehren uns zu überzeugen, sie geben uns die Sprache, um unsere Emotionen in Gedanken und Taten zu verwandeln. +Sie müssen mit Naturwissenschaften gleichgestellt werden. +Und ja, man kann Künstler in großer Zahl anstellen, ein Technologieunternehmen aufbauen und erfolgreich sein. +Aber ich stehe nicht hier, um Ihnen zu sagen, MINT sei schlecht. +Ich stehe auch nicht hier, um zu sagen, Mädchen dürften nicht programmieren. +(Lachen) +Bitte. Die nächste Brücke, über die ich fahre, oder der nächste Fahrstuhl, wo wir alle reinspringen — lasst uns sicherstellen, dass dahinter ein Ingenieur steht. +(Lachen) +Aber in diese Paranoia zu verfallen, dass der Arbeitsmarkt der Zukunft von MINT dominiert sein wird, ist einfach albern. +Wenn Sie Freunde oder Kinder, Verwandte oder Enkel, Nichten oder Neffen haben, ermutigen Sie sie dazu, zu werden, was immer sie werden wollen. +(Beifall) +Die Jobs werden da sein. +Diese Tech-Vorstände, die nach MINT-Absolventen schreien, wissen Sie, für welche Firmen sie Mitarbeiter suchen? +Google, Apple, Facebook. +65 Prozent ihrer Jobangebote sind nicht-technisch: Marketingleute, Designer, Projektmanager, Programmmanager, Produktmanager, Juristen, Personalmanager, Trainer, Coaches, Verkäufer, Einkäufer und so weiter. +Das sind die zu besetzenden Stellen. +Wenn es etwas gibt, das der Arbeitsmarkt der Zukunft unbedingt braucht — und ich denke, wir sind uns einig, — dann ist das Vielfalt. +Und diese Vielfalt darf nicht bei Geschlecht oder Hautfarbe enden. +Wir brauchen Vielfalt an Hintergründen und Fähigkeiten, mit Introvertierten und Extrovertierten, mit Anführern und Gefolgsleuten. +Das ist unser Arbeitsmarkt der Zukunft. +Und die Tatsache, dass die Technologie einfacher und zugänglicher wird, gibt allen die Möglichkeit genau das zu studieren, was auch immer sie wollen. +Danke. +(Beifall) + + +talks, Africa, economics, trust, money +Robert Neuwirth +13340 +TED Talk Subtitles and Transcript: Autofahrten, Unterkünfte und mehr: heutzutage wird mit Hilfe digitaler Helfer alles geteilt. Aber so modern und so high-tech die Sharing-Ökonomie auch scheint, nach Autor Robert Neuwirth ist sie in Afrika bereits seit Jahrhunderten lebendig. Er beschreibt faszinierende Beispiele, beispielsweise Ausbildungssysteme, die wie lokal generiertes Risikokapital funktionieren, oder Systeme zur Verteilung knapper Wasserressourcen. Er sagt, wenn wir diese Modelle verbreiten und skalieren können, könnten sie Gemeinschaften helfen, von unten nach oben zu wachsen. +Robert Neuwirth: Die uralten Sharing-Ökonomien Afrikas -- und warum wir sie ausweiten sollten +Ich mache jetzt ein Gedankenexperiment. +Vielleicht kennen Sie dieses Buch von diesem Herrn oder haben es sogar gelesen. +Es ist wahrscheinlich der erste und vielleicht der einzige Bestseller der jemals über Ökonomie geschrieben wurde. +Vermutlich wissen Sie auch etwas über seinen Inhalt. +Es behandelt die erfolgreiche Entwicklung von Nationen auf der ganzen Welt durch das individuelle Streben nach individuellem Profit. +Individueller Profit als Mechanismus für den Wohlstand der Welt. +Das Lustige an Adam Smith ist, dass er ein Stubenhocker war. +Er ist eigentlich nie weiter von Edinburgh weggegangen als bis nach Frankreich und die Schweiz. +In meinem Gedankenexperiment stellen wir uns vor, was passiert wäre, wenn Adam Smith Afrika besucht hätte. +Zum Glück ist das einfach zu beantworten, weil der arabische Anwalt und Reisende Ibn Battuta im 14. Jahrhundert die Ostküste Afrikas entlang reiste. Als er nach Mogadischu kam, fand er einen Markt und schrieb darüber. +Kamen Handelsschiffe zum Hafen, durften sie nicht anlegen. +Sie mussten im Hafen vor Anker gehen und Boote kamen zu ihnen und Einheimische wählten sie aus und sagten: "Du bist mein Gast, ich bin dein Makler." Sie mussten ihre Geschäfte über den lokalen Makler machen, und wenn sie ohne den Broker Geschäfte machten, konnten sie vor Gericht gestellt werden und der Handel annulliert werden und sie aus der Stadt gewiesen werden. +Durch diesen Mechanismus waren alle erfolgreich. +Wenn das Adam Smith wäre, könnte er wie dieser Typ aussehen und sagen: "Ah! +Das ist eine Solidargemeinschaft. +Das ist ein freier 'Wir teilen den Wohlstand' -Markt. "Und als ich diese Frage Christian [Benimana] stellte der zu Beginn der Veranstaltung hier oben war, sagte er, wenn Adam Smith nach Afrika gekommen wäre, dann hätte es lange vor Airbnb und Uber eine Sharing Economy gegeben. +Und so ist es. +Wenn wir das heute machen würden, wäre das sehr interessant. +Es würde viel Geld in die Länder fließen. +Dies sind nur ca.10% der Exporte dieser Länder. +Interessant ist, dass diese Solidarökonomie noch existiert. Wir können Beispiele an den seltsamsten Orten finden. +Das ist der Internationale Markt in Alaba. +Das ist der größte Elektronikmarkt in Westafrika mit 10.000 Händlern. +Sie machen jedes Jahr rund vier Milliarden Dollar Umsatz. +Sie sagen, sie seien glühende Apostel von Adam Smith: Wettbewerb ist großartig, jeder von uns macht es allein, die Regierung hilft uns nicht. +Die interessante Realität ist, dass, wenn man weiter nachfragt, das nicht der Grund für das Wachstum des Markts ist. +Es gibt ein Prinzip hinter den Kulissen das diesen Markt befähigt zu wachsen. +Sie behaupten, es sei eine interessante Kombination von King James Bibel und "How To Sell Yourself". Das ist ihre Botschaft, sagen sie. +In Wirklichkeit wird dieser Markt jedoch von einem Prinzip des Teilens beherrscht. +Wenn Sie fragen: "Wie haben Sie den globalen Handel angefangen?", sagt Ihnen jeder Händler: "Als mein Meister mich angesiedelt hat." Als mir endlich einfiel zu fragen: "Was bedeutet dieses' ansiedeln '?", erfuhr ich, dass, wenn man seine Ausbildung gemacht hat, derjenige, für den man gearbeitet hat, verpflichtet — verpflichtet — ist, Ihre geschäftliche Existenz aufzubauen. +Das heißt, er zahlt zwei oder drei Jahre lang Ihre Miete und gibt Ihnen Startkapital, damit Sie raus in die Welt gehen und Handel treiben können. +Das ist lokal beschafftes Risikokapital. Und ich kann fast mit Sicherheit sagen, dass das Igbo-Ausbildungssystem, das den internationalen Markt von Alaba reguliert, das größte Gründerzentrum der Welt ist. +Wir finden weitere Beispiele für Wirtschaftsformen des Teilens — Karusselle, Gemeinschaften, wie sie in fast jedem Elendsviertel vorkommen. +Sie heißen anders in anderen Kulturen, so heißen sie in Kenia. +So kann man Geld beschaffen. +Es ist ein gemeinsamer Topf — wöchentlich legt man Geld zusammen und ein Mitglied der Gruppe bekommt das Geld, und kann es für alles ausgeben, was es braucht. +Dann gibt es "Acequias". Das ist ein spanisches Wort, aber es kommt aus dem nordafrikanischen Arabisch. "Saqiya" bedeutet "Wasserrad". Die Acequia ist ein Solidarsystem für knappes Wasser. +Es kam von Nordafrika nach Spanien und von Spanien in den Westen der Vereinigten Staaten, wo es heute noch genutzt wird. +Das Wasser wird nach Bedarf verteilt, und nicht danach, wer zuerst da war. +Mit allem Respekt — im Gegensatz zu dem, was Llew [Claasen] gesagt hat, als er gestern über Blockchains und Kryptowährungen sprach: es gibt keinen Niedergang der Gemeingüter. +Menschen in Acequias haben die knappen Wasserressourcen gemeinsam verwaltet über Hunderte und Aberhunderte von Jahren. +Mit diesem Gedankenexperiment wollte ich ein wenig weiter gehen und darauf hinweisen, dass diese Dinge gemeinschaftlich verwaltet werden, um sich um knappes Kapital, knappes Geld und knappe Ressourcen zu kümmern. +Und mir scheint, dass wir tatsächlich zwei Arten von Kapitalismus haben. +Wir haben den Kapitalismus derer an der Spitze. +Das sind sehr interessante Statistiken, weil drei Tausendstel eines Prozents der nigerianischen Bevölkerung kontrollieren ein Vermögen, das einem Viertel des BIP des Landes entspricht. +Ein Hundertstel eines Prozents der kenianischen Bevölkerung kontrollieren ein Vermögen, das 75% des BIP des Landes entspricht. +Das ist der Kapitalismus derer an der Spitze. +Und allen anderen geht es wie ihm hier, der Brettspiele und Bodybuilding-Ausrüstung in einem Stau auf der Autobahn in Lagos verkauft. +Wenn Sie Brettspiele und Bodybuilding- Ausrüstung in einem Stau verkaufen, muss es wohl ein wirklich übler Stau sein, nicht wahr? +Wer von uns so wirtschaften muss, ist gefangen in dem, was ich den "Kapitalismus des Verfalls" nenne, weil es keine Möglichkeit gibt, da rauszukommen, weil ihnen die Ressourcen fehlen, die wir eben bei der Ökonomie des Teilens besprochen haben. +Und sie stolpern über die These von Cassava und Kapitalismus, wonach Cassava [Maniok] verarbeitet werden muss, um nicht giftig zu sein, und ich möchte behaupten, dass die Marktwirtschaft in ähnlicher Weise bearbeitet werden muss, um allen gerecht zu werden. +Wir müssen also auf das schauen, was ich die "Wirtschaft von unten" nenne. Diese Modelle des Teilens, die da draußen existieren, die man propagieren und im großen Maßstab verwenden muss. Okay? Und wenn wir diese Dinge propagieren, können wir anfangen, Infrastruktur für alle aufzubauen und damit sicherstellen, dass Gemeinschaften ihre Entwicklung selbst bestimmen können. Das, meine ich, ist, was die Welt braucht und, so möchte ich behaupten, was wir in Afrika brauchen. +Ich möchte gerne Steve Biko zitieren, denn es ist wirklich wichtig, Steve Biko zu zitieren, weil im nächsten Monat, am 12. September, der 40. Jahrestag seiner Ermordung durch den südafrikanischen Staat ist. +Sie können das Zitat lesen. +Er sagte im Grunde, dass wir nicht hier sind, um zu konkurrieren. +Ich liebe dieses Zitat: "... uns als eine Gemeinschaft von Geschwistern zu erschaffen, vereint im Streben nach gemeinschaftlichen Lösungen für die Probleme des Lebens." Er sagte auch, dass "die großen Mächte der Welt wahre Wunder vollbracht haben, als sie uns industriell und militärisch prägten...", wir diesen militärisch-industriellen Komplex jedoch nicht kopieren müssen, weil Afrika die Dinge anders machen kann und der Welt ihr menschliches Gesicht wiedergeben kann. +Was ich also hier anregen möchte: Wir haben die Möglicheit. Wir sind alle hier in einer Umgebung, in der wir einvernehmlich handeln können. Und die Reise beginnt jetzt. +Vielen Dank. +(Beifall) + + +talks, leadership, business, motivation, communication, collaboration, cooperation, goal-setting, potential, personal growth +Amy Edmondson +13517 +TED Talk Subtitles and Transcript: Die Business School-Professorin Amy Edmondson erforscht "Teaming", bei dem Menschen schnell (und oft vorübergehend) zusammenkommen, um neue, dringende oder ungewöhnliche Probleme zu lösen. Edmondson erinnert an Geschichten von unermüdlicher Teamarbeit, wie die unglaubliche Rettung von 33 Bergleuten, die 2010 in Chile eine halbe Meile unter der Erde gefangen waren. Außerdem zeigt sie die notwendigen Faktoren auf, um eine Gruppe von Fremden zu einem schnell denkenden Team zu machen, das flexibel auf Herausforderungen reagieren kann. +Amy Edmondson: Wie eine Handvoll Fremder zu einem Team wird +Es ist der 5. August 2010. +Durch einen gewaltigen Einsturz in der Kupfermine San José im Norden von Chile, sind 33 Männer in 800 Meter Tiefe gefangen. In 800 Meter Tiefe, das ist zweimal das Empire State Building, gefangen unter einem der härtesten Felsen der Welt. +Sie finden den Weg zu einem kleinen Schutzraum, der für diesen Zweck gebaut wurde. Dort treffen sie auf extreme Hitze, Schmutz und Lebensmittel, die für zwei Männer circa 10 Tage reichen würde. +An der Oberfläche dauert es nicht lange, bis die Experten feststellen, dass es hier keine Lösung gibt. +Keine industrielle Bohr-Technologie kann schnell genug so tief und durch so harten Stein bohren, um deren Leben zu retten. +Man kennt die Position des Rettungsraumes nicht genau. +Man weiß nicht einmal, ob die Bergarbeiter noch leben. +Man weiß auch nicht, wer verantwortlich ist. +Trotzdem werden innerhalb von 70 Tagen alle 33 Männer lebend an die Oberfläche gebracht. +Diese außergewöhnliche Geschichte ist ein Paradebeispiel dafür, was Teaming leisten kann. +Also, was ist "Teaming"? +Teaming ist spontane Teamarbeit. +Die Koordinierung und Zusammenarbeit von Menschen, damit trotz Hindernisse aller Art — wie Fachkenntnis, Entfernung, Zeitverschiebung, was auch immer — die Arbeit erledigt wird. +Denken Sie an ihr Lieblingsteam im Sport, denn das ist etwas anderes. +Eine Sportmannschaft arbeitet zusammen: Diese magischen Momente, die das Spiel wenden. +Sportmannschaften gewinnen, weil sie trainieren. +Man kann nur trainieren, wenn dieselben Leute über längere Zeit zusammen sind. "Teaming" ist also — Sportmannschaften verkörpern die Definition eines Teams; die formale Definition. +Es ist eine beständige, abgegrenzte, relativ kleine Gruppe von Menschen, die voneinander abhängig sind, um ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen. +Sie können sich Teaming wie ein spontanes Spiel im Park vorstellen, im Gegensatz zu einem offiziellen, eingespielten Team. +Welches Team gewinnt ein Endspiel? +Die Antwort ist offensichtlich. +Warum erforsche ich dann Teaming? +Weil heutzutage mehr und mehr von uns auf diese Art arbeiten müssen. +Globale, tempogeladene Projekte, rund um die Uhr im Einsatz, wahnwitzige Schichtpläne und spezialisiertes Expertenwissen. Immer mehr von uns müssen ständig mit neuen Leuten arbeiten, um die Aufgaben zu erledigen. +Wir haben nicht den Luxus beständiger Teams. +Wenn Sie sich diesen Luxus leisten können, nehmen Sie ihn sich unbedingt. +Aber für einen wachsenden Anteil der heutigen Arbeit haben wir diese Möglichkeit nicht. +Ein Beispiel dafür sind Krankenhäuser. +Dort habe ich über die Jahre viele Untersuchungen durchgeführt. +Es stellte sich heraus, dass Krankenhäuser an allen Tagen der Woche 24 Stunden geöffnet sein müssen. +Und die Patienten — sind alle unterschiedlich. +Alle sind auf komplizierte und einzigartige Weise verschieden. +Im Durchschnitt werden Krankenhauspatienten während ihres Aufenthalts von circa 60 unterschiedlichen Pflegekräften versorgt. Sie haben andere Schichten, unterschiedliche Fachgebiete, unterschiedliche Kompetenzen. +Sie kennen sich vielleicht sogar nicht mal beim Namen. +Aber sie müssen zusammenarbeiten, damit der Patient die beste Versorgung erhält. +Arbeiten sie nicht zusammen, können die Ergebnisse fatal sein. +Natürlich geht es bei Teaming nicht immer um Leben oder Tod. +Überlegen Sie mal, was man braucht, um einen Animationsfilm zu produzieren, einen preisgekrönten Animationsfilm Ich hatte das Glück zu den Disney Animation Studios gehen zu können. +Dort konnte ich beobachten, wie über 900 Wissenschaftler, Künstler, Geschichtenerzähler und Informatiker sich zusammenschlossen, um in ständig wechselnden Konstellationen so erstaunliche Werke wie "Die Eiskönigin" zu erschaffen. Sie arbeiten einfach zusammen, nie zweimal dieselbe Gruppe, und ohne zu wissen, was als Nächstes passiert. +Patienten in der Notaufnahme zu versorgen und einen Animationsfilm zu gestalten sind ganz klar sehr unterschiedliche Aufgaben. +Aber trotz der Unterschiede, haben sie viel gemeinsam. +Man braucht unterschiedliches Fachwissen zu unterschiedlichen Zeiten. Es gibt keine festen Rollen, man hat keine gleichbleibenden Resultate. Man muss viele Dinge tun, die man nie zuvor getan hat, und man kann das nicht in einem beständigen Team tun. +So zu arbeiten ist nicht einfach. Aber wie ich sagte, mehr und mehr von uns müssen so arbeiten. Darum müssen wir das verstehen. +Und ich behaupte, dass es vor allem für komplexe und unvorhersehbare Aufgaben, oder bei großen Problemen gebraucht wird. +Paul Polman, der Chef von Unilever, hat das gut formuliert, als er sagte: "Die Probleme, die heutzutage auf uns zukommen, sind so groß und herausfordernd. Es ist klar, dass wir das nicht alleine schaffen. Es liegt eine gewisse Demut darin zu wissen, dass man Leute dazuholen muss." Probleme wie die Nahrungs- oder Wasserknappheit können nicht von Einzelpersonen gelöst werden, auch nicht von einzelnen Firmen oder von einzelnen Branchen. +Also versuchen wir den Zusammenschluss durch großes Teaming, Teaming auf der ganz großen Skala. +Nehmen wir z.B. die Suche nach 'smarten' Städten. +Vielleicht haben Sie von einigen der Ideen gehört: Mehrzweck-Designs, Null-Energie-Häuser, 'smarte Mobilität', grüne, wohnliche, wunderschöne Städte. +Wir haben das Vokabular, wir haben die Visionen, nicht zu vergessen, den Bedarf dafür. +Wir haben die Technologien. +Zwei Megatrends: Urbanisierung — immer schneller wird unser Planet urbanisiert — und der Klimawandel. Beide zeigten zunehmend auf, dass Innovation in Städten entscheidend ist. +Auf der ganzen Welt, an verschiedenen Orten, schließen sich momentan die Leute zusammen, um grüne, lebenswerte und 'smarte' Städte zu designen und zu erschaffen. +Das ist eine riesige Innovationsaufgabe. +Um das besser zu verstehen, begleitete ich ein Start-up, das Software für smarte Städte entwickelt, wie es im Team arbeitete mit Immobilienmaklern, Bauingenieuren, dem Bürgermeister, mit einem Architekten, ein paar Bauarbeitern, und einigen Technikfirmen. +Ihr Ziel war es, eine Vorzeigeversion einer 'smarten' Stadt von Grund auf neu zu bauen. Nach fünf Jahren Projektarbeit ist noch nicht so viel passiert. +Nach sechs Jahren, nach wie vor kein Durchbruch. +Es schien, als ob branchenübergreifende Zusammenarbeit sehr, sehr schwer ist. +Okay, also — Wir hatten in diesem Projekt zufällig das entdeckt, was ich als "Kollision von Berufskulturen" bezeichne. +Wissen Sie, Softwareentwickler und Immobilienmakler denken anders; wirklich anders: unterschiedliche Werte, verschiedene Zeitrahmen — Zeitrahmen sind ein großer Unterschied — und unterschiedlicher Wortschatz, eine andere Sprache. +Sie sind also nicht immer einer Meinung. +Ich denke, das ist ein sehr großes Problem, was die meisten nicht so wahrnehmen. +Ich glaube sogar, dass "Berufskultur-Kollision" ein primäres Hindernis beim Aufbau der Zukunft, die wir anstreben, ist. +Dies wird ein Problem das wir verstehen müssen, ein Problem, für das wir eine Lösung brauchen. +Wie stellt man also sicher, dass Teaming gut funktioniert, besonders im großen Rahmen? +Diese Frage versuche ich seit einigen Jahren, in verschiedensten Arbeitsumgebungen zu ergründen. +Um einen ersten Einblick in die Antwort dieser Frage zu bekommen, kehren wir zurück nach Chile. +In Chile wurden wir Zeuge von 10 Wochen kontinuierlichem Teaming von hunderten Personen aus unterschiedlichen Berufen, von verschiedenen Firmen, aus unterschiedlichen Branchen und sogar Ländern. +Als sich dieser Prozess entwickelte, hatten alle viele Ideen, sie probierten Vieles aus, sie experimentierten, sie scheiterten, sie erlebten täglich kolossale Misserfolge, Aber sie standen wieder auf, waren beharrlich und machten weiter. +Wir können wirklich bezeugen, dass die Leute demütig waren angesichts der bevorstehenden, sehr realen Herausforderung. +Neugierig — all diese verschiedenen Personen, aus verschiedenen Fachrichtungen, verschiedenen Ländern wollten wissen, was die Anderen mitbringen und waren bereit Risiken einzugehen, um früh zu erfahren, was funktionieren könnte. +Schließlich, am Tag 17 dieser bemerkenswerten Geschichte, kamen die Ideen aus allen Richtungen. +Ideen kamen von André Sougarret, einem brillanten Bergbauingenieur, der von der Regierung ernannt wurde, die Rettung zu leiten. +Ideen kamen von der NASA. +Ideen von der chilenischen Spezialeinheit, Ideen kamen von Freiwilligen auf der ganzen Welt. +Während viele von uns, wie auch ich selbst, aus der Ferne zuschauten, fanden die Leute langsam, mühevoll den Weg durch den Felsen. +Am 17. Tag drangen sie bis zur Zufluchtsstätte vor. +Es war ein bedeutender Moment. +Mit einer sehr kleinen Bohrung konnten sie sie finden, mithilfe von vielen experimentellen Techniken. +In den nächsten 53 Tage, war dieser schmale Rettungsschacht der Weg, über den Nahrung und Medizin geschickt wurde und kommuniziert wurde. Indessen arbeiteten sie an der Oberfläche weitere 53 Tage im Team daran, einen Weg zu finden, wie man ein größeres Loch bohren kann. +Außerdem entwarfen sie eine Kapsel. Das hier ist die Kapsel. +Und dann am 69. Tag, nach 22 mühevollen Stunden, gelang es ihnen die Bergarbeiter nacheinander herauszuholen. +Wie haben sie die Kollision der Berufskulturen überwunden? +Die Antwort in einem Wort: Führungsqualitäten. Aber ich möchte das genauer erklären. +Wenn Teaming funktioniert, kann man sicher sein, dass einige der Führungskräfte — Führende aller Ebenen — sich absolut bewusst sind, dass sie selbst keine Lösungen haben. +Nennen wir es "situative Demut". Das ist angemessene Demut. +Wir wissen nicht, was zu tun ist. +Sie können sicher sein, dass die Leute sehr neugierig waren. Diese situative Demut, gepaart mit Neugierde, erzeugt psychologische Sicherheit, die uns erlaubt, als Fremde Risiken einzugehen. Denn, seien wir ehrlich: Es ist schwer, seine Meinung zu äußern, oder? +Es ist schwer, um Hilfe zu bitten. +Es ist schwer, eine Idee anzubringen, die eventuell blödsinnig ist, wenn man sich nicht kennt. +Man benötigt psychologische Sicherheit, um das zu tun. +Sie haben das überwunden, was ich gerne als menschliches Grundproblem bezeichne: Es ist schwer zu lernen, wenn man es bereits weiß. +Leider sind wir darauf fixiert zu glauben, dass wir es wissen. +Also müssen wir uns daran erinnern — und wir können das — neugierig zu sein. Neugierig auf das, was Andere einbringen. +Diese Neugier kann mit einer Fülle von Interpretationen versehen werden. +Aber es gibt noch ein weiteres Hemmnis und Sie alle kennen es. +Sie wären sonst nicht hier. +Um das zu erklären, möchte ich aus dem Film "Zeit der Prüfungen" zitieren. So stellt sich Hollywood übrigens einen Harvard Professor vor. +Sie können das selbst beurteilen. +Der Professor begrüßt in dieser berühmten Szene die Jura - Erstsemester und sagt: "Sehen Sie nach links und nach rechts. +Einer von Ihnen ist nächstes Jahr weg. "Welche Aussage hörten sie da? Entweder ich oder du. Damit ich weiterkomme, musst du scheitern. +Ich denke, in vielen Organisationen empfängt man die Neulinge nicht mehr auf diese Art. Aber trotzdem, oft kommen die Leute mit diesem Bild der Knappheit im Kopf an. +Entweder du oder ich. +Es ist äußerst schwer im Team zu arbeiten, wenn man die Andern unbewusst als Rivalen ansieht. +Wir müssen das also auch überwinden, und wenn wir das tun, werden die Ergebnisse unglaublich. +Abraham Lincoln sagte einst: "Ich mag diesen Mann nicht. +Ich muss ihn besser kennenlernen. "Bedenken Sie: 'Ich mag ihn nicht' bedeutet 'Ich kenne ihn nicht gut genug'; das ist bemerkenswert. Diese Einstellung — das muss ich sagen — Das ist die Einstellung, die man für effektives Teaming braucht. +Wir können in unseren Silos arbeiten. +Aber wenn wir zurücktreten, uns öffnen und aufeinander zugehen, dann können Wunder geschehen. +Bergleute können geborgen werden, Patienten können gerettet werden, wunderschöne Filme können gedreht werden. +Um das zu erreichen, gibt es keinen besseren Rat als diesen: Schauen Sie nach links und nach rechts. +Wie schnell findet man die einzigartigen Talente und Fähigkeiten, sowie Träume seines Nächsten, und wie schnell kann man wiederum sagen, was man selbst mitbringt? +Wir müssen uns zusammenschließen, um die Zukunft zu bauen, die wir erschaffen können, und die keiner alleine schaffen kann. Diese Einstellung brauchen wir. +Danke. +(Applaus) + + +talks, big problems, communication, future, humanity, computers, culture, social change, Internet, society, social media, virtual reality, technology +Jaron Lanier +14439 +TED Talk Subtitles and Transcript: In den frühen Tagen der digitalen Kultur half Jaron Lanier eine Vision für das Internet als öffentliches Gut zu kreieren, bei der die Menschheit ihr Wissen teilen könnte – jedoch wurde diese Vision schon damals von einem möglichen dunklen Ausgang verfolgt: Von Endgeräten, die unser Leben kontrollieren, unsere Daten überwachen und uns mit Reizen überfluten. (Kommt das bekannt vor?) In dieser visionären Rede, reflektiert Lanier über einen "global tragischen, erstaunlich albernen Fehler", wie ihn Google und Facebook am Fundament der digitalen Kultur begangen haben -- und wie wir diesen Fehler rückgängig machen können. "Wir können keine Gesellschaft haben, in der, sofern zwei Leute miteinander kommunizieren wollen, kein Weg daran vorbeiführt, dass dies nur durch Finanzierung einer dritten Person erfolgen kann, die diese manipulieren will", sagt er. +Jaron Lanier: Wie wir das Internet neu gestalten müssen +Damals in den 80ern hielt ich meine erste Rede bei TED, wobei ich eine der ersten öffentlichen Demonstrationen von "Virtual Reality" auf die TED-Bühne brachte. +Damals war uns bewusst, dass uns eine extrem unsichere Zukunft bevorsteht, in der die benötigte Technologie, die Technologie, die wir liebten, uns auch zum Verhängnis werden könnte. +Wir wussten, würden wir unsere Technologie als Mittel zu noch mehr Macht betrachten, würden wir uns selbst zerstören, falls es nur ein Machttrip wäre. +So etwas passiert, wenn man nur auf Macht aus ist. +Folglich beschäftigte sich das Idealbild der damaligen digitalen Kultur insbesondere mit dem Erkennen dieser möglichen Dunkelheit und dem Versuch, einen Weg zu finden, diese durch Schönheit und Kreativität zu überwinden. +Ich habe meine ersten TEDTalks gewöhnlich mit einer entsetzlichen Zeile beendet: "Wir haben eine Herausforderung. +Wir müssen eine Kultur um Technologie herum erzeugen, die so schön, so bedeutsam, so tiefgründig, so endlos kreativ, und mit so endlosem Potenzial gefüllt ist, dass sie uns davon abbringt, Massensuizid zu begehen. "Also sprachen wir vom Aussterben als ein und und demselben wie dem Bedürfnis, eine verheißungsvolle, unendlich kreative Zukunft zu schaffen. +Ich glaube nach wie vor, dass diese alternative Kreativität als Alternative zum Tod sehr real und wahr ist und sogar der absoluten Wahrheit entspricht. +Im Falle von "Virtual Reality" — so habe ich früher darüber geredet, wäre es in etwa so, wie als die Menschen die Sprache entdeckten. +Mit der Sprache kamen neue Abenteuer, neue Tiefgründigkeit, neue Bedeutungen, neue Wege sich zu verbinden, zu koordinieren, neue Wege, sich etwas vorzustellen oder Kinder aufzuziehen, und mit "Virtual Reality" hätten wir diese neue Sache, die wie eine Unterhaltung, aber auch wie ein Wachzustand absichtlichen Träumens wäre. +Wir nennen es postsymbolische Kommunikation, weil es genauso ist, als würde man direkt das tun, was man erfahren hat, anstatt indirekt Zeichen zu machen, um sich auf Dinge zu beziehen. +Es war eine schöne Vision und eine, an die ich nach wie vor glaube, und doch wurde diese schöne Vision von der dunklen Seite verfolgt, in die sie sich auch verwandelt könnte. +Ich glaube, ich könnte etwas von einem der ersten Informatiker erwähnen, dessen Name Norbert Wiener war. Er schrieb damals in den 50ern ein Buch, noch bevor ich geboren war, namens "Mensch und Menschmaschine". In diesem Buch beschrieb er das Potenzial ein Computersystem zu errichten, das Daten von Menschen sammeln würde und diesen Menschen in Echtzeit Feedback geben würde, um diese in eine, teils statistische, "Enthäutungs-Box" zu stecken; in ein Verhaltenssystem und er hat dieses fantastische Zitat, in dem er sagt, man kann es sich als Gedankenexperiment vorstellen — und ich umschreibe es, es ist kein Zitat — man könnte es sich als globales Computersystem vorstellen, bei dem jeder jederzeit Geräte bei sich trägt und die Geräte einem basierend auf dem, was man macht, Feedback geben und die gesamte Bevölkerung bis zu einem gewissen Grad einer Verhaltensmodifikation unterliegt. +Eine solche Gesellschaft wäre verrückt, könnte nicht überleben und könnte nicht ihren Problemen begegnen. +Und dann sagt er, dass es nur ein Gedankenexperiment ist und das eine solche Zukunft technologisch nicht umsetzbar wäre. +(Gelächter) +Und doch ist es, natürlich, das, was wir geschaffen haben, und wir müssen es rückgängig machen, wenn wir überleben wollen. Also — +(Applaus) +Ich bin überzeugt, dass wir einen ganz bestimmten Fehler gemacht haben und dieser ist sehr früh passiert und wenn wir den Fehler verstehen, können wir ihn rückgängig machen. +Es passierte in den 90ern und zieht sich bis zur Jahrhundertwende. +Dabei passierte Folgendes: Die frühe digitale Kultur, und sogar die digitale Kultur bis zum heutigen Tag, trug ein Gefühl von linker, sozialistischer Mission mit sich, das anders als bei anderen Dingen, wie die Erfindung von Büchern, alles im Internet vollkommen öffentlich und kostenlos verfügbar sein muss, weil selbst, wenn eine Person es sich nicht leisten kann, dies diese schreckliche Ungleichheit schaffen würde. +Nun gibt es natürlich andere Wege damit umzugehen. +Wenn Bücher Geld kosten, gibt es öffentliche Bibliotheken. Und so weiter. Aber wir dachten uns nein, das ist etwas anderes. +Das muss ein reines öffentliches Gut sein; genau das wollen wir. +Und dieser Geist lebt weiter. +Man kann es etwa an Umsetzungen wie Wikipedia und an vielen anderen sehen. +Zur selben Zeit jedoch glaubten wir, mit gleicher Leidenschaft, an diese andere Sache, die damit komplett inkompatibel war, wir liebten nämlich unsere Hightech-Unternehmer. +Wir liebten Steve Jobs, wir liebten diesen Nietzsche-Mythos des Technikfreaks, der das Universum verformen kann. Oder? Diese mystische Kraft hat immer noch Besitz von uns. +Also hat man diese zwei verschiedenen Leidenschaften, alles kostenlos zu gestalten und die nahezu übernatürliche Macht der Technikunternehmer. +Wie feiert man Unternehmertum, wenn alles kostenlos ist? +Es gab damals nur eine Lösung, welche das Werbemodell war. +Und so war folglich Google entstanden: kostenlos, mit Werbung, Facebook war geboren, ebenfalls kostenlos, mit Werbung. +Zu Beginn war es süß, wie mit dem frühesten Google. +(Gelächter) +Die Werbung war wirklich mehr oder weniger Werbung. +Dort fand man seinen lokalen Zahnarzt oder so etwas. +Aber es gibt das sogennante Mooresche Gesetz, das Computer immer effizienter und günstiger macht. +Die Algorithmen werden besser. +Wir haben Universitäten, an denen Leute das studieren und sie werden immer besser. +De Kunden und andere Instanzen, die diese Systeme nutzen, haben mehr Erfahrung gesammelt und sind immer schlauer geworden. +Was als Werbung begann, kann wirklich nicht mehr Werbung genannt werden. +Es wurde zu Verhaltensmodifikation, genauso wie Norbert Wiener es befürchtet hat. +Deshalb kann ich diese Dinge nicht mehr soziale Netzwerke nennen. +Ich nenne sie Imperien der Verhaltensmodifikation. +(Applaus) +Und ich weigere mich, diese Individuen zu verunglimpfen. +Ich habe bei diesen Unternehmen geschätzte Freunde, habe ein Unternehmen an Google verkauft, obwohl es eines dieser Imperien ist. +Ich glaube, es ist kein Fall von bösen Leuten, die etwas Schlimmes getan haben. +Ich glaube, es ist ein Fall eines global tragischen, erstaunlich albernen Fehlers, anstatt einer Welle des Bösen. +Lassen Sie mich Ihnen nur ein paar weitere Details geben, wie genau dieser Fehler funktioniert. +Mit Behaviourismus gibt man also dem Wesen, egal ob es eine Ratte, ein Hund oder ein Mensch ist, kleine Belohnungen und manchmal kleine Bestrafungen als Rückmeldung zu dem, was es tut. +Hat man ein Tier in einem Käfig, kann es Süßes und Elektroschocks sein. +Hat man aber ein Smartphone, dann ist es keines dieser Dinge, sondern symbolische Bestrafungen und Belohnungen. +Pawlow, einer der ersten Behaviouristen, demonstrierte das bekannte Prinzip. +Man kann einen Hund trainieren nur durch eine Glocke zu sabbern, nur durchs Symbol. +Auf sozialen Netzwerken fungieren also soziale Bestrafungen und Belohnungen als Strafen und Belohnungen. +Wir alle wissen, wie sich diese Dinge anfühlen. +Man hat diesen Nervenkitzel — "Jemand mag meine Sachen und es wiederholt sich." Oder die Strafe: "Oh mein Gott, sie mögen mich nicht, vielleicht ist jemand anderes beliebter, oh mein Gott." Man hat also diese zwei häufigen Gefühle und sie sind so verteilt, dass man in dieser Schleife gefangen ist. +Viele Gründer dieses Systems haben öffentlich zugegeben, dass jeder wusste, was vor sich geht. +Hier ist jedoch der Punkt: In wissenschaftlichen Studien der Methoden des Behaviourismus gab es traditionell Vergleiche positiver und negativer Reize. +In dieser Umgebung, einer kommerziellen Umgebung, gibt es einen neuen Unterschied, der sich der wissenschaftlichen Welt für eine Zeit entzogen hat. Und dieser Unterschied ist, dass egal ob positive Reize unter bestimmten Umständen effektiver als negative sind, so sind die negativen günstiger. +Sie sind die gehandelten Reize. +Was ich also damit meine, ist, dass es viel leichter ist, Vertrauen zu verlieren, als Vertrauen aufzubauen. +Es benötigt viel Zeit Liebe aufzubauen. +Es braucht wenig Zeit, um Liebe zu zerstören. +Nun sind die Kunden dieser Imperien der Verhaltensmodifikation in einer sehr schnellen Schleife. +Sie sind fast wie Hochfrequenzhändler. +Sie kriegen Feedback von ihrem Konsum oder welchen Aktivitäten auch immer, wenn sie nicht konsumieren und sie sehen, was funktioniert und sie wollen mehr davon. +So kriegen sie also das schnelle Feedback, welches bedeutet, dass sie den negativen Emotionen mehr Beachtung schenken, da diese sich schneller entwickeln, richtig? +Deshalb werden sogar gut gesinnte Mitspieler, die denken, dass nur Werbung für Zahnpasta gemacht wird, letztendlich dazu beitragen, die Anliegen negativer Leute, negativer Emotionen, der Spinner, der Paranoiden, der Zyniker und der Nihilisten voranzutreiben. +Dies sind diejenigen, die vom System bestärkt werden. +Man kann keines dieser Unternehmen so leicht dafür bezahlen, um die Welt plötzlich nett zu machen und die Demokratie zu verbessern, wie man sie dafür bezahlen kann, diese Dinge zu ruinieren. +Das ist das Dilemma, in das wir uns gebracht haben. +Die Alternative ist, die Zeit mit großen Schwierigkeiten zurückzudrehen und diese Entscheidung neu zu treffen. +Es neu zu gestalten, würde zwei Dinge bedeuten. +Es würde erstens bedeuten, dass viele Leute, die es sich leisten können, tatsächlich für diese Dinge bezahlen würden. +Man würde für die Suche und für soziale Medien bezahlen. +Wie würdest man bezahlen? +Vielleicht mit einer Anmeldungsgebühr vielleicht mit Mikrotransaktionen, während man sie nutzt. +Es gibt viele Optionen. +Wenn manche von Ihnen zurückschrecken und denken: "Oh mein Gott, ich würde nie für diese Dinge zahlen. +Wie könnte man jemanden dazu bringen, zu zahlen? "Dann möchte ich Sie an etwas erinnern, dass gerade passiert ist. +Zu der selben Zeit, zu der Unternehmen wie Google und Facebook ihre freies Konzept vorstellten, glaubten viele Vertreter digitaler Kultur, dass in der Zukunft Fernseher und Filme in etwa so gemacht werden würden wie Wikipedia. +Dann sagten jedoch Unternehmen wie Netflix, Amazon, HBO: "Wisst ihr was, abonniert uns. +Wir liefern euch großartiges Fernsehen. "Und es hat funktioniert! +Wir befinden uns nun in der "Peak TV" genannten Periode, oder? +Wenn man also für Dinge bezahlt, werden sie besser. +Wir können uns eine hypothetische — +(Applaus) +Wir können uns eine hypothetische Welt des "Peak Social Media" vorstellen. Wie wäre das? Es würde bedeuten, dass man, sobald man online geht, sehr nützliche, maßgebliche medizinische Ratschläge anstelle von Spinnern sieht. +Es könnte bedeuten, man bekäme Fakten, wenn man möchte, und es gäbe keinen Haufen schräger, paranoider Verschwörungstheorien. +Wir können uns diese wunderbar andere Möglichkeit vorstellen. Ah. Ich träume davon. Ich glaube, dass es möglich ist. +Ich bin sicher, dass es möglich ist. +Und ich bin sicher, dass die Unternehmen, die Googles und Facebooks, sich in dieser Welt besser machen würden. +Ich glaube nicht, dass wir Silicon Valley bestrafen sollten. +Wir müssen nur die Entscheidung neu gestalten. +Von den großen Technologieunternehmen sind es nur zwei, die auf Verhaltensmodifikation und Spionage als Geschäftsmodell vertrauen. +Das sind Google und Facebook. +(Gelächter) +Leute, ich liebe euch. +Ich tue es wirklich. +Die Leute sind fantastisch. +Wenn ich dürfte, würde ich gerne darauf hinweisen, dass beispielsweise Google, endlos Kostenstellen verbreiten kann mit all diesen Unternehmen, sie aber keine Profitzentren verbreiten können. +Sie können nicht diversifizieren, weil sie gefangen sind. +Sie sind in diesem Modell gefangen, genau wie ihre eigenen Nutzer. +Sie sind in derselben Falle, wie ihre Nutzer und so kann man ein großes Unternehmen nicht führen. +Dies ist letztlich ganz zum Vorteil der Aktionäre und anderer Interessensgruppen dieser Unternehmen. +Es ist eine Win-Win-Lösung. +Es wird nur ein wenig Zeit brauchen das herauszufinden. +Viele Details sind herauszuarbeitend, absolut machbar. +(Gelächter) +Ich glaube nicht, dass unsere Spezies überleben kann, es sei denn wir lösen das. +Wir können keine Gesellschaft haben, in der, sofern zwei Leute miteinander kommunizieren wollen, kein Weg daran vorbeiführt, dass dies nur durch Finanzierung einer dritten Person erfolgen kann, die diese manipulieren will. +(Applaus) (Applaus endet) +Falls sich die Unternehmen in der Zwischenzeit nicht ändern, löschen Sie ihre Accounts, okay? +(Gelächter) +(Applaus) +Das reicht für jetzt. Vielen Dank. +(Applaus) + + +talks, collaboration, communication, leadership, social change, society, trust, work, business +Frances Frei +15471 +TED Talk Subtitles and Transcript: Vertrauen ist die Grundlage für alles, was wir tun. Aber was machen wir, wenn es zerstört ist? In einem aufschlussreichen Vortrag gibt die Harvard Business School Professorin Frances Frei einen Crashkurs im Vertrauen: wie man es baut, pflegt und wieder aufbaut -- etwas, woran sie kürzlich bei Uber gearbeitet hat. "Wenn wir lernen können, einander mehr zu vertrauen, können wir einen beispiellosen menschlichen Fortschritt erreichen", sagt Frei. +Frances Frei: Wie man Vertrauen aufbaut (und wiederherstellt) +Ich möchte mit Ihnen darüber sprechen, wie man Vertrauen aufbaut und wiederherstellt, weil ich glaube, dass Vertrauen die Grundlage für alles ist, was wir tun. Wenn wir lernen, einander mehr zu vertrauen, kann es zu beispiellosen menschlichen Fortschritten kommen. +Aber was, wenn Vertrauen zerstört ist? +Was, wenn Ihr Chef auf Video ertappt wird, wie er einen Mitarbeiter abfällig behandelt? +Was ist, wenn Ihre Mitarbeiter eine Kultur der Vorurteile, Ausgrenzung oder gar Schlimmerem erleben? +Was ist, wenn es einen Datenmissbrauch gibt, und alles sieht eher nach Vertuschung aus, als nach einem ernsthaften Umgang damit? +Und am tragischsten: Was, wenn ein technologisches Versagen zum Verlust von Menschenleben führt? +Vor sechs Monaten hätte ich diesen Vortrag in einem Uber T-Shirt gehalten. +Ich bin Professor an der Harvard Businenss School, aber ich wollte unbedingt in eine Organisation gehen, die metaphorisch und vielleicht auch buchstäblich, in Flammen stand. +Ich hatte alles gelesen, was in der Zeitung stand, und genau das hat mich zu der Organisation hingezogen. +Dies war eine Organisation, die Vertrauen in jeder Hinsicht verloren hatte. +Aber sie sollten eines über mich wissen. +Mein liebster Wesenszug ist Erlösung. +Ich glaube, dass überall eine bessere Version von uns lauert. Ich habe selbst erlebt, wie Organisationen, Gemeinschaften und Individuen sich mit atemberaubender Geschwindigkeit verändert haben. +Ich ging zu Uber mit der Hoffnung, dass, wenn dort eine Wende stattfindet es alle anderen ermutigt, deren Herausforderungen vielleicht nicht ganz so groß sind. +Aber als ich nach Uber kam, habe ich einen großen Fehler gemacht. +Ich habe mich öffentlich verpflichtet, solange täglich ein Uber T-Shirt zu tragen bis auch jeder andere Angestellte ein Uber T-Shirt trägt. +Ganz klar, ich hatte das nicht durchdacht. +(Lachen) +250 Tage lang trug ich ein Uber T-Shirt. +Jetzt bin ich von dieser Verpflichtung befreit, weil ich wieder bei HBS bin, und ich möchte Ihnen gerne zeigen wie weit meine Freiheit geht. Es sind Babyschritte, +(Lachen) +aber immerhin, ich bin auf dem Weg. +(Lachen) +Wenn man Vertrauen wieder aufbauen will, muss man seine Bestandteile verstehen. +Die Komponenten des Vertrauens kennt man sehr gut. +Vertrauen besteht aus drei Dingen. +Wenn Sie wahrnehmen, dass ich authentisch bin, vertrauen Sie mir sehr viel eher. +Wenn Sie erkennen, dass meine Argumente stringent sind, vertrauen Sie mir viel eher. +Und wenn Sie glauben, dass meine Empathie auf Sie gerichtet ist, vertrauen Sie mir viel eher. +Wenn alle drei Dinge zusammen kommen, entsteht großes Vertrauen. +Aber wenn ein Aspekt von diesen dreien brüchig ist, wenn nur eins von diesen dreien wackelt, ist Vertrauen bedroht. +Jetzt möchte ich Folgendes tun. +Ich möchte, dass wir alle morgen mehr Vertrauen schaffen können — buchstäblich morgen — als wir es heute können. +Der Weg dahin ist das Verständnis, wo wir selbst Vertrauen schwächen, und ein fertiges Rezept, wie man das überwindet. +Das würde ich gerne zusammen mit Ihnen machen. +Ich würde gerne wahrnehmen, ob Sie freiwillig hier sind oder nicht? +(Lachen) +Ja. Okay. In Ordnung. Genial. Okay. Damit — +(Lachen) +Das ist einfach super hilfreiches Feedback. +(Lachen) +Am häufigste hakt es bei der Empathie. +Die häufigste Ursache ist, dass die Leute einfach nicht glauben, dass wir vor allem für sie da sind. Sie glauben, dass wir zu sehr selbst-orientiert sind. +Und das ist kein Wunder. +Wir sind alle so beschäftigt, mit all den Anforderungen an unsere Zeit. Es ist leicht, die Zeit und den Raum die die Empathie braucht, zu verdrängen. +Damit Dylan, Dylan sein kann, braucht es wirklich Zeit. +Und wir, wenn wir zu viel zu tun haben, haben diese Zeit vielleicht nicht. +Aber das bringt uns in einen Teufelskreis, weil ohne Empathie zu zeigen, wird alles schwieriger. +Ohne Vertrauensvorschuss ist alles schwieriger, und dann haben wir immer weniger Zeit für Empathie, und so weiter. +Hier ist das Rezept: Identifizieren Sie wo, wann und bei wem Sie sich sehr wahrscheinlich ablenken lassen. +Das sollte ziemlich gut übereinstimmen mit wann, wo und wem Sie wahrscheinlich keine Empathie entgegenbringen. +Und wenn wir in diesen Fällen einen Auslöser finden können, der uns dazu bringt, aufzuschauen, die Leute direkt vor uns anzuschauen, ihnen zuzuhören, uns tief in ihre Perspektiven hineinzuversetzen, dann können wir ein starkes Einfühlungsvermögen entwickeln. +Und wenn Sie sonst nichts tun: bitte legen Sie Ihr Handy weg. +Es ist der größte Ablenkungsmagnet, der jemals hergestellt wurde, und es ist sehr schwierig, Empathie und Vertrauen in seiner Gegenwart zu schaffen. +Das hilft bei Empathie-Störungen. +Logik-Störungen können zwei Formen annehmen. +Entweder liegt es an der Qualität Ihrer Logik oder an Ihrer Fähigkeit, diese zu kommunizieren. +Wenn es an der Qualität Ihrer Argumentation liegt, kann ich Ihnen nicht wirklich helfen. +(Lachen) +Zumindest nicht in dieser kurzen Zeit. +(Lachen) +Glücklicherweise ist es oft so, dass unsere Argumente vernünftig sind, aber unsere Fähigkeit, die Logik zu vermitteln ist unzureichend. +Zum Glück gibt es eine sehr einfache Lösung dafür. +Wenn wir beachten, dass es auf der Welt zwei Arten der Kommunikation gibt — HBS Professoren sind bekannt für Ihre Zweiergruppen — Unsinn, es ist das Dreieck, das rockt. +(Lachen) +Beachten Sie, dass es auf der Welt zwei Arten der Kommunikation gibt: Die erste ist, wenn man jemanden mit auf eine Reise nimmt, eine herrliche Reise, mit gewundenen Pfaden, Geheimnissen und Dramatik, bis man schließlich auf den Punkt kommt. Einige der besten Kommunikatoren der Welt kommunizieren genau so. +Aber wenn Sie ein Logik-Problem haben, kann das sehr gefährlich sein. +Stattdessen, ich flehe ich sie an, starten Sie mit Ihrem Punkt mit einem knackigen Halbsatz, und dann geben Sie Ihre unterstützenden Beweise. +So können die Menschen Zugang zu unseren tollen Ideen bekommen, und genauso wichtig, wenn Sie unterbrochen werden, bevor Sie fertig sind... Meine Damen — +(Lachen) +(Beifall) +Wenn Sie unterbrochen werden, bevor Sie fertig sind, bleibt die Idee doch noch Ihr Verdienst, im Gegensatz zu jemand anderem, der reinkommt und sie Ihnen entreißt. +(Beifall) +Ich bekomme grade eine Gänsehaut. +(Lachen) +Die dritte Schwäche ist Authentizität, und ich finde das am ärgerlichsten. +Wir als menschliche Spezies können in einem Moment spüren, buchstäblich in einem Moment, ob jemand sein authentisches, wahres Selbst ist oder nicht. +In vielerlei Hinsicht ist das Rezept klar. +Sie wollen kein Problem mit Authentizität haben? Sei du selbst. Großartig. Das ist super einfach, wenn die Menschen um Sie herum, wie Sie selbst sind. +Aber wenn Sie irgendeine Art von Unterschied darstellen, kann das Rezept "sei du selbst" super herausfordernd sein. +Ich war da herausgefordert, bei jedem Schritt meiner Karriere, persönlich und durch das Verhalten anderer, zu verschweigen, wer ich in der Welt bin. +Ich bin eine Frau mit super starken Meinungen, mit wirklich tiefen Überzeugungen, offenen Worten. +Ich habe eine fantastische Frau, und zusammen haben wir solch verrückten Ehrgeiz. +Ich bevorzuge Männerkleidung und bequeme Schuhe. +Danke, Allbirds [Schuhmarke]. +(Lachen) +In manchen Kontexten macht mich das anders. +Ich hoffe, dass jede Person hier den schönen Luxus hat, einen Unterschied zu repräsentieren, in irgendeinem Zusammenhang ihres Lebens. +Aber mit diesem Privileg kommt die sehr ernste Versuchung, zu verschweigen, wer wir sind. +Wenn wir verschweigen, wer wir sind, vertraut man uns wahrscheinlich weniger, Wenn man uns weniger vertraut, gibt man uns wahrscheinlich seltener spannende Aufgaben. +Und ohne diese spannenden Aufträge, werden wir weniger befördert, und so weiter und so weiter, bis wir super deprimiert sind durch die demographischen Tendenzen unserer Führungsspitze. +(Lachen) +Und alles kommt darauf zurück, ob wir unser authentisches Selbst sind. +Also hier ist mein Rat. +Tragen Sie alles, womit Sie sich besonders wohl fühlen. +Achten Sie weniger auf das, was die Leute Ihrer Meinung nach hören möchten, sondern viel mehr auf das, was Ihr authentisches, wunderbares Selbst sagen möchte. +Und zu den Führungskräften im Raum, Es ist Ihre Pflicht eine Umgebung zu schaffen, in der es nicht nur sicher ist, authentisch zu sein, sondern sogar willkommen, wo es gefeiert wird, geschätzt wird für genau, was es ist. Das ist der Schlüssel zu mehr Spitzenleistung als wir uns jemals vorstellen können. +Lasst uns zurück zu Uber gehen. +Was ist bei Uber passiert? +Als ich dort ankam, wankte Uber überall herum. +Empathie, Logik, Authentizität wackelten wie verrückt. +Wir konnten super effektive und schnelle Korrekturen für zwei der Störungen finden. +Ich werde Ihnen das für die Empathie illustrieren. +Bei den Treffen in Uber, war es nicht ungewöhnlich, dass Leute sich gegenseitig SMS sandten... über das Treffen. +(Lachen) +So etwas hatte ich noch nie gesehen. +(Lachen) +Es mag für vieles gut sein, aber es schafft keine sichere, einfühlsame Umgebung. +Die Lösung ist super klar: Technologie aus und weg. +Und das zwang die Menschen aufzublicken, um die Menschen vor ihnen zu sehen, um ihnen zuzuhören, in ihre Perspektiven einzutauchen und auf beispiellose Weise zusammenzuarbeiten. +Logik war ebenso wackelig, und zwar, weil das Hyperwachstum der Organisation dazu führte, dass Leute, Manager, immer wieder befördert wurden. +Bald wurden sie in Positionen gebracht, in denen sie nichts zu suchen hatten. +Ihre Positionen übertrafen ihre Fähigkeiten, und es war nicht ihre Schuld. +Die Lösung: ein massiver Zustrom von Führungskräfteausbildung, die sich speziell auf Logik konzentrierte, auf Strategie und Führung. +Es gab den Menschen die Strenge der Qualität ihrer Logik, und ganz viele Dreiecke wurden umgedreht, mit der richtigen Seite nach oben, so dass die Menschen effektiv miteinander kommunizieren konnten. +Der letzte Punkt, Authentizität, ist immer noch mächtig wackelig, aber ehrlich gesagt, da unterscheidet sich Uber nicht sehr von allen anderen Firmen, die ich im Silicon Valley und sonst wo gesehen habe. +Es ist immer noch viel einfacher, Menschen beizubringen, sich anzupassen. +Es ist immer noch viel einfacher, Menschen zu belohnen wenn sie sagen, was man selbst meint, anstatt die zu belohnen, die etwas ganz anderes sagen als das, was man selbst meint. +Aber wenn wir das herausfinden, wenn wir herausfinden, wie man Unterschiede feiert und wie man Leute befähigt, die beste Version von sich selbst zu entwickeln, Gute Güte! Das ist die Welt, in der meine Söhne aufwachsen sollen. +Und es wäre ein Privileg mit all den Menschen hier, Arm in Arm loszugehen und das Vertrauen in jeder Ecke der Welt wieder aufzubauen. +Vielen Dank. +(Beifall) + + +talks, art, collaboration, communication, community, creativity, democracy, history, performance art, politics, society, social change, theater, United States +Oskar Eustis +17275 +TED Talk Subtitles and Transcript: "Die Wahrheit ergibt sich aus dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Ideen, und eine wesentliche Rolle des Theaters besteht darin, uns diese Wahrheit zu zeigen", sagt der legendäre Intendant Oskar Eustis. In diesem überzeugenden Vortrag erläutert Eustis seinen Plan, Menschen an Orten in der gesamten USA zu erreichen (und ihnen zuzuhören), dort, wo Theater und viele andere Institutionen nicht existieren, wie z. B. im deindustrialisierten "Rust Belt" (Rostgürtel). "Es ist unsere Aufgabe, unseren Mitbürgern eine Vision vor Augen zu führen, die ihnen nicht nur zeigt, wer wir alle im Einzelnen sind, sondern die uns wieder zu der Gemeinschaft zusammenschweißt, die wir sein müssen", sagt Eustis. "Das ist die Aufgabe des Theaters." +Oskar Eustis: Warum Theater unentbehrlich für die Demokratie ist +Theater ist wichtig, weil Demokratie wichtig ist. +Das Theater ist die wesentliche Kunstform der Demokratie, und das ist bekannt, weil beide in derselben Stadt entstanden. +Die Idee der westlichen Demokratie ist über 7000 Jahre alt. +Natürlich war sie sehr unvollständig und fehlerhaft, aber das Konzept, dass Herrscher mit Einwilligung des Volkes regieren, dass Macht von unten nach oben fließen sollte und nicht umgekehrt, stammt aus jenem Jahrzehnt. +Zu dieser Zeit soll jemand namens Thespis die Idee des Dialogs erfunden haben. +Was heißt das: den Dialog erfinden? +Wir wissen, dass sich für das Fest zu Ehren Dionysos' die gesamte Bevölkerung Athens bei der Akropolis versammelte. Man hörte Musik und sah den Tänzern zu, und es wurden Geschichten erzählt. +Beim Erzählen geht es zu wie gerade jetzt: Ich stehe hier oben als alleinige Autorität, und ich spreche zu Ihnen. +Sie lehnen sich zurück und hören mir zu. +Vielleicht sind Sie dagegen, halten mich für einen Idioten, oder langweilen sich zu Tode, aber dieser Dialog findet vorwiegend in Ihren Köpfen statt. +Doch was geschieht, wenn ich mich, anstatt mit Ihnen zu reden — so dachte Thespis —, um 90 Grad nach links drehe und mit einer anderen Person hier auf der Bühne spreche? +Plötzlich ist alles anders, denn ich bin nicht mehr im Alleinbesitz der Wahrheit; ich bin ein Typ mit einer Meinung. +Ich spreche mit jemand anderem. +Und dieser Andere hat auch eine Meinung! +Und das ist Drama, Konflikt — wir stimmen nicht überein. +Es gibt einen Konflikt zwischen zwei Ansichten. +Daraus ergibt sich die These, dass die Wahrheit nur durch den Konflikt verschiedener Ansichten ans Licht kommt. +Sie ist nicht im Besitz eines Einzelnen. +Wer an Demokratie glaubt, muss an dieses Prinzip glauben. +Wer nicht daran glaubt, ist ein Autokrat, der die Demokratie nur in Kauf nimmt. +Die Grundthese der Demokratie ist, dass Meinungsverschiedenheiten zur Wahrheit führen. +Was passiert da noch? Ich fordere Sie nicht auf, mir nur entspannt zuzuhören, sondern sich aktiv meinen Standpunkt vorzustellen, was ich als Darsteller wahrnehme und fühle. +Und dann fordere ich Sie auf, umzuschalten und sich vorzustellen, wie es im anderen Sprecher aussieht. +Ich bitte Sie um Einfühlungsvermögen. +Die Idee, dass man durch Widersprüche zur Wahrheit gelangt, sowie der emotionale Impuls des Einfühlungsvermögens sind die notwendigen Werkzeuge einer demokratischen Bürgerschaft. +Was geschieht noch? Das dritte Element sind Sie selbst, die Gemeinschaft, das Publikum. +Und Sie wissen aus eigener Erfahrung: Wenn Sie ins Kino gehen und es leer ist, dann freuen Sie sich, weil Sie beim Zuschauen nichts stört. +Sie können sich ausbreiten, die Beine über den Vordersitz legen und genussvoll Popcorn essen. +Aber wenn Sie ins Theater gehen und es nur halb voll ist, dann wird Ihnen angst. +Sie sind sofort enttäuscht, denn ob Sie es wussten oder nicht, Sie sind ins Theater gegangen, um Teil eines Publikums zu sein. +Sie sind da, um gemeinsam zu lachen, zu weinen, gespannt darauf zu warten, was als Nächstes geschieht. +Sie haben das Theater vielleicht als Einzelperson betreten, aber wenn das Theater sein Metier versteht, dann verlassen Sie es als Teil eines Ganzen, als Teil einer Gemeinschaft. +Das gehört zur DNA meiner Kunstform. +Zweieinhalbtausend Jahre später beschloss Joe Papp, dass alle US-Bürger ein Recht auf Kultur hätten und dass es seine Aufgabe sei, dieses Versprechen einzulösen. +Er schuf "Free Shakespeare in the Park". +Es basiert auf dem einfachen Prinzip, dass das beste Schauspiel, die beste Kunst, die wir bieten können, allen zugänglich sein und allen gehören sollte. Bis heute stehen an jedem Sommerabend 2.000 Menschen im Central Park Schlange, um das beste Schauspiel zu sehen, das wir gratis bieten können. +Wir ist nicht gewinnorientiert. +13 Jahre später, im Jahr 1967, kam er auf den Gedanken, dass der demokratische Kreislauf nicht vollständig sei, wenn man dem Publikum nur die Klassiker biete. +Die Zuschauer sollten ihre eigenen Klassiker schaffen und die Bühne erobern. +Daher eröffnete Joe 1967 das Public Theater am Astor Place in New York. Seine allererste Inszenierung war die Weltpremiere von "Hair". Bisher hatte er nur Shakespeare produziert. +Clive Barnes schrieb in der "New York Times", Papp habe offenbar mit einem Besen allen Müll der Straßen im East Village auf die Bühne des "Public" gefegt. +(Gelächter) +Das war kein Kompliment, aber Joe hängte die Kritik im Foyer auf, so stolz war er darauf. +(Gelächter) (Applaus) +Das Public Theater produzierte im Folgenden fantastische Stücke: "For Colored Girls Who Have Considered Suicide / When the Rainbow is Enuf", "A Chorus Line" und das für mich außergewöhnlichste Beispiel: Larry Kramers wütenden Aufschrei wegen der AIDS-Krise, "The Normal Heart". Als Joe das Stück 1985 produzierte, erfuhr man in Frank Richs Rezension in der New York Times mehr über AIDS, als die "Times" in den letzten vier Jahren veröffentlicht hatte. +Durch sein Stück änderte Larry die Auseinandersetzung mit AIDS und Joe tat das mit seiner Produktion. +Ich hatte das Glück, an Tony Kushners "Engel in Amerika" zu arbeiten und wir merkten, dass durch das Stück und durch "Normal Heart" die Kultur in Bewegung geriet. +Das Theater war nicht der Anlass, aber es trug dazu bei, die Einstellung gegenüber Schwulen und Lesben in den USA zu ändern Darauf bin ich unglaublich stolz. +(Applaus) +Als ich 2005 Joes Stelle beim "Public" übernahm, merkte ich, dass eins unserer Probleme ein Opfer unseres Erfolgs war. "Shakespeare in the Park" war entstanden, um Theater frei zugänglich zu machen. Aber mittlerweile war es fast unmöglich, Karten zu bekommen. +Viele verbrachten zwei Nächte vor Ort, um eine zu ergattern. +Was war die Folge? +98% der Bevölkerung zogen einen Theaterbesuch nicht einmal in Betracht. +Wir reanimierten also unsere mobile Truppe und brachten Shakespeare in Gefängnisse, Obdachlosenheime, Begegnungsstätten in allen 5 New Yorker Bezirken und sogar in New Jersey und dem Westchester County. +Das Programm bestätigte etwas, das wir intuitiv wussten: Menschen brauchen Theater genauso dringend wie Essen und Trinken. +Das Projekt ist ein großer Erfolg und wir führen es weiter. +Da gab es noch ein weiteres unüberwindbares Hindernis, das Hindernis der Beteiligung. +Wir fragten uns: Wie können wir das Theater aus einer Ware, einem Objekt wieder dazu machen, was es wirklich ist, ein zwischenmenschliches Beziehungsgeflecht? +Unter der Leitung des genialen Lear deBessonet entstand das Public-Works-Programm, das jetzt jeden Sommer prunkvolle musikalische Shakespeare-Aufführungen produziert, wo mit dem Tony-Award ausgezeichnete Schauspieler und Musiker gemeinsam mit Kindermädchen und Haushaltshilfen, Kriegsveteranen, kürzlich inhaftierte Gefangene, Amateuren und Profis zusammen auf der Bühne stehen. +Es ist nicht nur ein großartiges soziales Programm, es ist unsere beste Kunst. +Man kann also behaupten, dass nicht nur einige wenige von uns künstlerisches Talent besitzen, sondern dass es Teil des menschlichen Wesens ist. +Einige haben nur viel mehr Zeit, um dieses Talent auszuüben. Und ab und zu — +(Applaus) +geschieht ein Wunder wie "Hamilton", Lin-Manuels erstaunliche Neufassung der Gründungsgeschichte unseres Landes aus der Sicht des einzigen Gründervaters, der als uneheliche Waise aus der Karibik einwanderte. +Lins Ansatz war genau der gleiche wie der Shakespeares: Er benutzte die Stimme des Volkes, die Sprache des Volkes, und erhob sie zur Poesie. +Dadurch adelte er die Sprache und auch das Volk, das diese Sprache verwendete. +Und indem Lin das ganze Stück mit dunkelhäutigen Schauspielern besetzte, erreichte er Folgendes: Er erweckte in uns unsere größten Sehnsüchte für die Vereinigten Staaten, unsere besseren Engel Amerikas, unseren Sinn für das Potenzial dieses Landes, für die Inklusion, die dem Amerikanischen Traum zugrunde lag. +Das löste in mir und unserem Publikum eine Welle des Patriotismus aus. Das Verlangen danach ist offenbar unstillbar. +Aber es gab eine Kehrseite, und das soll mein letztes Thema sein. +Wie einige wissen, kam der angehende Vizepräsident Pence nach New York zu einer "Hamilton" -Aufführung. +Als er hereinkam, buhten ihn einige Theaterbesucher aus. +Er reagierte wunderbar und sagte: "So klingt Freiheit." +Zum Schluss verlasen wir auf der Bühne eine meiner Meinung nach sehr respektvolle Erklärung, Der angehende Vizepräsident hörte sie sich an, aber sie löste eine gewisse Entrüstung, einen Twittersturm, aus, sowie einen Internetboykott von "Hamilton" durch wütende Menschen, die sich von uns respektlos behandelt fühlten. +Der Boykott zeigte mir, dass wir etwas falsch machten. +All diejenigen, die den Aufruf unterschrieben hatten, würden "Hamilton" sowieso nie sehen. +Es würde nie eine Aufführung in ihrer Nähe geben. +Falls doch, könnten sie sich keine Karte leisten oder sie hätten nicht die Beziehungen, um sich eine zu besorgen. +Sie boykottierten also nicht uns, sondern wir hatten sie boykottiert. +Wenn Sie sich die rot-blaue Karte der US-Wahllandschaft anschauen und ich behaupten würde: "Blau bezeichnet die wichtigsten gemeinnützigen Kultureinrichtungen", wäre das wahr und Sie würden mir glauben. +Wir Kulturschaffende haben genau das getan, was Wirtschaft, Bildung und Technologie getan haben: Wir haben einem Großteil des Landes den Rücken gekehrt. +Wir müssen also weiter an einer Inklusion arbeiten. +Im Herbst gehen wir mit "Sweat" auf Tournee, dem brillanten, pulitzerpreisgekrönten Stück von Lynn Nottage. Nach jahrelanger Forschung in Redding, Pennsylvania, schrieb sie dieses Stück über die Folgen der Deindustrialisierung Pennsylvanias: wie das Verschwinden der Stahlindustrie Wut und Spannungen auslöste, Rassismus auslöste, weil die Menschen ihre Arbeit verloren. +Wir gehen mit diesem Stück auf Tour in die ländlichen Gegenden von Pennsylvania, von Ohio, Michigan, Minnesota und Wisconsin. +Dort stehen wir in Kontakt mit Gemeindeorganisationen, nicht nur, um die Menschen zu erreichen, die wir erreichen wollen, sondern auch, um wieder zu ihnen zurückzufinden und zu sagen: "Die Kultur ist auch für euch da." Denn... +(Applaus) +... wir in der Kulturbranche, wir im Theater haben kein Recht zu sagen, dass wir unsere Aufgabe nicht kennen. +Sie gehört zur DNA unserer Kunstform. +Unsere Aufgabe ist es, "... der Natur gleichsam den Spiegel vorzuhalten; der Schmach ihr eignes Bild, der Tugend ihre eignen Züge, und dem Jahrhundert den Abdruck seiner Gestalt zu zeigen." Es ist unsere Aufgabe, Amerika eine Vision vor Augen zu halten, die nicht nur zeigt, wer wir als Individuen sind, sondern uns wieder zur nötigen Gemeinschaft zusammenschweißt, uns das Gefühl der Einheit gibt, den Sinn für das Ganze, die Identifikation mit unserem Land. +Das ist die Aufgabe des Theaters, und das sollten wir nach besten Kräften versuchen. +Ich danke Ihnen. +(Applaus) + + +talks, AI, future, technology, humanity, machine learning, innovation, intelligence, society, computers +Max Tegmark +17851 +TED Talk Subtitles and Transcript: Viele KI-Forscher erwarten, dass die KI in wenigen Jahrzehnten bei allen Tätigkeiten und Jobs besser sein wird als die Menschen und dadurch eine Zukunft ermöglicht, die nicht mehr durch die Grenzen unserer Intelligenz, sondern nur noch durch die Gesetze der Physik limitiert ist. Der Physiker und KI-Forscher Max Tegmark vom MIT trennt die realen Chancen und Bedrohungen von den Mythen und beschreibt die konkreten Schritte, mit denen wir sicherstellen müssen, dass KI am Ende das Beste sein wird, was der Menschheit je widerfahren ist -- und nicht das Schlimmste. +Max Tegmark: Wie wir durch KI gestärkt und nicht überwältigt werden +Nach 13,8 Milliarden Jahren kosmischer Geschichte ist unser Universum aufgewacht und sich seiner selbst bewusst geworden. +Von einem kleinen blauen Planeten aus haben winzige, bewusste Teile unseres Universums begonnen, mit Teleskopen in den Kosmos zu schauen und etwas Demütigendes entdeckt. +Nämlich, dass das Universum sehr viel größer ist, als unsere Vorfahren glaubten, und das Leben eine fast unmerklich kleine Störung eines sonst toten Universums zu sein scheint. +Aber wir haben auch etwas Inspirierendes entdeckt, nämlich, dass unsere Technologie das Potenzial hat, das Leben wie nie zuvor florieren zu lassen. Nicht nur für Jahrhunderte, sondern für Milliarden von Jahren. Nicht nur auf der Erde, sondern in einem Großteil des Kosmos. +Ich denke an erstes Leben als "Life 1.0", weil es wirklich dumm war, wie etwa Bakterien, unfähig, irgendetwas in seinem Leben zu lernen. +Ich denke an uns Menschen als "Life 2.0", weil wir lernen können. Etwas langweilig gesagt, entspricht das der Installation neuer Software in unser Gehirn wie etwa Sprachen oder berufliche Fertigkeiten. "Leben 3.0", das neben seiner Software auch seine Hardware entwerfen kann, existiert natürlich noch nicht. +Aber vielleicht sind wir mit unserer Technologie auch schon bei "Life 2.1", mit unseren künstlichen Knien, Schrittmachern und Cochlea-Implantaten. +Sehen wir uns also unsere Beziehung zur Technologie genauer an: Die Mondmission Apollo 11 etwa war sowohl erfolgreich als auch inspirierend und zeigte, dass wir Menschen bei weisem Umgang mit Technologie Dinge erreichen können, von denen unsere Vorfahren nur träumen konnten. +Aber es gibt eine noch inspirierendere Reise, angetrieben von etwas, das mächtiger ist als Raketentriebwerke, wo die Passagiere nicht nur drei Astronauten, sondern die ganze Menschheit ist. +Ich meine unsere gemeinsame Reise in eine Zukunft mit künstlicher Intelligenz. +Mein Freund Jaan Tallinn zeigt gerne auf, dass es, genau wie bei der Raketentechnik, nicht ausreicht, unsere Technologie leistungsfähig zu machen. +Wir müssen auch herausfinden, wie wir sie steuern und wohin wir gehen wollen, wenn wir ehrgeizig sein wollen. +Sprechen wir über alle drei Punkte, die künstliche Intelligenz betreffend: die Leistung, die Lenkung und das Ziel. +Beginnen wir mit der Leistung. +Ich definiere Intelligenz sehr offen, einfach als die Fähigkeit, komplexe Ziele zu erreichen, weil ich sowohl biologische als auch künstliche Intelligenz einbeziehen will. +Ich möchte den albernen Kohlenstoff- Chauvinismus vermeiden, dass nur klug sein kann, was aus Fleisch besteht. +Es ist erstaunlich, wie die Leistung der KI in letzter Zeit gewachsen ist. +Denken Sie mal nach. +Vor nicht langer Zeit konnten Roboter nicht laufen. +Jetzt können sie Rückwärtssaltos machen. +Vor nicht langer Zeit gab es keine selbstfahrenden Autos. +Jetzt gibt es selbstfliegende Raketen. +Vor nicht langer Zeit konnte KI keine Gesichtserkennung. +Jetzt kann KI falsche Gesichter erzeugen und Ihr Gesicht vortäuschen lassen, Dinge zu sagen, die Sie nie sagten. +Vor nicht langer Zeit konnte KI uns nicht im Go-Spiel schlagen. +Dann nahm AlphaZero von Google DeepMind 3.000 Jahre menschlicher Go-Spiele und Go-Weisheit, ignorierte alles und wurde zum weltweit besten Spieler, indem es nur gegen sich selbst spielte. +Das beeindruckendste Kunststück war nicht, dass es menschliche Spieler schlug; sondern auch die menschlichen KI-Forscher, die jahrzehntelang an Go-Software gearbeitet hatten. +AlphaZero hat die KI-Forscher nicht nur in Go, sondern auch im Schach geschlagen, an dem wir schon seit 1950 arbeiteten. +Alle diese erstaunlichen Fortschritte in der KI werfen die Frage auf: Wie weit wird das gehen? +Ich denke gerne über diese Frage anhand dieser abstrakten Aufgabenlandschaft nach. Die Höhe stellt dar, wie schwer es für KI ist, etwas auf menschlichem Niveau zu tun, und der Meeresspiegel repräsentiert, was die KI heute kann. +Der Wasserstand steigt mit wachsender KI, sodass es in der Aufgabenlandschaft zu einer Art globaler Erwärmung kommt. +Die offensichtliche Lehre ist, Jobs am Wasser zu vermeiden — +(Lachen) +da die bald automatisiert werden. +Aber es gibt auch eine viel größere Frage. +Wie hoch wird das Wasser am Ende steigen? +Wird es irgendwann alles fluten, menschliche Intelligenz überall übertreffen? +Dies ist die Definition der Allgemeinen Künstlichen Intelligenz — AKI, die von Anfang an der heilige Gral der KI-Forschung war. +Demnach bedeutet die Aussage: "Es wird immer Jobs geben, die Menschen besser als Maschinen machen", einfach, dass wir AKI niemals bekommen werden. +Wir könnten uns zwar entscheiden, einige Jobs für Menschen zu behalten, um Menschen Einkommen und Ziele zu geben, aber AKI wird auf jeden Fall das Leben, wie wir es kennen, verändern, wenn der Mensch nicht mehr intelligenter ist. +Erreicht der Wasserspiegel AKI, dann treibt KI und nicht Menschen den weiteren KI-Fortschritt voran, was bedeutet, dass weiterer KI-Fortschritt wesentlich schneller sein könnte als der typische menschliche Entwicklungszeitraum von Jahren, was die umstrittene Möglichkeit einer Intelligenzexplosion eröffnet, in der sich rekursiv selbstverbessernde KI die menschliche Intelligenz weit hinter sich lässt und so die sogenannte Superintelligenz schafft. +Okay, die Fakten: Werden wir in naher Zukunft AKI bekommen? +Einige berühmte KI-Forscher, wie Rodney Brooks, glauben, dass es für Hunderte von Jahren nicht passieren wird. +Andere wie Demis Hassabis, der Google DeepMind-Gründer, sind da optimistischer und arbeiten daran, es viel früher zu verwirklichen. +Neuere Umfragen haben gezeigt, dass die meisten KI-Forscher tatsächlich Demis' Optimismus teilen und erwarten, dass wir AKI innerhalb von Jahrzehnten bekommen werden, also im Laufe der Lebenszeit von vielen von uns, was die Frage aufwirft — und was dann? +Was soll die Rolle des Menschen sein, wenn Maschinen alles besser und billiger machen können als wir? +Ich denke, wir stehen vor einer Wahl. +Eine Option ist, selbstgefällig zu sein: "Lasst uns KI bauen, die alles kann, was wir können, und uns nicht um die Folgen kümmern. +Wenn wir Technologie schaffen, die alle Menschen obsolet macht, was könnte da schon schiefgehen? " +(Lachen) +Aber das wäre peinlich faul. +Wir sollten im Geiste von TED ehrgeiziger sein. +Stellen wir uns eine wahrhaft inspirierende Hightech-Zukunft vor und versuchen, dahin zu steuern. +Das bringt uns zum zweiten Teil unserer Raketenmetapher: die Lenkung. +Wir machen die KI leistungsfähiger, aber wie können wir in eine Zukunft steuern, wo KI der Menschheit hilft zu florieren, anstatt sich abzumühen? +Das Future of Life Institute habe ich dazu mitgegründet. +Ein gemeinnütziges Unternehmen zur Förderung nutzbringender Technik. Unser Ziel ist einfach, für die Zukunft des Lebens fortzubestehen und so inspirierend wie möglich zu sein. +Ich liebe nämlich Technologie. +Technologie ist der Grund, warum das Heute besser als die Steinzeit ist. +Ich bin optimistisch, dass wir eine inspirierende Zukunft schaffen können, wenn — und das ist ein großes wenn — wir das Weisheitsrennen gewinnen — den Wettlauf zwischen unserer Technologie mit ihrer zunehmenden Macht und der zunehmenden Klugheit, sie zu managen. +Aber das erfordert eine neue Strategie, weil unsere alte Strategie war, aus Fehlern zu lernen. +Wir haben das Feuer erfunden, vermasselten es einige Male — und erfanden den Feuerlöscher. +(Lachen) +Wir erfanden das Auto, vermasselten es einige Male — und erfanden die Ampel, den Sicherheitsgurt und den Airbag. Aber mit mächtigeren Technologien wie Atomwaffen und AKI ist das Lernen aus Fehlern eine lausige Strategie, finden Sie nicht? +(Lachen) +Es ist viel besser, proaktiv statt reaktiv zu sein, gut zu planen und die Dinge sofort richtigzumachen, weil wir vielleicht nur eine Chance bekommen. +Aber es ist lustig, manchmal sagen mir Leute: "Max, pssst, rede nicht so. +Das ist technikfeindliche Panikmache. "Aber es ist keine Panikmache. +Das nennen wir am MIT Sicherheitstechnik. +Bedenken Sie: Bevor die NASA Apollo 11 startete, durchdachten sie systematisch alles, was schiefgehen könnte, wenn man Menschen auf explosive Treibstofftanks setzt und sie dorthin schießt, wo ihnen keiner helfen kann. +Da könnte eine Menge schiefgehen. War das Panikmache? Nein. Das war genau die Sicherheitstechnik, die den Erfolg der Mission sicherstellte, und genau das ist die Strategie, die wir bei AKI wählen sollten. +Durchdenken, was schiefgehen kann, um sicherzustellen, dass es gut verläuft. +In diesem Sinne organisierten wir Konferenzen, an denen führende KI-Forscher und andere Denker teilnahmen, um zu diskutieren, wie wir diese Weisheit entwickeln, damit die KI nützlich bleibt. +Unsere letzte Konferenz in Asilomar, Kalifornien, brachte letztes Jahr diese Liste von 23 Prinzipien hervor, die seitdem über 1000 KI-Forscher und führende Industrielle unterzeichnet haben. Ich möchte Ihnen drei dieser Prinzipien näher bringen. +Eines davon ist, dass wir ein Wettrüsten und tödliche autonome Waffen vermeiden. +Jede Wissenschaft kann genutzt werden, um Menschen zu helfen oder auf neue Weise zu schaden. +Zum Beispiel werden Biologie und Chemie viel eher für neue Medikamente eingesetzt als für neue Arten, Menschen zu töten, weil Biologen und Chemiker unnachgiebig und erfolgreich auf Verbote von biologischen und chemischen Waffen drängten. +Im gleichen Sinne wollen die meisten KI-Forscher tödliche autonome Waffen stigmatisieren und verbieten. +Ein weiteres Asilomar KI-Prinzip besagt, dass das KI-bedingte Einkommensgefälle verringert werden sollte. +Wenn wir den wirtschaftlichen Kuchen mit KI dramatisch vergrößern können, aber nicht wissen, wie wir den Kuchen zum Nutzen aller verteilen können, dann Schande über uns! +(Beifall) +Okay, jetzt heben Sie die Hand, wenn Ihr Computer jemals abgestürzt ist. +(Lachen) +Wow, das sind viele Hände. +Dann werden Sie das Prinzip zu schätzen wissen, dass wir viel mehr Forschung in die KI-Sicherheit stecken sollten. Wenn wir die KI immer mehr Entscheidungen und Infrastruktur steuern lassen, müssen wir die heutigen störanfälligen und hackbaren Computer zu robusten Systemen machen, denen wir vertrauen können, denn sonst könnte diese neue Technologie versagen und uns schaden oder gehackt und gegen uns eingesetzt werden. +Diese KI-Sicherheitsarbeit muss die KI-Werte-Ausrichtung beinhalten. Die wirkliche Bedrohung durch AKI ist nicht Bosheit, wie in albernen Hollywoodfilmen, sondern Befähigung — AKI, die Ziele erreicht, die nicht mit unseren übereinstimmen. +Zum Beispiel, als wir Menschen das Spitzmaul-Nashorn ausgerottet haben, taten wir das nicht, weil wir böse Nashorn-Hasser waren, oder? +Wir taten es, weil wir schlauer waren und unsere Ziele nicht zu ihren passten. +Aber AKI ist definitionsgemäß schlauer als wir, also um sicherzugehen, dass wir nicht in die Lage dieser Nashörner geraten, wenn wir AKI schaffen, müssen wir herausfinden, wie wir KI dazu bringen, unsere Ziele zu verstehen, unsere Ziele zu übernehmen und unsere Ziele beizubehalten. +Wessen Ziele sollten das sein? +Welche Ziele sollten sie haben? +Dies bringt uns zum dritten Teil unserer Raketenmetapher: das Ziel. +Wir machen KI leistungsfähiger, versuchen herauszufinden, wie man sie steuert, aber wohin wollen wir damit gehen? +Das ist das offensichtliche Problem, über das fast niemand spricht — nicht einmal hier bei TED — weil wir so fixiert sind auf kurzfristige KI-Herausforderungen. +Durch Neugier und Wirtschaft motiviert, versucht unsere Spezies AKI zu schaffen. Aber was für eine zukünftige Gesellschaft erhoffen wir, falls wir es schaffen? +Wir machten eine Umfrage und ich war verblüfft, dass die meisten Leute wollen, dass wir Superintelligenz bauen: KI, die in jeder Hinsicht schlauer ist als wir. +Die größte Übereinstimmung war, dass wir ehrgeizig sein sollten und helfen, das Leben im Kosmos zu verbreiten, aber es gab weniger Einigkeit darüber, wer oder was die Macht haben sollte. +Ich fand es ziemlich lustig, dass es einige Leute gibt, die wollen, dass es nur Maschinen sind. +(Lachen) +Es gab völlige Uneinigkeit darüber, was die Rolle des Menschen sein sollte, selbst auf der grundlegendsten Ebene. Sehen wir uns also die mögliche Zukunft genauer an, auf die wir vielleicht hinsteuern. +Verstehen Sie mich nicht falsch, ich spreche nicht über Raumfahrt. +Sondern nur über die metaphorische Reise der Menschheit in die Zukunft. +Eine Möglichkeit, die einige meiner KI-Kollegen mögen, ist Superintelligenz zu bauen und unter menschlicher Kontrolle zu halten wie einen versklavten, vom Internet getrennten Gott, und sie einzusetzen, um unvorstellbare Technologien und Reichtum für den zu schaffen, der sie kontrolliert. +Aber Lord Acton warnte uns, dass Macht korrumpiert und absolute Macht absolut korrumpiert, also könnte man befürchten, dass wir Menschen vielleicht nicht klug oder vielmehr weise genug sind, um mit so viel Macht umzugehen. +Abgesehen von allen moralischen Problemen, die Sie vielleicht mit versklavten Göttern haben, könnten Sie befürchten, dass die Superintelligenz uns austrickst, ausbricht und die Macht übernimmt. +Aber ich habe auch Kollegen, die eine Übernahme durch KI gut fänden, selbst wenn sie zu unserer Ausrottung führt, solange wir glauben, dass die KIs unsere würdigen Nachkommen sind, wie unsere Kinder. +Aber wie können wir wissen, dass die KIs unsere Werte angenommen haben und nicht nur dumme Zombies sind, die uns Menschlichkeit vorspiegeln? +Sollten nicht auch jene Menschen ein Mitspracherecht haben, die keine menschliche Auslöschung wollen? +Wenn Sie keine dieser beiden High-Tech-Optionen mögen, sollten Sie bedenken, dass Low-Tech aus kosmischer Sicht Selbstmord ist. Wenn unsere Technologien nicht viel besser werden, ist das Aussterben der Menschheit keine Frage, sondern nur, ob wir durch den nächsten Killer-Asteroiden, Supervulkan, oder etwas anderes sterben, das bessere Technologie lösen könnte. Wie wäre es, beides gleichzeitig zu haben? +Eine AKI, die nicht versklavt ist, sondern uns gut behandelt, weil ihre Werte zu unseren passen? +Das ist der Kern dessen, was Eliezer Yudkowsky "freundliche KI" nannte und wenn wir das schaffen, wäre es wunderbar. +Es könnte nicht nur negative Erfahrungen wie Krankheit, Armut, Kriminalität und andere Leiden beseitigen, sondern es könnte uns auch die Freiheit geben, aus einer fantastischen neuen Vielfalt positiver Erfahrungen zu wählen. Das würde uns zu Herren unseres eigenen Schicksals machen. +Alles in allem ist unsere Situation mit der Technologie kompliziert, aber das große Bild ist ziemlich einfach. +Die meisten KI-Forscher erwarten AKI innerhalb von Jahrzehnten, und stolpern wir da unvorbereitet hinein, wäre dies wohl der größte Fehler in der Geschichte der Menschheit, wenn wir ehrlich sind. +Es könnte eine brutale, globale Diktatur mit beispielloser Ungleichheit, Überwachung und Leid ermöglichen und vielleicht sogar das Aussterben der Menschen. +Aber wenn wir vorsichtig steuern, könnten wir eine Zukunft haben, in der es allen besser geht: die Armen sind reicher, die Reichen sind reicher. Jeder ist gesund und frei, seine Träume zu leben. +Warten Sie mal. Wollen Sie eine Zukunft haben, die politisch rechts oder links ist? +Wollen Sie die fromme Gesellschaft mit strengen moralischen Regeln, oder eine hedonistische Anarchie, mehr wie Burning Man rund um die Uhr? +Wollen Sie schöne Strände, Wälder und Seen, oder wollen Sie lieber mit Computern Atome neu ordnen, um virtuelle Erfahrungen zu machen? +Mit freundlicher KI könnten wir all diese Gesellschaften aufbauen und die Menschen wählen lassen, wie sie leben wollen, weil wir nicht mehr durch unsere Intelligenz limitiert wären, sondern nur noch durch die Physik. +So wären die Ressourcen und der Raum dafür astronomisch — buchstäblich. +Also, wir haben die Wahl. +Wir können entweder selbstgefällig hinsichtlich unserer Zukunft sein, in dem blindem Glauben, dass jede neue Technologie garantiert von Nutzen ist, und das einfach als ein Mantra immer und immer wiederholen, während wir wie ein Schiff ohne Ruder auf unsere Überflüssigkeit zutreiben. +Oder wir können ehrgeizig sein — und darüber nachdenken, wie wir unsere Technologie steuern und wohin wir gehen wollen, um das Zeitalter des Staunens zu schaffen. +Wir sind alle hier, um das Zeitalter des Staunens zu feiern, und ich meine, das Wesentliche dabei sollte sein, nicht überwältigt zu werden, sondern durch unsere Technologie gestärkt zu werden. +Vielen Dank. +(Beifall) + + +talks, music, live music, performance, entertainment, art, creativity, culture, cities, TEDx +Elizabeth Cawein +17909 +TED Talk Subtitles and Transcript: Wie wird eine Stadt zur "Musikstadt"? Die Publizistin Elizabeth Cawein erklärt, wie eine prosperierende Musikszene eine Stadt glücklicher und gesunder macht, und stellt diverse Ideen vor, wie man die Musikszene in der eigenen Stadt stärken und die Welt für ihre Talente begeistern kann. +Elizabeth Cawein: So zieht man eine erfolgreiche Musikszene in der eigenen Stadt groß +(Applaus) All diese Lieder stehen für eine Szene, eine Bewegung, manchmal auch für eine akustische Revolution, die den Lauf der Popmusik völlig verändert hat. +Sie alle sind auch eine Art Wahrzeichen ihrer Städte: Ihre Identität ist eng an die ihrer Heimatstadt gekoppelt. Wahrscheinlich kennen Sie diese Städte daher als "Musikstädte". +Das Magisch-Mythische, das wir alle an solchen Geschichten lieben, ist, dass diese Städte nicht unbedingt auf diese Momente hingearbeitet haben. +Es gibt kein Erfolgsrezept, um Außergewöhnliches zu leisten. +Es war keine Geheimformel, die uns den Grunge gebracht oder 2Pac und Dr. Dre zusammengeführt hat. Und es gibt keine Anleitung dafür, wie man in dem Stadtteil von South Memphis ein Musikgeschäft aufmacht, in dem zufällig Booker T. Jones, William Bell und Albert King leben. +So etwas passiert also stets rein zufällig, nicht? +Wenn die Sterne genau richtig stehen, entsteht großartige Musik einfach so. +Bis dahin werden im Radio lauter Hits aus New York und Nashville gespielt, die Generationen prägen und unsere Hochzeiten, Beerdigungen und alle Stationen dazwischen musikalisch begleiten. +Keine Ahnung, wie 's Ihnen geht, aber allein die Vorstellung langweilt mich zu Tode. +Sie sind nur so umgeben von Musikern, die eindringliche, wichtige Musik kreieren. Das Internet bietet Künstlern unzählige Möglichkeiten, Musik zu erschaffen, aber auch den Fans, diese dann zu entdecken. Um an hochaktuelle Lieder heranzukommen, brauchen wir also keine Songwriter- Konferenzen in Konzerngebäuden mehr. +Aber was noch wichtiger ist: Dass Musik beiläufig entsteht, darf uns nicht genügen. Denn es geht dabei um so viel mehr als nur um Hits, diese wichtigen, emblematischen, alles verändernden Momente. +Es geht nicht nur um den Unterhaltungswert. +So viele von uns brauchen Musik, um ihr Leben erfolgreich zu meistern. +Klar, sie hilft uns, unsere Gefühle ausdrücken, aber sie bestärkt uns auch und hilft uns, zu uns selbst zu finden. +Nichts kann uns so sehr zusammenbringen wie Musik: Sie durchdringt sprachliche, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Barrieren. +Musik macht uns schlauer, gesünder und glücklicher. Musik ist unverzichtbar. Was wäre, wenn Ihre Heimatstadt das ebenfalls so sieht? +Wenn sie sagt: "Wir warten nicht darauf, dass uns ein Hit definiert. +Wir sind eine Musikstadt, denn Musik ist unverzichtbar. "? +Eine Stadt kann zwei Dinge machen, wenn sie Musik als unverzichtbar ansieht: Sie kann ein Umfeld schaffen, in dem professionelle Musiker sowie das Musikgeschäft gedeihen können. Und sie kann ein offenes und interessiertes Publikum fördern, das diese aufrechterhält. +Auf diese zwei Komponenten ist eine Musikstadt angewiesen. Eine Stadt, deren Anführer erkannt haben, wie wichtig die Musik für unsere individuelle Entwicklung, unser Zusammengehörigkeitsgefühl und für die Entstehung eines lebenswerten Ortes ist. +Schließlich wissen kluge Städte, Musikstädte, dass ein reges Nachtleben, ein kreatives Umfeld und Kultur talentierte junge Menschen in die Städte locken. +So kommt Außergewöhnliches zustande. +Wir können nicht vorhersagen, welches Küken als nächstes schlüpft. +Aber wir können unsere Stadt zum geeigneten Brutkasten machen. +Dazu müssen wir wissen, worüber wir bereits verfügen, also unsere Ressourcen ermitteln und berechnen. +Wir müssen sie in- und auswendig kennen: Wer oder was befindet sich wo und hat welchen Einfluss auf die Wirtschaft? +Zählen wir unsere Aufnahmestudios und Plattenfirmen, unsere Kulturdenkmäler und Hardcore-Punk-Clubs, unsere monatlichen Free-Jazz-Nächte und wöchentlichen Folk-Jam-Sessions. +Musikschulen, Förderprogramme für Künstler, Musikläden. Alle Drehmaschinen und Geigenbauer. Museen für Musik, die ganzjährlich geöffnet haben, und Festivals, die bloß an einem Wochenende im Jahr stattfinden. +Schaubilder sind ideal, um unsere Ressourcen zu sammeln. Wir können genau feststellen, was schon alles vorhanden ist und wo es bereits entsprechende Impulse gibt. +Wir dürfen nämlich nicht halbherzig vorgehen. +Wenn es darum geht, die Musikszene vor Ort zu unterstützen, aber auch um ein breites Verständnis vom landesweiten Image eines Musikstils, müssen wir bestens informiert sein. +Dann müssen wir über unsere Herausforderungen im Bilde sein. +Dazu muss man wissen: Das ist nicht einfach das Gegenteil von Schritt eins. +Es bringt nicht viel, lediglich darüber nachzudenken, was im Schaubild noch fehlt. +Es bedarf vielmehr einer ganzheitlicheren Herangehensweise. +Super, unser Schaubild kennt bereits viele Veranstaltungsorte. +Aber: Wie schlagen sie sich? Sind sie unterschiedlich groß? Kann ein Künstler, der auf einer offenen Bühne in einem Kaffeehaus anfängt, klar erkennen, wie er sich von einem Saal mit 25 Sitzen allmählich zu einem mit 100 und mehr hocharbeiten kann? +Oder erwarten wir, dass er sich dann gleich ins Kolosseum wagt? +Vielleicht birgt die Infrastruktur unserer Stadt Herausforderungen, etwa im öffentlichen Nahverkehr oder der Wohnsituation. +In London sank die Zahl der Veranstaltungsorte von 400 im Jahr 2010 auf 100 im Jahr 2015. Denken wir also auch an Maßnahmen gegen Gentrifizierung. +Gegen Ende des letzten Jahres führte Londons Bürgermeister das "Agent of Change" -Prinzip in die dortige Stadtentwicklungspolitik ein. +Der Name spricht für sich: Will ein Bauunternehmer Wohnungen neben einem Veranstaltungsort bauen, bewirkt er dort eine Veränderung und muss im Sinne der Lärmschutzminderung handeln. +Der nächste Punkt ist äußerst wichtig: Wir brauchen fähige Führungskräfte und eine Strategie. +Wir wissen, es gehört viel Magie zu dieser Kombination, die richtigen Leute zur rechten Zeit am rechten Ort. +Dies wird stets eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Musik spielen. So entstehen mit die besten und langlebigsten Lieder. +Aber es darf kein Führungsvakuum geben. +Heutzutage erblühen Musikszenen selten aus reinem Zufall, und das müssen sie auch gar nicht. +Wir brauchen gewählte Vertreter, die die Bedeutung der Musik erkennen. Die die Stimmen von Künstlern emporheben und Strategien umsetzen. +In Musikstädten wie Berlin, Paris und Bogotá gibt es eigens Musikbeiräte, die Musikern ein Mitspracherecht geben. +Diese ehrenamtlichen Beiräte arbeiten mit einem designierten Anwalt zusammen, im Rathaus und sogar in der Handelskammer. +Folgt man den besten Strategien, enstehen im Inneren solche Musiker-Hilfsnetzwerke, während gleichzeitig Musik nach außen exportiert wird. +Beides gehört zusammen: Nach innen hin gestalten wir einen lebenswerten Ort für Musiker und nach außen hin bieten wir ihnen die Chance, ihre Karriere voranzutreiben. +Dabei rücken wir auch unsere Stadt in den Mittelpunkt, indem wir Musik dafür nutzen, begabte Menschen zu uns zu locken. Was uns auch helfen kann, unsere eigene Identität zu finden. +Wenn ich von Austin spreche, denken Sie wahrscheinlich sofort: "Die Hochburg der Livemusik". Und warum? Weil die führenden Kräfte im Jahr 1991 das bereits vorhandene Potenzial in Austin erkannten und nutzten. +Indem sie diese Dynamik erkannten, benannten und sich zu eigen machten, entstanden automatisch weitere Austragungsorte. +Existierende Stätten nahmen Livemusik in ihr Repertoire auf und bald investierte auch die Öffentlichkeit massiv in das Konzept. +Es war nicht mehr nur ein einfacher Werbeslogan: Die Einwohner glaubten wirklich daran und waren stolz darauf. +Dabei hatte Austin lediglich eine Art Mythos um seine Ressourcen aufgebaut. +Wenn wir an Schritt eins zurückdenken, sehen wir, dass nicht jede Stadt alle Anforderungen erfüllt. +Es gibt nicht überall Aufnahmestudios wie in Memphis oder ein günstiges Umfeld für Musiker und Verleger wie in Nashville. Daran soll 's auch nicht scheitern. +Wir müssen einfach nur das Potenzial unserer Stadt erkennen. +Was gibt es bei uns, was es sonst nirgendwo gibt? +Wenn Sie sich das alles nun auch in Ihrem Heimatort wünschen, können Sie folgende drei Dinge tun: Erstens können Sie Ihre Füße, Ohren und Ihr Geld einsetzen. +Zeigen Sie Präsenz, seien Sie das offene, engagierte Publikum, das eine Musikstadt unbedingt braucht, um zu gedeihen. +Zahlen Sie Eintrittspreise, kaufen Sie Alben, entdecken Sie neue Musik und nehmen Sie bitte Ihre Freunde mit. +Zweitens können Sie Ihre Stimme nutzen. +Unterstützen Sie Ihren Ressourcen-Mythos: Reden Sie darüber, was es in Ihrer Stadt gibt, und feiern Sie es. +Und drittens können Sie Ihre Wählerstimme nutzen. +Wählen Sie Anführer, die Lippenbekenntnisse vermeiden, den Wert der Musik Ihrer Stadt erkennen und Strategien entwickeln, um sie emporzuheben, erblühen zu lassen und Zusammenarbeit zu fördern. +Es ist völlig unklar, welche Stadt in den nächsten zehn Jahren für eine bestimmte Szene oder ein bestimmtes Lied stehen wird. Aber auch wenn wir das keinesfalls vorhersehen können: Wir wissen definitiv, was passiert, wenn Musik als unverzichtbar gilt und wir an der Entstehung einer Musikstadt arbeiten. +An so einem Ort will ich gerne leben. +Danke schön. (Applaus) + + +talks, success, business, leadership, goal-setting, motivation, work, future, potential, collaboration, personal growth +John Doerr +17922 +TED Talk Subtitles and Transcript: Unsere Führungskräfte und Institutionen enttäuschen uns, aber das heißt nicht immer, dass sie böse oder unethisch sind, sagt Risikokapital-Anleger John Doerr. Oft rührt es einfach daher, dass sie uns zu den falschen Zielen führen. In diesem praxisorientierten Vortrag zeigt uns Doerr, wie wir mit "Zielen und Schlüsselergebnissen", oder OKRs, wieder auf Kurs kommen. Dieses Zielsetzungsprogramm wird von Unternehmen wie Google, Intel und Persönlichkeiten wie Bono eingesetzt, um gewagte Ziele zu setzen und zu erreichen. Lernen Sie mehr darüber, wie die richtigen Ziele über Erfolg und Misserfolg entscheiden können – und wie wir OKRs benutzen können, um unsere Führungskräfte und uns selbst verantwortungsbewusst zu machen. +John Doerr: Warum die richtigen Ziele das Geheimnis zum Erfolg sind +Wir befinden uns an einem kritischen Punkt. +Unsere Führungskräfte, einige unserer größten Institutionen, lassen uns im Stich. Warum? Manchmal sind sie böse oder unethisch, aber oft haben sie uns an die falschen Ziele gebracht. +Und das ist inakzeptabel. Das muss aufhören. Wie können wir diese Fehler korrigieren? +Wie werden wir den richtigen Weg wählen? +Es wird nicht leicht sein. +Viele Jahre lang habe ich mit begabten Teams gearbeitet, und sie haben die richtigen und die falschen Ziele gewählt. +Viele hatten Erfolg, manche haben versagt. +Heute werde ich Ihnen erzählen, was wirklich den Unterschied ausmacht. Dass der ausschlaggebende Punkt ist, wie und warum sie sich bedeutsame und gewagte Ziele gesetzt haben, die richtigen Ziele aus den richtigen Gründen. +Gehen wir zurück ins Jahr 1975. +Ja, das bin ich. +Ich habe viel zu lernen, ich bin EDV-Techniker. Ich habe lange Haare, aber ich arbeite unter Andy Grove, der als der beste Manager seiner oder jeder anderen Ära bezeichnet wird. +Andy war ein großartiger Anführer und ein großartiger Lehrer. Er sagte zu mir: "John, was du weißt, spielt fast keine Rolle. +Am meisten zählt die Ausführung. "Also erfand Andy ein System," Objectives and Key Results "(Ziele und Schlüsselergebnisse). Geht einem leicht über die Lippen, nicht? +Hierbei geht es ausschließlich um exzellente Ausführung. +Das hier ist ein klassisches Video aus den 1970ern von Professor Andy Grove. +(Video) Andy Grove: Die zwei Schlüsselphrasen im Management von zielorientierten Systemen sind die Ziele und die Schlüsselergebnisse. Sie decken beide Zwecke ab. +Das Ziel ist die Richtung. +Die Schlüsselergebnisse muss man messen. Am Ende können Sie zweifelsfrei sagen: "Habe ich das getan oder nicht?" Ja. Nein. Einfach. +John Doerr: Das ist Andy. Ja. Nein. Einfach. "Objectives and Key Results", oder auch OKRs, bilden ein einfaches System zur Zielsetzung. Es eignet sich für Unternehmen, für Teams und sogar für den Einzelnen. +Die Ziele sind, was man erreichen möchte. +Die Schlüsselergebnisse sind, wie ich das hinbekomme. Ziele. Schlüsselergebnisse. Was und wie. Aber die Wahrheit ist: Viele von uns setzen sich die falschen Ziele. Und die meisten von uns setzen sich überhaupt keine Ziele. +Viele Organisationen setzen sich Ziele und erreichen sie auch. +Sie liefern ihre Verkäufe aus, sie stellen neue Produkte vor, sie schaffen ihre Zahlen, aber ihnen fehlt ein Sinn, um ihr Team zu inspirieren. +Wie setzt man also die richtigen Ziele? +Zuerst muss man die Frage nach dem "Warum" beantworten. Warum? Denn Teams, die wirklich etwas verändern, kombinieren ihren Ehrgeiz mit ihrer Leidenschaft und ihrem Sinn, und sie entwickeln eine klare und überzeugende Vorstellung vom Warum. +Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen. +Ich arbeite mit einer bemerkenswerten Unternehmerin zusammen: Jini Kim. +Sie leitet das Unternehmen "Nuna". +Nuna ist ein Daten-Unternehmen im Gesundheitswesen. +Als Nuna gegründet wurde, nutzten sie Daten, um die Gesundheitsbedürfnisse von Arbeitern in Großunternehmen zu versorgen. +Und dann, nach zwei Jahren, schlug die Bundesregierung vor, die erste Cloud-basierte Datenbank für Medicaid zu gründen. +Sie erinnern sich, Medicaid ist das Programm, das 70 Millionen Amerikaner versorgt, unsere Armen, unsere Kinder und Menschen mit Behinderung. +Nuna bestand zu diesem Zeitpunkt aus nur 15 Leuten und die Datenbank sollte in einem Jahr fertig sein. Sie hatten eine ganze Reihe von Verpflichtungen einzuhalten. +Und, ehrlich gesagt, würden sie an dem Projekt nicht viel verdienen. Das war ein Alles-oder-Nichts Moment. +Aber Jini sagte zu. Sie ergriff die Gelegenheit. +Sie schreckte nicht zurück. Warum? Es ist ein persönliches "Warum". +Jinis jüngerer Bruder Kimong ist Autist. +Als er sieben war, hatte er seinen ersten Epilepsie-Anfall in Disneyland. +Er fiel zu Boden. Er hörte auf zu atmen. Jinis Eltern sind Immigranten aus Korea. +Sie kamen mit beschränkten Mitteln ins Land, sprachen kaum Englisch. Also war es Jinis Aufgabe ihre Familie bei Medicaid anzumelden. +Sie war neun Jahre alt. +Dieser Moment bestimmte ihre Mission und diese Mission wurde ihr Unternehmen. Dieses Unternehmen bot, gewann und führte den Auftrag aus. +Hier sehen wir Jini, die uns sagt warum: +(Video) Jini Kim: Medicaid hat meine Familie vor dem Bankrott gerettet und heute sorgt es für Kimongs Gesundheit und die von Millionen anderen. +Nuna ist mein Liebesbrief an Medicaid. +Jeder Datensatz ist ein Leben, dessen Geschichte es verdient, mit Würde erzählt zu werden. +JD: Jinis Geschichte zeigt uns, dass ein überzeugendes Sinngefühl die Startrampe für unsere Ziele sein kann. +Denken Sie daran, das ist das, was wir erreichen wollen. +Und Ziele sind bedeutsam, sie sind handlungsorientiert, sie sind inspirierend, und sie sind so was wie die Impfung gegen verschwommenes Denken. +Man meint, ein Rockstar wäre ein ungewöhnlicher Nutzer von Zielen und Schlüsselergebnissen. Aber Bono hat jahrelang OKRs benutzt, um einen globalen Krieg gegen Armut und Krankheit zu führen. +Seine Organisation "One" hat sich auf zwei wirklich großartige und gewagte Ziele konzentriert. +Das erste ist Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt. +Das zweite ist allgemeiner Zugang zu Anti-HIV-Medikamenten. Warum sind das jetzt gute Ziele? +Gehen wir zurück zu unserer Checkliste. Bedeutsam? Ja. Konkret? Ja. Handlungsorientiert? Ja. Inspirierend? Hören wir Bono doch zu. +(Video) Bono: Du bist leidenschaftlich? Wie leidenschaftlich? Zu welchen Handlungen treibt dich deine Leidenschaft? +Wenn Herz und Kopf nicht zusammenfinden, dann bedeutet deine Leidenschaft nichts. +Der OKR-Rahmen veredelt die Verrücktheit, die Chemie in ihr. +Er gibt uns einen Spielraum für Risiko, für Vertrauen, in der Versagen kein Kündigungsgrund ist. +Wenn man so eine Struktur und so einen Spielraum hat, und die richtigen Leute, dann wird der Zauber entfacht. +JD: Ich liebe das. +OKRs veredeln die Verrücktheit und dann wird der Zauber entfacht. Das ist perfekt. +Mit Jini haben wir das "Warum" abgedeckt, mit Bono das "Was" für Zielsetzung. +Wenden wir unsere Aufmerksamkeit nun dem "Wie" zu. +Denken Sie daran, das "Wie" sind die Schlüsselergebnisse, also wie wir unsere Ziele erreichen. +Gute Ergebnisse sind spezifisch und zeitgebunden. +Sie sind aggressiv, aber realistisch. +Sie sind messbar und sie sind überprüfbar. +Das sind gute Schlüsselergebnisse. +1999 habe ich die OKRs den Mitbegründern von Google gezeigt, Larry und Sergey. +Hier sehen wir sie, mit 24 in ihrer Garage. +Sergey sagte ganz begeistert, er würde sie anwenden. +Na ja, nicht ganz. +In Wirklichkeit sagte er: "Wir haben keinen anderen Weg, um diese Firma zu leiten, also probieren wir das." +(Gelächter) +Ich nahm das als eine Art Bestätigung auf. +Aber seitdem schreibt jedes Vierteljahr jeder Google-Mitarbeiter seine Ziele und Schlüsselergebnisse auf. +Sie haben diese bewertet, und sie haben sie veröffentlicht, damit jeder sie sehen kann. +Die werden nicht für Boni oder Beförderungen benutzt. +Sie werden zur Seite gelegt. +Sie dienen einem höheren Ziel, und zwar um kollektive Hingabe herzustellen, Ziele wirklich auszuweiten. +2008 setzte sich Google-Mitarbeiter Sundar Pichai das Ziel, die nächste Generation von Kundenplattformen für die Zukunft der Web- Anwendungen zu entwickeln, in anderen Worten, den besten Browser aller Zeiten zu entwickeln. +Er dachte viel darüber nach, welche Schlüsselergebnisse er wählen sollte. +Wie misst man den besten Browser? +Es könnten Ad Clicks oder Verbindungen sein. Nein. Er sagte: Die Zahl der Nutzer, weil die Nutzer entscheiden werden, ob Chrome ein toller Browser ist oder nicht. +Also hatte er ein dreijähriges Ziel: Den besten Browser entwickeln. +Er blieb jedes Jahr bei denselben Schlüsselergebnissen, Anzahl der Nutzer, aber er erhöhte den Einsatz. +Im ersten Jahr war sein Ziel 20 Millionen Nutzer und er erreichte es nicht, es waren nicht mal 10. Im zweiten Jahr setzte er die Latte auf 50 Millionen. +Er bekam 37 Millionen Nutzer. Ein bisschen besser. Im dritten Jahr legte er noch mal einen drauf, 100 Millionen Nutzer. +Er startete eine aggressive Marketing-Kampagne, weitere Verbreitung, er verbesserte die Technik und Kaboom! +Er bekam 111 Millionen Nutzer. +Ich mag diese Geschichte, nicht so sehr wegen des Happy Ends, aber sie zeigt jemanden, der sorgfältig das richtige Ziel wählt und dann daran festhält, Jahr für Jahr. +Es ist eine perfekte Geschichte für einen Nerd wie mich. +Ich stelle mir OKRs wie durchsichtige Behälter vor, die aus dem Was und Wie unseres Ehrgeizes gemacht sind. +Es zählt das "Warum", das wir in diese Behälter schütten. +Also warum wir unsere Arbeit machen. +OKRs sind keine Wunderwaffe. +Sie werden kein Ersatz für eine starke Kultur werden oder für eine starke Führung. Aber wenn diese Grundlagen gelegt sind, können sie einen an die Spitze bringen. +Ich möchte, dass Sie für einen Moment über Ihr Leben nachdenken. +Haben Sie die richtigen Maße? +Nehmen Sie sich Zeit, um Ihre Werte aufzuschreiben, Ihre Ziele und Ihre Schlüsselergebnisse. Tun Sie es heute. +Möchten Sie eine Rückmeldung dazu, können Sie sie mir schicken. An john @ whatmatters.com. +Wenn wir über die weltverändernden Ziele von Intel, Nuna, Bono und Google nachdenken, sind sie erstaunlich: allgegenwärtige Datenverarbeitung, bezahlbare Gesundheitspflege, hohe Qualität für jeden, globale Armut beenden, Zugang zu allen Informationen der Welt. +Das ist der Deal: Jedes dieser Ziele wird heute von OKRs angetrieben. +Ich werde als der Hans Apfelkern der OKRs bezeichnet, weil ich das Evangelium nach Andy Grove verbreite. Ich möchte, dass Sie dieser Bewegung beitreten. +Kämpfen wir für das, was wirklich wichtig ist, denn wir können OKRs über unser Geschäft hinaus anwenden. +Wir können sie in unsere Familien bringen, in unsere Schulen, sogar in unsere Regierungen. +Wir können Regierungen zur Verantwortung ziehen. +Wir können diese Informationen verändern. +Wir können zurück auf den rechten Weg kommen, wenn wir das messen, was wirklich zählt. +Danke. +(Applaus) + + +talks, conservation, nature, animals, science, beauty, adventure, biodiversity, environment, humanity, TED Fellows, Africa +Steve Boyes +19330 +TED Talk Subtitles and Transcript: Gemeinsam mit einer Gruppe Forscher navigierte TED Fellow Steve Boyes an aktiven Minenfeldern und an Nilpferden mit Revierverhalten vorbei, um Afrikas größtes überlebendes Sumpfgebiet, das Okavangodelta, zu erkunden und das nahezu unberührte Habitat gegen die drohende Gefahr der Bebauung zu schützen. In diesem eindrucksvollen Vortrag voller Bilder erzählt Boyes von seiner Arbeit und zeigt, wie er die enorme und doch verletzliche Wildnis mithilfe von eingehenden wissenschaftlichen Studien zu schützen versucht. +Steve Boyes: Wie wir einen der letzten wilden Orte der Welt retten +Das aus dem Weltall sichtbare Okavangodelta ist Afrikas größte intakte Wildnis mit Sumpfgebiet. +Dieses strahlende Delta in Botswana ist das Juwel der Kalahari, wertvoller als Diamanten für den größten Diamantenhersteller der Welt und 2014 als tausendstes UNESCO-Welterbe gefeiert. +Hier sehen Sie die zwei größten Nebenflüsse, den Cuito und den Cubango, die im Norden im wenig bekannten angolanischen Hochland verschwinden. +Es ist das weltweit größte unerschlossene Flussbecken, mit einer Fläche größer als Kalifornien. +An den riesigen unerschlossenen Wasserscheiden Angolas stand nach 27 Jahren Bürgerkrieg die Zeit still. +Afrikas größter Kampf seit dem Zweiten Weltkrieg ging tatsächlich um eine Brücke über den Cuito: rechts, wo er ins Unbekannte entschwindet, in die "Terra do fim do mundo", das Land am Ende der Welt, wie die ersten portugiesischen Forscher es nannten. +2001 übernahm ich im Alter von 22 die Stelle als Hauswirtschaftsleiter im Dorf Vundumtiki im Okavangodelta, einem Mosaik von Kanälen, Überschwemmungsgebieten, Lagunen und vielen tausenden erkundbaren Inseln. +Die Heimat der größten überlebenden Elefantenansiedlung der Welt. +Nashörner werden per Flugzeug hergebracht, um in dieser Wildnis Sicherheit zu finden. +Löwen, Leoparde, Hyänen, Wildhunde, Geparde, uralte Baobab-Bäume, die wie Kathedralen unter der Milchstraße stehen. +Hier habe ich etwas Offensichtliches entdeckt: Die Wildnis ist auch unser natürlicher Lebensraum. +Wir brauchen diese letzte Wildnis, um uns selbst wiederzufinden. +Wir, alle sieben Milliarden Menschen, dürfen nie vergessen, dass wir eine biologische Spezies sind, für immer an diese biologische Welt gebunden. +So wie die Wellen mit dem Meer verbunden sind, können wir nicht ohne sie leben — ein ständiger Fluss von Atomen und Energie zwischen Individuen und Spezies, in einem Tag um die Welt und hinaus ins Universum. +Unsere Schicksale sind für immer mit den Millionen von Spezies verbunden, auf die wir uns tagtäglich direkt und indirekt verlassen. +Vor vier Jahren wurde bekanntgegeben, dass weltweit in nur 40 Jahren 50% der Wildtiere ausgestorben waren. +Vor zwei Jahren erlebte ich in der Maasai Mara ein Massen-Ertrinken von 15.000 Gnus. +Das ist eindeutig unsere Schuld. +Es wird vorhergesagt, dass die weltweiten Wildbestände bis 2020 um zwei Drittel fallen. +Wir verursachen das sechste Aussterben, weil es für Millionen von Arten keine geschützten Räume mehr gibt, um in nachhaltiger Nachbarschaft zu leben. +Seit 2010 fuhr ich achtmal 320 Kilometer in einem Mokoro +durch das Okavangodelta, um 18 Tage lang zu recherchieren. +Warum riskiere ich jedes Jahr mein Leben? +Weil wir diese Information brauchen, um diese reine Wildnis zu vermessen, bevor flussaufwärts gebaut wird. +Hier sind die Buschmänner des Flusses Wayeyi, die Einwohner des Okavangodeltas. +Sie brachten mir alles bei, was ich über die Mutter Okavango weiß — über die Gegenwart in der Wildnis. +Unsere jährliche gemeinsame Reise durch das Okavangodelta in unseren Mokoros und Kanus erinnert an tausend Jahre in der Wildnis. +Vor zehntausend Jahren war unsere ganze Erde Wildnis. +Heute ist die Wildnis das Einzige, was uns aus jener vergangenen Welt bleibt. +Vor zehntausend Jahren waren wir wie heute: Eine moderne, träumende Intelligenz wie man sie noch nie gesehen hatte. +Das Leben in der Wildnis lehrte uns das Sprechen, das Nutzen von Technologien wie Feuer und Stein, Pfeil und Bogen und Medizin und Gift; wie man Pflanzen und Tiere zähmt und dass wir uns aufeinander verlassen müssen. +Wir sind diese letzte Wildnis — jeder von uns. +Über 80% der Erdoberfläche hat der Mensch schon verändert: Lebensraumzerstörung und illegaler Wildtierhandel dezimieren Wildtierpopulationen. +Wir müssen dringend sichere Orte für diese Tiere schaffen. +Ende 2014 starteten wir deshalb ein anspruchsvolles Projekt: erkunden und beschützen. +Mitte Mai 2015 schafften wir es erstmals, die unerkundete Quelle des Cuito durch aktive Minenfelder zu erreichen: ein Ort nicht von dieser Welt, eine uralte, unberührte Wildnis. +Am 21. Mai begannen wir das Okavango-Megatransekt, eine riesige Felduntersuchung mit sieben Kanus. 2400 Kilometer und 121 Tage später hatten wir schließlich das ganze Flussbecken durchpaddelt und kamen am See Xau in der Kalahariwüste an, 480 Kilometer hinter dem Okavangodelta. +Das Wasser wurde meine ganze Welt: jede Welle, jeder Strudel, jedes Seerosenblatt und jede Strömung; jedes Zeichen der Gefahr und des Lebens. +Stellen Sie sich Millionen von Bienen in der Luft vor, fleischfressende Bakterien und die ständige Gefahr von Landminen oder von einem Nilpferd unter dem Mokoro. +In diesem Video hat gerade ein Nilpferd unser Boot gekentert. +Man kann die zwei Löcher von den Stoßzähnen sehen — total furchteinflößend und ganz meine Schuld. (Gelächter) Sehr viel Kanutragen, durch Bäume versperrte Wege und ständiges Kentern in Stromschnellen. Man isst nur Reis und Bohnen, +badet in eiskaltem Wasser +und paddelt täglich einen Marathon von 6 bis 8 Stunden. +Nach 121 Tagen vergaß ich die PIN-Nummern meiner Bankkonten und meine Passwörter zu den sozialen Medien — ein kompletter Neustart. +Fragen Sie mich jetzt, ob ich es vermisse, dann sage ich, dass ich immer noch dort bin. +Warum müssen wir Orte retten, die wir kaum besuchen? +Warum müssen wir diese Orte retten, wenn man sein Leben riskieren muss, um dort zu sein? +Ich bin nicht gerade religiös oder spirituell, aber in der Wildnis erfuhr ich den Geburtsort der Religion. +Gegenüber einem Elefanten und weit weg von allem fühlte ich mich Gott am nächsten. +Moses, Buddha, Mohammed, Jesus, die hinduistischen Gurus, Propheten und Mystiker gingen alle in die Wildnis — in die Berge und in die Wüste, um ruhig zu sitzen und den Geheimnissen zu lauschen, die ihre Gesellschaften Jahrtausende leiten würden. +Ich gehe in meinem Mokoro ins Okavangodelta. +Eines Tages müssen Sie mir folgen. +Über 50% der überlebenden Wildnis ist nicht geschützt. +Es ist eine große Gelegenheit — eine Chance für uns alle. +Wir müssen dringend handeln. +Seit dem Megatransekt von 2015 haben wir alle großen Flüsse des Okavangodeltas erkundet: 6400 Kilometer detaillierter Forschung in unseren Kanus und auf unseren Mountainbikes. +57 Forscher entdecken gerade den Okavango-Sambesi-Wasserturm wieder, eine gewaltige Nachkriegswildnis mit undokumentierten Quellseen und namenlosen Wasserfällen in Afrikas letzter überlebenden Miombo-Waldsavanne. +Bisher entdeckten wir 24 völlig neue Arten und Hunderte Arten, deren Ansiedlung dort unbekannt war. +Dieses Jahr beginnen wir mit der Regierung Angolas, eines der größten Schutzgebiete der Welt zu erschaffen, um den Okavango-Sambesi-Wasserturm, den wir erkundet hatten, zu bewahren. +Das heißt Wasserversorgungssicherheit flussabwärts für Millionen von Menschen und für über die Hälfte der Elefanten weltweit. +Dies ist zweifellos die größte Chance für den Artenschutz in Afrika seit Jahrzehnten. +Über die nächsten 10 bis 15 Jahre müssen wir in weltweit in den Schutz der Wildnis investieren. +Für mich ist Naturschutz mehr als nur der Schutz unserer Ökosysteme, die uns Luft liefern und unser Wasser reinigen. +Durch den Erhalt der Natur bewahren wir unser Menschenrecht, wild zu sein und auf Erkundung zu gehen. +Vielen Dank. (Applaus) + + +talks, astronomy, cosmos, universe, science, space, physics, time, exploration, Planets +Stephen Webb +20101 +TED Talk Subtitles and Transcript: Das Universum ist unglaublich alt, erstaunlich riesig und mit Billionen Planeten gefüllt -- wo sind also all die Aliens? Der Astronom Stephen Webb hat eine Erklärung: wir sind allein im Universum. In einem bewusstseinserweiternden Vortrag erklärt er die beachtlichen Hürden, die ein Planet aus dem Weg schaffen müsste, um eine außerirdische Zivilisation zu beheimaten -- und setzt sich für die Schönheit unserer potenziellen kosmischen Einsamkeit ein. "Die Stille des Universums ruft: 'Wir sind die Lebewesen, die Glück hatten'", sagt Webb. +Stephen Webb: Wo sind all die Aliens? +Ich sah einmal ein Ufo. +Ich war acht oder neun, ich spielte mit einem älteren Freund auf der Straße als wir eine unförmige silberne Scheibe über den Häusern schweben sahen. +Wir sahen ihr einige Sekunden zu, dann flitzte sie unglaublich schnell davon. +Sogar als Kind ärgerte mich das Ignorieren der physikalischen Gesetze. +Wir rannten ins Haus, um es den Erwachsenen zu erzählen und sie waren skeptisch — Sie wären auch skeptisch, oder? +Ein paar Jahre später bestätigte es sich, als einer der Erwachsenen erzählte: "Letzte Nacht sah ich eine fliegende Untertasse. +Ich kam gerade aus dem Pub nach ein paar Drinks. "Ich unterbrach ihn und sagte:" Ich kann es erklären. " +(Lachen) +Psychologen zeigten, dass wir unserem Gehirn nicht trauen können, dass es die Wahrheit sagt. +Es ist leicht, uns zu täuschen. +Ich sah etwas, aber was ist wahrscheinlicher, dass ich ein Alien-Raumschiff sah oder, dass mein Gehirn die Daten, die meine Augen lieferten, missverstand? +Seitdem habe ich mich gefragt: Wieso sehen wir keine fliegenden Untertassen rumflitzen? +Warum sehen wir zumindest kein Leben da draußen im Kosmos? +Es ist ein Rätsel, und ich habe darüber die letzten drei Jahrzehnte mit dutzenden Experten verschiedener Fachrichtungen diskutiert. +Man kann sich nicht einigen. +Frank Drake begann 1960 nach Aliensignalen zu suchen — bislang nichts. +Mit jedem weiteren Jahr wird diese Nichtsichtung, die Beweisnot für Alienleben, immer rätselhafter, da wir sie ja sehen sollten, oder? +Das Universum ist etwa 13,8 Milliarden Jahre alt. +Wenn wir das Alter des Universums als ein Jahr darstellen, dann entstand unsere Spezies ungefähr am 31. Dezember um 12 Minuten vor Mitternacht. +Die westliche Zivilisation existiert seit ein paar Sekunden. +Außerirdische Zivilisationen könnten in den Sommermonaten begonnen haben. +Stellen Sie sich eine Sommerzivilisation vor, die eine fortschrittlichere Technologie als unsere entwickelt, die jedoch auf geltender Physik beruht. Ich rede nicht von Wurmlöchern oder Warp-Antrieben, nur von einer Extrapolation einer Technik, die TED preist. +Diese Zivilisation könnte reproduktive Sonden programmieren, um jedes Planetensystem in der Galaxie zu besuchen. +Wenn man die ersten Sonden direkt nach Mitternacht an einem Augusttag startet, könnte man am selben Tag vor dem Frühstück die Galaxie kolonisiert haben. +Intergalaktische Kolonisation ist nicht schwieriger, sie dauert nur länger. +Eine Zivilisation aus jeder der Millionen Galaxien hätte unsere Galaxie kolonisieren können. +Scheint weit hergeholt? Vielleicht ist es das, aber würden Außerirdische nicht Bemerkenswertes unternehmen — Mini-Welten um einen Stern stellen, um freies Sonnenlicht einzufangen, bei einer Wikipedia Galactica mitwirken oder einfach "Wir sind hier!" ins Universum rufen? +Wo sind also alle? Es ist ein Rätsel, da wir erwarten, dass diese Zivilisationen existieren, oder? +Schließlich könnte es Billionen von Planeten in der Galaxie geben — vielleicht mehr. +Man braucht keine Fachkenntnisse, um dieser Frage nachzugehen und ich habe sie jahrelang mit vielen Leuten erforscht. +Ich habe herausgefunden, dass sie ihre Denkweise oft hinsichtlich der Hürden einschränken, die abzutragen wären, damit ein Planet Herberge für eine kommunikative Zivilisation ist. +Oft werden vier Haupthürden bestimmt: +Bewohnbarkeit — das ist die erste Hürde. +Wir brauchen einen irdischen Planeten in genau dieser "Goldlöckchen-Zone", wo Wasser flüssig ist. +Sie sind da draußen. +2016 bestätigten Astronomen, dass es einen Planeten in der bewohnbaren Zone des nächsten Sterns gibt, Proxima Centauri — so nah, dass das Breakthrough-Starshot- Projekt plant, Sonden hinzuschicken. +Wir würden zur Sternfahrer-Spezies werden. +Nicht alle Welten sind bewohnbar. +Manche sind Sternen so nah, dass man verbrennen würde, manche so weit weg, dass man erfrieren würde. +Urzeugung — die Schaffung von Leben aus Nichtleben — das ist die zweite Hürde. +Die Grundbausteine für Leben gibt es nicht nur auf der Erde: Aminosäuren wurden in Kometen gefunden, komplexe organische Moleküle in interstellaren Staubwolken, Wasser in Exoplanetensystemen. +Die Bestandteile sind da, wir wissen nur nicht, wie sie sich zu Leben zusammensetzen und vermutlich gibt es dort Welten, in denen kein Leben beginnt. +Eine dritte Hürde ist die Entwicklung technologischer Zivilisation. +Manche sagen, dass wir unseren Planeten bereits mit Alien-Intelligenzen teilen. +Eine Studie von 2011 zeigt, Elefanten können bei Problemlösung kooperieren. +Eine Studie von 2010 zeigt, dass eine Krake in Gefangenschaft verschiedene Menschen erkennen kann. +Studien von 2017 zeigen, dass Raben Ereignisse in der Zukunft planen können — wundervolle, schlaue Kreaturen — aber sie können nicht das Breakthrough-Starshot-Projekt planen und wenn wir heute verschwinden würden, würden sie nicht weitermachen Breakthrough Starshot umzusetzen. Wieso sollten sie auch? +Das Endziel der Evolution ist nicht die Zeitreise. +Es wird Welten geben, wo das Leben keine fortschrittliche Technologie hervorbringt. +Kommunikation durch Raum — das ist eine vierte Hürde. +Vielleicht entscheiden sich fortschrittliche Zivilisationen dazu, den Binnenraum statt den Weltraum zu entdecken oder entwickeln für kleine statt für große Distanzen. +Oder vielleicht wollen sie einfach keine Begegnung mit einem potenziell fortschrittlicheren und feindlichen Nachbarn riskieren. +Es wird Welten geben, wo, warum auch immer, Zivilisationen entweder schweigen oder wenig Zeit für Kommunikation aufwenden. +Was die Höhe der Hürden betrifft, ist Ihre Schätzung so gut wie jede. +Meiner Erfahrung nach ziehen Leute beim Berechnen den Schluss, dass es in der Galaxie tausende Zivilisationen gibt. +Dann sind wir zurück beim Rätsel: Wo sind alle? +Definitionsgemäß sind UFOs — einschließlich dem, das ich sah — nicht identifiziert. +Wir können nicht einfach folgern, dass sie Raumschiffe sind. +Man kann sich immer noch mit dem Gedanken spielen, dass die Aliens hier sind. +Manche sagen, dass eine Sommerzivilisation die Galaxie kolonisierte und Leben auf die Erde gesät hat... andere, dass wir in einem kosmischen Wildgebiet leben — einem Zoo. +Andere wiederum, dass wir in einer Simulation leben. +Programmierer haben die Aliens nur noch nicht offenbart. +Die meisten meiner Kollegen sagen, dass E.T. da draußen ist, wir müssen nur weiterschauen; das leuchtet ein. Der Weltraum ist riesig. Ein Signal zu identifizieren, ist schwer. Wir suchen auch noch nicht so lange. +Zweifellos sollten wir mehr Zeit mit der Forschung verbringen. +Es geht darum, unseren Platz im Universum zu verstehen. +Die Frage ist zu groß, um sie zu ignorieren. +Aber es gibt eine offensichtliche Antwort: wir sind allein. +Es gibt nur uns. +In der Galaxie könnte es Billionen Planeten geben. +Ist es glaubhaft, dass wir die einzigen Lebewesen sind, die diese Frage aufwerfen? +Ja, denn in diesem Rahmen wissen wir nicht, ob eine Billion eine große Zahl ist. +Peter Ward und Don Brownlee schlugen im Jahr 2000 die Seltene-Erde-Hypothese vor. +Erinnern Sie sich an die vier Hürden, die die Menschen nutzen, um die Zahl der Zivilisationen zu schätzen? +Ward und Brownlee sagen, es könnte mehr geben. +Sehen wir uns eine mögliche Hürde an. +Sie ist ein aktueller Vorschlag vom Geophysiker David Waltham. +Das ist meine sehr vereinfachte Version von Daves viel komplexerer These. +Wir können jetzt hier sein, weil die früheren Bewohner der Erde vier Milliarden Jahre gutes Wetter genossen haben — mit Höhen und Tiefen, aber mehr oder weniger mild. +Aber langfristige Beständigkeit des Klimas ist merkwürdig, schon weil astronomische Einflüsse einen Planeten zum Erfrieren oder Verbrennen zwingen können. +Es gibt einen Hinweis, dass der Mond geholfen hat, was interessant ist, da die vorherrschende Theorie zeigt, dass der Mond entstanden ist, als Theia, eine Masse so groß wie Mars, in die neugeformte Erde krachte. +Das Ergebnis hätte zu einem ganz anderen Erde-Mond-System führen können. +Wir haben einen großen Mond bekommen, was der Erde eine stabile axiale Neigung und eine langsame Rotation erlaubt. +Beide Faktoren beeinflussen das Klima und die Vermutung ist, dass sie halfen, das Klima gemäßigt zu halten. +Toll für uns, oder? +Aber Waltham zeigte, wäre der Mond nur ein paar Meilen größer, wäre alles anders. +Die Drehachse der Erde würde chaotisch herumwandern. +Es würde Phasen schneller Klimaumschwünge geben — ungünstig für komplexes Leben. +Der Mond hat genau die richtige Größe: groß, aber nicht zu groß. +Ein Goldlöckchen-Mond um einen Goldlöckchen-Planeten — vielleicht eine Hürde. +Ihr könnt euch mehr Hürden vorstellen. +Einfache Zellen etwa entstanden vor Milliarden Jahren... aber die Entwicklung von komplexem Leben brauchte vielleicht eine Reihe von unwahrscheinlichen Ereignissen. +Sobald das Leben auf der Erde Zugriff auf die Vielzelligkeit, komplexe genetischen Strukturen und Sex hatte, ergaben sich neue Gelegenheiten: Tiere wurden möglich. +Aber vielleicht ist es das Schicksal vieler Planeten, dass sie von einfachen Zellen besiedelt werden. +Nur um es anschaulicher zu machen, füge ich den bestehenden Hürden, die den Weg zur kommunikativen Zivilisation blockieren können, noch vier weitere Hürden hinzu. +Bloß zum Zweck der Veranschaulichung, nehmen wir eine 1: 1000 Chance an, dass wir alle Hürden überwinden. +Natürlich gibt es verschiedene Wege durch die Hürden zu steuern und manche Chancen werden besser als 1: 1000 sein. +Genauso könnte es mehr Hürden geben und manche Chancen könnten 1: 1 Mio. stehen. +Lassen Sie uns einfach sehen, was hier passiert. +Wenn die Galaxie eine Billion Planeten hat, wie viele werden Heimat einer Zivilisation sein, die sich wie wir ein Projekt wie Breakthrough Starshot ausdenken könnte? +Bewohnbarkeit — die richtige Art von Planet um die richtige Art von Stern — die Billion wird zur Milliarde. +Beständigkeit — ein Klima, das ewig mild bleibt — die Milliarde wird zur Million. +Leben muss beginnen — die Million wird zu Tausend. +Komplexe Lebensformen müssen entstehen — die Tausend wird zu einer. +Komplexe Werkzeugnutzung muss entstehen — das ist ein Planet in tausend Galaxien. +Um das Universum zu verstehen, muss man die Techniken von Wissenschaft und Mathematik entwickeln — das ist ein Planet in einer Million Galaxien. +Um die Sterne zu erreichen, muss es soziale Lebewesen geben, die fähig sind, mit komplexer Grammatik abstrakte Konzepte zu diskutieren — ein Planet in einer Milliarde Galaxien. +Und sie müssen Unglücke verhindern — nicht nur selbstverschuldete, sondern auch aus dem Himmel. +Der Planet um Proxima Centauri wurde durch eine Eruption im letzten Jahr bestrahlt. +Ein Planet in einer Billion Galaxien, ebenso im sichtbaren Universum. +Ich denke, wir sind allein. +Die Kollegen, die zustimmen, dass wir allein sind, sehen oft eine Hürde kommen — Bioterror, Erderwärmung, Krieg. +Ein Universum, das stumm ist, da die Technologie selbst die Hürde für die Entwicklung einer wirklich fortschrittlichen Zivilisation bildet. +Bedrückend, stimmt 's? Ich behaupte das genaue Gegenteil. +Ich wuchs mit "Star Trek" und "Forbidden Planet" und habe mal ein UFO gesehen, deshalb finde ich die Idee der kosmischen Einsamkeit etwas wehmütig. +Für mich ruft die Stille des Universums: "Wir sind die Lebewesen, die Glück hatten." Alle Hürden liegen hinter uns. +Wir sind die einzige Spezies, die sie aus dem Weg geräumt hat — die einzige Spezies, die ihr eigenes Schicksal bestimmen kann. +Wenn wir zu schätzen lernen, wie besonders unser Planet ist und wie wichtig es ist, für unser Zuhause zu sorgen und andere zu finden, wie unfassbar glücklich wir sind, dass wir uns des Universums bewusst sind, sollte die Menschheit eine Weile überleben. +Die ganzen tollen Sachen, von denen wir träumten, Aliens könnten sie in der Vergangenheit getan haben, könnten unsere Zukunft sein. +Vielen Dank. +(Applaus) + + +talks, brain, cognitive science, science, TEDMED, biology, human body, communication +Sian Leah Beilock +20519 +TED Talk Subtitles and Transcript: Warum können wir manchmal unser Potenzial nicht ausschöpfen, wenn wir unter Druck stehen? Die Kognitionswissenschaftlerin und Präsidentin des Barnard College zeigt auf, was in Psyche und Körper passiert, wenn wir in Stresssituationen versagen, und gibt uns psychologisches Rüstzeug, damit wir dann Bestleistungen bringen, wenn es am wichtigsten ist. +Sian Leah Beilock: Warum wir unter Druck versagen – und was wir dagegen tun können +Mit das Demütigendste, das man über jemanden sagen kann, ist der Satz: "Er hat versagt." Oh Mann, ich weiß, wie sich das anfühlt. +In meiner Jugend liebte ich Sport. +Ich spielte in erster Linie Fußball und zwar als Torhüterin. Auf dem Platz ist das sowohl die beste als auch die schlechteste Position. +Als Torhüter kriegt man einen speziellen Dress, eine Menge Applaus, wenn man einen tollen Schuss hält, aber man kriegt auch das Elend, wenn man ein Tor reinlässt. +Als Torhüterin sind alle Augen auf mich gerichtet und das macht richtig Druck. +Ich erinnere mich noch genau an ein Spiel in der Highschool. +Ich spielte für das California-State-Team, das zum olympischen Entwicklungsprogramm gehört. +Ich spielte super, bis ich merkte, dass der Nationaltrainer genau hinter mir stand. Das veränderte alles. In Sekundenschnelle spielte ich nicht mehr auf meinem Top-Niveau, sondern auf meiner untersten Schiene. +Allein das Wissen, bewertet zu werden, veränderte meine Leistung und von da an auch meine Ansicht über den psychischen Aspekt von Leistung. +Plötzlich schien sich der Ball in Zeitlupe zu bewegen und ich war auf jede meiner Bewegungen fixiert. +Der nächste Schuss rutschte mir weg, aber er landete zum Glück nicht im Tor. +Beim darauffolgenden Schuss hatte ich mehr Pech: Ich schlenzte ihn direkt ins Netz. +Mein Team verlor, der Nationaltrainer ging weg. +Ich hatte unter dem Druck der mich bewertenden Augen versagt. +Das passiert fast jedem einmal, denn es gibt so viele Gelegenheiten: Wenn man eine Prüfung hat, einen Vortrag hält, ein Kundengespräch führt oder die spezielle Folter durchmacht, wie ich Vorstellungsgespräche gern bezeichne. +(Lachen) +Es fragt sich nur, warum. +Warum bringen wir unter Druck manchmal nicht die volle Leistung? +Das gibt besonders Rätsel bei Sportlern auf, die so intensiv an ihrer körperlichen Form arbeiten. +Und an ihrer Psyche? Viel weniger. Das gilt auch für Bereiche außerhalb des Sports. +Egal, ob wir eine Prüfung machen oder einen Vortrag halten: Es ist leicht, sich in Bestform für die Aufgabe zu fühlen und dann eine miese Leistung zu bringen, wenn alles auf dem Spiel steht. +Tatsächlich proben wir selten unter den Bedingungen im Ernstfall. Also passiert es manchmal, dass wir unsere Leistung vermasseln, wenn alle Augen auf uns gerichtet sind. +Die Frage lautet natürlich: Warum ist das so? +Meine Erfahrungen auf dem Spielfeld — und in anderen wichtigen Aspekten meines Lebens — brachten mich zur Kognitionswissenschaft. +Ich wollte wissen, wie wir unser grenzenloses Potenzial erreichen können. +Ich wollte verstehen, wie wir unser Wissen über Psyche und Verstand nutzen können, um psychologische Hilfsmittel zu finden, die zu Höchstleistungen führen. +Warum passiert das also? Warum bringen wir manchmal, wenn wir unter Druck stehen, nicht die Leistung, zu der wir fähig sind? +Es ist wohl wenig überraschend, dass wir uns unter Stress Sorgen machen: Sorgen über die Situation, die Folgen, darüber, was andere über uns denken. +Doch überraschenderweise stehen wir uns oft selbst im Weg, weil unsere Sorgen uns dazu veranlassen, uns zu stark zu konzentrieren. +Das ist es: Wir achten zu sehr darauf, was wir gerade tun. +Wenn wir es ganz besonders gut machen wollen, versuchen wir oft, Vorgänge unseres Tuns zu steuern, die besser automatisch außerhalb unseres Bewusstseins ablaufen sollten. Aus diesem Grund versagen wir. +Stellen Sie sich vor, Sie gehen eine Treppe hinunter. +Was, wenn ich fragen würde: "Was tun Sie eigentlich gerade mit Ihrem Knie?" Vermutlich würden Sie hinfallen. +Wir Menschen können uns nur auf wenige Dinge auf einmal konzentrieren. +Deshalb ist es auch keine gute Idee, beim Autofahren zu telefonieren. +Wenn wir unter Druck stehen und unbedingt unser Bestes geben wollen, können wir versuchen, Aspekte unseres Tuns zu steuern, die nicht der bewussten Steuerung überlassen werden sollten. +Das Ergebnis ist: Wir patzen. +Mein Forschungsteam und ich haben das Phänomen der übermäßigen Aufmerksamkeit studiert. Wir nennen es Paralyse durch Analyse. +In einer Studie baten wir College-Fußballer, den Ball zu dribbeln und dabei auf ein Detail zu achten, das sie sonst nicht beachten würden. +Wir baten sie, darauf zu achten, welche Seite des Fußes Ballkontakt hatte. +Wir bewiesen, dass die Darbietung langsamer und fehleranfälliger war, wenn wir die Aufmerksamkeit auf die Details des Tuns lenkten. +Unter Druck wollen wir oft um jeden Preis unser Bestes geben. Deshalb versuchen wir, das zu steuern, was wir tun, um eine Bestleistung zu erzwingen. +Das Ergebnis ist, dass wir Murks bauen. +Beim Basketball bezeichnet der Begriff "unbewusst" einen Spieler, der hundertprozentig trifft. +Tim Duncan, der Star der San Antonio Spurs, sagt: "Wenn man darüber nachdenkt, was man tut, dann geht es schief." Der große Choreograf George Balanchine beschwor seine Tänzer: "Denkt nicht — tanzt einfach." Wenn wir unter Druck stehen und glänzen wollen, versuchen wir ironischerweise oft, unser Tun zu steuern. +Das führt dazu, dass wir schlechtere Leistungen bringen. +Also was tun? Auch wenn wir von unserer hyperaktiven Aufmerksamkeit wissen: Wie schaffen wir es, volle Leistung zu bringen? +Das liegt in hohem Maß am präfrontalen Cortex, dem vorderen Teil des Gehirns, der über den Augen liegt und gewöhnlich dabei hilft, uns positiv zu orientieren. +Er blockiert oft aufgrund falscher Gegebenheiten. +Wie lässt sich die Blockade lösen? +Manchmal kann man einfach ein Lied singen oder den kleinen Zeh anschauen, wie Profigolfer Jack Nicklaus es angeblich tat, um von diesen lästigen Details abzulenken. +Auch wenn wir unter Bedingungen wie im Ernstfall üben — so schließt sich die Lücke zwischen Training und Wettbewerb —, kann das helfen, sich an das Beobachtetwerden zu gewöhnen. +Das gilt auch außerhalb des Spielfelds. +Egal, ob man sich auf eine Prüfung oder einen wichtigen Vortrag vorbereitet, der vielleicht mit etwas Druck verbunden ist: +(Lachen) +Sich an Situationen wie im Ernstfall zu gewöhnen ist wirklich wichtig. +Machen Sie vor einer Prüfung Ihr Buch zu. Geben Sie sich die Antworten unter Zeitdruck aus dem Gedächtnis. Üben Sie einen Vortrag vor anderen. +Wenn Sie keine Zuhörer finden, üben Sie vor einer Videokamera oder sogar vor dem Spiegel. +Die Fähigkeit, sich an den Ernstfall zu gewöhnen, kann den Ausschlag geben, ob wir versagen oder glänzen. +Wir haben auch ein paar Möglichkeiten gefunden, wie man in Stresssituationen lästige Sorgen und Selbstzweifel loswird. +Forscher sagen, wenn man vor einer Stresssituation einfach seine Gedanken und Sorgen niederschreibt, hilft das, sie aus dem Kopf zu bekommen — und sie tauchen im Ernstfall seltener auf. +Es ist, wie wenn man nachts aufwacht und sich wirklich über die morgigen Pflichten sorgt. Man versucht, an alles zu denken, was man tun muss, schreibt es auf und legt sich wieder hin. +Wenn man die Gedanken notiert, Buch darüber führt, entstehen sie im Ernstfall weniger leicht, um uns abzulenken. +Das Ergebnis: Man bringt Bestleistung, wenn es am meisten darauf ankommt. +Bisher habe ich beschrieben, was passiert, wenn wir uns selbst beschränken, und ein paar Tipps gegeben, wie wir unser Bestes geben können. +Doch vergessen wir nicht: Nicht nur wir selbst können uns beschränken und schlechte Leistungen bringen. Auch die Umwelt hat Einfluss darauf, ob wir versagen oder glänzen. +Eltern, Lehrer, Trainer, Chefs — sie alle haben Einfluss darauf, ob wir im Ernstfall Bestleistungen bringen können. +Nehmen wir Mathematik als Beispiel. +Ja, Sie hören richtig: Mathematik. +Viele sagen, sie versagen in Mathematik oder haben Angst davor, egal, ob sie geprüft werden oder nur im Restaurant das Trinkgeld berechnen, wenn unsere schlauen Freunde zuschauen. +Es ist durchaus gesellschaftsfähig, über Versagen oder schwache Leistungen in Mathematik zu sprechen. +Man trifft nie hochgebildete Menschen, die darüber sprechen oder damit prahlen, wie schlecht sie lesen können, aber man hört Leute ständig damit prahlen, dass ihnen Mathe nicht liegt. +Und leider tendieren in den USA dazu eher Frauen und Mädchen als Männer und Jungen. +Mein Forschungsteam und ich versuchen zu verstehen, woher diese Angst vor Mathematik kommt, und haben mit Kernspintomografie die Gehirne von Menschen untersucht, die Angst vor Mathematik haben. +Wir haben gezeigt, dass Mathematikphobie mit einem konkreten Körpergefühl wie Schmerz zusammenhängt, und davor haben wir mit vollem Recht Angst. +Wenn Menschen mit Angst vor Mathematik kurz vor einer Mathematikprüfung stehen — sie schreiben noch nicht, stehen aber kurz davor —, sind Teile des Gehirns aktiv, die an neuralen Schmerzreaktionen beteiligt sind. +Wenn man sagt: "Mathe tut weh", trifft das für einige Leute teilweise zu. +Aber woher kommt diese Angst? +Angst vor Mathematik ist erwiesenermaßen ansteckend. +Wenn Erwachsene sie haben, bekommen sie auch Kinder in ihrer Umgebung. +Schon in der ersten Klasse lernen Schüler bei Lehrern, die ihr eigenes Talent in Mathematik anzweifeln, im laufenden Schuljahr weniger. +Das gilt für Mädchen mehr als für Jungen. +In diesem jungen Alter ahmen Kinder gern Erwachsene ihres Geschlechts nach, und zumindest in den USA sind Lehrer an Grundschulen zu über 90% Frauen. +Natürlich ist nicht allein der Unterricht schuld. +Auch die sozialen Medien spielen hier eine große Rolle. +Vor nicht allzu langer Zeit konnte man eine sprechende Barbiepuppe kaufen. Wenn man an der Schnur zog, sagte sie Dinge wie: "Werden wir je genug zum Anziehen haben?" und: "Mathe ist schwer." Vor ein paar Jahren verkauften große Handelsketten den Mädchen T-Shirts mit Aufschriften wie: "Ich bin zu hübsch für Mathe" oder: "Ich bin zu hübsch für Hausaufgaben, die macht mein Bruder für mich." Und vergessen wir die Eltern nicht. +Oh, die Eltern. +Wenn Eltern ihre eigenen Talente in Mathematik infrage stellen und ihren Kindern oft bei der Mathehausaufgabe helfen, lernen die Kinder im laufenden Schuljahr weniger. +Ein Vater drückte es so aus: "Ich beurteile die Mathehausaufgabe meines Erstklässlers danach, ob ich nur ein Bier brauche — oder drei für den ganzen Abend." +(Lachen) +Wenn Erwachsene ihr Mathetalent infrage stellen, färbt das auf ihre Kinder ab und entscheidet darüber, ob sie versagen oder gut sind. +Doch so wie wir anderen Grenzen setzen können, können wir sie auch aufheben. +Unser Forschungsteam hat gezeigt: Wenn wir Eltern helfen, mit ihren Kindern interessante Matheaufgaben zu lösen — es gibt also Gutenacht-Mathematik statt Gutenachtgeschichten oder Bettlektüren, d. h. Rechenaufgaben, die den Kindern Spaß machen — dann bessert sich nicht nur die Meinung der Kinder über Mathe, sondern auch ihre Leistung in der Schule. Unsere Umgebung ist wichtig — Schule, Eltern, Medien — und sie kann wirklich entscheidend sein, ob wir versagen oder gut sind. +Springen wir von meinem Fußballmatch in der Highschool zu meinem ersten College-Jahr. +Ich war im Chemiekurs, Hauptfach Naturwissenschaften, und da gehörte ich überhaupt nicht hin. +Obwohl ich für meine erste Zwischenprüfung büffelte — ich glaubte, das sei zu schaffen —, fiel ich krachend durch. +Ich bekam die allerschlechteste Note in einem Jahrgang von 400 Studenten. +Ich war sicher: Dieses Studium war nicht zu schaffen, ich würde vielleicht sogar das College ganz aufgeben. +Doch dann änderte ich meine Lernweise. +Anstatt allein zu lernen, lernte ich mit einer Gruppe von Freunden, die am Ende jedes Treffens ihre Bücher zuklappten und um die richtigen Antworten wetteiferten. +Wir lernten, unter Stress zu üben. +Bei einem Blick in mein Gehirn bei der ersten Zwischenprüfung hätten Sie wohl eine neurale Schmerzreaktion bemerkt, genau wie bei meinen Testpersonen mit Mathematik-Angst. +Die hatte ich wahrscheinlich auch während der stressigen Lernsituationen. +Doch als ich ins Finale zog, war mein Kopf ruhig und ich bekam eine der besten Noten des gesamten Jahrgangs. +Ich hatte nicht nur den Stoff gelernt, sondern auch, wie ich meine Grenzen überwinden konnte, wenn alles auf dem Spiel stand. +Wichtig ist, was in unserem Kopf passiert. Wenn man das weiß, kann man lernen, sich und andere auf Erfolgskurs zu bringen, und zwar nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Konferenzsaal und im Klassenzimmer. +Danke. +(Applaus) + + +talks, business, collaboration, communication, success, personal growth +Tina Seelig +21017 +TED Talk Subtitles and Transcript: Glück ist selten ein Blitzschlag, isoliert und dramatisch -- es ist viel mehr wie der Wind, ein konstantes Wehen. Ihn mehr einzufangen ist einfach, aber nicht offensichtlich. In dieser erkenntnisreichen Präsentation stellt die Stanford Professorin für Ingenieurwissenschaften, Tina Seelig, drei unerwartete Methoden vor, Ihr Glück zu vermehren -- und Ihre Fähigkeiten, günstige Gelegenheiten zu erkennen und zu ergreifen. +Tina Seelig: Die kleinen Risiken, die Ihr Glück vermehren +Ich habe beinahe zwei Jahrzehnte damit verbracht, zu beobachten, wieso manche Menschen mehr Glück haben als andere, und zu versuchen, Menschen zu helfen, ihr Glück zu vermehren. +Ich unterrichte Geschäftsführung und wir wissen alle, dass die meisten neuen Unternehmen scheitern und, dass Innovatoren und Unternehmer alles Glück der Welt brauchen. +Also was ist Glück? Glück ist definiert als Erfolg oder Misserfolg, der anscheinend durch Zufall verursacht wurde. Anscheinend. Das ist das Schlüsselwort. +Es sieht wie ein Zufall aus, weil wir selten all die Knöpfe sehen, die über das Glück entscheiden. +Aber durch viel Observation, habe ich realisiert, dass Glück selten wie ein Blitz trifft, isoliert und dramatisch. +Es ist mehr wie der Wind, ein konstantes Wehen. +Manchmal ist er seicht, manchmal bläst er in Böen und manchmal kommt er aus Richtungen, die man gar nicht hat kommen sehen. +Wie fängt man den Wind des Glücks? +Es ist einfach aber nicht offensichtlich. +Ich werde nun drei Dinge mit Ihnen besprechen, die Sie tun können, um diesen Wind einzufangen. +Als Erstes sollten Sie ihre Beziehung zu sich selbst ändern. +Seien Sie bereit, Risiken einzugehen, die Sie aus Ihrer Komfortzone holen. +Als wir Kinder waren, taten wir das ständig. +Wir mussten es tun, um Laufen zu lernen oder Sprechen, oder Fahrrad zu fahren, oder um Quantenphysik zu lernen. Oder? Wir müssen uns von jemanden, der nicht Fahrrad fahren kann, zu jemanden entwickeln, der es kann. +Und dafür mussten wir aus unserer Komfortzone raus und ein paar Risiken eingehen. +Das Problem ist, dass wir das mit zunehmenden Alter kaum noch tun. +Wir versteifen uns darauf, wer wir sind und strecken uns nicht mehr aus. +Ich verbringe mit meinen Schülern viel Zeit darauf, sie zu motivieren, aus sich herauszukommen und Risiken einzugehen. +Wie mache ich das? +Zuerst lass ich sie ein Risiko-Meter ausfüllen, eine Aktivität, die wir uns im Unterricht ausgedacht haben, bei der sie identifizieren, welche Risiken sie eingehen würden. +Und es wird sehr schnell deutlich, dass Risikobereitschaft nicht binär ist. +Es gibt geistige, körperliche und finanzielle Risiken, emotionale, soziale, ethnische und politische Risiken. +Sobald sie das getan haben, vergleichen sie ihre Risikoprofile mit anderen und sehen schnell, dass die alle sehr unterschiedlich sind. +Danach motiviere ich sie dazu, sich auszubreiten, Risiken einzugehen, die sie aus ihrer Komfortzone holen. +Zum Beispiel bitte ich sie, ein geistiges Risiko einzugehen und sich einem Problem zu stellen, dass sie zuvor mieden. Oder ein soziales Risiko: mit jemandem zu reden, der neben ihnen im Zug sitzt. Oder ein emotionales Risiko: Jemandem zu sagen, dass ihre Gefühle ihnen wichtig sind. +Ich tue das selbst ständig. +Vor circa 12 Jahren war ich auf einem Flug sehr früh morgens nach Ecuador. +Normalerweise würde ich einfach meine Kopfhörer aufsetzen, schlafen, aufwachen, etwas arbeiten. Doch ich habe mich etwas gewagt und ein Gespräch mit meinem Sitznachbarn begonnen. +Ich habe mich vorgestellt und erfahren, dass er ein Verleger ist. Interessant. Wir hatten ein faszinierendes Gespräch. +Ich habe über die Zukunft der Verlagsindustrie gelernt. +Und so habe ich mich dazu entschieden, nach drei Viertel des Flugs ein weiteres Risiko einzugehen. Ich öffnete meinen Laptop und habe ihm eine Buchidee gezeigt, die ich für etwas für meinen Unterricht vorbereitet habe. +Er war sehr höflich, hat sie gelesen und gesagt: "Du, Tina, das ist nichts für uns, aber vielen Dank." Das ist okay. +Dieses Risiko erbrachte nichts. +Ich packte den Laptop ein. +Am Ende des Flugs haben wir Kontaktinformationen ausgetauscht. +Ein paar Monate später habe ich ihn kontaktiert und sagte: "Mark, möchtest du in meine Klasse kommen? +Ich mache ein Projekt, um das Buch neu zu erfinden, die Zukunft des Verlags. "Und er sagte:" Ich komme gerne. "Er kam und wir hatten eine gute Zeit. +Einige Monate später schrieb ich ihm wieder. +Dieses Mal schickte ich ihm ein paar Videoclips von einem anderen Projekt meiner Schüler. +Er war so interessiert an einem der Projekte, dass er sogar dachte, man könne ein Buch darüber schreiben und wollte die Schüler dahinter treffen. +Ich muss zugeben, ich war etwas enttäuscht. +(Lachen) +Ich meine, ein Buch mit meinen Schülern? Nicht mit mir. Aber egal, das ist okay. +Also habe ich ihn eingeladen und er kam mit seinen Kollegen nach Stanford und hat die Schüler getroffen. Und danach aßen wir gemeinsam zu Mittag. +Einer seiner Editoren sagte zu mir: "Haben Sie mal darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben?" +Ich sagte: "Gut, dass Sie fragen." Und holte eben jene Buchidee hervor, die ich seinem Chef das Jahr zuvor gezeigt habe. +Innerhalb zwei Wochen hatte ich einen Vertrag und nach zwei Jahren hat das Buch sich weltweit eine Million Mal verkauft. +(Applaus) +Nun sagen sie vielleicht: "Sie haben Glück!" Natürlich hatte ich Glück, aber dieses Glück kam aus einer Reihe von kleinen Risiken, die ich eingegangen bin, angefangen damit, "Hallo" zu sagen. +Und das kann jeder, ganz egal wo man im Leben ist, ganz egal wo man in der Welt ist. Selbst wenn man denkt, man sei der größte Pechvogel, man braucht nur aus seiner Komfortzone rauskommen und kleine Risiken eingehen. +Man beginnt ein Segel zu bauen, um das Glück einzufangen. +Der nächste Schritt ist, seine Beziehung zu Mitmenschen zu ändern. +Man muss verstehen, dass jeder, der einem auf seinem Wege hilft, eine große Rolle auf dem Weg zum Ziel spielt. +Und wenn man keine Dankbarkeit zeigt, schließt man sich nicht nur selber aus, sondern verpasst auch Gelegenheiten. +Wenn eine Person etwas für Sie tut, nimmt sie sich die Zeit, die sie für sich selbst oder jemand anderen nutzen könnte und das muss man anerkennen. +Ich leite drei Gemeinschaftsprogramme an der Stanford Universität und es ist sehr schwierig reinzukommen und wenn ich Ablehnungsbriefe an Schüler schreibe, weiß ich jedes Mal, dass sie enttäuscht sein werden. +Manche schicken mir dann Nachrichten, in denen sie sich beschweren. +Manche fragen, wie sie das nächste Mal erfolgreicher sein können. +Und hin und wieder schickt jemand eine Nachricht, um mir für die Gelegenheit zu danken. +Das passierte vor sieben Jahren. +Ein junger Mann namens Brian schrieb in einer Notiz: "Ich weiß, ich wurde schon zwei Mal für dieses Programm abgelehnt, aber ich wollte mich für die Chance bedanken. +Ich habe so viel durch den Bewerbungsprozess gelernt. " +Ich war so von seiner Dankbarkeit gerührt, dass ich ihn einlud, mich zu treffen. +Wir haben uns unterhalten und die Idee für ein unabhängiges Studienprojekt entwickelt. +Er war im Stanford Football Team und wollte ein Projekt über Führungsrollen in diesem Kontext durchführen. +Wir haben uns im Laufe des Semesters sehr gut kennengelernt und er hat das Projekt, an dem er gearbeitet hat, in unsere Studie gebracht und es letztendlich in ein Unternehmen namens "Play for Tomorrow" entwickelt, in dem er Kindern aus benachteiligten Hintergründen beibringt, wie sie das Leben, von dem sie träumen, leben können. +Das Wichtige an der Geschichte ist, dass wir beide aufgrund seiner Dankesnachricht den Wind des Glücks eingefangen haben. +Aber wir haben den Wind anfangs gar nicht kommen sehen. +Im Verlauf der letzten paar Jahre habe ich Taktiken für mein eigenes Leben entwickelt, um mir zu helfen, verstärkt Anerkennung zu geben. +Meine Lieblingstaktik ist, am Ende des Tages in meinen Kalender zu schauen und alle durchzugehen, die ich getroffen habe, und an jede einzelne Person eine Dankesnachricht zu schicken. +Es dauert nur ein paar Minuten, doch am Ende jedes Tages fühle ich mich unglaublich dankbar und ich verspreche Ihnen, es hat mein Glück gesteigert. +Zuerst müssen Sie Risiken eingehen und aus Ihrer Komfortzone raus. +Als Zweites müssen Sie Dankbarkeit zeigen. +Und als Drittes: ändern Sie Ihre Beziehung zu Ideen. +Die meisten Leute beurteilen neue Ideen direkt. "Das ist eine gute Idee" oder "Das ist eine furchtbare Idee" Aber es ist wirklich viel differenzierter. +Ideen sind nicht nur gut oder schlecht. +Tatsächlich sind die Ursprünge furchtbarer Ideen oft bemerkenswert. +Eine meiner Lieblingsübungen aus meinem Kreativunterricht ist es Schülern zu helfen, eine Haltung gegenüber schlechten Ideen zu entwickeln, die ihnen Möglichkeiten erkennen lässt. +Also fordere ich sie heraus, eine Idee für ein brandneues Restaurant zu kreieren. +Sie müssen sich die besten Ideen für ein neues Restaurant und die schlechtesten Ideen ausdenken. +Die besten Ideen sind Sachen wie ein Restaurant auf einer Bergspitze mit wunderschönem Sonnenuntergang oder ein Restaurant auf einem Boot mit grandioser Aussicht. +Und die schlechten Ideen sind Sachen wie ein Restaurant in einem Müllhaufen oder ein sehr dreckiges Restaurant mit schrecklichem Service oder ein Restaurant, das Kakerlakensushi serviert. +(Lachen) +Also reichen sie alle Ideen zu mir, ich lese die großartigen Ideen laut vor und zerreiße sie und schmeiße sie weg. +Dann nehme ich die schlechten Ideen und teile diese wieder aus. +Jedes Team hat nun eine Idee, die ein anderes Team für schrecklich hielt und ihre Herausforderung ist es, diese brillant zu machen. +Dann passiert Folgendes: Innerhalb von 10 Sekunden ruft jemand "Das ist eine fantastische Idee." Nach drei Minuten müssen sie ihre Ideen der Klasse vorstellen. +Also was wurde aus dem Restaurant im Müllhaufen? +Sie sammeln alles überschüssige Essen aus Michelin-Sterne-Restaurants, das weggeschmissen worden wäre, und verkaufen dies in einem viel günstigeren Restaurant mit allen Essensresten. +Ziemlich cool, oder? Was mit dem dreckigen Restaurant mit schrecklichem Service? +Aus dem wurde ein Restaurant, das ein Trainingsplatz für zukünftige Gastronomen ist, um zu üben, alle Fettnäpfchen zu umgehen. Und das Kakerlakensushi-Restaurant? Daraus wurde eine Sushi-Bar mit allen möglichen interessanten und exotischen Zutaten. +Wenn man sich die Unternehmen um einem herum anschaut, die Unternehmen, die wirklich innovativ sind, die, die wir nun als selbstverständlich sehen, die unser Leben veränderten, wissen Sie was? +Die haben alle als verrückte Ideen angefangen. +Ideen, zu denen, wenn sie anderen vorgestellt wurden, die Meisten sagten: "Das ist verrückt, das wird nie funktionieren". +Ja, manchmal sind Leute in schreckliche Umstände hinein geboren worden und manchmal ist das Glück ein Blitzschlag, der uns mit etwas Wundervollem oder etwas Schrecklichem trifft. +Aber die Winde des Glücks sind immer da und wenn man nur ein paar Risiken eingeht, wenn man wirklich hervortritt und Dankbarkeit zeigt und bereit ist, sich Ideen wirklich anzuschauen, auch die verrückten, durch die Linse der Möglichkeiten, kann man ein immer größeres Segel bauen, um die Winde des Glücks einzufangen. +Dankeschön. +(Applaus) + + +talks, law, society, social change, justice system, activism, crime, Internet, criminal justice, women, TEDx +Darieth Chisolm +25727 +TED Talk Subtitles and Transcript: Was kannst man tun, wenn man Opfer von "Rache-Porno" oder Internet-Mobbing wird? Erschreckenderweiße wenig, sagt die Journalistin und Aktivistin Darieth Chisolm, die sich selbst in einem Apltraum-Szenario befand, in dem eindeutige Bilder von ihr, ohne ihr Wissen oder ihre Einwilligung, online hochgeladen wurden. Sie beschreibt, wie sie sich bemühte, den Opfern zu helfen und verdeutlicht die aktuelle Rechtslage zur Bestrafung der Täter. +Darieth Chisolm: Wie "Rache-Porno" die Welt auf den Kopf stellt +Ich hatte noch fünf Minuten, bevor ich meinen Vortag vor einigen Geschäftsinhabern zum Thema Sichtbarkeit und vor der Kamera stehen, halten sollte. +Schließlich war ich die sogenannte Expertin zum Thema. Der ehemalige TV-Nachrichtensprecher, Lebens- und Unternehmensberater. +Ich warf zufällig einen Blick auf mein Handy, um nach der Zeit zu sehen, als ich sah, dass ich einen Anruf meines Exmannes verpasst hatte. +Ich kann immer noch seine Stimme hören: "Darieth, was ist los? +Ich bekam gerade einen Anruf von einem Mann, der mich auf diese Website lotste, und jetzt sehe ich all diese nackten Bilder von dir. +Deine Geschlechtsteile sind überall auf dieser Seite. +Wer hat das alles gesehen? "Ich konnte nicht denken. +Ich konnte nicht atmen. +Ich war so gedemütigt, so verlegen und beschämt. +Es fühlte sich an als würde meine Welt zu Grunde gehen. +Dabei fing es für mich erst an: Monate voll Schmerz, Depressionen, Zorn, Verwirrung und Stille. +Mein manipulierender, eifersüchtiger Stalker-Ex-Freund tat genau das, was er gesagt hatte: Er erstellte eine Website in meinem Namen und er postete das. Und das. Und mehrere eindeutige Fotos, +die er von mir aufnahm, während ich schlief, als ich mit ihm in Jamaika lebte. +Monate zuvor hatte er begonnen, mir in Textnachrichten zu drohen, wie hier: Er versuchte mich als schäbige, kleine Schlampe hinzustellen. +Er drohte sogar, mich umzubringen. +Er sagte, er würde mir in den Kopf schießen und mir ins Herz stechen, nur weil ich die kontollierende Beziehungen beenden wollte. +Ich konnte nicht glauben, dass das mir passierte. +Ich wusste noch nicht einmal, wie ich es nennen sollte. +Ihr kennt es vielleicht als Internet- Belästigung oder-Mobbing. Die Medien nennen es "Rache-Porno". Ich nenne es nun "digitale häusliche Gewalt". +Normalerweise kommt es nach einer beendeten Beziehung, in der der verlassene Ex-Liebhaber mit der Zurückweisung nicht klar kommt; wenn sie physisch ihre Hände nicht an dich anlegen können, verwenden sie andere Waffen: Handys und Laptops. Die Munition? Fotos, Videos, eindeutige Informationen, Inhalte — alles online hochgeladen, ohne deine Einwilligung. +Machen wir uns doch nichts vor — wir alle leben unsere Leben online. +Und das Internet ist eine wirklich kleine Welt. +Wir prahlen mit unseren Babyfotos, wir gründen Unternehmen und lassen sie wachsen, wir beginnen neue Beziehungen, wir lassen die Welt herein, mit jedem Facebook-Like. +Und wisst ihr, was ich gefunden habe? +Eine noch kleinere Welt. +Eine von 25 Frauen gibt an, von Rache-Pronos betroffen zu sein. +Für Frauen unter 30 steigt die Zahl auf eine von 10 an. +Das macht einige von euch im Publikum zu potenziellen Opfern. +Wollt ihr wissen, was noch alarmierender ist? +Der Mangel an Bestimmungen und Gesetzen, die Opfer adequat schützen könnten und Täter bestrafen würden. +Es gibt nur einen Entwurf für ein Bundesgesetz: das sogenannte ENOUGH-Gesetz [genug] von Senator Kamala Harris. +Es würde Rache-Pornos unter Strafe stellen. +Aber das kann Jahre bis zur Verabschiedung brauchen. +Was bleibt uns also in der Zwischenzeit? Geringfügige zivile Vergehen. Aktuell haben nur 40 Staaten und DC einige geltende Gesetze für Rache-Pornos. +Das Strafmaß variiert — Geldbußen von 500 $. Fünfhundert Dollar? Ist das euer Ernst? +Frauen verlieren ihre Jobs. +Sie leiden unter geschädigten Beziehungen und einem geschädigten Ansehen. +Sie werden krank oder depressiv. Die Selbstmordraten steigen. Ihr seht eine Frauen, die 11 Monate vor Gericht verbrachte, dreizehn Fahrten zum Gericht und tausende Dollar an Anwältskosten gezahlt hat, nur um zwei Dinge zu erreichen: Einen Schutz vor Internet-Stalking und Cyber-Missbrauch, auch bekannt als PFA, und das Wort eines Richters der eine dritte Partei, die Internetgesellschaft, zwang, den Inhalt zu löschen. +Es ist teuer, kompliziert und verwirrend. +Noch schlimmer, Gesetzeslücken und Zuständigkeitsfragen zögern es monatelang hinaus, während meine Geschlechtsteile Monate öffentlich sichtbar waren. +Wie würdet ihr empfinden, wenn eure nackten Körper für die Welt sichbar wären, während ihr hilflos darauf wartet, dass der Inhalt entfernt wird? +Schlussendlich stolperte ich über eine private Firma, die einen DMCA-Bescheid, zur Schließung der Website, erließ. +DMCA – Digitaler Millennium Copyright Act. +Es ist ein Gestez, das digitale Materialien und Inhalte reguliert. +Es ist das Ziel der DMCA, Rechteinhaber und Konsumenten zu schützen. Verstanden: +Leute, die Nacktfotos aufnehmen und teilen, haben die Rechte an den Selfies, daher sollten sie in der Lage sein, durch ein DMCA die Inhalte zu löschen. +Aber nicht so schnell... denn im anderen Kampf haben wir es +mit rebellischen und unansprechbaren Internetfirmen als Dritten zu tun. Und ganz nebenbei, auch in beidseitigen Beziehungen, nur weil man ein Nachtfoto geschickt bekommt, hat man nicht das Recht, es zu verbreiten, auch [ohne] die Absicht, zu schaden. +Zurück zu meinem Fall, der weitaus komplizierter ist, da er mich aus einem anderen Land heraus gestalked und belästigt hat, was es nahezu unmöglich macht, hier Hilfe zu bekommen. +Aber wartet einen Moment — ist das Internet nicht international? +Sollten wir nicht irgendeine Art Strategie haben, die uns weitgehend schützt, unabhängig von Grenzen und Einschränkungen? +Ich konnte nicht aufgeben; ich musste weiter kämpfen. +Also erlaubte ich freiwillig, bei drei Gelegenheiten, die Durchsuchung meines Handys und auch meines Laptops durch den Verfassungsschutz und die jamaikanische Botschaft, zur forensischen Untersuchung, da ich die ganzen Beweise behalten hatte. +Ich teilte mühsam meine Geschlechtsteile mit dem nur männlichen Untersuchungsteam. +Es war eine beschämende, zusätzlich demütigende Angelegenheit. +Aber dann ist etwas passiert. Jamaikanische Behörden verhafteten ihn endlich. +Er ist nun nach dem Gesetz der bösartigen Kommunikation angeklagt, und wenn er verurteilt wird, könnte er mit tausenden Dollar Strafe rechnen und mit bis zu 10 Jahren Gefängnis. +Ich habe gehört, dass mein Fall Geschichte schreibt — es ist der erste internationale Fall dieses neuen Verbrechens. +Wow, endlich etwas Gerechtigkeit. +Aber das regte mich zum Nachdenken an. Niemand verdient das. Niemand verdient dieses Level an Demütigung und all die Steine aus dem Weg räumen zu müssen. +Unsere Internet-Bürgerrechte stehen auf dem Spiel. +Hier in den USA sollten wir klare, harte Vollstreckungen haben; wir müssen Rechenschaft und Ansprechbarkeit von Internetfirmen fordern wir müssen soziale Verantwortung beim Posten, Teilen und Texten fördern; und wir müssen die Würde der Opfer wiederherstellen. +Und was ist mit den Opfern, die weder Zeit, noch Geld oder Ressourcen haben, um diesen Krieg zu führen, die entkräftet, mit geschädigtem Ruf und zerbrochen zurückbleiben? +Zwei Dinge: Lasst die Scham los und endet euer Schweigen. +Die Scharm ist der Ursprung für all dies. +Für jeden stillen Gefangenen seiner Scharm, macht die Angst, verurteilt zu werden, euch zu Gefangenen. +Das Entfernen eures Selbstwerts ist der Preis, den man zu zahlen hat. +An dem Tag, an dem ich mein Schweigen brach, befreite ich mich von der Scharm. +Ich befreit mich von der Angst, verurteilt zu werden, vor der einen Person, bei der ich dachte, sie würde mich am härtesten verurteilen - meinem Sohn, der mir dann erzählte: "Mama, du bist die stärkste Person, die ich kenne. +Du kannst das durchstehen. und nebenbei, Mama — er hat sich mit der falschen Frau angelegt. " +(Gelächter) +(Applaus) +An diesem Tag entschied ich, meine Platform zu nutzen, und meine Geschichte und meine Stimme. +Zu Beginn, fragte ich mich eine einfache Sache: Wer sollte ich jetzt werden? +Diese Frage, angesichts allem, mit dem ich konfroniert war, veränderte mein Leben und ließ mich über die verschiedenen Mögichkeiten nachdenken. +Jetzt besitze ich meine Geschichte, ich sage meine Wahrheit, und ich schreibe ein neues Kapitel in meinem Leben. +Es heißt "50 Schatten des Schweigens". Es ist ein globales soziales Gerechtigkeitsprojekt, und wir arbeiten an einer Dokumentation, um den Opfern eine Stimme und Würde zu geben. +Wenn du selbst betroffen bist oder jemanden kennst, merk dir das: Um gestärkt zu werden, musst du auf dich selbst achten, und dich selbst lieben. +Du musst deinen Ärger in Handlungen verwandeln, deinen Schmerz in Kraft und deinen Rückschlag in ein Setup für dein zukünftiges Leben. +Es ist ein Prozess und eine Reise der Selbsterkennung, die möglicherweise Vergebung beinhaltet. +Aber sie benötigt vor allem Mut, Vertrauen und Überzeugung. +Ich nenne es: findet eure tägliche Courage. +Danke schön. +(Applaus) + + +talks, robots, emotions, society, humanity, future, design, innovation, technology +Kate Darling +26073 +TED Talk Subtitles and Transcript: Wir sind weit davon entfernt, empfindungsfähige Roboter zu entwickeln. Jedoch haben wir schon Gefühle für sie, sagt Roboterethikerin Kate Darling, und ein solcher Instinkt kann Konsequenzen haben. Lernen Sie mehr darüber, wie wir biologisch darauf programmiert sind, Absicht und Leben auf Maschinen zu projizieren -- und wie es uns helfen könnte uns selbst besser zu verstehen. +Kate Darling: Warum wir eine emotionale Verbindung zu Robotern haben +An einem Tag vor etwa zehn Jahren ließ ich einen Freund einen Baby-Dino-Roboter kopfüber halten. +Es war ein Spielzeug namens Pleo, das ich mir bestellt hatte. Ich freute mich sehr darauf, denn ich liebe Roboter. +Dieser hatte echt coole technische Features. +Er hatte Motoren, Tastsensoren und eine Infrarotkamera und dann besaß er einen Neigungssensor. +Er kannte also seine Ausrichtung im Raum. +Wenn man ihn kopfüber hielt, würde er anfangen zu heulen. +Das fand ich supercool und zeigte ich ihn daher einer Freundin, ich sagte: "Hey, heb ihn am Schwanz hoch. +Schau was er macht. "Wir schauten uns also das Agieren des Roboters an, wie er leidet und heult. +Nach ein paar Sekunden fing es an mich ein wenig zu stören, und ich sagte: "Okay, das reicht. +Lassen wir ihn wieder runter. "Dann streichelte ich den Roboter, damit er zu heulen aufhörte. +Das war eine etwas seltsame Erfahrung für mich. +Ich war nämlich zu dieser Zeit nicht besonders mütterlich. +Wobei ich vor 9 Monaten Mutter geworden bin, und jetzt weiß, dass kopfüber gehaltene Babies sich auch wehren. (Gelächter) Aber meine Reaktion auf den Roboter war auch interessant, da ich genau wusste, wie diese Maschine funktioniert, und dennoch fühlte ich mich veranlasst, lieb zu ihr zu sein. +Diese Erkenntnis entfachte eine Neugier, der ich die letzten Jahre nachgegangen bin. +Warum tröstete ich diesen Roboter? +Eine Erkenntnis war, dass mein Umgang mit dieser Maschine mehr als nur ein verlegener Moment in meinem Wohnzimmer war und dass in einer Welt, in die wir immer mehr Roboter integrieren, ein solcher Instinkt Konsequenzen haben könnte. Denn meine erste Entdeckung war, dass das nicht nur mich betrifft. +Im Jahr 2007 meldete The Washington Post, dass das US-amerikanische Militär einen Roboter testete, der Landminen entschärfen sollte. +Gebaut wie eine Stabheuschrecke, funktionierte er so, dass er in einem Minenfeld auf seinen Beinen herumlief und jedes Mal, wenn er auf eine Mine trat und ein Bein explodierte, lief er auf den übrigen Beinen weiter, um mehr Minen zu finden. +Der zuständige Oberst dieses Tests beschloss ihn abzublasen, weil es zu unmenschlich wäre, den beschädigten Roboter zu beobachten wie er sich über das Feld schleppt. +Was veranlasst einen abgehärteten Militäroffizier und jemanden wie mich, so auf einen Roboter zu reagieren? +Natürlich sind wir durch Science-Fiction und Popkultur geprägt und möchten diese Dinge vermenschlichen, aber es ist etwas tiefgehender als das. +Wir sind nämlich genetisch programmiert Absicht und Leben auf jede selbstständige Bewegung unserer Umgebung zu projizieren. +Deswegen behandeln Menschen alle Arten von Robotern wie Lebewesen. +Diese Bombenentschärfungsroboter erhalten Namen. Sie erhalten Ehrenmedaillen. Sie hatten Beerdigungen mit Salutschüssen. +Studien zeigen, dass wir das sogar mit einfachen Hausrobotern machen, wie dem Roomba-Staubsauger. +(Gelächter) +Das ist nur eine fahrende Scheibe, die unseren Boden säubert, aber allein, dass sie sich frei bewegt, veranlasst Leute, ihr einen Namen zu geben und Mitleid zu empfinden, wenn sie unter dem Sofa feststeckt. +(Gelächter) +Wir können Roboter entwickeln, um genau diese Reaktionen herbeizurufen durch Integrierung von Augen, Gesichtern und Bewegungen, die automatisch unterbewusst als Gemütszustand verstanden werden. +Es gibt ein ganzes Forschungsgebiet, genannt Mensch-Roboter-Interaktion, das zeigt, wie gut das funktioniert. +So fanden Forscher an der Stanford-Universität heraus, dass es für Probanden unangenehm ist, den Intimbereich eines Roboters berühren zu müssen. +(Gelächter) +Von dieser und vielen anderen Studien wissen wir, dass Menschen auf die Signale dieser lebendig erscheinenden Maschinen reagieren, auch im Wissen, dass sie nicht echt sind. +Nun rücken wir näher an eine Welt, wo Roboter überall sind. +Robotertechnik verlässt die Fabrikhallen und kommt im Arbeitsalltag und unseren Haushalten an. +Da diese Maschinen, die fühlen können, selbständig Entscheidungen treffen und lernen können, nun in diese gemeinsamen Räume eintreten, ist die beste Analogie dafür vielleicht unsere Beziehung mit Haustieren. +Vor Tausenden von Jahren begannen wir Haustiere zu halten, wir trainierten sie als Arbeiter, Waffen oder Begleiter. +Wir behandelten manche Tiere wie Werkzeug oder Ware, während wir andere liebevoll behandelten und sie als Begleiter in unserer Gesellschaft aufnahmen. +Es ist möglich, dass wir anfangen, Roboter gleichermaßen zu integrieren. +Natürlich, Tiere sind lebendig, Roboter sind es nicht. Durch die Zusammenarbeit mit Roboteringenieuren weiß ich, dass wir noch weit davon entfernt sind, empfindungsfähige Roboter zu bauen. +Aber wir empfinden etwas für sie und das zählt, denn wenn wir versuchen, Roboter in unseren Alltag zu integrieren, müssen wir verstehen, dass wir sie anders als normale Geräte behandeln werden, und dass in manchen Fällen, wie beim Soldaten, der sich emotional an seinen Roboterkollegen bindet, das ineffizient bis gefährlich sein kann. +Andererseits kann es auch nützlich sein, diese emotionale Verbindung zu Robotern zu fördern. +Wir kennen schon einige tolle Anwendungen, beispielsweise Roboter für autistische Kinder, die sie auf eine noch nie gesehene Art und Weise beschäftigen, oder Roboter, die mit Lehrern arbeiten, um Kinder beim Lernen zu unterstützen. +Das gilt nicht nur für Kinder. +Erste Studien zeigen, Roboter können im Gesundheitswesen für Ärzte und Patienten nützlich sein. +Das ist der Baby-Robben-Roboter PARO. +Er wird in Pflegeheimen und bei dementen Patienten verwendet. +Es gibt ihn schon länger. +Vor ein paar Jahren auf einer Party sprach ich mit jemandem über diesen Roboter und ihre Reaktion war: "Meine Güte. Das ist ja entsetzlich. Kaum zu glauben, dass wir Leuten Roboter statt Menschen als Pfleger geben." Das ist eine ziemlich häufige Reaktion, und meiner Ansicht nach ist sie komplett richtig, denn das wäre schrecklich. +Aber der Roboter ersetzt hier etwas anderes. +Er ersetzt die Tier-Therapie in Situationen, wo wir keine echten Tiere verwenden können, aber Roboter eben schon, da Menschen sie konsequent eher wie ein Tier als ein Gerät behandeln. +Diese emotionale Bindung zu Robotern anzuerkennen, kann uns helfen, Probleme vorauszuahnen, da diese Maschinen Teil des persönlichen Lebens werden. +Ist es zum Beispiel okay, wenn der Teddybär Ihres Kindes private Gespräche aufzeichnet? +Ist es okay, wenn ihr Sexroboter verlockende in-App-Angebote hat? +(Gelächter) +Denn Roboter plus Kapitalismus bedingt Fragen über Privatsphäre und Verbraucherschutz. +Nicht nur deswegen ist unser Umgang mit diesen Maschinen bedeutend. +Ein paar Jahre nach diesem ersten Erlebnis mit dem Baby-Dino-Roboter, hielt ich ein Seminar mit meinem Freund Hannes Gassert. +Dort nahmen wir 5 dieser Baby-Dino-Roboter und gaben sie an fünf Gruppen. +Wir ließen sie ihnen Namen geben und für eine Stunde mit ihnen spielen und interagieren. +Dann enthüllten wir einen Hammer und ein Beil und riefen sie auf die Roboter zu quälen und zu töten. +(Gelächter) +Das erwies sich als dramatischer als erwartet, da keiner der Teilnehmer es über das Herz brachte ihren Babydino zu schlagen. Also improvisierten wir und schlugen vor: "Okay, ihr könnt euren Roboter retten, wenn ihr den eines anderen Teams zerstört." +(Gelächter) +Auch das brachte keiner übers Herz. +Als letztes drohten wir: "Wir zerstören alle eure Roboter, es sei denn jemand schlägt mit dem Beil auf einen." Dieser eine Kerl stand auf, nahm das Beil und der ganze Raum zuckte zusammen als er das Beil auf das Genick des Roboters hämmerte. Es entstand diese halb scherzhafte, halb ernste Stille im Raum wegen des kaputten Roboters. +(Gelächter) +Das war ein echt interessantes Erlebnis. +Natürlich war das keine kontrollierte Studie, aber es führte zu weiterer Forschung, die ich am MIT zusammen mit Palash Nandy und Cynthia Breazal durchführte. Dort luden wir Leute in unser Labor ein, um diese HEXBUGs zu zerschlagen, die sich wie lebende Insekten bewegen. +Anstatt etwas Niedliches zu wählen, was sympathisch wirkt, nahmen wir etwas Einfacheres. So fanden wir heraus, dass empathischere Menschen eher zögern, den HEXBUG zu schlagen. +Das ist nur eine kleine Studie, die aber Teil einer größeren Forschungsarbeit ist. Diese deutet immer mehr darauf hin, dass es eine Verbindung gibt zwischen den empathischen Tendenzen der Probanden und ihren Verhalten gegenüber Robotern. +Aber meine Frage für die kommende Ära der Mensch-Roboter-Interaktion ist nicht: "Fühlen wir mit Robotern mit?", sondern: "Können Roboter menschliches Mitgefühl verändern?" Gibt es Gründe, zum Beispiel, ihr Kind vom Treten eines Robohundes abzuhalten, nicht nur aus purem Respekt vor Eigentum, sondern weil ihr Kind dann eher einen echten Hund treten würde? +Nochmal, es geht nicht nur um Kinder. +Es erinnert an die Frage über Gewalt in Videospielen, nur auf einem ganz neuem Level. Denn auf diese instinktiven Körperkontakte reagieren wir intensiver als auf Bilder am Bildschirm. +Wenn wir Roboter gewaltsam behandeln, besonders lebensähnliche Roboter, ist das eine gesunde Art, Gewalt auszuleben, oder Training für unsere grausame Seite? +Das wissen wir nicht... Aber die Antwort auf diese Frage könnte menschliche Verhaltensmuster verändern. Sie hat das Potential, soziale Normen zu beeinflussen, und Regeln anzuregen, was wir tun und nicht tun dürfen mit bestimmen Robotern, analog zu den Gesetzen zur Tierquälerei. +Denn auch wenn Roboter nichts fühlen, unser Verhalten ihnen gegenüber kann für uns wichtig sein. +Egal ob wir unsere Regeln ändern, Roboter könnten uns helfen uns selbst besser zu verstehen. +In den letzten 10 Jahren habe ich eher wenig über Technologie gelernt, sondern vor allem über Psychologie, Empathie und gegenseitigen Umgang. +Wenn ein Kind nämlich nett zum Roomba ist, wenn ein Soldat versucht, einen Roboter im Schlachtfeld zu retten, oder wenn eine Gruppe ablehnt, einem mechanischen Babydino zu schaden, dann sind diese Roboter nicht nur Motoren, Gewinde und Algorithmen. +Sie sind Spiegelungen unserer eigenen Menschlichkeit. +Danke schön. +(Applaus) + + +talks, drones, oceans, alternative energy, exploration, science, nature, fish, biosphere, environment, TEDx, weather +Sebastien de Halleux +26257 +TED Talk Subtitles and Transcript: Unsere Ozeane sind unerforscht und unterabgetastet - heute wissen wir noch mehr über andere Planeten als über unsere eigenen. Wie können wir dieses riesige, wichtige Ökosystem besser verstehen lernen? Der Explorer Sebastien de Halleux berichtet, wie eine neue Flotte von Wind- und Solardrohnen Daten auf See in bisher unerreichter Genauigkeit sammelt und Einblicke in Dinge wie das globale Wetter und die Gesundheit der Fischbestände bietet. Erfahren Sie mehr darüber, was ein besseres Verständnis des Ozeans für uns zu Land bedeuten könnte. +Sebastien de Halleux: Wie eine Flotte von Winddrohnen unser Verständnis des Ozeans verändert +Wir wissen mehr über andere Planeten als über unseren eigenen, und heute möchte ich Ihnen einen neuen Robotertypen zeigen, der uns helfen wird, unseren eigenen Planeten besser zu verstehen. +Er gehört zu einer Kategorie, die die ozeanographische Gemeinschaft "unbemanntes Wasserfahrzeug (USV)" nennt. +Es braucht keinen Kraftstoff. +Stattdessen bedient es sich der Windkraft als Antrieb. +Und dennoch kann es für Monate ununterbrochen rund um den Globus segeln. +Ich möchte Ihnen gerne zeigen, warum wir es gebaut haben, und was es für Sie bedeutet. +Vor ein paar Jahren war ich auf einem Segelboot, das über den Pazifik von San Francisco nach Hawaii segelte. +Ich hatte die vorausgegangenen 10 Jahre ununterbrochen gearbeitet und Videospiele für hundert Millionen von Usern entwickelt. Ich wollte Abstand gewinnen, auf das große Ganze schauen und Zeit zum Nachdenken haben. +Ich war der Steuermann an Bord und eines Abends, nachdem ich lange die Wetterdaten studiert und unseren Kurs festgelegt hatte, kam ich auf Deck und sah diesen wunderschönen Sonnenuntergang. +Und da kam mir ein Gedanke: Wieviel wissen wir wirklich über unsere Ozeane? +Der Pazifik war überall um mich herum, so weit das Auge reichte, und die Wellen schaukelten kräftig unser Boot, wie um uns daran zu erinnern, wie mächtig das Meer sein kann. +Wieviel wissen wir wirklich über unsere Meere? +Ich beschloss, das herauszufinden. +Mir wurde schnell klar, dass wir nicht sehr viel wissen. +Der erste Grund hierfür ist, dass die Meere so unermesslich sind und 70 Prozent unseres Planet bedecken. Aber wir wissen, dass sie komplexe Planetensysteme steuern, wie das globale Wetter, das uns alle täglich betrifft, manchmal auf dramatische Weise. +Allerdings sind diese Vorgänge größtenteils unsichtbar für uns. +Daten über die Meere sind in jeder Hinsicht knapp. +Auf dem Land war ich es gewohnt, auf viele Sensoren zurückgreifen zu können — Milliarden von ihnen. +Aber auf See sind in-situ-Daten selten und teuer. Man ist auf eine begrenzte Anzahl von Schiffen und Bojen angewiesen. +Wie klein die Anzahl tatsächlich war, war in der Tat überraschend. +Unsere Nationale Wetter- und Ozeanografiebehörde, auch bekannt als NOAA, hat nur 16 Schiffe und weniger als 200 Bojen ablandig weltweit. +Der Grund ist einfach: die Ozean sind ein gnadenloses Terrain. Um dort in-situ-Daten zu sammeln, braucht man große Schiffe, die viel Treibstoff und eine große Crew mitführen können. Diese kosten jeweils mehrere hundert Millionen Dollar! +Oder große Bojen, die mit einem 4 Meilen langen Kabel an den Meeresgrund gekettet und mit einem Satz Eisenbahnräder beschwert werden. +Das ist sowohl gefährlich zu installieren als auch teuer zu unterhalten. Und was ist mit Satelliten? Nun, Satelliten sind fantastisch, und sie haben uns in den vergangenen Jahrzehnten viel gelehrt über das große Ganze. +Allerdings ist das Problem mit Satelliten, dass sie nur durch einen Mikrometer der Meeresoberfläche durchsehen können Sie haben eine relativ schlechte räumliche und zeitliche Auflösung und ihre Signale müssen angepasst werden, an Wolken, an die Bodenbeschaffenheit und an andere Faktoren. +Was genau passiert also gerade in den Meeren? +Und was versuchen wir zu messen? +Wie kann dabei ein Roboter von Nutzen sein? +Zoomen wir mal auf einen kleinen Würfel im Meer. +Als ersten wichtigen Punkt wollen wir die Oberfläche besser verstehen. Die Oberfläche ist die Verbindung aller Interaktionen zwischen Luft und Wasser. +Sie ist die Schnittstelle, durch die alle Energie und Gase fliesen müssen. +Unsere Sonne strahlt Energie ab, die von den Meeren als Hitze absorbiert wird und dann teilweise wieder an die Atmosphäre abgegeben wird. +Gase in unserer Atmosphäre wie bspw. CO2 werden in unseren Meeren aufgelöst. +Tatsächlich werden ungefähr 30 Prozent des globalen CO2 absorbiert. +Plankton und Mikroorganismen geben Sauerstoff an die Atmosphäre ab, und zwar so viel, dass jeder zweite Atemzug eigentlich vom Ozean stammt. +Ein Teil dieser Hitze erzeugt Verdunstung, die Wolken verursacht und schließlich zu Niederschlag führt. +Druckgefälle erzeugt Bodenwind, der die Feuchtigkeit durch die Atmosphäre treibt. +Ein Teil der Hitze strahlt nach unten tief in den Ozean ab und wird in verschiedenen Schichten gelagert. Dabei agiert der Ozean als eine Art planetarischer Heizungskessel, um all diese Energie aufzunehmen, die später vielleicht in kurzfristigen Naturereignissen wie Hurricane oder in langfristigen Phänomenen wie El Nino freigesetzt werden. +Diese Schichten werden vermischt durch vertikal nach oben steigende oder horizontale Strömungen, die ausschlaggebend sind für den Transport der Hitze von den Tropen zu den Polen. +Und natürlich gibt es Leben im Meer, das das volumenmäßig größte Ökosystem auf dem Planeten besetzt. Angefangen von Mikroorganismen über Fische bis zu Meeressäugetieren, wie Robben, Delphine und Wale. +Aber diese sind größtenteils unsichtbar für uns. +Die Herausforderung bei der Erforschung der Meere im großen Stil ist die der Energie. Energie, die benötigt wird, um Sensoren in den Tiefen des Ozeans zu stationieren. +Viele verschiedene Lösungen wurden schon ausprobiert: Wellen angetriebenen Geräte, auf der Wasseroberfläche treibende, bis hin zu Sonnenergie betriebenen Geräten — jedes hatte bestimmte Einschränkungen. +Der Durchbruch für unser Team kam von unerwarteter Seite: Dem Weltrekordversuch eines Gefährts mit Windantrieb! +Hier stand nach 10 Jahren Forschung und Entwicklung ein neues Tragflächenkonzept zur Verfügung, das mit nur 3 Watt angesteuert werden kann und das dennoch ein Gefährt um die ganze Welt antreiben kann, mit anscheinend unbegrenzter Autonomie. +Die Adaption dieses Tragflächenkonzeptes auf Marinefahrzeuge führte zur Entstehung einer Meeresdrohne. +Nun, sie sind größer als sie hier erscheinen. +Sie sind ca. 5 Meter hoch, 7 Meter lang und 2 Meter tief. +Wie ein Satellit an der Oberfläche.. Sie sind beladen mit einer Reihe von wissenschaftlichen Sensoren, die alle wichtigen Variablen messen, und zwar die ozeanografischen und die atmosphärischen. Über eine Satelittenverbindung werden die Daten mit hoher Auflösung und in Echtzeit an Land übermittelt. +Unser Team hat die letzten Jahre hart daran gearbeitet, Missionen unter einigen der härtesten Bedingungen auf den Meeren des Planeten durchzuführen, von der Arktis bis zum tropischen Pazifik. +Wir sind den ganzen Weg bis zum polaren Schelfeis gesegelt. +Wir sind in atlantische Hurricanes hinein gesegelt. +Wir haben das Kap Horn umsegelt und sind Slalom zwischen den Ölinseln im Golf von Mexiko gesegelt. +Ein Roboter, der ganz schön was aushält! +Ich möchte Ihnen unsere jüngst Arbeit in der Nähe der Pribilof Inseln zeigen. +Das ist eine kleine Inselgruppe tief im kalten Beringmeer zwischen der USA und Russland. +Im Beringmeer ist der Alaska-Pollack zu Hause, ein Weißfisch, den Sie vielleicht nicht erkennen, aber bestimmt schon mal gegessen haben, wenn Sie Fischstäbchen oder Surimi mögen. +Ja, Surimi sieht aus wie Krabbenfleisch, es ist aber eigentlich Pollack. +Und die Pollack Fischerei ist die größte der Nation, sowohl im Wert als auch im Volumen. Circa 3,1 Mrd. Pfund Fisch werden jedes Jahr gefangen. +Über die letzten paar Jahre war eine ganze Flotte von Meeresdrohnen schwer am Arbeiten, um die Größe des Pollack Vorkommens im Beringmeer abzuschätzen. +Damit wurde das Quotensystem verbessert, mit dem die Fischerei gesteuert wird und das Überfischung verhindert und so dieses fragile Ökosystem schützt. +Die Drohnen inspizieren die Fanggründe mit Hilfe von Akustik, nämlich mit einem Sonar. +Dieses sendet Schallwellen nach unten, und diese werden als Echo der Schallwellen vom Meeresboden oder von den Fischschwärmen reflektiert, so dass wir wissen, was unter der Oberfläche vor sich geht. +Unsere Meeresdrohnen können diese sich wiederholende Aufgabe sehr gut verrichten. Daher lassen wir sie das Beringmeer im Schachbrettmuster non-stop absegeln. +Die Pribilof Inseln sind auch die Heimat einer großen Seebären-Kolonie. +In den 50er Jahren gab es ungefähr 2 Mio. Tiere in dieser Kolonie. +Leider hat der Bestand heute sehr abgenommen. +Weniger als 50 Prozent von damals sind noch übrig, und der Bestand sinkt weiter rapide. +Um den Grund zu verstehen, hat unser Forschungspartner am National Marine Mammal Labortory eine GPS-Marke an einigen der Muttertiere angebracht, festgeklebt an ihrem Fell. +Diese Marke misst den Aufenthaltsort und die Tiefe und hat sogar eine wirklich coole kleine Kamera, die von plötzlicher Beschleunigung ausgelöst wird. +Hier ein kleiner Film von einer artistisch veranlagten Robbe mit nie zuvor gesehenen Bildern einer Unterwasser-Jagd, tief im arktischen Ozean und dieser Aufnahme der Beute, eines Pollack, nur Sekunden bevor er verschlungen wird. +In der Arktis zu arbeiten, ist sehr schwierig, selbst für einen Roboter. +Sie mussten Schneestürme im August überstehen und Störungen durch Schaulustige — hier eine kleine Largha-Robbe, die Spaß am Mitfahren hat. +(Gelächter) +Über die Saison hinweg haben die Robben mit den Marken über 200.000 Tauchgänge aufgezeichnet, und sieht man näher hin, erkennt man die individuellen Bahnen und sich wiederholende Tauchgänge. +Wir sind dabei, zu entschlüsseln, was wirklich passiert in diesen Nahrungsgründen. Es ist ziemlich wundervoll. +Sobald man die akustischen Daten, die von den Drohnen gesammelt wurden, übereinander legt, ergibt sich ein Bild. +Wenn die Robben die Inseln verlassen und von links nach rechts schwimmen, kann man sehen, dass sie in einer relativ flachen Tiefe von ca. 20 Metern tauchen. Gemäß den Drohnen ist diese Tiefe von kleinen, jungen Pollacks besiedelt, die einen geringen Kaloriengehalt haben. +Im Anschluss schwimmen die Robben über wesentlich größere Entfernungen, und tauchen tiefer dorthin, wo laut den Drohnen große, erwachsene Pollacks leben, die als Fisch nahrhafter sind. +Leider verbrauchen die Muttertiere für diese Extrastrecke so viele Kalorien, dass sie nicht mehr genügend Energie haben, um ihre Jungen auf den Inseln zu säugen, was dazu führt, dass die Population weiter abnimmt. +Außerdem haben die Drohnen herausgefunden, dass die Wassertemperatur um die Insel sich signifikant erwärmt hat. +Das könnte einer der Hauptfaktoren sein, der die Pollacks nach Norden treibt, wo sie sich auf der Suche nach kälteren Regionen verteilen. +Die Daten werden laufend weiter analysiert, aber wir können bereits erkennen, das einige Rätsel-Teile des Seebären-Mysteriums gelüftet werden können. +Aber wenn man sich auf das große Ganze rückbesinnt — wir sind auch Säugetiere! +Und die Ozeane versorgen auch uns Menschen mit ca. 20 Kilo Fisch pro Mensch im Jahr. +Noch immer dezimieren wir unsere Fischbestände. Können wir Menschen nicht etwas von den Seebären lernen? +Aber es geht nicht nur um Fische! Die Ozeane haben auch Einfluss auf unser globales Wettersystem, das wiederum Dinge beeinflusst wie den globalen landwirtschaftlichen Ertrag, oder zu verheerender Vernichtung von Leben und zu Armut führen kann: durch Hurricane, extreme Hitze oder Fluten. +Unsere Ozeane sind noch ziemlich unerforscht und heute wissen wir mehr über andere Planeten als über unseren eigenen. +Aber wenn wir dieses riesige Meer in Quadrate von 6x6 Grad aufteilen, jedes ungefähr 400 Meilen lang, dann bekommt man ungefähr 1000 solcher Quadrate. +Stück für Stück und zusammen mit unseren Partnern stationieren wir gegenwärtig eine Meeres- drohne in jedem dieser Quadrate. So hoffen wir, durch die Abdeckung des ganzen Planeten bessere Einblicke in unser Planetensystem zu erhalten, das die Menschheit beeinflusst. +Wir benutzen nun schon eine Weile, Roboter, um entfernte Welten in unserem Sonnensystem zu untersuchen. +Nun ist es Zeit, unseren eigenen Planeten zu quantifizieren. Denn wir können nicht reparieren, was wir nicht messen können, und wir können uns nicht vorbereiten, auf etwas, was wir nicht kennen. +Danke. +(Applaus) + + +talks, global issues, policy, statistics, economics, global development, future, health, poverty, goal-setting, inequality, society, data +Michael Green +26946 +TED Talk Subtitles and Transcript: "Unsere Welt ist ganz nah daran, garantieren zu können, dass niemand an Hunger, Malaria oder Durchfall sterben muss", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Michael Green. Um den Fortschritt anzukurbeln, hat die UNO im Jahr 2015 einen Katalog von 17 Zielen zu wichtigen Faktoren wie Gesundheit, Bildung und Gleichberechtigung aufgestellt. In diesem Vortrag voller Fakten und Zahlen zeigt Green anhand der Ergebnisse seiner Analyse, wie weit jedes Land schon bei der Erfüllung dieser "Ziele für nachhaltige Entwicklung" (engl. Sustainable Development Goals bzw. SDGs) gekommen ist – oder auch nicht – und bietet neue Ideen, was getan werden muss, um diese Ziele zu erreichen. +Michael Green: Globale Ziele, bei denen wir Fortschritte machen – und solche, wo wir das noch nicht schaffen +2015 gaben die führenden Weltpolitiker ein großes Versprechen ab: In den nächsten 15 Jahren werde sich das Leben von Milliarden Menschen verbessern — und zwar ohne Ausnahme. +Dieses Versprechen heißt "Ziele für nachhaltige Entwicklung", kurz "SDGs". +Drei Jahre sind schon vergangen, ein Fünftel des gesamten Zeitraums. Die Uhr tickt. Wenn wir jetzt nicht am Ball bleiben, sind diese Ziele kaum noch zu erreichen. +Ich möchte heute kurz aufzeigen, wo wir momentan stehen, Ihnen einige Zukunftsprognosen geben sowie Ideen dazu, was wir anders machen sollten. +Die SDGs sind natürlich enorm kompliziert. +Das war von der UNO nicht anders zu erwarten. +(Lachen) +Wie viele Ziele sind es? Vielleicht eine geläufige Zahl wie drei, sieben oder zehn. +Nehmen wir eine Primzahl größer als zehn. 17 Ziele. Glückwunsch an alle, die schon wissen, wovon ich rede. +Für alle anderen: bitte sehr! +17 Ziele, angefangen von Armutsbekämpfung hin zu inklusiven Städten und nachhaltiger Fischerei; also ein umfassender Plan für die Zukunft unserer Welt. +Doch es ist leider ein Plan ohne messbare Ergebnisse. +Wie verfolgt man also den Fortschritt? +Ich verwende dazu den Index des sozialen Fortschritts. +Er misst die Lebensqualität der Länder, angefangen von den Grundbedürfnissen des Überlebens — Nahrung, Wasser, Obdach, Sicherheit — über die Grundlagen des Wohlbefindens — Bildung, Informationen, Gesundheit und Umwelt — bis hin zu den Chancen — Rechte, Wahlfreiheit, Inklusion und Zugang zu höherer Bildung. +Der Index des sozialen Fortschritts ist nicht dasselbe wie die SDGs, misst aber im Prinzip dieselben Konzepte und stellt uns zum Glück Daten zur Verfügung. +Wir haben 51 Indikatoren aus zuverlässigen Quellen, um diese Konzepte zu messen. +Und da es sich um einen Index handelt, können wir die Indikatoren zu einem Gesamtwert addieren und unsere Leistung mit dem Gesamtpaket der SDGs vergleichen. +Mit einem Vorbehalt: Der Index des sozialen Fortschritts misst Lebensqualität, nicht die Erreichbarkeit der Ziele im ökologischen Rahmen unserer Erde. +Dazu braucht man andere Werkzeuge. +Wie sieht es also bei den SDGs aus? +Ich stelle die SDGs in eine Skala von 0 bis 100. +Null ist bei jedem der 51 Indikatoren der schlechteste Wert — absoluter sozialer Fortschritt: null. +100 ist der Minimalstandard, um die SDGs zu erfüllen. +Diese 100 wollen wir bis 2030 erreichen. +Und wo haben wir einmal angefangen? +Zum Glück nicht bei null. +2015 lag der weltweite SDG-Wert bei 69,1. +Nicht schlecht, aber noch weit weg vom Ziel. +Diese weltweite Vorhersage, die sich auf Daten von 180 Ländern stützt, gewichtet sich nach Bevölkerung. +China hat mehr Gewicht als die Komoren, Indien mehr als Island. +Wir könnten das miteinbeziehen und uns einzelne Länder anschauen. +Der Zielerfüllung am nächsten kommt aktuell Dänemark. +Das Land ganz unten auf der Skala ist die Zentralafrikanische Republik. +Die anderen sind irgendwo dazwischen. +Die Herausforderung ist es also, bis 2030 all diese SDG-Werte nach rechts auf 100 zu bringen. +Ist das zu schaffen? +Der Index des sozialen Fortschritts gibt uns Zeitreihen-Daten. +Wir bekommen so eine Vorstellung der Trends in einzelnen Ländern, die uns Prognosen erlauben. +Schauen wir einmal. Zunächst: der Spitzenreiter Dänemark. +Es freut mich, dass Dänemark die SDGs voraussichtlich bis 2030 erreicht. +Das ist wohl nicht überraschend, aber ich wette mal darauf. +Nun ein Blick auf einige andere reiche Länder der Erde, die G7. +Wir sehen, dass Deutschland und Japan das Ziel wohl annähernd erreichen werden. +Aber Kanada, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien schaffen das vermutlich nicht. Und die USA? Sie liegen um einiges zurück. +Das ist ziemlich besorgniserregend. +Aber das sind die reichsten Länder der Erde, nicht die bevölkerungsreichsten. +Schauen wir uns also die größten Länder der Erde an, die das Erreichen der SDGs am meisten beeinflussen. +Hier sind sie: Länder mit über 100 Millionen Einwohnern von China bis Äthiopien. +Die USA und Japan gehören natürlich auch dazu, doch die wurden schon erwähnt. +Hier sind sie also, die größten Länder der Welt, die K.-o.-Kriterien für die SDGs. +Das Land, das bei den SDGs die meisten Fortschritte machen wird, ist Mexiko. +Mexiko schafft es wohl bis circa 87, verfehlt die USA damit nur knapp, ist aber noch recht weit vom Ziel entfernt. Dann kommen Russland, China und Indonesien. +Dann Brasilien — von Brasilien hätte ich mehr erwartet. +Jetzt die Philippinen, dann mit gewissem Abstand Indien, Bangladesch, Pakistan, Nigeria und dann Äthiopien. +Keines dieser Länder schafft die SDGs. +Wir können diese Zahl nun für alle Länder anwenden, um eine weltweite Prognose für das Gesamtpaket der SDGs zu erhalten. +2015 begannen wir bekanntlich bei 69,1. +Schön, dass wir in den letzten drei Jahren Fortschritte gemacht haben. +2018 lagen wir bei 70,5 und wenn wir dieses Tempo bis 2030 beibehalten, erreichen wir 75,2. Das ist offensichtlich sehr weit vom Ziel entfernt. +Laut aktueller Trends erreichen wir die Ziele von 2030 tatsächlich erst 2094. +Ich weiß nicht, was Sie denken, aber ich will sicher nicht so lange warten. +Was können wir tun? Als Erstes müssen wir an die reichen Länder appellieren. +Diese Länder sind den SDGs am nächsten, mit den größten Ressourcen — und sie schaffen es nicht. +Vielleicht glauben sie: "Das ist die Alte Welt, hier gelten UN-Ziele nur für arme Länder und nicht für uns." Das ist falsch. +Die SDGs gelten für jedes Land und es ist blamabel, dass die reichen Länder versagen. +Jedes Land braucht einen Plan, um die SDGs für seine Bürger umzusetzen. +G7 und andere reiche Länder: Reißt euch zusammen! +Als Zweites sollten wir uns die Daten etwas genauer ansehen, um festzustellen, wo man Fortschritte beschleunigen kann oder sich negative Trends umkehren lassen. +Da gibt es drei Bereiche. +In einem sind wir recht erfolgreich, im zweiten sollten wir besser werden und im dritten haben wir echte Probleme. +Zuerst die gute Nachricht zu den Themen Ernährung und medizinische Grundversorgung. +Das betrifft SDG 2 zum Thema Hunger und die Grundelemente von SDG 3 zur Gesundheit, also Mütter- und Kindersterblichkeit, ansteckende Krankheiten usw. Hier haben die meisten reichen Länder die SDG-Ziele erreicht. +Und die fortgeschrittensten großen Länder sind schon ziemlich nahe dran. +Hier sind unsere elf großen Länder. Ein Blick auf die Spitze zeigt: Brasilien und Russland sind fast am Ziel. +Aber die Schlusslichter Äthiopien und Pakistan haben es noch weit. +Das ist der Stand 2018. +Wie ist der Verlauf? +Wie weit kommen wir bis 2030 bei der derzeitigen Entwicklung? Schauen wir mal. Es gibt große Fortschritte. +Hier Bangladesch in der Mitte. +Wenn Bangladesch sein momentanes Fortschrittstempo hält, könnte es dem SDG-Ziel sehr nahe kommen. +Und Äthiopien ganz unten macht zurzeit riesige Fortschritte. +Wenn Äthiopien so weitermacht, schafft es ein großes Stück. +Wir addieren all das für alle Länder der Welt und prognostizieren bis 2030 einen Wert von 94,5. +Wenn Länder mit langsamerem Wachstum wie die Philippinen zulegen könnten, kämen wir dem Ziel noch viel näher. +Bei den SDGs 2 und 3 dürfen wir also optimistisch sein. +Aber bei anderen grundlegenden SDGs schneiden wir schlechter ab, nämlich bei SDG 6 zum Thema Wasser und Kanalisation. +Auch hier haben die meisten reichen Länder ihre Ziele bereits erreicht. +Und bei den großen Ländern, den elf großen Schwellenländern, sind einige wie Russland und Mexiko ziemlich nah am Ziel. Aber Nigeria und andere Länder liegen sehr weit zurück. +Was ist also der Stand hier? +Welche Fortschritte machen wir in den nächsten zwölf Jahren, gemessen am derzeitigen Verlauf? +Los geht 's: Ja, es gibt Fortschritte. +Alle vier Spitzenreiter erreichen die SDG-Ziele — manche sogar ziemlich schnell. +Doch das reicht nicht, um uns deutlich vorwärts zu bringen. +Unsere Vorhersage für die Welt insgesamt ist ein Wert von 85 bis 86 für das Jahr 2030. +Das ist zu langsam. Das sind keine guten Nachrichten, aber die Daten zeigen auch, dass wir das viel besser könnten. +Das Problem Wasser und Kanalisation ist gelöst. +Diese Lösung muss aber überall zur Norm werden. +Könnten wir den Fortschritt in Ländern beschleunigen, wo es langsamer vorangeht — Nigeria, die Philippinen usw. —, kämen wir dem Ziel viel näher. +SDG 6 bietet wohl von allen SDGs die beste Chance, um einen großen Schritt voranzukommen. +Hier könnten wir mehr leisten. +Zum Schluss ein Gebiet, wo wir zu kämpfen haben: Persönlichkeitsrechte und Inklusion. +Hier geht es um eine ganze Reihe von SDGs: SDG 1 zur Armut, SDG 5 zur Gleichstellung der Geschlechter, SDG 10 zur Ungleichheit, SGD 11 zu inklusiven Städten und SDG 16 zu Frieden und Gerechtigkeit. +Bei all diesen SDGs gibt es Themen wie Rechte und Inklusion, die nicht so unmittelbar und drängend erscheinen wie etwa Hunger und Krankheit. +Aber Rechte und Inklusion sind essentiell für einen Themenkatalog, der niemanden ausgrenzen soll. +Wie weit sind wir hier? Zunächst die Persönlichkeitsrechte. Als Erstes ein Blick auf unsere großen Länder im Jahr 2015. +Hier sind sie, einschließlich der USA und Japan, also die 13 größten Länder der Welt. +Wir sehen eine breite Streuung. +Die USA sind an der Spitze, Japan hat es auch geschafft; China liegt weit hinten. +Was wurde beim Katalog der Rechte in den letzten drei Jahren erreicht? Schauen wir mal. Das Ergebnis ist ziemlich niederschmetternd. +Die meisten Länder stagnieren oder machen Rückschritte. +In großen Ländern wie Brasilien, Indien, China, Bangladesch hat sich die Lage erheblich verschlechtert. Das ist beunruhigend. +Nun zum Thema Inklusion. Hier geht es um Dinge wie Gewalt und Diskriminierung von Minderheiten, Geschlechtergleichheit, Inklusion von LGBT usw. Wir sehen, dass die Werte der großen Länder generell niedriger sind. +Jedes Land, ob reich oder arm, kämpft für die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft. +Doch wohin führt uns dieser Weg? Werden Gesellschaften inklusiver? Hier die Fortschritte bis 2018. +Wieder sehen wir: Das Rad dreht sich zurück. +Die meisten Länder stagnieren, viele machen Rückschritte — Bangladesch zum Beispiel —, aber auch zwei der einst führenden Nationen, Brasilien und die USA, haben in den letzten drei Jahren erhebliche Rückschritte gemacht. +Nun ein Fazit für die Welt als Ganzes. +Zum Thema persönliche Rechte weltweit prognostizieren wir derzeit einen Rückgang des Werts auf circa 60, beim Thema Inklusion einen Rückgang des Werts auf etwa 42. Das kann sich allerdings schnell ändern — infolge von Rechten, Gesetzesänderungen oder Gesinnungswandel —, aber wir müssen akzeptieren: Bei der heutigen Lage ist das wohl der beunruhigendste Aspekt der SDGs. +Habe ich Sie deprimiert? +(Lachen) +Hoffentlich nicht, denn offensichtlich gibt es doch vielerorts Fortschritte und auch Möglichkeiten, um den Fortschritt zu beschleunigen. +Wir sind ganz nah dran zu garantieren, dass niemand an Hunger, Malaria oder Durchfall sterben muss. +Wenn wir unsere Anstrengungen bündeln, Ressourcen ausschöpfen, den politischen Willen mobilisieren, können wir einen großen Schritt nach vorne tun. +Doch über den wesentlichen, lösbaren SDGs darf man das Gesamtpaket nicht vergessen. +Die Ziele sind ein starrer Kanon von Indikatoren und Vorgaben, beinhalten aber auch die aktuellen Herausforderungen unserer Welt. +Die SDGs sind ein Fingerzeig auf eine Krise bei Persönlichkeitsrechten und Inklusion. Das ist positiv. Wenn wir das vergessen und uns stattdessen stärker auf die lösbaren SDGs konzentrieren, wenn wir SDGs à la carte wollen und uns die einfachsten heraussuchen, dann haben wir das Wesentliche der SDGs nicht begriffen: Wir werden die Ziele verfehlen und am Versprechen der SDGs scheitern. +Danke. +(Applaus) + + +talks, biology, bacteria, science, microbiology, medical research, pharmaceuticals, disease, medicine, health, virus, illness, innovation, biotech +Alexander Belcredi +27105 +TED Talk Subtitles and Transcript: Über Viren wird viel schlechtes gesagt -- aber einige könnten eines Tages Ihr Leben retten, behauptet der Biotechnologie-Unternehmer Alexander Belcredi. In diesem faszinierenden Vortrag klärt er über Phagen auf: die natürlichen Viren, die schädliche Bakterien präzise abtöten können. Er zeigt, wieso diese ehemals vergessenen Organismen eine neue Hoffnung im Kampf gegen multiresistente Keime darstellen. +Alexander Belcredi: Wie ein vergessener Virus die Krise der Multiresistenz lösen könnte +Nehmen Sie sich einen Moment und denken Sie an einen Virus. +Was fällt Ihnen dazu ein? Krankheit? Angst? Vermutlich etwas Unangenehmes. Dennoch sind Viren nicht alle gleich. +Einige verursachen verheerende Krankheiten. +Doch andere tun genau das Gegenteil: sie können Krankheiten heilen. +Diese Viren heißen "Phagen". +Das erste Mal hörte ich 2013 von ihnen. +Mein Schwiegervater, ein Chirurg, erzählte mir von seiner Patientin. +Die Frau hatte eine Knieverletzung, brauchte mehrere Eingriffe, und im Laufe dieser bekam sie eine chronische, bakterielle Infektion in ihrem Bein. +Leider sprachen die Bakterien, welche die Infektion verursachten, auf kein verfügbares Antibiotikum an. +An diesem Punkt ist Amputation normalerweise die einzige Lösung, um die Ausbreitung der Infektion aufzuhalten. +Mein Schwiegervater suchte verzweifelt nach einer anderen Lösung und beantragte eine experimentelle Behandlungsmethode mit Phagen. Wissen Sie was? Es funktionierte. Drei Wochen nach der Behandlung mit Phagen war die chronische Infektion geheilt, wo zuvor kein Antibiotikum gewirkt hatte. +Ich war fasziniert von diesem komischen Konzept: Viren heilen eine Infektion. +Bis heute fasziniert mich das medizinische Potenzial der Phagen. +Tatsächlich kündigte ich letztes Jahr meinen Job, um ein Biotech-Unternehmen zu gründen. +Was ist eine Phage? Dieses Bild wurde mit Hilfe eines Elektronenmikroskops aufgenommen. +Das bedeutet, was wir hier sehen ist in Wirklichkeit extrem klein. +Das körnige Ding in der Mitte, mit dem Kopf, dem langen Körper und einigen Beinchen — das ist eine prototypische Phage. +In gewisser Weise süß. +(Lachen) +Betrachten Sie Ihre Hand. Unser Team schätzt, dass Sie mehr als 10 Milliarden Phagen auf jeder ihrer Hände haben. +Was haben sie dort zu suchen? +(Lachen) +Viren sind gut im Infizieren von Zellen. +Phagen sind super im Infizieren von Bakterien. +Ihre Hand, wie ein großer Teil unseres Körpers, ist eine Brutstätte für bakterielle Aktivität, was sie zum perfekten Jagdrevier für Phagen macht. +Denn schließlich jagen Phagen Bakterien. +Es ist wichtig zu wissen, dass Phagen extrem selektive Jäger sind. +Typischerweise infiziert eine Phage nur eine einzige Bakterienart. +Die Phage in dieser Darstellung jagt ein Bakterium namens Staphylococcus aureus, das in seiner medikamentenresistenten Form als MRSA bekannt ist. +Es verursacht Haut- oder Wundinfektionen. +Die Phage jagt mit ihren Beinchen. +Die Beinchen sind eigentlich hoch-empfindliche Rezeptoren, die die richtige Oberfläche auf einer Bakterienzelle suchen. +Sobald sie die finden, hängt sich die Phage an die Zellwand des Bakteriums und injiziert ihre DNA. +Die DNA sitzt im Kopf der Phage und wandert durch den langen Körper in das Bakterium. +An diesem Punkt reprogrammiert die Phage das Bakterium, sodass es viele neue Phagen produziert. +Das Bakterium wird somit zur Phagen-Fabrik. +Sobald sich in etwa 50-100 Phagen in der Bakterienzelle angesammelt haben, können die Phagen ein Protein freisetzen, das die Zellwand des Bakteriums zerstört. +Das Bakterium platzt, die Phagen schwärmen aus und jagen nach einem neuen infizierbaren Bakterium. +Verzeihung, das klang wahrscheinlich nach einem gruseligen Virus. +Aber es ist genau diese Fähigkeit der Phagen — die Vermehrung im Bakterium und es dann zu töten — die sie aus medizinischer Sicht so interessant macht. +Was ich außerdem extrem interessant finde, ist der Umfang in dem dies geschieht. +Vor nur fünf Jahren hatte ich keine Ahnung von Phagen. +Heute würde ich sagen, dass sie Teil eines natürlichen Prinzips sind. +Phagen und Bakterien gehen auf die ersten Tage der Evolution zurück. +Sie haben immer zusammen existiert und einander unter Kontrolle gehalten. +Es ist die Geschichte von Yin und Yang, dem Jäger und der Beute, auf mikroskopischem Niveau. +Einige Wissenschaftler schätzen sogar, dass Phagen die zahlreichsten Organismen auf unserem Planeten sind. +Bevor wir also weiter über ihr medizinisches Potenzial sprechen, sollte jeder etwas über Phagen und ihre Rolle auf der Erde wissen: sie jagen, infizieren und töten Bakterien. +Wie kommt es, dass es etwas gibt, das in der Natur so gut funktioniert, täglich um uns herum passiert, und doch existiert in meisten Teilen der Welt kein Medikament, dass dieses Prinzip gegen bakterielle Infektionen einsetzt? +Die einfache Antwort: Bisher hat noch niemand ein solches Medikament entwickelt. Zumindest keines, das westlichen Regulierungen standhält, die die Norm für viele Länder setzen. +Um zu verstehen warum, müssen wir in der Zeit zurückreisen. +Das ist ein Bild von Félix d 'Herelle. +Die Entdeckung der Phagen wird ihm und einem zweiten Forscher zugeschrieben. +Nur, dass er, als er sie 1917 entdeckte, keine Ahnung hatte, was er da entdeckt hatte. +Er war an der Bakterienruhr interessiert. Einer bakterielle Infektion, die starken Durchfall verursacht und damals vielen Menschen das Leben kostete, da es noch kein Heilmittel für bakterielle Infektionen gab. +Er untersuchte Proben von Patienten, die diese Krankheit überlebt hatten. +Und er entdeckte, dass etwas Merkwürdiges passierte. +Etwas in den Proben tötete die Bakterien, die die Krankheit angeblich verursachten. +Um herauszufinden, was los war, machte er ein geniales Experiment. +Er nahm die Probe, filterte sie so lange bis er sicher war, dass nur etwas sehr Kleines übrig bleiben konnte, nahm dann einen kleinen Tropfen und gab ihn zu frisch gezüchteten Bakterien. +Er beobachtete, dass innerhalb einiger Stunden die Bakterien getötet worden waren. +Er wiederholte den Vorgang: filtern, einen kleinen Tropfen nehmen, ihn zu dem nächsten Schwung Bakterien dazugeben. +Er wiederholte dies 50 Mal, immer mit dem selben Effekt. +An diesem Punkt zog er zwei Schlussfolgerungen. +Erstens, das Offensichtliche: ja, etwas tötete die Bakterien und es war in der Flüssigkeit. +Das Andere: es musste biologisch sein, weil ein kleiner Tropfen reichte, um eine große Auswirkung zu haben. +Er nannte den gefundenen Wirkstoff: "unsichtbare Mikrobe" und nannte sie "Bakteriophage", was wörtlich übersetzt "Bakterienfresser" heißt. Das ist übrigens eine der grundlegendsten Entdeckungen der modernen Mikrobiologie. +So viele moderne Verfahren gründen in unserem Verständnis über Phagen — im Genome Editing und auch in anderen Bereichen. +Gerade heute war die Ausschreibung des Nobel Preis für Chemie für zwei Wissenschaftler, die mit Phagen arbeiten und Medikamente entwickeln. +In den 1920er und 1930er Jahren erkannten die Menschen das medizinische Potenzial der Phagen. +Schließlich, obgleich unsichtbar, hatte man etwas, das Bakterien verlässlich tötete. +Unternehmen, die es heute noch gibt, wie Abbott, Squibb oder Lilly, verkauften Phagen-Präparate. +Doch der Weg von einer unsichtbaren Mikrobe zu einem verlässlichen Medikament ist sehr schwer. +Man stelle sich die Arzneimittelbehörde vor, wenn Sie denen von einem unsichtbaren Virus erzählen, den Sie Patienten geben wollen. +Als chemische Antibiotika in den 1940ern herauskamen, veränderten sie alles. +Und er spielte eine wichtige Rolle. +Das ist Alexander Fleming. Er bekam den Nobel Preis für Medizin für seinen Beitrag zur Entwicklung des ersten Antibiotikums, Penizillin. +Antibiotika und Phagen funktionieren sehr unterschiedlich. +Der Großteil hemmt das Wachstum von Bakterien und es ist ihnen egal, welche Art von Bakterien das sind. +Die sogenannten Breitbandantibiotika helfen sogar gegen eine ganze Reihe von Bakterien. +Verglichen mit Phagen, die sehr spezifisch gegen eine Art von Bakterien wirken, ist das ein offensichtlicher Vorteil. +Das muss damals gewesen sein, wie ein wahr-gewordener Traum. +Einem Patienten mit Verdacht auf eine bakterielle Infektion gab man ein Antibiotikum und ohne mehr über die Bakterien wissen zu müssen, welche die Krankheit verursachten, genasen viele der Patienten. +Während wir also immer mehr Antibotika entwickelten wurden sie, zu Recht, die Standardtherapie für bakterielle Infektionen. +Sie haben unglaublich zu unserer Lebenserwartung beigetragen. +Heute können wir komplexe medizinische Eingriffe und Operationen nur wegen Antibiotika durchführen, ohne zu riskieren, dass der Patient am nächsten Tag an einer bakteriellen Infektion stirbt. +Also haben wir Phagen, vor allem in der westlichen Medizin, vergessen. +Die Vorstellung während meiner Kindheit war großteils: Wir haben mit Antibiotika die Lösung für bakterielle Infektionen gefunden. +Heute wissen wir natürlich, dass das falsch ist. +Die meisten haben schon von Superbazillen gehört. +Das sind Bakterien, die resistent sind gegen viele, wenn nicht alle, der existierenden Antibiotika zur Behandlung dieser Infektion. +Wie ist es so weit gekommen? +Tja, wir waren nicht so schlau, wie wir dachten. +Wir begannen Antibiotika überall zu verwenden — in Kliniken, zur Behandlung und Vorbeugung; privat, gegen Erkältungen; auf Farmen, um die Tiere gesund zu halten — und die Bakterien passten sich an. +Den Angriff von Antibiotika, die sie überall umgaben, überlebten nur jene Bakterien, die sich am besten anpassten. +Heute nennen wir sie "multiresistente Bakterien". Ich präsentiere Ihnen eine verstörende Zahl. +Laut einer aktuellen Studie der britischen Regierung wird geschätzt, dass bis 2050 jährlich 10 Millionen Menschen an multiresistenten Infektionen sterben könnten. +Verglichen mit den heutigen 8 Millionen Krebstoten pro Jahr, ist das eine beängstigende Zahl. +Die gute Nachricht ist, dass Phagen immer noch da sind. +Und ich sage Ihnen, Multiresistenz kann sie nicht beeindrucken. +(Lachen) +Sie töten und jagen immer noch gerne die Bakterien um uns herum. +Und sie sind selektiv geblieben, was heute eine sehr gute Sache ist. +Wir können ein bakterielles Pathogen, dass eine Entzündung verursacht, in vielen Umgebungen verlässlich identifizieren. +Ihre Selektivität wird uns helfen, Nebenwirkungen zu vermeiden, die häufig mit Breitbandantibiotika in Verbindung gebracht werden. +Die wahrscheinlich beste Nachricht ist: sie sind nicht länger unsichtbar. +Wir können sie uns ansehen. +Das haben wir gemeinsam getan. +Wir können ihre DNA sequenzieren. +Wir verstehen wie sie sich vermehren und kennen die Grenzen. +Wir sind auf dem Weg, starke und verlässliche Phagen-basierte Arzneimittel zu entwickeln. +Und das passiert auf der ganzen Welt. +Mehr als 10 Biotech-Unternehmen, unseres eingeschlossen, entwickeln Human-Phagen-Anwendungen gegen bakterielle Infektionen. +Einige klinische Studien werden in den USA und Europa in die Wege geleitet. +Ich bin überzeugt: wir sind am Rande einer Renaissance der Phagen-Therapie. +Für mich sieht die richtige Weise Phagen abzubilden so aus. +(Lachen) +Für mich sind Phagen die Superhelden, auf die wir gewartet haben, in unserem Kampf gegen multiresistente Infektionen. +Wenn Sie also das nächste Mal an einen Virus denken, denken Sie an dieses Bild. +Schließlich könnte eine Phage eines Tages ihr Leben retten. +Danke. +(Applaus) + + +talks, collaboration, business, personal growth, communication, social change, politics, society +Julia Dhar +27383 +TED Talk Subtitles and Transcript: An manchen Tagen scheint es, als könnten wir uns nur darauf einigen, dass wir uns nicht einig werden können. Anhand ihrer Erfahrungen als Weltmeisterin im Debattieren bringt Julia Dhar ihrem Publikum drei Techniken näher, wie sich die Art, miteinander zu sprechen, so verändern lässt, dass wir uns produktiv widersprechen und Gemeinsamkeiten finden können – beim Familienessen, bei dienstlichen Besprechungen und in der öffentlichen Diskussion. +Julia Dhar: Wie man produktiv widerspricht und Gemeinsamkeiten findet +An manchen Tagen fühlt es sich an, als könnten wir uns nur darauf einigen, dass wir uns auf nichts einigen können. +Der öffentliche Diskurs schlägt fehl. +Wir nehmen das überall wahr: Im Fernsehen schreit man sich gegenseitig an. Wir gehen online auf die Suche nach Gemeinschaft und Bindung, beenden diese Suche dann aber verärgert und befremdet. +Vermutlich weil alle anderen so schreien, haben wir im täglichen Leben so große Angst davor, uns zu streiten, dass wir uns erst gar nicht darauf einlassen. +Geringschätzung verdrängt das Gespräch. +Meine Lebensaufgabe besteht darin, uns zu helfen, produktiv zu widersprechen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und neue Ideen ins Leben zu rufen. +Ich denke — ich hoffe, es gibt eine Möglichkeit, sich bewusst zu widersprechen. Diese basiert auf gegenseitigem Respekt und setzt den natürlichen Drang voraus, zu überzeugen und sich überzeugen zu lassen. +Folgen Sie mir ein Stück in die Vergangenheit. +Im Alter von 10 Jahren liebte ich Streitgespräche: diese irgendwie verlockende Aussicht, jemanden von seinem Standpunkt überzeugen zu können, lediglich mit der Macht der Worte. +Es überrascht wohl kaum, dass meine Eltern und Lehrer davon weniger begeistert waren. +(Lachen) +Genauso wie sie entschieden, die 4-jährige Julia solle durch Gymnastik überschüssige Energie loswerden, entschieden sie auch, die Teilnahme an einem Debattierklub wäre nützlich. +Ich sollte also irgendwo streiten, wo sie nicht dabei waren. +(Lachen) +Für die Unwissenden: Eine formale Debatte zu führen ist wirklich einfach: Eine Ansicht wird geäußert — etwa, dass wir zivilen Ungehorsam, oder den freien Handel befürworten —, eine Gruppe von Leuten spricht sich dafür aus und eine dagegen. +In meiner ersten Debatte in der riesigen Aula der Mädchenschule in Canberra präsentierte ich eine Mischung der schlimmsten Fehler, die man auf Nachrichtenkanälen findet. +Es war leichter, den Urheber eines Arguments anzugreifen, als den Inhalt der Argumente infrage zu stellen. +Als selbiger meine Ansichten anfocht, fühlte sich das furchtbar an. +Ich fühlte mich gedemütigt und beschämt und hatte das Gefühl, die intelligente Reaktion darauf sollte so extrem wie möglich ausfallen. +Trotz dieses wackeligen Einstiegs in die Debattierwelt war ich begeistert. +Ich sah die Möglichkeiten, arbeitete jahrelang hart daran und wurde zur wahren Expertin in der Debattierkunst. +Dann gewann ich dreimal die Schulweltmeisterschaft im Debattieren. +Aha, Sie merken gerade erst, dass es so etwas gibt. (Lachen) Aber erst, als ich anfing, Redner zu coachen, wahre Überredungskünstler der Spitzenklasse, wurde es mir klar: Man erreicht Menschen, indem man Gemeinsamkeiten findet. +Man trennt Ansichten von Personen und ist wirklich bereit, sich überzeugen zu lassen. +Debattieren ist eine Möglichkeit, Gespräche darüber, wie die Welt ist, sein könnte oder sein sollte, aufzubauen. +Um es anders zu formulieren: Ich biete Ihnen meinen empirisch erprobten Leitfaden dazu, wie Sie sich beim nächsten Familienessen mit Ihrem Cousin über Politik unterhalten. Dabei würde ich umstrukturieren, wie Ihr Team neue Vorschläge diskutiert — mit Augenmerk darauf, wie wir das öffentliche Gespräch verändern. +Als Einstieg hierzu: Beim Debattieren müssen wir uns mit zwiespältigen Ideen auseinandersetzen, direkt, respektvoll und persönlich. +Grundlage für eine Debatte ist die Gegendarstellung: Sie behaupten etwas, ich erwidere, und Sie gehen dann auf meine Antwort ein. +Ohne Widerlegung ist es keine Debatte, sondern Dogmatismus. +Ursprünglich ging ich davon aus, dass die erfolgreichsten Redner — exzellente Überredungskünstler — großartige Grenzgänger sein müssen und ein magisches Talent haben, Spaltendes angenehm erscheinen zu lassen. +Es dauerte wirklich lange, bis ich feststellte, dass das Gegenteil der Fall war. +Leute, die am produktivsten widersprechen, finden zuerst Gemeinsamkeiten, egal auf welch schmalem Grad. +Sie identifizieren das, worin wir uns einig sind, und setzen dort an: das Recht auf Unterricht, Gleichheit unter den Menschen, die Wichtigkeit sicherer Gesellschaften. +Sie laden uns dazu ein, an der sogenannten "gemeinsamen Wirklichkeit" teilzunehmen. +Gemeinsame Wirklichkeit ist das Gegenmittel zu alternativen Fakten. +Natürlich bleibt der Konflikt. +Deswegen ist es eine Debatte. +Erst durch die gemeinsame Wirklichkeit können wir darüber reden. +Der Clou beim Debattieren ist, dass man es letztlich direkt macht — von Angesicht zu Angesicht am Verhandlungstisch. +Die Forschung bestätigt, dass das auch wirklich zählt. +Frau Prof. Juliana Schröder und ihre Kolleginnen an der UC Berkley stellten in ihren Forschungen fest, dass das Zuhören einer Stimme, die gerade ein heikles Argument präsentiert, wahrhaftig vermenschlichend wirkt. +Was die Person zu sagen hat, wird damit zugänglicher. +Halten Sie also Abstand von der Tastatur. Unterhalten Sie sich. Und wenn wir dabei sind, den Begriff ein wenig zu erweitern, hält uns nichts davon ab, bei endlosen Grundsatzreden den Pausenknopf zu drücken, den Ablauf einer förmlichen Podiumsdiskussion zu verändern und einiges davon durch eine strukturierte Debatte zu ersetzen. +All unsere Tagungen könnten in ihrem Herzstück eine Debatte über die größten, umstrittensten Themen des Fachs haben. +Jedes unserer wöchentlichen Meetings könnte sich für 10 Minuten einer Debatte um einen Änderungsvorschlag zur Arbeitsweise des Teams widmen. +So bahnbrechend Ideen sein können — diese hier ist einfach und kostenlos. +Sie könnten morgen anfangen. (Lachen) Befinden wir uns einmal in dieser geteilten Wirklichkeit, fordert Debattieren auch die Trennung von Ansichten und den Personen, die sie diskutieren. +Im formellen Debattieren werden nur umstrittene Punkte thematisiert: Das Wahlalter soll erhöht, Glücksspiel verboten werden. +Aber Debattierende entscheiden sich für keine Seite. +Deshalb ist es sinnlos, es wie die zehnjährige Julia zu machen: Den Urheber eines Arguments infrage zu stellen, tut nichts zur Sache, weil er sich das nicht ausgesucht hat. +Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, sich mit der besten, verständlichsten und unpersönlichsten Version der Ansicht zu befassen. +Es mag unmöglich oder naiv klingen, sich vorzustellen, dass man diese Ansicht jemals außerhalb der Schulaula vertritt. +Wir verbringen so viel Zeit damit, Ideen als links oder rechts zu verwerfen. +Wir weisen Vorschläge zurück, weil sie etwa von der Zentrale oder einem Ort kommen, den wir anders als den unseren wahrnehmen. Aber es geht. Wenn ich mit Teams versuche, eine neue, großartige Idee zu entwickeln oder ein komplexes Problem zu lösen, bitte ich zuerst alle Mitglieder, anonym Ideen zu übermitteln. +Zur Veranschaulichung: Vor zwei Jahren arbeitete ich mit verschiedenen Regierungsbehörden, um neue Lösungen gegen die Langzeitarbeitslosigkeit zu entwickeln — eines dieser wirklich üblen, heiklen, gut erforschten Probleme der öffentlichen Ordnung. +Genau wie beschrieben werden gleich am Anfang mögliche Lösungen von allen Seiten eingefangen. +Wir tragen sie zusammen und drucken jede auf identische Schablonen. +Zu dem Zeitpunkt sehen alle gleich aus — sie haben keine getrennten Identitäten. +Dann natürlich werden sie diskutiert, überholt, verfeinert, abgeschlossen. +Am Ende werden über 20 dieser Ideen den Ministern präsentiert, die sich damit auseinandersetzen. +Bei der Hälfte der Fälle ist der Urheber jemand, der ansonsten kaum Gehör bei einem Politikberater gefunden hätte oder der wegen seiner Herkunft nicht ernst genommen worden wäre: Leute, die Anrufe entgegennehmen, Sekretärinnen, die Zeitpläne erstellen, Vertreter von Agenturen, denen man nicht immer vertraut hat. +Was, wenn unsere Nachrichtenmedien das Gleiche täten? +Stellen Sie sich vor: eine wöchentliche Nachrichtensendung mit einem großen politischen Vorschlag, den man weder als liberal noch als konservativ bezeichnet. +Oder eine Reihe von Zeitungskommentaren für und gegen eine große Idee, bei der nicht erwähnt wird, wo die Autoren arbeiten. +Unsere öffentlichen Gespräche, selbst private Unstimmigkeiten, können wir durch Debattieren unserer Ansichten statt durch die Diskussion von Identität ändern. +Dann erlaubt uns das Debattieren als Menschen, uns selbst einzugestehen, dass wir falschliegen könnten. +Die Demut gegenüber der Ungewissheit. +Ein Grund, warum es schwer ist, produktiv zu widersprechen, ist, dass wir gern an unseren Ideen festhalten. +Wir fangen an zu glauben, dass wir sie besitzen und dass im weiteren Sinne sie uns besitzen. +Aber wenn Sie letztlich lange genug debattieren, wechseln Sie die Seiten. Sie sprechen sich für und gegen die Erweiterung des Wohlfahrtsstaates aus. +Für und gegen Wahlpflicht. +Diese Übung aktiviert eine Art Hebel in Ihrem Denken. +Ihr Verdacht gegenüber Menschen, die eine andere Meinung als die Ihre vertreten, beginnt zu schwinden, weil Sie sich vorstellen können, in ihrer Haut zu stecken. +Während Sie das tun, erfahren Sie Demut gegenüber der Ungewissheit, die Möglichkeit, falschzuliegen. +Genau diese Demut lässt uns bessere Entscheidungen treffen. +Neurowissenschaftler und Psychologe Mark Leary und seine Kollegen von der Duke University fanden heraus, dass Leute, die das üben können — es ist eine Fähigkeit —, was diese Forscher intellektuelle Demut nennen, eine breite Palette an Anhaltspunkten weit besser beurteilen können, dabei objektiver sind und sich bei widersprüchlichen Aussagen weniger angegriffen fühlen. +All die Eigenschaften, die wir uns von unseren Vorgesetzten, Kollegen, Diskussionspartnern und Entscheidungsträgern wünschen, all die Tugenden, die wir uns gerne selbst zuschreiben würden. +Wenn wir also diese Demut gegenüber der Ungewissheit annehmen, sollten wir uns alle gegenseitig eine Frage stellen. +Auch unsere Moderatorinnen und Nachrichtensprecher sollten sie unseren Wahlvertreterinnen und Kandidaten stellen: "Was hat sich an Ihrer Haltung geändert? Und warum hat es sich geändert? Welche Ungewissheit erfüllt Sie mit Demut?" Nur nebenbei, das ist kein Hirngespinst darüber, wie öffentliches Leben und öffentliche Debatten funktionieren könnten. Dazu gibt es eine Vorgeschichte. +Im Jahr 1969 saß der beliebte US-Kinderfernsehmoderator Rogers als Geschworener im US-Kongress vor dem Unterausschuss für Kommunikation, der unter dem Vorsitz des scheinbar ziemlich griesgrämigen John Pastore stand. +Rogers beabsichtigte, klassisch zu debattieren. Er macht den waghalsigen Vorschlag, die Bundesfinanzierung des öffentlichen Rundfunks zu erhöhen. +Zu Beginn hatte Ausschussvorsitzender Senator Pastore dafür nichts übrig. +Es schien für Rogers nicht gut auszugehen. +Aber Rogers erklärte geduldig und vernünftig, warum hochwertiges Kinderfernsehen — also die Art Fernsehen, die über die Tragödien berichtet, die in den besten Familien vorkommen — für uns alle wichtig ist, auch wenn es teuer sein mag. +Er läd uns in eine gemeinsame Wirklichkeit ein. +Auf der anderen Seite des Tisches hört Senator Pastore bewusst zu und öffnet sich gegenüber dem Thema: laut, öffentlich und offiziell. +Senator Pastore gesteht Rogers: "Ich bin eigentlich ein ziemlich zäher Bursche, aber zum ersten Mal seit zwei Tagen hatte ich wieder Gänsehaut." Später ergänzte er: "Sieht aus, als hätten Sie sich gerade die 20 Millionen Dollar verdient." Wir brauchen noch mehr wie Herr Rogers: Leute mit den technischen Fähigkeiten zum Debattieren und Überzeugen. +Doch auf der anderen Seite des Verhandlungstisches brauchen wir noch sehr viele wie Senator Pastore. +Der Zauber des Debattierens beinhaltet die Möglichkeit, gleichzeitig Herr Rogers und Senator Pastore sein zu können. +Wenn ich mit den Teams zusammenarbeite, von denen ich zuvor sprach, bitte ich sie zu Beginn, sich erst der Möglichkeit hinzugeben, falschliegen zu können. +Sie sollen mir und den anderen erklären, wie sie umzustimmen wären. +Dabei geht es nicht die Übung, nur um die Grundhaltung. +Wenn Sie einmal überlegen, was nötig wäre, um Ihre Meinung zu ändern, fragen Sie sich bald, warum Sie sich zu Beginn so sicher waren. +Es gibt so vieles, das uns das Debattieren lehren kann, wenn es um produktives Widersprechen geht. +Wir sollten das in unsere Arbeitswelt, unsere Konferenzen und unsere Stadtratssitzungen integrieren. +Das Prinzip des Debattierens kann die Art verändern, wie wir miteinander reden, und uns darin bestärken, aufhören zu reden und anfangen zuzuhören. +Dass wir aufhören abzulehnen und anfangen zu überzeugen. +Dass wir aufhören, Dinge abzustellen, und anfangen, offener zu werden. +Herzlichen Dank. (Applaus) + + +talks, climate change, Anthropocene, nature, biosphere, science, social change, energy, sustainability, pollution, education, potential, electricity, global issues, food, policy +Chad Frischmann +27793 +TED Talk Subtitles and Transcript: Was wenn wir nun der Atmosphäre mehr Treibhausgase entnehmen könnten als ihr hinzuzufügen? Dieses hypothetische Szenarium, bekannt als "Absenkung" ("drawdown"), ist unsere einzige Hoffnung zur Abwendung der Klimakatastrophe, sagt Stratege Chad Frischmann. In einem zukunftsweisenden Vortrag erzählt er von heute existierenden Lösungen für den Klimawandel -- übliche Maßnahmen wie die Nutzung erneuerbarer Energie und bessere Landbewirtschaftung genauso wie einige weniger bekannte Ansätze, wie Veränderungen bei der Nahrungsmittelherstellung, bessere Familienplanung und die Ausbildung von Mädchen. Erfahren Sie mehr darüber, wie wir den Klimawandel umkehren und eine Welt schaffen können, wo Regeneration, und nicht Zerstörung, die Regel ist. +Chad Frischmann: 100 Lösungen zur Abwendung des Klimawandels +Hallo. Ich möchte Ihnen ein Wort vorstellen, das Sie vielleicht noch nie gehört haben, aber das Sie kennen sollten: [Absenkung]. +Absenkung ist eine neue Handlungs- und Denkweise gegenüber globaler Erderwärmung. +Es ist ein Ziel für eine wünschenswerte Zukunft, eine Zukunft, in der die Umkehr der Erderwärmung möglich ist. +Absenkung ist der Zeitpunkt, an dem atmosphärische Konzentrationen von Treibhausgasen abzunehmen beginnen, von Jahr zu Jahr. +Einfacher gesagt, es ist der Zeitpunkt, an dem wir mehr Treibhausgase ausführen als wir in die Erdatmosphäre bringen. +Mir ist klar, dass der Klimawandel uns alle beunruhigt, aber der Klimawandel ist nicht das Problem. +Klimawandel ist der Ausdruck des Problems. +Es ist die Reaktion des Erdsystems, die uns sagt, was vor sich geht. +Das Problem ist globale Erderwärmung, ausgelöst durch die zunehmenden Konzentrationen an Treibhausgasen verursacht durch den Menschen. +Wie lösen wir nun das Problem? +Wie starten wir den Prozess der Umkehr der Erderwärmung? +Wir kennen nur den Weg der Absenkung, der Vermeidung von Treibhausgasen und der Reduktion der existierenden. Ich weiß. In Anbetracht der aktuellen Lage klingt das unmöglich, aber die Menschheit weiß schon, was zu tun ist. +Wir haben echte, funktionierende Technologien und Verfahren, die eine Absenkung erzielen können. +Und es passiert schon. +Wir brauchen eine schnellere Umsetzung und einen Wandel des Diskurses, von einem angstgesteuerten und konfusen, der nur zu Gleichgültigkeit führt, zu einem verständnisvollen und zuversichtlichen und dadurch einem mit Chancen. +Ich arbeite für "Project Drawdown". +In den letzten 4 Jahre haben wir, mit einem Team aus Forschern und Autoren aus der ganzen Welt, 100 Lösungen zur Umkehr der globalen Erderwärmung aufgezeichnet, untersucht und ausgearbeitet. +80 davon exisiteren schon heute, und zusammen genommen können diese 80 eine Absenkung erreichen. +Und 20 sind kommende Attraktionen, Lösungen in der Planung, und wenn sie online gehen, beschleunigen wir unseren Fortschritt. +Diese Lösungen sind umsetzbar, skalierbar und finanziell machbar. +Sie bewirken eines oder mehr von drei Dingen: ersetzen fossile Energiegewinnung durch saubere erneuerbare Quellen; reduzieren den Verbrauch durch technische Effizienz und Verhaltensänderung; und die CO2-Speicherung in Pflanzen und Erde durch einen Prozess, den wir alle in der Grundschule lernen, das Wunder der Photosynthese. +Durch eine Kombination dieser drei Mechanismen wird die Absenkung ermöglicht. +Wie gelangen wir dahin? +Hier ist die Kurzantwort. +Das ist eine Liste der 20 besten Lösungen, um den Klimawandel umzukehren. +Ich gehe jetzt ins Detail, aber nehmen Sie sich ein paar Sekunden für die Liste. +Es ist eine beliebige Auswahl, von Onshore-Windrädern bis zur Ausbildung von Mädchen, von pflanzenreichen Diäten bis zu Solardächern. +Fassen wir es etwas zusammen. +Rechts auf der Folie sehen Sie Angaben in Gigatonnen, oder Milliarden Tonnen. +Das stellt das CO2-Gesamtäquivalent dar, das der Atmosphäre entzogen wird, wenn weltweit die Lösung innerhalb von 30 Jahren umgesetzt wird. +Wenn wir an Klimalösungen denken, denken wir oft an Stromerzeugung. +Wir denken an erneuerbare Energien als wichtigsten Teil der Lösung, und sie sind unglaublich wichtig. +Aber als erstes muss man an der Liste erkennen, nur 5 der 20 wichtigsten Lösungen sind energiebezogen. +Was uns ehrlich überrascht hat, dass 8 der 20 wichtigsten Lösungen auf das Nahrungssystem bezogen sind. +Die Klimafolgen von Nahrung mag viele Menschen überraschen, aber diese Ergebnisse zeigen, dass unsere täglichen Entscheidungen, bezüglich der Nahrung, die wir produzieren, kaufen und konsumieren, wohl die wichtigsten Beiträge sind, die jeder einzelne zur Umkehr des Klimawandels leisten kann. +Flächennutzung ist auch sehr wichtig. +Der Schutz von Wäldern und Feuchtgebieten sichert, vergrößert und schafft neue Kohlenstoffsenken, die CO2 direkt verringern. +So kann die Absenkung gelingen. +Nehmen wir Nahrung und Flächennutzung zusammen, beziehen sich 12 der 20 wichtigsten Lösungen darauf, wie wir Land nutzen. +Das verschiebt traditionelles Denken über Klimalösungen grundlegend. +Aber kommen wir zur Spitze der Liste, denn das wird Sie wohl auch überraschen. +Die wirkungsvollste Lösung, gemäß dieser Analyse, wäre die Kälteerzeugung, oder Umgang mit und Entsorgung von FCKW, Fluorcholenwasserstoffen, die von Kühlschränken oder Klimaanlagen genutzt werden. +Mit dem Montreal-Protokoll haben wir tolle Arbeit geleistet, um die FCKW-Produktion zu begrenzen, wegen deren Auswirkung auf die Ozonschicht. +Aber sie wurden durch Hydrofluorkarbonat ersetzt, die hundert- bis tausendmal wirksamere Treibhausgase sind als Kohlendioxid. +Der Rückgang um 90 Gigatonnen ist eine vorsichtige Schätzung. +Stünden wir für den Einfluss des Kigali-Abkommens von 2016 ein, das die Abkündigung von Hydrofluorkarbonaten fordert, und würden sie durch existierende natürliche Kältemittel ersetzen, könnten diese Zahlen um 120 bis ca. 200 Gigatonnen an vermiedenen Treibhausgasen zunehmen. +Vielleicht wundern Sie sich, so wie wir damals. +Bevor wir in die Detail bestimmter Lösungen gehen, vielleicht fragen Sie sich, wie wir zu diesen Berechnungen kamen. +Zuerst haben wir viele Daten erhoben, und mittels statistischer Analysen Variationsbreiten erstellt, die uns erlauben, angemessene Entscheidungen zu treffen, für jeden Eintrag innerhalb der Modelle. +Wir wählten einen vorsichtigen Ansatz, der dem gesamten Projekt zugrunde liegt. +All die Daten werden in das Modell eingegeben, ambitioniert, aber plausibel in die Zukunft projiziert und mit dem verglichen, was wir sowieso machen müssten. +Die 84 Gigatonnen, die wir beispielsweise durch Onshore-Windräder sparen, stammt aus Elektrizität aus Windfarmen, die ansonsten durch Kohle- oder Gaskraftwerke produziert worden wäre. +Wir berechnen alle Kosten, um Anlagen zu bauen und zu betreiben, und alle enstehenden Emissionen. +Der gleiche Prozess erfolgt beim Vergleich von Recycling gegenüber Deponierung, regenerativer gegenüber industrieller Landwirtschaft, beim Schutz gegenüber der Abholzung unserer Wälder. +Die Ergebnisse werden dann in und über die Systeme hinweg integriert, um Doppelzählung zu vermeiden, und aufsummiert, um zu sehen, ob die Absenkung wirklich erreicht wird. +Okay, jetzt betrachten wir mal konkrete Lösungen. +Auf dem 10. Platz stehen Solardächer. +Wenn wir uns Solardächer vorstellen, malen wir uns häufig ein Lagerhaus aus, das ganz mit Solarpanelen bedeckt ist. +Aber diese Lösugen sind relevant für den städtischen und ländlichen Raum, Länder mit hohen und niedrigen Einkommen, und sie bringen Vorteile mit sich. +Das ist eine Familie auf einer Strohinsel auf dem Titicacasee wie sie ihr erstes Solarpaneel erhalten. +Früher wurde Kerosin zum Kochen und zur Beleuchtung genutzt, Kerosin auf einer Strohinsel. +Durch die Solar-Installation reduziert diese Familie nicht nur Emissionen, sie sorgt auch für die Sicherheit ihres Haushalts. +Tropische Regenwälder erzählen ihre eigene Geschichte. +Degradiertes Land in den Tropen zu schützen und die natürliche Regeneration zu erlauben, ist die Lösung Nummer 5 zur Umkehr der Erderwärmung. +Wir sehen Bäume als riesige Kohlestücke. +Das ist die jährliche Absenkung in Aktion, indem Kohlendioxid durch Photosynthese der Atmosphäre entzogen wird, verwandelt es sich in pflanzliche Biomasse und organisch gebundenes CO2 im Boden. +Wir müssen überdenken, wie wir Nahrung produzieren, um es nachhaltiger zu machen. +Man kann es auf viele Arten tun und wir haben über 13 davon untersucht, aber das ist keine neue Art der Nahrungsproduktion. +Sie werden seid Jahrhunderten, seit Generationen ausgeübt. +Aber sie werden immer mehr von moderner Landwirtschaft verdrängt, was Ackerbau, Monokultur und den Einsatz von synthetischen Düngern und Pestiziden fördert, die Boden zerstören und ihn zum Nettoemittenten von Treibhausgasen machen. +Nachhaltige Landwirtschaft dagegen stellt die Bodengesundheit und -produktivität wieder her, erhöhen den Ertrag, verbessert die Wasseraufnahme, nützt Kleinbauern genauso wie Großbetrieben und führt den CO2 wieder dem Boden zu. +Das ist ein Win-Win-Win-Win-Win. +(Gelächter) +Es geht nicht nur um Nahrungsproduktion, sondern darum, was wir konsumieren, das einen massiven Einfluss auf die Klimaerwärmung hat. +Eine pflanzenreiche Diät ist keine vegane oder vegetarische Diät, obwohl ich jedem Respekt zolle für diese Entscheidung. +Es ist eine gesunde Diät, in Bezug darauf, wie viel wir essen, insbesondere wie viel Fleisch wir essen. +In den reicheren Teilen der Welt konsumieren wir zu viel. +Einkommensschwache Länder dagegen zeigen eine unzureichende Kalorien- und Proteinzufuhr. +Das erfordert eine Neujustierung, und bei dieser Neujustierung wird eine pflanzenreiche Diät zur Lösung Nummer 4, um den globalen Klimawandel umzukehren. +Zudem wird etwa ein Drittel der produzierten Nahrung nicht gegessen, und verschwendet Nahrungsmittel macht 8% des globalen Treibhausgases aus. +Wir müssen sehen, wo in der Versorgungskette die Verluste und Abfälle entstehen. +Verlässt die Nahrung in Niedriglohnländern die Farm, wird die meiste Nahrung frühzeitig in der Lieferkette aufgrund der Infrastruktur- und Lagerprobleme. +In Niedriglohnländern wird Nahrung nicht durch Verbraucher verschwendet, dort kämpfen sie darum, ihre Bevölkerung zu ernähren. +In Industrieländern wird Nahrung nach dem Verlassen der Farm dagegen meist am Ende der Versorgungskette vergeudet, durch Märkte und Verbraucher, und vergeudete Nahrungsmittel landen in der Deponie, wo sie bei der Zersetzung Methan ausstoßen. +Die Konsumenten haben das Wahlproblem. +Es ist keine Technologiefrage. +Lebensmittelverschwendung von Beginn an zu vermeiden, ist Lösung Nummer 3. Aber hier kommt das Interessante. +Wenn wir das Nahrungssystem ganzheitlich sehen, alle Produktionslösungen umsetzen, wie regenerative Landwirtschaft, eine pflanzenreiche Diät befolgen und Nahrungsverschwendung reduzieren, zeigt unsere Forschung, auf heutigen Agrarflächen produzieren wir genug Nahrung für eine gesunden, nahrungsreichen Diät für die wachsende Weltbevölkerung, von jetzt bis 2050 und darüber hinaus. +Wir müssen also keine Wälder abholzen zur Nahrungsmittelerzeugung. +Die Lösungen zur Umkehr des Klimawandels lösen auch die Ernährungsunsicherheit. +Eine Lösung, über die nicht genug geredet wird: Familienplanung. +Indem Männer und Frauen wählen können, wann, wie und ob sie eine Familie gründen, durch Reproduktionskliniken und Aufklärung, Zugang zu Verhütung und Freiheit ohne Strafverfolgung, kann die geschätzte Weltbevölkerung bis 2050 verringert werden. +Eine geringere Bevölkerung heißt verminderte Nachfrage nach Elektrizität, Nahrung, Reisen, Gebäuden und allen anderen Ressourcen. +All die Energie und Emissionen, die für die höhere Nachfrage gebraucht werden, wird reduziert indem man das menschliche Grundrecht garantiert, zu wählen, wann, wie und ob man eine Familie gründet. +Aber Familienplanung geht nicht ohne gleichen Zugang zu Bildung, für Mädchen, denen der Zugang zurzeit verweigert wird. +Wir haben uns hier diese Freiheit genommen, denn der Einfluss universaler Bildung und Ressourcen für die Familienplanung sind so untrennbar miteinander verbunden, dass wir es meist mittig aufteilen. +Aber zusammen genommen, Mädchenaufklärung und Familienplanung, ist die Lösung Nummer 1, um den Klimawandel umzukehren, wodurch ca. 120 Milliarden Tonnen an Treibhausgasen reduziert werden. +Ist die Absenkung also machbar? Die Antwort ist, ja, es ist möglich, aber wir brauchen alle 80 Lösungen. +Es gibt keine Teillösungen oder Wunderwaffen, die uns dorthin bringen werden. +Die besten Lösungen bringen uns weit, aber es gibt keine kleine Lösung. +Wir brauchen alle 80. Aber das Tolle daran ist: Wir würden diese Lösungen umsetzen wollen, ob Klimawandel ein Problem wäre oder nicht, da sie Vorteile für das menschliche und planetarische Wohlergehen haben. +Erneuerbarer Strom führt zu umfassendem Zugang zu sauberer Energie für alle. +Eine pflanzenreiche Diät und weniger Nahrungsverschwendung führt zu einer gesunden Weltbevölkerung mit genug Nahrung. +Familienplanung und Ausbildung von Mädchen? +Hier geht es um Menschenrechte, um Gleichstellung. +Es geht um ökonomische Verbesserung und Wahlfreiheit. +Es geht um Gerechtigkeit. +Regenerative Landwirtschaft, Heidebewirtschaftung, Waldfeldbau, stellt die Bodengesundheit wieder her, nützt Landwirten und bringen Kohlenstoff in den Boden zurück. +Der Schutz unseres Ökosystems schützt auch die Artenvielfalt und sichert die planere Gesundheit und den Sauerstoff, den wir atmen. +Die konkreten Vorteile für alle Spezies sind unschätzbar. +Noch ein letzter Punkt, denn das beschäftigt sicher alle; wie viel wird das kosten? +Wir schätzen die Umsetzung aller 80 Lösungen wird etwa 29 Billionen Dollar innerhalb von 30 Jahren kosten. +Das sind nur ca. 1 Billon jährlich. +Das klingt sicher nach sehr viel, aber wir dürfen nicht vergessen, jährlich beträgt das globale BIP über 80 Billionen, und die geschätzten Einsparungen durch die Umsetzung der Lösungen sind 74 Billionen Dollar, mehr als doppelt so viel. +Das sind Nettoersparnisse von 44 Billionen Dollar. +Die Absenkung ist also möglich. Wir können es, wenn wir es wollen. +Es wird nicht so viel kosten und die Investitionsrendite ist enorm. +Hier die erfreuliche Überraschung: Wenn wir diese Lösungen umsetzen, ändern wir die Art, wie wir Geschäfte machen, von einem inhärent ausbeuterischen System zu einer neuen Normalität, die von Natur aus regenerativ ist. +Wir müssen unsere globalen Ziele überdenken, um über Nachhaltigkeit hinaus zu Regeneration zu gelangen, und unterwegs die globale Erwärmung umzukehren. +Danke. +(Applaus) + + +talks, climate change, environment, sustainability, politics, education, society, social change, pollution, Anthropocene +Greta Thunberg +32560 +TED Talk Subtitles and Transcript: In diesem leidenschaftlichen Weckruf erzählt die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg, wie sie im August 2018 die Schule verließ und einen Streik organisierte, um das Bewusstsein für die globale Erwärmung zu schärfen. Mit ihrer Protestaktion vor dem schwedischen Parlament erregte sie weltweit Aufmerksamkeit. "Die Klimakrise ist schon gelöst. Wir kennen schon alle Fakten und Lösungen", sagt Thunberg. "Jetzt müssen wir nur noch aufwachen und aktiv werden." +Greta Thunberg: Ein eindringlicher Appell, schnellstens gegen den Klimawandel vorzugehen +Als ich ungefähr 8 Jahre alt war, hörte ich zum ersten Mal vom Klimawandel und von globaler Erwärmung. +Offenbar hatten das Menschen durch ihre Lebensweise gemacht. +Mir wurde gesagt, ich solle das Licht ausmachen, um Energie zu sparen, und Papier wiederverwenden, um Ressourcen zu sparen. +Ich erinnere mich, dass ich es sehr seltsam fand, dass Menschen, die eine Tierart von vielen sind, dazu fähig sind, das Erdklima zu verändern. +Denn wenn wir es wären und es tatsächlich geschah, dann würden wir doch über nichts anderes mehr sprechen. +Im Fernsehen würde es nur darum gehen. +Schlagzeilen, Radio, Zeitungen — wir würden von nichts anderem hören oder lesen, so als wäre ein Weltkrieg ausgebrochen. +Aber niemand sprach darüber. +Wenn das Verbrennen fossiler Brennstoffe so schädlich war, dass es unsere Existenz bedrohte, wie konnten wir dann so weitermachen wie bisher? +Warum gab es keine Beschränkungen? +Warum wurde es nicht verboten? +Für mich ergab das keinen Sinn. +Es war zu unwirklich. +Mit 11 Jahren wurde ich krank. Ich bekam Depressionen. Ich hörte auf zu sprechen und zu essen. +Innerhalb von zwei Monaten verlor ich etwa 10 kg Gewicht. +Später bekam ich die Diagnose Asperger-Syndrom, Zwangsstörungen und selektiver Mutismus. +Im Grunde bedeutet es, dass ich nur spreche, wenn ich es für nötig halte. Jetzt ist einer dieser Momente. +(Lachen) (Applaus) +Für Menschen mit einer Form von Autismus ist fast alles schwarz oder weiß. +Wir können nicht gut lügen und meist nehmen wir ungern am sozialen Leben teil, das alle anderen so zu mögen scheinen. +(Lachen) +In vielerlei Hinsicht scheinen Autisten die Normalen und die anderen ziemlich seltsam zu sein. +(Lachen) +Besonders beim Thema Nachhaltigkeit, über das jeder sagt, der Klimawandel sei eine existentielle Bedrohung und das wichtigste Thema von allen, machen alle weiter wie bisher. +Ich verstehe das nicht, denn wenn Emissionen gestoppt werden müssen, dann müssen wir sie stoppen. +Ich sehe das schwarz-weiß. +Es gibt keine Grauzonen, wenn es um das Überleben geht. +Entweder bestehen wir als Zivilisation weiter oder nicht. +Wir müssen uns ändern! +Reiche Länder wie Schweden müssen anfangen, die Emissionen wenigstens um 15% pro Jahr zu verringern. +Nur so bleiben wir unter einer Erwärmung von 2 Grad. +Doch wie der Weltklimarat kürzlich zeigte, könnten wir mit einem Ziel von 1,5 ° Celsius stattdessen die Folgen für das Klima deutlich reduzieren. +Wir können uns denken, was das für die Verringerung von Emissionen bedeutet. +Man sollte meinen, die Medien und sämtliche Politiker würden über nichts anderes reden. Aber sie erwähnen es nicht einmal. +Auch nicht, dass Treibhausgase bereits im System eingeschlossen sind. +Oder dass Luftverschmutzung eine Erwärmung versteckt, sodass wir beim Verbrennungsstopp fossiler Brennstoffe bereits eine zusätzliche Erwärmung von vielleicht sogar 0,5 bis 1,1 ° Celsius haben. +Außerdem spricht kaum jemand darüber, dass wir uns mitten im sechsten Massenaussterben befinden. Bis zu 200 Arten sterben tagtäglich aus. Arten sterben heute 1.000-mal bis 10.000-mal schneller aus als normal. +Auch spricht kaum jemand über den Aspekt der Klimagerechtigkeit, welche im Pariser Abkommen überall erwähnt wird und die absolut erforderlich ist, damit es global funktioniert. +Es bedeutet, reiche Länder müssen ihre Emissionen innerhalb von 6 bis 12 Jahren auf Null reduzieren müssen. +So bekommen Menschen in ärmeren Ländern die Chance, ihren Lebensstandard durch den Aufbau einer Infrastruktur zu verbessern, die wir bereits haben, wie Straßen, Schulen, Krankenhäuser, sauberes Trinkwasser, Elektrizität und so weiter. +Denn wie können wir von Ländern wie Indien oder Nigeria verlangen, sich um die Klimakrise zu kümmern, wenn wir, die schon alles haben, uns keine Sekunde darum kümmern oder um unsere konkreten Zusagen zum Pariser Abkommen? +Warum also reduzieren wir unsere Emissionen nicht? +Warum steigen sie stattdessen immer noch? +Verursachen wir absichtlich ein Massenaussterben? Sind wir böse? Nein, sicher nicht. +Die Menschen machen weiter, weil ein Großteil keine Ahnung vor den Folgen unseres Alltagslebens hat. Sie wissen nicht, dass ein schneller Wandel notwendig ist. +Wir alle denken, wir wüssten es, und wir alle denken, jeder wüsste es, aber so ist es nicht. +Wie könnten wir das auch? +Wenn es wirklich eine Krise gäbe, die durch unsere Emissionen verursacht würde, müssten man wenigstens einige Anzeichen sehen. +Nicht nur überflutete Städte, zehntausende Tote und ganze Länder voller Trümmer aus abgerissenen Gebäuden. +Man würde Beschränkungen sehen. Aber nein. Und niemand spricht darüber. +Es gibt keine Notfallversammlungen, keine Schlagzeilen, keine aktuellen Nachrichten. +Niemand handelt, als wären wir in einer Krise. +Sogar die meisten Klimaforscher und grünen Politiker fliegen rund um die Welt, essen Fleisch und Milchprodukte. +Wenn ich 100 Jahre alt werde, werde ich im Jahr 2103 leben. +Wenn Sie heute über die Zukunft nachdenken, denken Sie nicht über das Jahr 2050 hinaus. +Im besten Fall habe ich dann nicht einmal die Hälfte meines Lebens hinter mir. +Was geschieht danach? Im Jahr 2078 feiere ich meinen 75. Geburtstag. +Wenn ich Kinder oder Enkelkinder habe, verbringen sie vielleicht den Tag mit mir. +Vielleicht fragen sie mich nach Ihnen, den Menschen, die im Jahr 2018 lebten. +Vielleicht fragen sie, warum Sie nichts taten, als Ihnen noch Zeit dafür blieb. +Was wir jetzt tun oder nicht tun, betrifft mein ganzes Leben und das Leben meiner Kinder und Enkelkinder. +Was wir jetzt tun oder nicht tun, können ich und meine Generation in Zukunft nicht ungeschehen machen. +Also beschloss ich zum Schulbeginn im August, dass es jetzt reicht. +Ich setzte mich vor dem schwedischen Parlament auf den Boden. +Ich machte Schulstreik für das Klima. +Manche Leute sagen, ich solle stattdessen zur Schule gehen. +Manche Leute sagen, ich solle lernen, damit ich als Klimaforscherin "die Klimakrise lösen" kann. Aber die Klimakrise ist bereits gelöst. +Wir kennen alle Fakten und die Lösungen. +Wir müssen nur noch aufwachen und etwas ändern. +Und warum soll ich für eine Zukunft lernen, die bald nicht mehr da ist, wenn niemand etwas tut, um diese Zukunft zu retten. +Was bringt es, Fakten im Schulsystem zu lernen, wenn die wichtigsten Fakten, die von der Wissenschaft aus dem gleichen Schulsystem kommen, offensichtlich nichts für unsere Politiker und unsere Gesellschaft bedeuten? +Einige Leute sagen, Schweden sei nur ein kleines Land und es spiele keine Rolle, was wir tun. Aber wenn ein paar Kinder weltweit Schlagzeilen machen können, nur weil sie einige Wochen nicht zur Schule gehen, stellen Sie sich vor, was wir zusammen tun könnten, wenn wir wollen. +(Applaus) +Jetzt sind wir fast am Ende meiner Rede und hier fangen die Meisten an, über Hoffnung zu reden: Solarmodule, Windkraft, Kreislaufwirtschaft und so weiter, aber ich werde das nicht tun. +Es gab 30 Jahre lang Aufmunterungen und positive Ideen. +Es tut mir leid, aber es funktioniert nicht. +Hätte es funktioniert, wären die Emissionen inzwischen zurückgegangen. Sie sind es aber nicht. Ja, wir brauchen Hoffnung, sicher brauchen wir sie. +Aber noch mehr als Hoffnung brauchen wir Taten. +Sobald wir handeln, ist Hoffnung überall. +Statt also nach Hoffnung zu suchen, suchen Sie nach Handlungsmöglichkeiten. +Dann, und nur dann, wird Hoffnung kommen. +Heute verbrauchen wir tagtäglich 100 Millionen Barrel Öl. +Die Politik ändert daran nichts. +Es gibt keine Regeln, das Öl im Boden zu lassen. +Wir können die Welt nicht retten, indem wir die Regeln einhalten, denn die Regeln müssen geändert werden. +Alles muss sich ändern. Und es muss heute beginnen. +Vielen Dank. +(Applaus und Jubel) + + +